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Mercedes F-Cell World Drive

Nebel des Grauens

Mercedes F-Cell World Drive, Mercedes B-Klasse, 2011 Foto: Daimler 17 Bilder

Beim F-Cell World Drive schickt Mercedes drei Brennstoffzellen-Autos der Mercedes B-Klasse rund um die Welt. auto motor und sport ist exklusiv auf der ganzen Tour dabei. Am zwölften Tag rollt der Treck von der Ostküste Floridas nach Westen.

27.02.2011 Markus Stier

Ganz plötzlich steht er da und versperrt die Straße. Wie aus dem Nichts ist er aufgetaucht. Die Sonne steht längst hoch am Himmel, wo kommt er jetzt her und warum so massiv und undurchdringlich? Kurz davor warnte ein Schild, aber wer rechnet mit so etwas? Der erste Eindruck ist: Irgendwas ziemlich Großes muss in Flammen stehen, sonst entwickelt sich kein solch dichter Rauch. Aber falsch gedacht. Es ist tatsächlich Nebel, der sich wie eine wegelagernde Wand über der Interstate zehn Richtung Westen aufbaut.

Leichen säumen den Weg

Es ist ein gespenstisches Bild. Rechts und links der Schnellstraße erhebt sich dichter Wald. immer wieder rauschen Hunderte abgestorbener Stämme am Seitenfenster vorbei, ihre dürren, verkrüppelten Glieder wie warnende Finger in die Höhe hebend. In der Gegend von West-Florida, die die Vereinigten Staaten nach dem Kauf von Louisiana dreist gleich mitbeanspruchten, ist wenig los - zumindest heute. Vielleicht ist für die heutigen Menschen einfach nicht genügend Platz unter all den Geistern der Geschichte, die noch durch die Sümpfe wabern.

Ein Schild weist die Abfahrt zum Osceola National Forest, heute ein Naturschutzgebiet. Früher versteckte sich der berühmte Häuptling Osceola mit etwa 20.000 Indianern zeitweilig in dem undurchdringlichen Gebiet, um sich der Umsiedlung durch die Weißen zu widersetzen. Drei Kriege führte die junge USA mit Unterbrechungen über 41 Jahre gegen die Seminolen, eine Ansammlung kleiner Indianerstämme und etwa 5.000 „schwarzen Indianern“, in Wahrheit entlaufene Sklaven, die sich ebenfalls vor den weißen Häschern in den ausgedehnten Wäldern versteckten. Der längste und berühmteste Konflikt war der siebenjährige zweite Seminolenkrieg von 1835 bis 1842. Bis zu 40.000 Soldaten waren zeitweilig darin verwickelt, er kostete die Regierung 40 Millionen Dollar, eine für damalige Maßstäbe horrende Summe.

Spuk im ehemaligen Stammesgebiet

Selbst als der legendäre Anführer Osceola bei Waffenstillstandsverhandlungen in einen Hinterhalt gelockt und gefangen gesetzt wurde, ebbte der Konflikt nicht ab. Bis zum Vietnam-Konflikt kämpften die Vereinigten Staaten in keinem längeren Krieg. Osceola starb mit nur 34 Jahren in Gefangenschaft - möglicherweise an Malaria. Seitdem taucht er als Nebel mit seinem weitgehend ausgestorbenen Stamm aus dem Nichts auf und spukt durch das ehemalige Stammesgebiet.

Hauch der Geschichte

Ursprünglich stammte der berühmte Indianer aus Georgia, so wie Ray Charles, vor dessen Augen der Nebel im Alter von sieben Jahren auftauchte und sich dann für immer in Dunkelheit verwandelte. Charles erblindete im Alter von sieben an einem Glaukom, was ihn nicht davon abhielt, eine legendäre Musik-Karriere zu machen. Ein Hinweis-Schild verrät, dass der Mann, der Rythm & Blues, Country &Western und den Soul revolutionierte, in dieser Gegend seine Kindheit verbracht hat. Für einen Moment glaubt man im Nebel leise ein paar Damenstimmen zu hören, die uns „Hit the road, Jack“ zuraunen.

Der Druck steigt mit jedem Kilometer

Mancher im F-Cell-Tross kann derlei Feinheiten nicht hören, weil das Gebrüll der Blase alle anderen Geräusche deutlich übertönt. Am zweiten Tag der Amerika-Tour ist der Wasserstoffdruck auf der 490 Kilometer-Etappe in allen Autos jederzeit unter Kontrolle, auch der gestern noch mit homöopathischer Wasserstoffmenge von 170 Gramm beim Tankstopp einlaufende Wagen eins läuft auf der leeren Schnellstraße immer im grünen Bereich. Nur dem ein oder anderen steht das Gelbe schon in den Augen. Amerika verkauft zwar alle Nase lang Cola aus 1,5 Liter-Pappbechern, wo die Amerikaner diese Flüssigkeit später hinbringen bleibt ein Rätsel. Die Rastplätze sind, gemessen an der Entfernung, äußerst dünn gesät, einige Reisende schwören, sie hätten in der unteren Körperhälfte locker die 700 bar Tankdruck der Brennstoffzelle überboten.
 
Soll man einfach in die Büsche gehen? Schilder warnen, dass der Sheriff 500 Dollar kassiert, wenn er Reisende beim Werfen von Kaugummipapier auf den Straßenrand erwischt. Geschiedene Frauen dürfen sonntags in Florida nicht Fallschirmspringen, ist Pinkeln in der Öffentlichkeit ein Delikt auf das im Staat Florida noch die Todesstrafe steht? Dürfen Anwohner ihr Land mit Waffengewalt gegen flüssigen Hausfriedensbruch verteidigen?

Geschichte ist Nebensache

Irgendwann ist die Not größer als die Angst. Rechts taucht ein Feldweg auf, niemand ist zusehen. Kein Schuss fällt. Schließmuskel und Schulterblätter sind wieder entspannt, noch rund 100 Kilometer bis Defuniak Springs. Das von Frederick R. Defuniak, dem früheren Vizepräsidenten der Louisville & Nashville Railroad Company gegründete 5.000-Seelen-Kaff rühmt sich, die älteste Bibliothek Floridas ihr eigen zu nennen. Natürlich gibt es dort auch Bücher, darunter sogar ein paar seltene Erstausgaben, was den Besuch aber erst richtig lohnend macht, ist für die Amerikaner die beeindruckende mittelalterliche Waffensammlung. Na dann nichts wie hin, vielleicht haben die da auch eine öffentliche Toilette.

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