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Mercedes F-Cell World Drive Tag 37

Känguruh-Papa und halbnackte Mädchen

Mercedes-Benz F-Cell World Drive, Mercedes B-Klasse F-Cell, Tag 37, Balladonia-Boondi Rock Foto: Dirk Weyhenmeyer 22 Bilder

Am 37. Tag fährt der Mercedes F-Cell World Drive in Australien von Balladonia nach Boondi Rock. Ein Känguruh-Baby im Arm und Sterne am Himmel - was kann es Schöneres geben?

09.04.2011 Markus Stier

Es war so gegen zwanzig vor eins in der Nacht, als die Lichter am Himmel auftauchten. Einen Feuerschweif hinter sich herziehend, wanderten ein halbes Dutzend grelle Punkte über den Nachthimmel von Balladonia. Irgendwo im Dunkeln gab es einen heftigen Rumms, aber niemand bekam mit, wo genau.
 
Am Morgen klingelte im Balladonia Roadhouse das Telefon. Am Apparat war Jimmy Carter. Der Präsident der Vereinigten Staaten entschuldigte sich vielmals für die Störung der Nachtruhe und versprach, für etwaige Schäden selbstverständlich aufzukommen. Mit einem Schlag war die Siedlung mit zwei Dutzend Seelen mitten im Nullabor der Mittelpunkt der Erde.

F-Cell World Drive 15.000 km - die Hälfte ist geschafft 2:07 Min.

Der Tag, an dem Skylab vom Himmel fiel

Es war in der Nacht zum 12. Juli 1979, als Skylab im australischen Busch abstürzte. Sechs Jahre vorher war das erste Weltraumlabor der Menschheitsgeschichte in den Himmel geschossen worden. Nie hatte eine Saturn V-Rakete etwas Größeres von der Erde ins All befördert. Über 300 Experimente führten diverse Astronauten-Crews im Laufe der Zeit im Orbit durch, dann wurde Skylab aufgegeben und auf eine vermeintliche stabile Umlaufbahn gebracht. Doch die verließ es nach kurzer Zeit und näherte sich der Erde, bis es an diesem zwölften Juli auf die Atmosphäre seines Heimatplaneten traf, teilweise verglühte, und sich in Einzelteilen auf die australische Südküste stürzte.

Miss USA sorgt für Rummel

Die US-Regierung setzte eine Belohnung auf das erste gefundene Teil aus. Der 17-jährige Stanley Thornton aus Esperance (Esperance bedeutet Hoffnung) ließ sich die Echtheit seines Fundes vom San Francisco Examiner bestätigen und strich die 10.000 Dollar ein. Zufällig war in Perth gerade die Wahl zur Miss Universum, und prompt tauchte die Miss USA mit einem Fotografen in Balladonia auf und sorgte für weiteren Rummel.
 
Die Australier waren damals übrigens schon routinierte Mitglieder des US-Weltraum-Programms. Die erste Mondlandung 1969 wurde vom größten Radioteleskop der südlichen Hemisphäre auf einer Schafsweide in Parkes, New South Wales übertragen. Noch eins übrigens: Auch die Apollo-Mondfähren trugen schon Brennstoffzellen.

Schnurgerade gen Horizont

In Balladonia erinnert man sich jedenfalls gern an die alten Zeiten. Ein hübsch getürktes Außenhaut-Teil des Skylab schmückt das Heimatmuseum, ein weiteres thront auf dem Dach der Tankstelle (die übrigens auch das Heimatmuseum ist und die Bar und das Internetcafe und die Rezeption des Motels). In einer Ansiedlung mit derart großer Geschichte erregt es natürlich nur mäßiges Aufsehen, wenn sich ein halbes Dutzend Autos und 50 Leute mit großem Bohei zum Fototermin aufstellen und anschließend sehr staatstragend im Konvoi auf die Landstraße in Richtung Westen einbiegen.
 
Es ist der dritte Tag in der Halbwüste des Nullabor. Wieder führt die Straße schnurgerade in Richtung Horizont, wieder säumen stachelige Sträucher, Büsche und krüppelige Bäume die Piste. Die Hollies singen „The road is long“. Vor dem Nullarbor wurden CDs verteilt. Wir haben Kylie Minogue hergegeben für die Doppel-CD „Aussie-Rock“. Zudem verfügen wir über drei CDs, die erst kürzlich als Hilfe für die Flutopfer im Norden gebrannt wurden. Die Hollies singen jetzt schon zum sechsten Mal, wie lang die Straße ist.

Stieritsch kämpft rasselnd mit dem Berg

Immerhin haben die lokalen Scouts immer wieder nette Aussichtspunkte in die Route eingebaut. Ein knallblaues Wasserloch hier, eine Ranch mit ein paar gut drapierten Autowracks dort. Nur was den Besuch der Fraser Ranch angeht, hätten wir es besser wissen müssen. Der Besitzer empfängt uns mit in Australien gewohnt herzlicher Offenheit, er trägt zu Wanderstiefeln und kurzen Hosen sogar Socken in der gleichen Farbe wie unsere Brennstoffzellen-Autos. Während er die sehr geringe Geräuschkulisse unserer B-Klassen bewundert, verkündet er lärmend: „Lasst uns sehen, ob wir ein paar Roos da draußen sehen.“
 
Wir hätten es wirklich besser wissen müssen. Stattdessen stapfen 30 Leute wie ein Ameisenstamm eine Berg hinauf, um Känguruhs zu sehen. Stier hat das Aufbruchsignal verpasst und hetzt beladen mit Kamera in der einen, Teleobjektiv in der anderen Hand und einer vor fünf Tagen eingesammelten Erkältung auf dem Buckel durch ein ausgetrocknetes Bachbett, marschiert keuchend, rasselnd und scheppernd den Berg hoch, um die Lücke von 200 Metern zu schließen.

Der Supergau wäre jetzt, wenn die anderen oben ankommen, alle im Chor: „Boh“ rufen, ihre Kameras zücken und die Beuteltiere hinter den nächsten Berg verscheuchen, um dem Nachzügler anschließend stolz ihre Fotos zu präsentieren mit dem Hinweis: „Gerade eben waren sie noch da.“

Wir hätten es wissen müssen

Aber wir können uns alle wieder beruhigen. Natürlich sind keine Känguruhs da, nur ein felsiger Hügel. Die einzigen spannenden Tiere sind zwei „Bobtail-Lizards“, dreißig Zentimeter lange Echsen mit kurzem, dicken Schwanz. Sie sind nicht einmal giftig. Um unsere Enttäuschung etwas zu mildern, erzählt der Rancher, dass man sich an den rauen Hautschuppen leicht schneidet und sich dabei fiese Infektionen einhandeln kann.
 
Ansonsten läuft das Touristen-Veräppelungsprogramm ab, das wir alles kennen: Als die Scouts vor Wochen hier waren, saßen ihnen die Känguruhs auf dem Schoß, die Emus fraßen ihnen aus der Hand. „Sonst sind hier jeden Tag 50 Känguruhs“, behauptet der Rancher, um dann damit rauszurücken, dass die Mittagszeit aber auch ganz schlecht gewählt sei, weil die Tiere sich dann gewöhnlich zur Siesta niederlegen und von einem Stein kaum zu unterscheiden sind. Da stellt sich natürlich die Frage, warum wir allesamt überhaupt eine Dreiviertelstunde um den Berg herumgekraxelt sind. Besonders angeschmiert sind Rafael und Moritz, die Filmkamera und Stativ den Berg hochgeschleppt haben. „Ich habe es vorher gewusst“, knurrt Rafael. Wie ich schon sagte: Wir hätten es auch wissen müssen.

Aussies stellen Touris auf die Seife

Wie zum Hohn steht – zurück auf der Straße – ein verängstigtes, kleines Schaf am Straßenrand. Eine Stunde später sehen wir auch eine Horde frei laufender Ziegen. So langsam festigt sich eine böse Theorie. Es ist Freitag, und vermutlich gehört es zu den liebsten Wochenendvergnügungen der Aussies, Touristen auf die Seife zu stellen. Vermutlich stimmt es gar nicht, dass in Cocklebiddy nur acht Menschen und 1,2 Millionen Känguruhs wohnen, wahrscheinlich ist es eher so, dass die acht Känguruhs schon vor Jahren auf dem Grill gelandet sind, und jedes Wochenende 1,2 Millionen Australier mit Kühlboxen und Barbecue in den Busch fahren, sich gut getarnt beidseits der Straße mit einem frisch geöffneten Victoria Bitter auf den Campingstühlen fläzen und dann ein paar Schafe oder Ziegen loslassen.

Wenn die Touristen dann anhalten und Fotos machen, weil ein Schaf zwar kein Känguruh und kein Wombat ist, aber besser als gar nichts, knipsen die Eingeborenen die dämlichen Ausländer und hauen sich noch Stunden später auf die Schenkel. Vermutlich war in Adelaide am Sonntag auch deshalb niemand auf der Straße, weil sich die Mehrheit der Leute noch immer die Tränen aus den Augen wischt.

Ganz nah dran an Goldader und halbnackten Mädchen

Immerhin gibt es heute noch einen Aussichtspunkt, der nicht vorgibt, Känguruhs vorrätig zu haben. Dafür gibt es in Kalgoorlie Gold – und das in solchen Mengen, dass man ein über 300 Meter tiefes Loch in den Boden gegraben hat, um das Edelmetall abzutragen. Die Ader führt angeblich noch 1.000 Meter tiefer, und nicht weit entfernt wollen sie demnächst ein noch größeres Loch buddeln als das Pithole. Die Stadt sieht aus wie ein altes Westernstädchen, und tatsächlich wimmelt es von Goldankaufläden und Bars, die voll von halbnackten Mädchen sind. Die Minenarbeiter und die hiesigen Lastwagenfahrer haben keinen guten Ruf, sie verdienen ihr Geld schnell und geben es ebenso schnell wieder aus.

Die Sonne geht unter. Mit sterbendem Licht erreicht der Konvoi das Boondi Rock Camp. Heute wird am Feuer gestanden und im Zelt geschlafen. Es gibt Steaks und angeblich ist das Fleisch im Eintopf Känguruh. Aus Fleisch und Blut sind in jedem Fall die Känguruh-Babys, die den Ankömmlingen entgegengehalten werden.

Erlebnis als Känguruh-Papa

Madeleine trägt eines auf dem Arm und hat vor lauter Freude schon das Pipi in den Augen stehen. Auch der Autor dieser Zeilen ist für einige Minuten Aufzuchtstation für ein sechs Monate altes Beuteltier im Stoffbeutel. Endlich doch eines aus der Nähe gesehen. Für ein Foto ist es schon zu dunkel, aber das macht nichts. Beim Gang ins Zelt leuchtet ein unfassbarer Sternenhimmel. Eine Sternschnuppe zieht über den Himmel. Welch ein Luxus, einen Wunsch frei zu haben. Den, endlich ein Känguruh aus der Nähe zu sehen, brauche ich ja nun nicht mehr.

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