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Mercedes F-Cell World Drive Tag 46

Böse Hunde, wilde Straßen

Mercedes-Benz F-Cell World Drive, Mercedes B-Klasse F-Cell, Tag 46, Lanzhou-Wuwei Foto: Markus Stier 23 Bilder

Am 46. Tag des Mercedes F-Cell World Drive über die alte Seidenstraße gibt es den ersten Verletzten. Dass die Autos nach dem wilden Ritt durchs Gebirge noch unversehrt sind, ist fast ein Wunder.

01.05.2011 Markus Stier

Die Route von Lanzhou nach Wuhei liest sich wie eine kleine Spritztour: 300 Kilometer insgesamt, erster Tankstopp schon nach 100 Kilometern. „Heute sind wir früh im Hotel“, lautet die ausgegebene Parole. Die Etappe ist sozusagen ein Überbleibsel des langen gestrigen Tages mit seinen über 650 Kilometern. Die Meisten durften ausschlafen, Aufbruch ist erstmals seit Beginn der Tour erst um zehn Uhr.

Die Fahrt geht zunächst am Ufer des Huang He entlang. Die Dreimillionenstadt Lanzhou liegt am Oberlauf des berühmten Gelben Flusses. Nach zähem Stadtverkehr zieht sich eine trügerisch gute und freie Autobahn nach Westen. Die Route führt entlang der alten Seidenstraße durch den Hexi-Korridor. In alten Zeiten war dieser Korridor die einzige Verbindung zwischen West-China und Zentral-China. Hier treffen sich das mongolische und das tibetische Hochplateau. An der Autobahn G45 stehen auch schon die ersten Hinweis-Schilder zur tibetischen Hauptstadt Lhasa, aber die täuschen nur eine gewisse Nähe vor. Die Reise nach Südwesten würde über 2.300 Kilometer gehen.

Wilder Ritt über üble Schotterpiste - und Rallye-Stier ist in seinem Element

Was für ein Klacks scheint dagegen unser kleiner Tagesausflug. Die 100 Kilometer bis zu einer einsam gelegenen Raststätte in den Bergen ist ruckzuck abgeritten, auch wenn die letzten Kilometer über üble Schotterpiste gingen. China scheint eine einzige Baustelle. Überall stehen Kräne in der Landschaft. Riesige Wohnblocks an den Stadträndern werden gleich parallel im Dutzend hochgezogen. Auf den Straßen rollen pausenlos Schwertransporter mit nagelneuen Kranelementen und Baumaschinen. Auf unserer Route soll eine nagelneue Autobahn entstehen, doch bis dahin ist es auf der teils felsigen und sandigen Piste ein wilder Ritt.

Die Raststätte ist ein typisches Beispiel für die Gegensätze des Landes: Die Fenster des Hauptgebäudes sind golden gerahmt. Eine Hotellobby mit weißen Fliesen soll demnächst Besucher willkommen heißen. Nebenan sind ein Restaurant und ein Lebensmittelladen, daneben eine Art Großraum-Büro mit einem halben Dutzend Computern und einem gewaltigen Kabelsalat. Interessant wird es jenseits des Gebäudes. Überall türmt sich Abfall. Links ist die Toilette, die wie vieler Orten in China offenbar nie gereinigt wird. Wenn der Wind ungünstig steht, weht eine scharfe Ammoniak-Note über unsere Hähnchenschenkel aus der Lunchbox.

Die Bestie beißt zu

Konvoichef Bernd Löper findet auf der anderen Seite etwas so Interessantes, dass er beim Fotografieren den hinter sich am Boden liegenden Hund nicht bemerkt. Die angekettete Bestie ist eine einschüchternde Mischung aus Schäferhund und Wookie, fühlt sich prompt belästigt und beißt zu. Drei Mal erwischt der mächtige Kiefer den Mercedes-Ingenieur, bis dieser sich und mit einer langen Stange auch sein zu Boden gegangenes Handy in Sicherheit bringen kann. Erstmals muss Notarzt André Kröncke eingreifen, die Bisswunden desinfizieren, verbinden und eine Spritze gegen Tollwut verabreichen.

Weil sich die Strecke nach dem Tankstopp weiterhin als übelste Klopperpiste erweist, fahren wir von der so genannten Autobahn ab und wählen die Parallelroute über Land. Die ist zwar streckenweise auch nicht besser und - wo doch asphaltiert - dann doch ziemlich bucklig, aber sie führt durch endlose Straßendörfer, und so gibt es immer etwas Neues zu sehen wie eine Ansammlung von windschiefen Billardtischen direkt an der Landstraße oder Autowaschanlagen in Zelten.

F-Cell Drive steigt auf über 3.000 Meter

Das ständige Anhalten zum Fotografieren , der sich quälende Nachmittagsverkehr und die üblen Straßenverhältnisse ziehen den Tag deutlich mehr in die Länge als geplant. Glücklicherweise müssen wir uns um den Wasserstoffvorrat keine Gedanken machen. Die insgesamt 200 Kilometer sind trotz des rekordverdächtigen Verbrauchs von fast 1,4 Kilogramm auf 100 Kilometern kein Problem. Der hohe Konsum liegt nicht zuletzt am sanften, aber stetigen Anstieg. Von 1.500 Metern über Meereshöhe in Lanzhou müssen wir einen Pass von über 3.000 Metern überwinden.

Obwohl die relativ tief liegenden Brennstoffzellen-Autos mindestens ein halbes Dutzend Mal auf bösen Absätzen und in tiefen Löchern aufgesetzt haben, ist alles heil geblieben. Trotz der spitzen Steine gab es keinen Reifenschaden. Jetzt zahlt sich aus, dass die Winterreifen vom Tourbeginn mit ihrem gröberen Profil und robusteren Flanken auch Ende April noch auf den Felgen sind. Der Werkstattwagen muss nur einmal umdrehen, einer der Anhänger hatte einen Platten.

China entdeckt den Bio-Boom

Das letzte Stück bergauf führt endlich wieder über ordentlichen Asphalt. Am westlichen Horizont erheben sich spitze Berggipfel mit Schneefeldern an den Flanken. Auch in China setzt der Frühling ein. Obwohl die Hochebene des Hexi-Korridors über weite Teile sehr trocken ist, finden die Bauern doch reichlich fruchtbaren Boden und vor allem Wasser. Mit hohem Tempo gurgelt das kostbare Nass durch den vollen Betonkanal neben der Straße. Es ist die Zeit der großen Schneeschmelze. Die Gegend hat viel Sonne, auch wenn es schwer fällt das zu glauben, denn nach einem selten sonnigen Morgen hat sich der Himmel wieder in sandigen Dunst gehüllt.

Vermummt mit Atemmasken stehen die Frauen mit Hacken und Schaufeln auf den Äckern, die Männer wandern hinter Motorpflügen mit polternden Einzylindern her. Wir passieren zahlreiche Gehöfte und Landwirtschaftsgenossenschaften. Immer wieder säumen lange Reihen von Gewächshäusern den Weg. War unser Ausgangspunkt Lanzhou noch die chinesische Metropole der Ölindustrie, ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor in unserem Etappenziel Wuwei die Landwirtschaft. Organische Lebensmittel sind auch in China ein Zauberwort. Überall schießen neue Bio-Bauernhöfe aus dem Boden, die Melonen und sogar Wein ernten.

Märchenhochzeit und Borussia Dortmund ist Deutscher Meister

Im Auto gibt es an Getränken nur noch kalten Tee oder lauwarmes Wasser. Der angeblich so kurze Tag hat sich viel länger hingezogen als geplant. Für die 300 Kilometer haben wir alles in allem achteinhalb Stunden gebraucht. Immerhin ist auch morgen erst Aufbruch um neun. 480 Kilometer, wieder ein eher kurzer Tag. In diesen Fällen pflege ich den Kaiser zu zitieren – unseren natürlich, keinen der chinesischen. Und unser Kaiser spricht: „Schaun mer mal.“

Wir sind hier so weit weg von der Welt, die wir kennen. Auf der langen Reise haben wir gerade in diesen Tagen das epochalste Ereignis dieses Jahres verpasst: Erstmals in der Geschichte der Menschheit hat Deutschland bei einer Eishockey-Weltmeisterschaft Russland besiegt.

Sie finden, da hätte es noch etwas Bedeutenderes gegeben? Aber bitte, wir gratulieren auch mit großer Freude der Borussia aus Dortmund zum Gewinn der Deutschen Fußballmeisterschaft. Was für ein Märchen. Wie meinen? Märchenhochzeit? Oh ja, da waren noch die grobkörnigen Bilder von einem rotwangigen Jüngling und einer schmalen Brünetten in einem Cabriolet, die auf dem Elf-Zoll-Monitor im Hotel-Fahrstuhl kurz durchs Bild huschten. Prinz William und Kate soundso. Aber sein wir mal ehrlich, das interessiert uns Chinesen so, als ob in Europa ein Sack Reis umfällt.

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