Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Mercedes F-Cell World Drive Tag 68

Wagen eins auf letzter Rille

05/11 Mercedes F-Cell World Drive, B-Klasse, Brennstoffzelle, 68. Tag, Oslo-Malmoe Foto: Markus Stier 20 Bilder

Am 68. Tag kehrt der F-Cell World Drive erstmals in ein bereits bereistes Land zurück. Auf dem Weg in die Heimat geht es erneut durch Schweden – bis bei Wagen eins nahezu nichts mehr geht.

29.05.2011 Markus Stier

Das ist jetzt aber ein bisschen heikel. Oslo hat vor einigen Jahren Tokio als teuerste Stadt der Welt abgelöst. Es ist allerdings ein vermutlich von Neidern verbreitetes Gerücht, dass ein Cappuccino mit Croissant in der Altstadt Gamlebyen mindestens eine Stunde dauert, weil der Kellner zuvor noch eine Schufa-Auskunft anfordert. Die Frage ist aber, ob Eigenverzehr hier erlaubt ist.

Verunreinigter Wasserstoff lässt die Flöhe husten

Aber was sollen wir machen? Da rühmt sich die norwegische Hauptstadt großen Fortschritts und leistet sich gar eine eigene Wasserstofftankstelle, und dann funktioniert die nicht. Der Schwabe ist natürlich nicht dumm und lässt sich von Afrika bis Norwegen keine gepanschte Plörre andrehen. Arwed Niestroj, Projektleiter unserer kleinen Rundfahrt ist extra angereist, um sich von der Einhaltung des Deutschen Reinheitsgebots an der Zapfsäule zu überzeugen und wird prompt enttäuscht. „Wir haben Verunreinigungen im Wasserstoff gemessen“, sagt er. Natürlich hört man eine Woche vor Schluss einer viermonatigen Reise die Flöhe husten. Eh, dass ein Stäubchen die Brennstoffzellen schädigt, tankt man dann eben doch aus dem eigenen Lastwagen.

Oslo feiert 1.000-jähriges Bestehen

In Oslo dauert eben alles ein bisschen länger. Allein 50 Jahre dauerte, vom Architekturwettbewerb bis zur Fertigstellung der Bau des klotzigen Rathauses mit seinen zwei roten Ziegeltürmen, in dem alljährlich der Friedensnobelpreis verliehen wird. Clever sparten die Stadtväter das halbe Jahrhundert später wieder ein. Ging man nämlich zuvor davon aus, dass Oslo 1048 von König Harald III gegründet worden war, fanden sich nach der 900-Jahr-Feier 1950 plötzlich Gräber, die um das Jahr 1000 datiert wurden. So ließ man es im Jahr 2000 gleich wieder krachen und feierte das 1.000-jährige Bestehen.

Seitdem versucht man sich in Hochgeschwindigkeit. Die grandiose neue Oper am Zipfel des Oslo-Fjords wurde zwar in Rekordzeit von nur zehn Jahren Bauzeit 2008 eröffnet, ist aber immer noch von Baukränen umzingelt. Zudem gingen zuvor Jahrzehnte für die Planung ins Land.

König Christian und der Große Brand

Zur hohen Kohlendioxid-Konzentration auf dem Planeten hat Oslo beträchtlich beigetragen. Erik von Södermannland brannte die noch junge Siedlung 1308 nieder, danach fackelte die Stadt bei der schwedischen Belagerung 1537 ab. Als den wirklich großen Brand tituliert man das Feuer von 1624, der dänische König Christian verlegte daraufhin das Zentrum und ließ die Stadt näher an der Festung Akershus neu in Stein errichten.
 
Damals hieß die Stadt Christiana und schon zu diesen Zeiten war Oslo so teuer, dass das gemeine Volk trotz strengen Verbots wieder zwischen den rußigen Ruinen der Altstadt einzog. Mag Wasserstoff in der reinen Form in Oslo knapp sein, in gebundener Version mit Sauerstoff gibt es ihn reichlich. Schon bei der Ankunft regnete es, und auch am letzten Ruhetag der Weltreise regnete es reichlich.

Wagen eins rauscht einfach am Zoll vorbei

So macht sich die Kolonne lieber wieder auf nach Süden. Erstmals bereist der F-Cell World Drive ein Land zwei Mal, denn der Weg zurück in die Heimat über die Ostsee führt wieder über Schweden. Ebenso fix, wie wir nach Norwegen eingereist sind, sind wir wieder draußen. Die Zollformalitäten dauern gerade fünf Minuten. Das gilt allerdings nicht für Wagen eins, der lustig am Zoll vorbeigerauscht ist und anschließend wieder zurückgepfiffen wird.

Obwohl die zwei deutschen Kollegen durchaus sparsam unterwegs sind, kostet der Ausflug etwa 200 Gramm Wasserstoff, dazu kommt der ein oder andere Ausflug für Fotoarbeiten und ein bisschen geht drauf, als man wegen etwas kniffliger Streckenführung in Göteborg den Tankplatz am Mittag verfehlt. Das ist schon wieder heikel, denn mit 300 Kilometern Autobahn durchs hügelige Schweden sind unsere B-Klassen in Punkto Reichweite schon nahe am Limit.

Ebbe in der Brennstoffzelle

Mit dem elektronischen Roadbook Tripy hält man sich gar nicht mehr groß auf. Flugs wird die örtliche Mercedes-Vertretung ins Navigationssystem eingegeben und auch zielgenau angesteuert – nur dass dort keine Tankstelle zu finden ist. Es war der falsche Händler. Die Extratour hat noch einmal 15 Kilometer Umweg gekostet, und nun leuchtet im Zentraldisplay das rote Warndreieck, das Ebbe in der Brennstoffzelle verkündet und beim richtigen Mercedes-Händler klingelt das Handy bei der Tourleitung.

„Bloß nicht abschalten“, befiehlt der stellvertretende Konvoichef Jochen Sang, Technikerin Marie meint: „Wenn Sie jetzt das Auto ausmachen, geht nichts mehr.“ Aber so geht noch was. Wie ein U-Boot im Schleichgang kriecht das Auto mit Elektroantrieb durch die Außenbezirke von Göteborg. Die Besatzung versucht, kein allzu großes Hindernis für Fußgänger zu sein, die Reisegeschwindigkeit liegt bei etwa 10 km/h.

Aber immerhin schaffen Thomas und Philipp aus eigener Kraft den Weg zum Tanktransporter, verpassen aber die Chance, als Rekordminimalisten in die Annalen des World Drive einzugehen. Drei Hongkong-Chinesen fuhren nach Erschöpfung der Wasserstoffreserven mit einer Restkapazität von fünf Prozent in der Batterie beim Refueling in Australien vor.
 
Die heutige Besatzung hätte noch etwas mehr Gas geben können. Am Ende sind noch rund 20 Prozent Strom im Speicher. Den Ablauf haben sie mit ihrer Bummelei nicht nennenswert aufgehalten, der Anhänger mit dem Generator für die Druckpumpe ist wegen eines Navigationsfehlers ebenfalls eine ganze Weile verschollen.

Lachs ist das neue Hühnchen 

Und so wird jetzt erstmal Mittag gemacht. Sämtliche unserer Gastgeber in den nordischen Ländern scheinen sich überlegt zu haben, den Gästen mal eine ganz besondere Spezialität angedeihen zu lassen, und so gibt es Lachs, wie auch am Tag zuvor und dem Tag davor und dem Tag davor. „Lachs ist das neue Hühnchen“, meint Thomas Konfuzius Werner in Anspielung auf die fleischliche Monokultur in den Lunchboxen Chinas vor einem Monat.
 
Am Nachmittag ist das Wetter schon wieder übel. Der Autor doziert vor dem Kamerateam noch großspurig über den Zusammenhang zwischen wachsender Windstärke und sinkendem Regenrisiko, aber Raphael packt die Kamera zügig vom Kran in den Transporter, weil es trotz strammer Brise aus West anfängt, schwer zu plästern.

F-Cell Drive auf Shakespeares Spuren

Zu allem Überfluss dreht der Wind auf Süd, und so arbeiten sich die B-Klassen mal wieder auf Gegenan-Kurs durch das Wetter. Der Konvoi passiert Helsingborg. Von hier sind es nur vier Kilometer über den Öresund zum dänischen Schloss Kronborg, in dem William Shakespeare einst seinen tragischen Helden Hamlet die legendären Worte „Sein, oder Nichtsein“ sprechen ließ.
 
Gleiches gilt erneut für die Besatzung von Wagen eins, wo nach zeitweilig zügiger Reise mit Tempo 120 gegen den Wind angerannt wird. Philipp Deppe vom Mercedes-Passionblog ist schon zum vierten Mal zur Stippvisite angereist und nach dem auto-motor-und-sport-Vertreter der erfahrendste Journalist mit der Brennstoffzellen-B-Klasse, und so greift er rechtzeitig ins Geschehen ein und schenkt sich zum 28. Geburtstag eine zweite, knappe Zielankunft. Am Ende sind im Etappenziel Malmö von ursprünglich 3,7 Kilo noch 40 Gramm Wasserstoff im Tank.

Anzeige
Mercedes B 250, Frontansicht Mercedes-Benz B-Klasse ab 285 € im Monat Leasing & Vario-Finanzierung Jetzt Fahrzeug konfigurieren
Mercedes B-Klasse Mercedes Bei Kauf bis zu 16,09% Rabatt Jetzt Fahrzeug konfigurieren
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Autokredit berechnen
Anzeige