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Mercedes F-Cell World Drive Tag 48

Spätschicht auf der Seidenstraße

F-Cell World Drive Tag 48 Foto: Stier 22 Bilder

Der 48. Tag des F-Cell World Drive führt von Jiayuguan in Richtung Hami. Die Route verläuft über gröbste Pisten in die Wüste und endet für einen Teil der Mannschaft erst in der Nacht.

04.05.2011 Markus Stier

So sehr kann man sich irren. Seit zwei Wochen hat uns China mit Smog und Sandstürmen den freien Blick auf die Morgensonne verwehrt. Nachdem gestern in Jiayuguan ein neuer Sandsturm aufzog, haben wir müde gelächelt, als ein Zimmermädchen des Hotels kleine Zettel mit dem Wetterbericht austeilte: Sonnig und warm stand da geschrieben. Höchsttemperaturen von 20 bis 23 Grad. Wir hatten die Vorhänge fest zugezogen, damit der Sand, der mit dem heulenden Wind durch alle Ritzen dringt, nicht morgens das Bett bedeckt. Als wir die Vorhänge aufzogen, erlebten wir unser blaues Wunder. Ein knallblauer Himmel zog sich über die Stadt. Die Sonne warf scharfe Schatten und erstmals sind die schneebedeckten Viereinhalbtausender des Quilian-Shan-Gebirges, das den Nordrand Tibets markiert, zu sehen.

F-Cell World Drive China-Impressionen 2:29 Min.

Planänderunng: Fotostopp vor Bergkulisse

Statt Aufbruch Richtung Westen um halb acht wird der Plan geändert. Fotograf und Fernsehteam wollen den grandiosen Ausblick auf die zackigen Schneeberge nutzen. Der immer noch stramme Wind hat jeden Staub weggeblasen. Die Luft ist ausnahmsweise so klar, dass die Berge so nah wirken, als könnte man in einem halben Stündchen hinüberlaufen. Erst um neun bewegt sich der Tross weiter, was wieder einmal Stress bedeutet.

Tripy spinnt - Fahrt nach Schildern

An einem Abzweig will unser elektronisches Roadbook Tripy nach links, wir führen im vordersten Brennstoffzellen-Auto den Konvoi an und haben Schilder zur Autobahn nach rechts gesehen. Da es in der ganzen Umgebung nur eine Autobahn gibt, biegen wir rechts ab. Prompt weist der Kompass-Pfeil des Tripy in die komplette Gegenrichtung und zeigt eine wachsende Entfernung von der Route an. Es laufen die ersten besorgten Anrufe ein, warum wir uns von der Route entfernen. 

Mit im Auto sitzt der schwäbische Kollege Janosch. Wir sind die einzig verbliebenen Journalisten. Die kommenden sechs Tage mit dem Grenzübertritt nach Kasachstan sind eigentlich als reine Überführungsetappe geplant. In der zweiten B-Klasse sitzen zwei Mercedes-Mitarbeiter, die sich intern für den Trip beworben haben, im dritten Auto sitzt unser Notarzt Andre. Er fährt allerdings das Ersatzauto, denn eine der Brennstoffzellen hat wieder einmal am Morgen eine rote Alarmmeldung ausgegeben. Da die Techniker schon aufgebrochen sind, wird entschieden, das Auto huckepack zu transportieren und das Ersatzfahrzeug für die TV-Crew zu verwenden.

Karte zu grob, Navi mit Lücken

Das ist aber auch nicht sparsamer, und so muss sich unser Doc nach halbstündigem Herumirren in der Stadt schon nach kurzer Zeit in den Windschatten seines sonstigen GL mit dem medizinischen Equipment hängen, um den ersten Tankstopp erreichen zu können. Nach Blick auf die viel zu grobe Karte, Abgleich mit dem viel zu lückenhaften Tomtom-Navigerät und kurzer Lagebesprechung setzen wir in Wagen eins die Tour in die vermeintlich falsche Richtung fort. Eigentlich sagen Sonnenstand und Logik, dass wir richtig liegen, aber bis zum Tanken sind 300 Kilometer zu absolvieren, und bei den dünn gesäten Abfahrten kann ein Navigationsfehler alle Wasserstoff-Autos vorzeitig zum Erliegen bringen. Am Ende passt alles. Tripy gesteht aber erst nach der Autobahnauffahrt, dass alle auf dem richtigen Kurs sind.

World Drive-Konvoi auf der Seidenstraße

Der führt heute wieder über die Seidenstraße, wobei es davon eigentlich mehrere Routen von Japan bis über Malaysia, Indien und China bis ans Mittelmeer gab. Schon in der Bronzezeit trieben die Asiaten Handel mit Europa. Im Mittelalter blieb dann eine Hauptroute übrig, die sich in Westchina zeitweilig teilt. 

Kaiser Wudi hatte vor rund 2.100 Jahren die Nase voll von ständigen Überfällen der Steppenvölker im Westen es Reiches und so eroberte er kurzerhand weite westliche Gebiete, was China den Weg in den Orient öffnete. Die Einflüsse sind auch heute klar sichtbar. Statt in lateinischer Schrift sind die Hinweise auf den Straßenschildern neben Chinesisch hier auch Arabisch verfasst. 

Die neue chinesische Mauer - eine endlose Schnellbahntrasse

Die über 8.000 Kilometer lange chinesische Mauer haben wir endgültig hinter uns gelassen, dafür reisen wir an einer neuen Mauer entlang. Mit Hochgeschwindigkeit treibt die Regierung neben der Straße eine Schnellbahntrasse durch die Landschaft, die uns jetzt schon über 1.000 Kilometer begleitet.

Wir sind aus dem nördlichen Ausläufer der Seidenstraße, haben die Wüste Gobi rechts hinter uns gelassen und hangeln uns jetzt durch das Wüstenhochland des Bel Shan. Ziemlich verwüstet ist auch die Piste. Die Autobahn ist nach 200 Kilometern zu Ende, die alte Landstraße soll einer nagelneuen, Autobahn nach Westen weichen, die ist aber erst in Arbeit. Und so rumpeln wir wieder einmal über gröbstes Gestein, was die Unterböden in Mitleidenschaft zieht und den Verbrauch nach oben treibt. Dass wir zwei Stunden zuvor vor einem tiefen Asphalt-Absatz von verschiedensten Seiten fünf Mal über Handy und zwei Mal per SMS gewarnt wurden, wirkt im Nachhinein ziemlich albern. Auf den letzten 50 Kilometern gab es mindestens 20 Stellen, die viel schlimmer waren.

Starker Gegenwind auf 300 Kilometern

Das Tankteam hat sich clevererweise entschieden, den Wasserstoff-Truck auf der südlichen Straßenseite aufzubauen. Der Wind kommt mit steifer Brise von Südwest und bläst den größten Teil des aufgewirbelten Sandes auf die andere Seite. Reinhold Schamm ist passionierter Surfer, hält Ohren und Nase in den Wind und schätzt: "Das sind vier bis fünf Beaufort. Da lacht das Surferherz."

Konkret heißt das, dass uns der Wind mit etwa 40 Kilometern pro Stunde entgegenbläst, was für die zweite Etappe nicht gerade ermutigend ist, denn die ist wieder 300 Kilometer lang. Das Roadbook kündigt immerhin an, dass unser Etappenziel Hami 200 Meter unter dem Meerespiegel liegt. Tripys Höhenmesser zeigt 1.500 Meter über Null an, also dürfte es ja später ordentlich bergab gehen.

Fahrt über Schotterpisten im Lkw-Staub

Doch die ersten 120 Kilometer nach der Mittagsrast führen wieder über Knüppelpisten mit schwerem Lastwagen-Verkehr. Ab und zu heißt es Luft anhalten, wenn du in die Staubfahne des Gegenverkehrs oder des Vordermanns stichst und hoffst, dass nicht noch jemand spontan eine fünfte Spur eröffnet hat und dir mit 40 Tonnen im Blindflug entgegenkommt. Am Ende führt die Route gar durch so etwas wie einen Steinbruch.

Wieder halten die drei B-Klassen die Tortur klaglos durch, nur der Anhänger mit der mobilen Hebebühne ist ein Opfer der Schlaglochtour. Nicht nur ein Reifen, sondern auch die Hydraulik haben etwas abbekommen. An Ort und Stelle wird repariert, aber so kommt ein Teil der Mannschaft erst gegen zehn Uhr am Abend am Ziel in Hami an. Die übrigen müssen noch die Brennstoffzellenautos auf mögliche Schäden untersuchen. Ein hilfreicher Kollege hält derweil die Hotelküche hin.

Tempo gedrosselt auf 80 km/h

Wir hatten mehr Glück. Die letzten 150 Kilometer Strecke sind in bestem Zustand, nur lässt der Wind nicht nach und wir warten vergeblich auf die angekündigte Gefällstrecke. Tatsächlich stellt sich heraus, dass Hami selbst etwa 800 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Die Straße verläuft nahezu eben, und der schräge Wind von vorn ist immer noch unser Begleiter. Wir müssen das Tempo auf 80 reduzieren, um sicher ins Ziel zu kommen. So bleibt uns mehr Zeit, um die Ausläufer der Himmelsberge zu bewundern, die mit ihren Schneekuppen im Norden immer klarer ins Bild rücken.

Ziel erreicht, Elektronik besiegt, Jintao-Bier verdient

Obwohl uns immer wieder zähneknirschend gestanden wurde, dass es in der Brennstoffzellen-B-Klasse keine Möglichkeit gibt, einen iPod anzuschließen, hat Janosch mittels Kabel und Aux-Anschluss mühelos sein iPhone zum Laufen gebracht. Zum funkigen Sound von Jamiroquai rollen wir in den Sonnenuntergang. Jetzt noch eine kalte Flasche Jintao-Bier, um den Staub runterzuspülen, schon geht die Sonne wieder auf.

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