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Mercedes F-Cell World Drive Tag 53

Das vorläufige Ende von Wagen drei

Mercedes F-Cell World Drive, B-Klasse, Brennstoffzelle, 53. Tag 26 Bilder

Drei Tage Pause gab's nach der Durchquerung Chinas und dann ging es weiter. So lange ist alles gutgegangen, aber am 53. Tag des Mercedes F-Cell World Drives hat es doch ein Auto erwischt.

12.05.2011 Markus Stier

Die drei Tage Pause haben gut getan. Nach zwei anstrengenden Wochen in China stand bei einem großen Teil der Mercedes-Mannschaft ein Wachwechsel an. Gewechselt sind auch die Vorderreifen an allen Autos, die von den groben chinesischen Schotterpisten aufgerieben worden waren.

Allerdings präsentiert sich der ganze Tross (natürlich nur die Fahrzeuge) weiterhin ungewaschen. Auf Befehl aus Stuttgart sollen die Autos mit reichlich Patina von der Reise zurückkehren und den Dreck mit Stolz auf der kommenden IAA zur Schau stellen. TV-Redakteur Christian Maier wundert sich nicht so sehr, dass ihn die Polizei anhält, dafür aber umso mehr über den Grund: "Ihr Auto ist zu dreckig", sagt der Schutzmann und fordert 6.000 Tenge, umgerechnet 20 Euro.

Autos müssen sauber sein

In Almaty herrscht Sauberkeit und Ordnung, und exakt diese Straße benutzt des Öfteren der Präsident, und der hasst schmutzige Autos. Der Präsident heißt Nursultan Nazarbajev und regiert das Land nach der Unabhängigkeit formal als demokratisches Staatsoberhaupt, ist aber im Prinzip ein Alleinherrscher. Die Kasachen sind echte Freiheit ohnehin seit Ewigkeiten nicht gewohnt. Heimgesucht von diversen Reitervölkern, suchten sie im 18. Jahrhundert Schutz beim großen Bruder Russland, und wie in den meisten dieser Fälle kassierte der große Bruder den kleinen einfach ein. Josef Stalin kostete mit seiner Zwangsumsiedelungs- und Umstrukturierungspolitik Millionen Einheimische das Leben.

Das einzige, was unsereins in der Schule über Kasachstan gelernt hat, war, dass das heute neuntgrößte Land der Erde die Kornkammer der Sowjetunion war. Russisch ist auch heute noch neben Kasachisch eine weit verbreitete Sprache. Kasachstan wurde als letztes Teilstück nach dem sowjetischen Zerfall in die Unabhängigkeit entlassen. Mit dem großen Bruder pflegt man heute ein friedliches Verhältnis. Kasachstan sitzt auf vielen Rohstoffen, die der jungen Republik zu beträchtlichem Wachstum verhelfen.

Entspannt ist auch die Beziehung zu Deutschland. Es kam gut an, dass ein früherer Botschafter die Aufgabe anpackte, eine traditionelle Wildpferdart wieder in Kasachstan heimisch zu machen. Gerade wurde am 9. Mai der Nationalfeiertag begangen. Im Fernsehen lief live die Militärparade in Moskau. Aber die Fremdenführerin spricht über den Anlass nicht als Tag des Sieges über die Deutschen im Zweiten Weltkrieg, sondern allgemein vom "Tag des Sieges über den Faschismus."

Nicht schön, aber grün

Die jungen Mädchen in kurzen Röcken, die sich vor dem Denkmal der 28 Gardesoldaten im Pantsilovtsev-Park mit blauen Schärpen fotografieren lassen, haben mit der Schlacht an der Wolokolamsker Chaussee, wo eben diese 28 allein 50 Panzer vernichteten wenig am Hut. Mögen die 28 Helden die Deutschen aufgehalten haben, sie selbst wird nun nichts mehr aufhalten. Sie feiern das Ende ihrer Schulzeit.

Die Kasachen retteten in der Stalinzeit in ihren warmen Jurten Millionen von Flüchtlingen und Deportierten das Leben. Sie sind berühmt für ihre Gastfreundschaft. Die jungen Damen werfen sich für die Kamera in Pose und fragen neugierig: "Und, wie gefällt dir Kasachstan?" Almaty, die Stadt der Äpfel (Der größte Aport-Apfel mit 1,3 Kilo wurde gar einst vom Zaren preisgekrönt) ist mit Blick auf die Überbleibsel der Sowjetarchitektur nicht eben eine schöne Stadt, aber dank ihrer zahlreichen Parks eine sehr grüne. Wenn das Wetter klar ist, werfen sich die weißen Viertausender des Tien Shan im Süden der Stadt in Pose.

Etwas unklar war einst die Lage auf einer von Almatys Kreuzungen. Zur Anfangszeit gab es in der Stadt nur zwei Autos, angeblich beides Mercedes. Zwei reiche Bürger frönten dem neuen Luxus und düsten durch die Straßen, bis sie an eben jener Kreuzung ineinander krachten. Danach lag die Zahl der Autos wieder bei Null.

Gekracht hat es heute auch bei uns. Am späten Morgen kam der Warnanruf vom Fotografen-Auto. Vor dem ersten Tankstopp lauerten hinter einer Brücke einige dramatisch tiefe Löcher im Asphalt. Trotz der Warnung rumpelte es noch gewaltig, als unser Wagen über das ausgebrochene Stück Asphalt ritt.

Tanz Brüderchen, tanz!

Es war der bisher heikelste Moment in Asien, sieht man vom letzten Abend in jenem Restaurant ab, indem es wie immer eine Tanzvorführung gab. Der Kenner sieht natürlich gleich, dass die Farben der Trachten und das Kreisen der Hüften eher usbekisch als kasachisch sind, aber das tut dem Liebreiz der Damen keinen Abbruch. Nur die Aussicht, dass diese am Ende einen Teil der Gäste zwangsrekrutieren und auf die Bühne schleppen, treibt dann doch auch viele Nichtraucher frühzeitig vor die Tür.

Erwartungsfroh ist schon vorher das Kamerateam angerückt, um den Stier beim Saturday Nightfever zu filmen, denn der musste schon am ersten Abend ins Getümmel. "Leg heute ruhig noch ein Schippchen drauf, wenn du verstehst, was ich meine", sagt Christian Maier verschwörerisch. Ein Glück: Heute stehen zu viele große Limousinen vor der Tür, es gibt keine Drehgenehmigung. Als einziger Kerl von den angeblichen Kameraden an einer langen Tafel zurückgelassen, erwartet der notorische Nichttänzer sein unweigerliches Schicksal. Allerdings üben die Grazien heute Gnade. Es gibt ohnehin reichlich Freiwillige aus der einheimischen Bevölkerung. Man muss mit der restlichen Mannschaft demnächst ein ernstes Wort über Mannschaftsgeist reden.

Jemand hätte auch mit Tomek reden sollen. Der eilte mit zwei verspätet eingetroffenen Journalisten aus Deutschland vom Flughafen dem Feld hinterher und knallte unvorbereitet in den Straßenkrater, was den linken hinteren Stoßdämpfer das Leben kostet. Da stand er nun in der Steppe. Es ist ja halb so wild, wenn man eine Horde Fachmänner und zwei Trucks voller Ersatzteile im Rücken weiß, nur Marie vom Technikteam war nicht erreichbar. Sie wusste, wo und in welcher Kiste die Ersatzdämpfer liegen, aber in der Steppe des Siebenstromlandes gab es kein Netz.

Brüder im Schweiße

Die wahre Gefahr lauerte aber nicht in üblen Löchern, auch nicht beim ersten Tankstopp, obwohl die vier Männer in feuerfesten Anzügen mit Schaumlöschern im Anschlag einen anderen Eindruck vermittelten. Die Jungs von der Feuerwehr sahen aus wie lebensgroße Kopien der in Alufolie eingewickelten Brötchen in der Lunchbox. Und wie der Wurst in der Stulle wurde es ihnen bald zu warm. Als nach einer Stunde immer noch keine Wasserstoffexplosion das Ufer des Balkasch-Sees erschütterte, nahmen sie die Mützen ab, verbrüderten sich für diverse Fotos mit den Gästen und machten den auto motor und sport-Besucher zum Ehrenmitglied. Nachdem Aufsetzen des Feuerschutzhutes habe ich nun einen kasachischen Schweißbruder.

Zurück zur Gefahr: Sie kam unvermittelt von links, an der Ausfahrt einer einsamen Tankstelle bei Kilometer 402. In Wagen drei genoss eine österreichische Mannschaft die Steppen-Landschaft mit dem türkis-farbenen Wasser des elftgrößten Sees der Erde, dessen eine Hälfte mit Salz- die andere mit Süßwasser gefüllt ist. Beide Massen kollidieren in der Mitte, ebenso wie Wagen drei mit dem alten Lada Taiga, der vor den Augen der Polizei ungebremst in die linke Flanke der B-Klasse rauscht und dabei die hintere Tür, den Kotflügel und die Radaufhängung demoliert.

Wagen drei soll weiterleben

Der junge Mann hockt neben dem krummen Hinterrad und hält die Hände über dem Kopf, als könne der Himmel über ihm einstürzen. Dummerweise hat die Polizei alles gesehen, eine Radarfalle stand keine 200 Meter weiter. Die Beamten sind freundlich, die Österreicher auch. Sie unterzeichnen eine Erklärung, dass sie den armen Kerl bis zum Sanktnimmerleinstag nicht auf Regress verklagen. Somit ist der Ruin von dem armen Kerl abgewendet, eine Strafe kriegt er ohnehin noch.

Das Auto wird aufgeladen, als der Truck eintrifft. Vor den staunenden Augen der Zusammengeströmten wird das Ersatzauto ausgeladen, mit dem die Filmcrew an lokalen Pressetagen zum Dreh ausrückt. Bob Österreich eins ist nun Wagen null statt drei. Der neue Konvoichef Jürgen Banken gibt die Verlustmeldung in der Heimat durch.

Das Auto ist nicht schwer beschädigt, aber heute war mit 640 Kilometer den längste Tag. Erst gegen elf trudeln die Letzten zum Essen ein. Auch morgen stehen  auf dem Weg nach Astana wieder 614 Kilometer an. Es fehlt schlicht die Zeit zur Reparatur. Zudem hat das Team nicht alles Werkzeug zur Hand, was für größere Karosseriearbeiten vonnöten wäre. Das hintere Seitenteil müsste komplett geschweißt werden. In der Nacht ist noch keine Entscheidung gefallen, wie es weitergeht. Aber Banken spricht aus, was die meisten denken: "Ich finde, das Auto sollte die Tour auch beenden."

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