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Mercedes F-Cell World Drive Tag 60

Profikiller auf dem Weg nach Moskau

Mercedes F-Cell World Drive, 60. Tag, Nischnij Nowgorod - Moskau Foto: Markus Stier 20 Bilder

Am 60. Tag erreicht der Mercedes F-Cell World Drive die russische Hauptstadt Moskau - selbstverständlich nicht ohne weitere Abenteuer mit der Polizei.

20.05.2011 Markus Stier

Das ist mal was Neues. Fröhlich schmettert uns der Mann mit der Mütze ein kräftiges "Guten Morgen" entgegen. Mal wieder Polizeikontrolle. Für Brennstoffzelle Nummer zwei ist es die sechste in Russland. Vor uns steht der Sprinter mit dem Generatoranhänger. Die Wegelagerer wissen also schon, wer wir sind, und worum es geht.

Wir haben das Licht vorschriftsmäßig eingeschaltet, sind ordnungsgemäß angeschnallt und ganz sicher nicht zu schnell gefahren. Na wartet, mit was auch immer ihr uns kommt, wir lassen uns nicht abzocken, und wenn wir mit auf die Wache müssen.

Wodka zum Frühstück?

Der Beamte bittet, den Kofferraum zu öffnen. Er nickt kurz und fragt dann, ob wir Wodka dabei hätten. Das ist auch was Neues. Fragen die jetzt nicht mal mehr nach Geld, sondern lassen sich gleich in Naturalien bestechen, und das im Dienst, morgens um halb Neun? Es handelt sich offensichtlich um ein kleines Missverständnis, der Staatsbeamte will wissen, ob wir morgens um halb Neun schon oder noch Wodka intus hätten. "Um Gottes Willen, nein." "Hauchen Sie mich mal an." Eine Wolke aus Theramed und English Breakfast Tea strömt ihm entgegen. Wieder setzt der Polizist sein Sonntagsstrahlegrinsen auf und sagt in bestem Deutsch: "Gute Fahrt."
 
Ganz so glimpflich geht es bei Phil nicht ab. Der britische Kollege wird etwas später ebenfalls gestoppt. Im Schlepptau hat er Alex und Fotograf Walter im Mercedes GL. Ganz Profi reißt er kurz vor dem Anhalten noch das Walkie Talkie an den Mund und setzt Walter darauf an, heimlich ein Foto von der Szene zu schießen. Während er mit der Staatsgewalt palavert, hält Alex etwas weiter vorn an, und während die Polizisten abgelenkt sind, schleicht sich Walter durchs Unterholz, bis er den richtigen Schusswinkel hat.

Profikiller auf der Autobahn

Derweil übernimmt Wlad die Kommunikation beim festgehaltenen Auto. Der Mann aus Sankt Petersburg erklärt den Beamten, was wir hier so treiben, dass wir harmlose Journalisten sind, unterwegs, um den Glanz Russlands in der Welt zu verbreiten, dass wir keine Kosten und Mühen gescheut haben und gar Kamerateams und Fotografen mitführen. Da drüben im Wäldchen steht übrigens einer.
 
Entgeistert starren die Beamten in Walters Objektiv und werden augenblicklich panisch und böse. "Ihr seid Profikiller", ruft der eine, und nun wird ihm auch klar, warum Phil sich vorzugsweise komplett in Schwarz gekleidet hat. Nun aber wird es Wlad zu dumm. Ob sich die Herrschaften nicht schämten, rechtschaffenen Leuten aufzulauern und sie ständig mit fadenscheinigen Argumenten auszuplündern. Was für einen Eindruck soll die Welt von ihrer aller Heimat bekommen? Kleinlaut lassen sie das grüne Auto ziehen. Die Killerbrigade rollt weiter Richtung Moskau, vermutlich um Präsident Putin umzulegen oder noch schlimmer: Eishockey-Superstar Alexander Owetschkin.

Ansonsten hält uns heute nichts auf. Ohne jeden Stau ging es hinaus aus Nischnij Nowgorod. In Windeseile zogen die großen Rüstungsfabriken mit ihren Wachtürmen und Stacheldrahtzäunen an uns vorbei, wegen denen bis vor 20 Jahren kein Fremder in die Stadt durfte. Vor dem Brennstoffzellen-Tross liegt die beste Piste, die in Russland bisher zu finden war. Fast durchgehend führt eine ordentliche Autobahn über die verbleibenden knapp 500 Kilometer bis in die Hauptstadt.

Ab durch die Wälder, statt gut ausgebauter Autobahn

Wenn wir doch eher gemächlich Richtung Ziel gelangen, liegt das am selbst gewählten Umweg über die Landstraße. Nach all den tausenden langweiligen Kilometern, entlang an Birkenwäldern und Äckern, stellt man plötzlich fest, dass die Sache eine völlig andere ist, wenn man durch die Wälder fährt. Das Sonnenlicht glitzert wie eine Diskokugel durch die Kronen. Seit den Höhenzügen des Ural ist dies die erste Landschaft, die wir ernsthaft als schön bezeichnen würden. Die Straße führt kurvig über leichte Hügel und trifft dann auf den Oberlauf der Oka, die hier noch schmal und flach ist. In den Auen parken alte Ladas, man kommt zum Angeln oder einfach zum Blicken aufs Wasser hierher.
 
Die Route führt durch das verwunschene Städchen Kourov. Im Zentrum steht ein gut erhaltenes Kloster. Zwischen den obligatorischen Blockhäusern finden sich immer wieder die Relikte alter Zeiten, alte Villen, die langsam verfallen oder ein ausgebranntes Schloss auf einer Anhöhe. Wie überall in der Welt hatte die einfache Bevölkerung nichts zu lachen, wenn sich die Reichen und Mächtigen ihre Paläste bauten, aber wenn genug Efeu darüber gewachsen ist, werden die alten, protzigen Gemäuer plötzlich zu Attraktionen.

Klischeehafte Finsternis in Moskau

Mit dem letzten Sonnenstrahl bewundern wir die goldenen Kuppeln der 900 Jahre alten Kathedrale von Vladimir, dann geht es zurück auf die Autobahn. Der Himmel hat sich zugezogen, als Moskau in Reichweite kommt. Es ist, als hätten die Drehbuchschreiber des F-Cell World Drive entschieden, dass Sonnenschein für den Einlauf in das Herz der Finsternis nicht adäquat sei. Moskau, dass waren für uns früher vor allem die bedrohlichen Mauern des Kreml, in dem grimmige alte Männer mit buschigen Augenbrauen unseren kapitalistischen Westen verdammten und Atomraketen von hier nach dort schoben. Moskau, das war der Todesstern, das Zentrum der Achse des Bösen, ein Ort, in dem es vermutlich auch im Juli schneite.
 
Im Moment ist Moskau nur ein blaues Schild, auf dem steht, dass es noch 70 Kilometer sind. Die russische Hauptstadt ist selbstredend die größte Metropole des Landes. Mit elfeinhalb Millionen Einwohnern ist sie dazu die größte Stadt Europas und die siebtgrößte der Welt. Das wird schon hier draußen spürbar, denn die ersten Vorstädte haben wir schon passiert. Obwohl auch die Umgebung dicht besiedelt ist, scheint irgendetwas mit dem öffentlichen Personennahverkehr nicht zu stimmen. Jedenfalls stehen auf den letzten 50 Kilometern vor der Innenstadt alle Nase lang hübsche, junge Damen am Straßenrand, die offenbar niemand mitgenommen hat.

Mit den Beatles auf Abwegen

Im Auto haben wir derweil die Beatles gegen das deprimierende Wetter angesetzt. George Harrison und Ringo Starr lärmen zu "Back in the USSR", John Lennon und Paul McCartney singen, dass Moskaus schöne Mädchen sie zum Singen und Kreischen bringen. Im Auto singen wir lauthals mit und klopfen den Takt, als das Piano "Lady Madonna" ankündigt.

Dabei haben wir leider die Ankündigung von Tripy verpasst, dass es da hinten nach rechts gegangen wäre. Das elektronische Roadbook meldet falschen Kurs. Kurz danach ist die Leitplanke der großen Ausfallstraße nach Osten durchbrochen. Vorn steht eine Polizeikontrolle, aber die ist gerade mit einem anderen, armen Verkehrssünder beschäftigt, so wenden wir blitzschnell über die durchgezogenen Linie und eilen zurück.

Blechlawine Feierabendverkehr

Dummerweise steht vor uns fünfspurig und reglos der Feierabendverkehr. Wenn es etwas gibt, das dich in den Wahnsinn treiben kann, dann in einem Stau zu stehen, der nicht mal auf deiner Route liegt. Rechts führt ein Abzweig zu einer Raststätte, aber der erweist sich als Sackgasse. Das kann doch jetzt nicht wahr sein. Eindrücklich hat man uns eingehämmert, dass wir die Mercedes-Zentrale in Moskau bis spätestens fünf Uhr erreicht haben sollten, weil uns sonst die Rush Hour zu ersticken droht.

200 Meter weiter findet sich ein weiterer Abzweig, und der führt tatsächlich parallel zur Schnellstraße bis zu einer Unterführung, nach der wir wieder auf den alten Kurs gehen können. Kurz darauf ist Tripy wieder glücklich und wir auf dem Weg zur Tankstelle. Bis auf anderthalb zähe Kilometer sind wir am Ende auf der Ringautobahn prima durch die Blechlawinen geschlüpft und haben das Auto mit nur einer halben Stunde Verspätung abgeliefert.

Doch das dicke Ende kommt noch. Die Fahrt zum Hotel mag keine zehn Kilometer betragen, aber sie dauert eine Stunde und vierzig Minuten. Für die Vorbeifahrt an endlosen grauen und klotzigen Wohnblocksiedlungen haben die Drehbuchautoren gedimmtes Licht und einsetzenden Nieselregen vorgesehen, getreu dem Motto: immer Happy End ist ja auch langweilig.

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