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Mercedes F-Cell Word Drive Tag 35

Und wieder nur Fliegen

F-Cell World Drive Foto: Hersteller 29 Bilder

Am 35. Tag fährt der Mercedes F-Cell World Drive durchs Outback Australiens. Fliegen halten die Teilnehmer auf Trab. Und auch das deutsche Team sieht fast den Boden der Wasserstofftanks.

07.04.2011 Markus Stier

Das war ein Schreck in der Morgenstunde. Brad hat gerade erst mal eine Tasse Glasscherben und Splitter vom Sitz gekratzt, der Einschlag kam auf der Beifahrerseite. Da liegt das Cockpit ihres Kenworth-Trucks schon auf 2,50 Metern Höhe, zum Schutz ist neben dem mächtigen Känguruh-Fänger am unteren Fensterrand auch ein Gitter gegen Vögel angebracht, aber der Treffer lag noch ein Stückchen höher. „Das war ein Adler“, sagt Ray, der am Steuer saß. Brad meint, sie hätten noch Glück gehabt: „Manchmal, wenn sie ins Cockpit schlagen, leben sie noch.“

Eine neue Scheibe für den Truck

Ray geht jetzt erst einmal eine neue Scheibe organisieren, und das hat auch David in unserer B-Klasse getan. Der Fernseh-Produzent einer Autosendung aus Washington ist ein gemütlicher und netter Kerl und ein bisschen unheimlich. Er kann nämlich zu jedem Ereignis sofort die passende Musik aus der Bordanlage laufen lassen, ohne einen Finger zu rühren. Als wir nach dem Treffen mit Ray und Brad von dem Truckstopp bei Kalanbi losrollen, spielen plötzlich die Eagles.

Der zweite Zwischenfall ereignet sich in Fowlers Bay. Gerade, als wir zehn Kilometer abseits der Straße in das Kaff einrollen, stimmen die Eagles just in dem Moment „There’s a new kid in town“ an. Town ist allerdings ein großes Wort. Der englische Entdecker Matthew Flinders benannte die weite Bucht im Süden nach seinem ersten Offizier Robert Fowler. Heute besteht Fowlers Bay aus einer überschaubaren Häuseransammlung. Die Touristen nennen das Gebiet „Die Wow-Dünen“, denn das Nest ist eingekesselt von hell leuchtenden Sandbergen. „Immer wenn sie an der Straße über den letzten Hügel kommen“, sagen alle: Wow“, sagt die Kiosk-Verkäuferin. 

Keine Mandeln in den Wow-Dünen

Sie hat eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute lautet: „Willst du nicht ein Eis.“ Fantastische Idee, aber die schlechte Botschaft folgt auf dem Fuße: „Mandel ist aus.“ Nun gut, bei 30 Grad im Schatten muss es auch mal ein ganz gewöhnliches Magnum tun. Der Verkaufsrenner Nummer eins ist allerdings kein Milchspeiseeis mit Schokolade, sondern tragbare Fliegengitter. Plötzlich sind alle möglichen bekannten Gesichter nur mehr wage Schemen unter schwarzem Trauerflor. Wir sind im Outback, und außer uns 824 Myriarden Fliegen. Die kleinen Biester kriechen dir sofort in jede Körperöffnung, die frei ist, auf der Suche nach Salz und Schmalz, und was weiß ich noch alles.

Fliegengitter für Mensch und Maschine 

Selbst die Brennstoffzellen-Autos tragen vorn Trauerflor. Die Techniker haben keine Lust, noch mal wie gestern sämtliche Kühler frei zu kratzen. Trotz der Reinigungsarbeiten fühlte sich unsere Mercedes B-Klasse F-Cell am Morgen nicht wohl. Ein rotes Warndreieck erschien nach dem Drehen des Zündschlüssels im Zentraldisplay. „Sofort Motor ausschalten“, befahl die Elektronik.

Kurz danach in kaum gemäßigtem Ton der Befehl: „Werkstatt aufsuchen“. Das soll sich erst mal ein Profi anschauen. Der erstbeste Techniker lässt die Fehlermeldung einfach per Knopfdruck verschwinden und meint, das kann schon nicht so schlimm sein, man werde sich das am Mittag mal in Ruhe ansehen. Hoffentlich hat es nichts mit der losen Schraube zu tun, die im Beifahrerfußraum herumkullert. David vermutet aber, dass die eher der Autor dieser Zeilen locker haben könnte. Ich wüsste nicht, dass dieser Typ von Kreuzschlitzschrauben bei mir verbaut wurde, aber bei diesem Ungeziefer-Geschwirre um den Schädel ist es ja kein Wunder, wenn im Kopf die Schaltplatinen porös werden.

Stachelrochen haben's gut

Könnte man doch einer dieser erhabenen Stachelrochen sein, die den ganzen Tag in türkisfarbenem Wasser umhersegeln, und denen höchstens mal ein fetter Lachs in die Quere kommt. Einige Kollegen haben vorhin angeblich Seelöwen und sogar einen Pinguin gesehen, einer der Angler weist auf den Horizont, wo kurz die Rückenflosse eines Delphins aus dem Wasser lugt.

Wir lugen 50 Kilometer vor der Mittagsrast regelmäßig auf die Verbrauchsanzeige, denn die Straße verläuft zwar meist schnurgerade, und Verkehr gibt es auch kaum, aber die Gegend präsentiert sich als ausgesprochen wellig, und das ist nicht gut. Noch dazu war der Abstecher nach Fowlers Bay nicht auf der ursprünglichen Route eingeplant. Während das Roadbook noch überschaubare 276 Kilometer bis zur Zapfsäule verspricht, stellt sich kurz vor dem Ziel heraus, dass es eher knapp 300 sind. 

Treibstoff wird knapp - aber er reicht

Doch nachdem die chinesische Gruppe am Vortag den Tank komplett geleert und doch das Ziel erreicht hat, fallen auch bei uns die Hemmschwellen. Ohne die sonst vorgehaltene Sicherheitsreserve von etwa 30 Kilometern rollen wir mit Tempo 100 bis 120 dem Ziel entgegen. Bis vor wenigen Minuten waren wir noch das letzte Auto. „Das ist nicht gut“, hat David gesagt, und er hat recht. Denn die Letzten kriegen bei der Mittagspause zuweilen nur noch die Reste.

Doch nun taucht vor uns das Auto der gestern frisch eingetroffenen Gruppe aus Hongkong auf. Die asiatischen Kollegen starren allesamt gebannt auf die Restwasserstoffanzeige und den Verbrauch im Commandsystem. Sie sind die Strecke zu schnell angegangen und müssen nun abreißen lassen. Und so rollen wir stolz mit knapp zehn Gramm Wasserstoff an die Tankstelle.

Outback-Barbecue mit Fliegen

Es gibt noch reichlich zu essen, leider auch für die Fliegen. Zwischen Ketchupflasche und Senf steht das, was bei Outback-Barbecues unverzichtbar ist: Insektenspray. Nicht dass es etwas helfen würde. Zu den nervigen, aber harmlosen kleinen Biestern gesellen sich leider auch ein paar große. Alle paar Sekunden versucht eine Bremse, zum Biss anzusetzen. Besonders die Kollegen mit kurzen Hosen haben ein hartes Leben. So eilig hatte es jedenfalls noch keine Gruppe beim Lunchbreak.

Leitfaden zur Walbeobachtung

Wir wollen aber auch deshalb weiter, weil Phil uns am Point of Bight den Ausblick auf phantastische Steilklippen und Wale versprochen hat. Zur Walbeobachtung hier ein paar nützliche Hinweise: Springt ein Wal aus dem Wasser, um sich kurz darauf mit Karacho in die See platschen zu lassen, versucht er damit erstens, seinen Artgenossen etwas mitzuteilen, zweitens wird er so tote Hautschuppen los.

Schwimmen die Weibchen mit dem Bauch nach oben sind sie nicht tot. Sie tun nur so, um sich lästiger männlicher Annäherungsversuche oder saugsüchtiger Kälbern zu entledigen. Lugen die Wale mit den Köpfen senkrecht aus dem Wasser, bedeutet das nicht nur, dass sie sich einen Überblick über die Umgebung verschaffen wollen. Geht ein Wal auf Sehrohrtiefe, kann das auch ein Zeichen von Aggression sein. Ob australische Wale dann auch Torpedos abfeuern, ist nicht überliefert. Heben die Tiere die Schwanzflosse aus dem Wasser, können sie bei Rückenwind auch ein bisschen segeln. Die Brustflossen dienen dann nur dazu, den Körper in der Waage zu halten. 

Zu früh - im Herbst gibt's noch keine Wale am Point of Bight

Warum wir das alles hier in dieser Ausführlichkeit behandeln? Weil Sie vielleicht dann ordentlich vorbereitet sind, wenn Sie im Urlaub hier vorbeikommen - in einem oder zwei Monaten. Wir müssen uns nämlich von der Kassiererin am Aussichtspunkt anhören, dass wir für die Walbeobachtung viel zu früh dran sind. „Die kommen erst im Winter.“ Natürlich müssen wir trotzdem fünf Dollar Eintritt berappen, wenn wir nur die Klippen sehen wollen.

Trotz einer weiteren Enttäuschung, was das sichten wilder Tiere angeht, war es ein schöner Tag. Wir haben einen Teil des Nullarbors durchquert, was nicht wie Wagga Wagga oder Wallaby ein Aborigine-Wort ist sondern Latein und schlicht „null Bäume“ bedeutet. Tatsächlich ragen seit 200 Kilometern nur Sträucher und Büsche und ab und zu ein krüppeliger Eukalyptus aus der Landschaft. Die höchsten Erhebungen sind die Trucks, die mit einschüchternder Druckwelle an uns vorbeirauschen.

Wir haben die Staatsgrenze nach West Australia überquert, sind direkt in den Sonnenuntergang geritten und in Eucla eingefallen. Dies ein Dorf zu nennen, wäre die Übertreibung des Jahres. Mit unserer Truppe haben wie die Einwohnerzahl von 50 mal eben verdoppelt. Weil es im einzigen Motel nicht genug Zimmer gibt, sind einige Mitarbeiter in Zelten einquartiert worden. Nicht allen ist dabei wohl. Angeblich gibt es hier giftige Schlangen. Aber das kennen wir ja schon. Man verspricht uns wilde Tiere, und am Ende gibt es wieder nur Fliegen.

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