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Mercedes F-Cell World Drive

Der Schwindel von Cape Canaveral

Mercedes F-Cell World Drive, Mercedes B-Klasse, 2011 Foto: Daimler 30 Bilder

Beim F-Cell World Drive schickt Mercedes drei Brennstoffzellen-Autos der Mercedes B-Klasse rund um die Welt. auto motor und sport ist exklusiv auf der ganzen Tour dabei. Die 11. Etappe führt von Fort Lauderdale nach Jacksonvill. Doch der erste Tag in Florida beginnt mit Stress. Beim Start des Space Shuttle gab es wieder mal Probleme, außerdem ist Wagen eins verschollen. Muss man denn alles selbst machen?

26.02.2011 Markus Stier

Schlampige Fliesenleger

Es sollte nach 133 Missionen der vorletzte Start eines Space Shuttles sein. Vor 40.000 Zuschauern hob die Discovery zu ihrem letzten Sprung in den Orbit ab. Ein wunderbarer, ja majestätischer Anblick. Ein Augenblick zum Zurücklehnen und Genießen, zu welchen Großtaten der menschliche Geist fähig ist. Ja und was ist das? Nasa-Kameras haben entdeckt, dass wieder mal irgendwelche Teile des Raumschiffs abgefallen sind, als die Feststoffraketen der Booster die betagte Dame in den Himmel schoben. Nun wird spekuliert, ob wieder mal Hitzekacheln nicht richtig befestigt waren. Schwer zu sagen, ob es beruhigend oder erschütternd ist, dass es in Amerika genau wie hierzulande unglaublich schwierig ist, einen ordentlichen Fliesenleger zu finden

Wir sind auf dem Weg nach Norden, um auf Cape Canaveral nach dem Rechten zu sehen. Wir haben die bisher längste Etappe der gesamten Tour zu bewältigen. 320 Kilometer sind es bis zum Tankplatz am Kennedy Space Center. Wir sitzen im Führungsauto mit Konvoichef Stefan Reiff, der aus Sicherheitsgründen Kolonne Fahren hinter dem Safetycar vorgesehen hat.

Drei quietschgelben Mini-Mercedes fallen auf

Der Amerikaner frönt auf der Interstate 95 ungebrochen seiner Leidenschaft für antiquierte V8-Motoren und überdimensionierte Pickups. Aber dazwischen finden sich auch immer mehr kleinere Autos mit japanischen oder deutschen Markenlogos. Die drei quietschgelben Mini-Mercedes scheinen die einen einfach unglaublich niedlich zu finden, die anderen wie der Lenker des Toyota Prius mit dem Kennzeichen „Earth One“ sind offenbar begeistert über so viel Fortschritt auf ihren Straßen. Aber auch die Beifahrerin des rostigen Dodge Dakota Pickups mit Airbrush-Sternenbanner und Weißkopfseeadler auf der Heckklappe zückt den Fotoapparat. Hoffentlich nicht, um das Heimatschutzministerium anzurufen mit dem Hinweis, ob sie da eigentlich keine Ahnung haben, dass drei rollende Wasserstoffbomben auf dem Weg zu ihrem heiligen Weltraumbahnhof sind, um möglicherweise alles hochgehen zu lassen.
 
Beim Thema Wasserstoff ist der Amerikaner leicht unentspannt. Bei jedem Tankstopp in den nächsten drei Wochen muss der örtliche Fire-Marshal vor Ort sein, um ein Auge auf uns zu haben. Seine Leute führen Gaskonzentrationsmessungen in der Umgebung durch, was bei Windstärke drei ein bisschen schwierig sein dürfte.

Notfall? Dampf bei Wagen drei

Aber riecht das nicht ein bisschen seltsam in Wagen drei? Kurze Zeit später gibt es Entwarnung. Die Brennstoffzelle stößt, wie es sich gehört, nur heiße Wasserdampf in die ohnehin schon schwüle Luft des Sunshine-State. Die einzigen Emissionen sind die Ausdünstungen erkaltenden Fritierfetts. Bei der Pinkelpause im Burger King ist ein Kollege gleich einkaufen gegangen.

Wagen verschwindet vom Radar

Ja, es hätte so eine entspannte Fahrt sein können, wenn nicht nach einer knappen Stunde Wagen eins vom Radar verschwunden wäre. In so einem Fall sieht das Krisenhandbuch hektisches Telefonieren vor. Das gestaltet sich allerdings schwierig, denn die eigens organisierten amerikanischen Mobiltelefone sind dienstuntauglich. Eine Anrufstafette unter den Mercedes-Truppen bringt kein Ergebnis. Niemand hat Wagen eins in Sicht. Sind drei deutsche Blogger für immer in den Sümpfen Floridas verschollen?
 
Nach einer halben Stunde Entwarnung. Ein kleiner Navigationsfehler hat lediglich ein paar Minuten gekostet. Wagen eins ist wieder wohlbehalten zurück. Auch das Angstthema Reichweite löst sich Wohlgefallen auf. Bei Tempolimit 65 Meilen liegt der Verbrauch lange Zeit knapp unter einem Kilo Wasserstoff. Nach 320 Kilometern hätte unser Auto noch 70 Kilometer lang im Kreis um die Raketenabschussrampe rollen können.
 
Wir speisen aus der Lunchbox neben der Ruhmeshalle der Astronauten. Vor den Sitzbänken prangt ein Schild, dass hier nur Auszubildende des Weltraumprogramms Zutritt hätten. Zu unserer Enttäuschung gibt es aber keine exotischen Köstlichkeiten wie Boef Stroganoff aus der Tube oder die Creme-Brulée-Pille für die, die noch Nachtisch wollen, sondern bloß Sandwiches mit Tunfisch und Käse oder Wraps mit Salat.

Mondlandung war ein Schwindel

Die Hall of Fame liefert ungewollt den Beweis, dass die ganze Mondlandungsgeschichte doch nur ein Riesenschwindel war. Kleine Kinder und dicke Frauen bedienen die Schaltzentrale in Mission Control. Die Raumfähre Eagle hängt an der Hangardecke und Computer-Nerds hocken im Shuttle-Simulator und lassen es bei der Landung krachen. Neben den Portraits berühmter Astronauten gibt es zahlreiche Jahrmarktattraktionen für die Besucher wie die Mahlzeitenrückholspektrometer. Kann auch sein, dass Querbeschleunigungszentrifuge auf dem Schild stand. In jedem Fall hängt bei jedem zweiten Spielchen ein Schild mit der Aufschrift „Out of Order“. Wer soll den glauben, dass eine Nation, die nicht mal Kirmestechnik im Griff hat, zum Mond geflogen ist?
 
Einen Besuch wert ist allerdings der Museums-Laden, in dem es nützliche Dinge für den Alltag zu kaufen gibt. Wir erwerben ein paar feuerresistenter Nasa-Topflappen, um beim nächsten Tankvorgang dem Fire-Marshal zu demonstrieren, dass wir den Gefahren des Wasserstoffauffüllens nun mit amerikanischer Weltraumtechnologie begegnen.

Strandpause mit Trucks, Snacks und Girls

Die Fahrt auf schnurgerader Piste zum Etappenziel Jacksonville ist ein wenig ermüdend, und so bauen wir noch einen kleinen Abstecher nach Daytona Beach ein. Hier tummelt sich das Volk mitsamt seinen Autos auf dem Strand. An bunten Buden gibt es fettige Snacks, in bunten Bikins eingeölte Damen und schmierige Angebertypen in schwarzen Monstertrucks. Kurzum, es ist was los.
 
Ein Jüngling unterbricht sein Footballspiel, um uns in konspirativem Ton zu fragen: „Reines Wasser aus dem Auspuff? Jetzt mal ehrlich, mit welchem Gas fahrt Ihr wirklich?“ Da fällt uns eine Gegenfrage ein: „Unter uns: Ihr wart doch nicht wirklich da oben, oder?“

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