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Mercedes F-Cell World Drive Tag 54

Wagen drei lebt

Mercedes F-Cell World Drive, B-Klasse, Brennstoffzelle, 54. Tag Foto: Markus Stier 20 Bilder

Bis in die Nacht des 54. Tages arbeitete die Mannschaft des F-Cell World Drives am beschädigten Wagen drei. Am Ende des nächsten Tages ist die dritte Brennnstoffzellen-B-Klasse wieder fahrtüchtig.

13.05.2011 Markus Stier

Es war spät, aber so konnte die Technikertruppe nicht ins Bett gehen. Wer kann schon ruhig schlafen, wenn es einem der Babys nicht gut geht und Mama und Papa nicht wissen, was es hat? Bis in die Nacht werkelten einige an der angedötschten Hinterachse, spähten nach weiteren Schäden an Antriebsstrang und Karosserie. Dann war klar: Das Auto ist wieder flott zu machen, wenn es gelingt, einige Achsteile in der kasachischen Steppe aufzutreiben.

So ging zunächst das sonst für die Filmcrew reservierte Ersatzauto als dritte B-Klasse auf die Reise zu einer weiteren Etappe über mehr als 600 Kilometer. Der Verkehr in der unendlichen Graslandschaft ist dünn und über Kilometer sichtbar, dennoch ist das Fortkommen eher zäh. Die Asphaltstraße ist durch all die schwer beladenen Lastwagen, zu heiße Sommer und zu kalte Winter zu einer Wellblechpiste verkommen.

Loslassen in der Steppe, aber Achtung vor der Polizei

Dazu geht es ständig ein wenig rauf und runter, der Bordcomputer zeigt an, dass mehr als Tempo 80 den Verbrauch in den Bereich der Verwegenheit treibt. Dass das gemächliche Dahinrollen durch eine baumlose Graslandschaft zu großer Langeweile führt, ist falsch. Außer ein paar Strommasten stört kein Hindernis das Auge, kein Zaun behindert das Freiheitsgefühl, kein menschliches Gewusel zwingt das Hirn zu ständiger Wachsamkeit. Einfach mal Loslassen. Wie Dünen der Wüste oder die Wellen der Ozeane glätten die gräsernen Hügel die Seele. Wer nicht selbst fährt, sieht den Wolken beim Ziehen zu, betrachtet die näher kommende Bergformation oder macht ein Nickerchen.

Bis das Piepen des Handys jeden aus dem Flow reißt. Die jüngste SMS warnt: Achtung! Aggressive Polizei. Auf keinen Fall zu schnell fahren, nicht am Straßenrand anhalten und Licht einschalten! Tatsächlich wimmelt es auch in den scheinbar einsamsten Gegenden Kasachstans von Polizei, die über Kilometer mit ihren Radarpistolen auf neue Delinquenten anlegen. Bei unserem Tempo ist eigentlich nichts zu befürchten, aber man liest ja soviel.

Achsteile locken

Unbehelligt und unversehrt treffen alle drei Autos beim mittäglichen Tankstopp ein, der idyllisch zwischen ein paar antiken Gräbern und ein paar Grashügeln auf einer Wiese aufgebaut ist. Auch die Feuerwehr ist am zweiten Fahrtag in Kasachstan im Entspannungsmodus. In einer Reihe sitzen die Löschmänner auf Campingstühlen und erheben sich nur, wenn jemand ein Foto von ihnen vor einer der B-Klassen haben oder einen Blick unter die Motorhaube werfen will.

In dieser unendlichen Weite verliert Zeit einen Großteil ihrer Bedeutung. Alle Autos müssen zwei Mal an die Zapfsäule, auch am Nachmittag sind es über 300 Kilometer, da muss der Tank möglichst prall gefüllt sein. Doch kaum jemand schaut auf die Uhr. Es dauert so lange wie es dauert, die Sonne scheint, es weht ein angenehm leichter Wind, und es gibt frisches, heißes Wasser für einen guten Tee nach dem Essen.

Allerdings ist die Lage nicht für alle so beschaulich. Wer genau hinsieht bemerkt, dass die Reihen der Mercedes-Mannschaft merklich gelichtet sind. Einige sind längst vorausgefahren. Mag die 30 Kilometer weiter liegende Minenstadt Karagandi auch ein schrecklich hässliches Nest sein, es gewinnt schlagartig an Attraktivität, wenn der örtliche Mercedes-Händler verkündet, dass er die fehlenden Achs-Teile vorrätig hat. Die Hinterachse der B-Klasse entspricht in weiten Teilen der des SLK, dessen Achse wiederum in Teilen auf der alten E-Klasse basiert, und die wird in Kasachstan immer noch viel und gern gefahren.

Beulen, Wolkenkratzer und Plattenbauten

Am späten Mittag trifft das Notfallteam ein, am späten Nachmittag ist Wagen drei wieder fahrtüchtig. Die Karosserie ist auf die Schnelle nicht zu reparieren, aber die ondulierte Tür schließt auch so problemlos und der eingedrückte Kotflügel behindert das Rad nicht. Journalist Wolfgang aus Bielefeld ist erst seit zwei Tagen dabei, verweist auf einen frischen, langen Kratzer am Unterarm und sagt: "So ist das eben auf einer Weltreise. Da gibt es auch mal ein paar Schrammen."

Unversehrt und unbehelligt passiert unser Auto den Polizeiposten 30 Kilometer vor Astana. Er markiert wie einst mittelalterliche Tore den Zugang zur Stadt, nur, dass dahinter keine Stadt zu sehen ist. Astana ist zwar die Hauptstadt Kasachstans, sie ist aber nur halb sp groß wie die frühere Hauptstadt Almaty und beherrbergt mit rund 700.000 Einwohnern auch nur halb so viele Menschen.

Aber Astana ist das Lieblingsprojekt des autokratisch regierenden Präsidenten Nursultan Nazarbajev. Die lange Ringstraße hat schon zehn Kilometer vor der Stadt eine durchgehende Beleuchtung, die Piste ist allerdings immer noch reichlich bucklig. Etwa sechs Kilometer vor der wachsenden Silhouette wird sie glatt und vierspurig, bereit für den großen Verkehr, den es nicht gibt.

Wer dann an den bröckelnden Plattenbauten und vom Ruß der Dieselabgase verschmierten Fenstern vorbei in die Stadt einrollt und auf die mit Glas und Kupfer beplankten Wolkenkratzer blickt, hat ein bisschen das Gefühl, von Brooklyn nach Manhattan zu fahren. Am Wegesrand liegen übergroße Themenrestaurants die mal wie chinesische Paläste, mal wie holländische Windmühlen aussehen.

Astana war mal ein isoliertes Kaff in der Steppe, aber seit der Präsident sich in den Kopf gesetzt hat, dass es eine Weltmetropole sein soll, schießen auch hier die Stahlbetonriesen in die Höhe, wurde Steppe zu Boulevards und Plätzen planiert. Es ist eine Mischung aus Dubai und Bonn. Der Ort ist zudem einer der unwirtlichsten. Wegen der eisigen Winterwinde aus Sibirien sinkt die Temperatur im Winter auf bis minus 65 Grad. Astana ist die kälteste Hauptstadt der Welt. Auch deswegen wohnen viele Mitglieder des Parlaments lieber in Almaty und pendeln.

In der Stadt ist der Verkehr am Abend dichter, Wolfgang wechselt die Spur und gibt dabei einen Hauch zu viel Gas. Der eben noch zwischen Trägheit und Diensteifer schwankende Polizist am Straßenrand schwingt entschlossen seinen roten Leuchtstab und winkt uns auf die Seite.

Deutschland heißt das Zauberwort

Er fragt irgendetwas auf Kasachisch oder Russisch, wir antworten auf Deutsch. Plötzlich hat jeder von uns seine Englischkenntnisse verloren. Der Schupo redet irgendwas von Amerikanski oder so ähnlich, wir schütteln die Köpfe und sagen: "Deutschland." Er versteht kein Wort und schüttelt seinerseits den Kopf. So wird es schwer, die Fremden auszunehmen. Schließlich quetscht er aus den Tiefen seines Hirns: "Passport!" hervor. Wolfgang zückt seinen Reisepass. Die Miene des schon vorher nicht allzu finster blickenden Beamten hellt sich schlagartig auf: "Ah, Germania" ruft er enthusiastisch, und selbstverständlich stimmen wir sofort mit ein.

Wo wir denn hinwollen, will er wissen und studiert die Hoteladresse im Roadbook. Seine Begeisterung schaltet in den nächsthöheren Gang. "Oooh, Hotel Rixos President. Da müsst Ihr aber da lang." Nun ja, wir müssten vorher noch tanken. "Ah, Benzina." Genau. Augenblicklich bremst er den nächstbesten anrollenden Wagen ein und winkt uns umgehend zurück auf die rechte Spur.

Die einladende Geste ist angemessen. Schließlich wird man ja nicht alle Tage 44. Zum Geburtstag holt Astana die rotgoldene Abendsonne raus, vor dem Hotel stehen vier Uniformierte und ein cooler Typ mit Sacko und Sonnenbrille, der offenbar gern das Spiel: "Wer sich zuerst bewegt, hat verloren" spielt. Vor dem Eingang öffnet ein Page die Tür, ein weiterer Soldat steht im Windfang stramm, in der Lobby reicht eine lokale Schönheit in rotem Gewande Rosinen und Mandeln. Irgendwer behauptet, der große Bahnhof sei gar nicht zu Stiers Jubeltag gedacht, sondern für den israelische Botschafter, der just an diesem Abend alle anderen Botschafter hier empfange, aber wer soll das glauben?

Ein paar Puschen für den Stier

Im prachtvollen Speiseseparee werden eingelegte Auberginen und Kichererbsenmus mit Brot gereicht. Es gibt mongolisches Hühnchen in Chili und dann Mangosorbet in frischer Brombeersoße. Zum Schluss eine Geburtstagstorte mit Sahne, Schokolade und Nüssen. Die liebreizenden Damen aus der Mercedes-Presseabteilung haben dem Geburtstagskind warme, kasachische Hausschuhe gekauft. Ich wollte schon immer Mal mit Schlappen durch ein Fünfsterne-Hotel schlurfen.

Auf dem Bett liegt ein Dutzend bunter Luftballons und auf dem Schreibtisch ein Gratulations-Schreiben der Hoteldirektion. Tja, das alles kriegt der israelische Botschafter wohl kaum. "Wir wünschen Ihnen, dass all Ihre Wünsche in Erfüllung gehen", steht da geschrieben. Ehrlich gesagt, so viele wären das im Moment gar nicht.

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