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Mercedes Fascination Concept

Die Entstehung der E-Klasse-Coupé-Studie

Foto: Mercedes 22 Bilder

Völlig klar, dass diese Mercedes-Studie in Paris ihren großen Auftritt haben musste: Nirgendwo ist Schönheit so selbstverständlich und das Verlieben so einfach. auto motor und sport skizziert die Entstehungsgeschichte der schicken Studie.

11.02.2009 Ralph Alex

Das Kombi-Coupé aus Stuttgart war das Modell auf dem Auto-Salon an der Seine, das am häufigsten gestreichelt wurde. Ein größeres Kompliment gibt es nicht, mon amour. So ist das nun mal, nicht nur bei den Autodesignern dieser Welt: Wir sind immer dann am besten - am allerbesten -, wenn es scheinbar um nichts geht. Wenn der Druck weg ist. Wenn wir einfach mal herumspielen, da was anfügen, hier was wegnehmen, und am Schluss steht irgend jemand sehr Wichtiges vor dem großen Ganzen und sagt: "Wow."

Freie Hand für die Designer

In der Mercedes-Designabteilung haben sie genau das erlebt, nachdem der neue Chef Gorden Wagener die kreative Truppe versammelte. Eine Studie sollte es sein. Mit dem Gesicht der neuen E-Klasse, die kommenden März startet - soweit klar. Der Coupé-Gedanke war Wagener wichtig, aber es durfte ruhig ein ungewöhnliches Coupé sein, ein verblüffendes Showcar. Hauptsache, am Schluss würden die Besucher des Pariser Autosalons fasziniert vor dem Modell aus Stuttgart stehen und "Comme elle est belle" sagen, "was für ein schönes Auto!"

Eine Reaktion wie damals beim viertürigen Coupé CLS. Es herrschte also Gedankenfreiheit, der Druck der unbedingten Seriennähe war - bis auf die Front - in den Hintergrund gerückt, die Designer entsprechend locker und mutig, und jetzt steht dieses Kombi-Coupé da, posiert vor den Kameras und weckt Begierden bei Autoliebhabern. Vielleicht lässt es die Frage unbeantwortet, ob es auf den ersten Blick ein klassischer Mercedes sei.

Aber auf alle anderen Fragen lautet die Antwort unbedingt "Ja": Ist es ein Hingucker? Ist es faszinierend? Souverän? Markant? Macht es Lust auf mehr? Verträgt es auch die Sportkombi-Bezeichnung Shooting Brake? Lässt es die Marke Mercedes modern wirken wie lange nicht mehr? Ist es schade, dass dieser Entwurf eine Fingerübung bleibt?

Das Serienmodell wird E-Klasse Coupé heißen, ein ganz anders Heck haben und den kleinen CLK ablösen. Die 4.806 Millimeter lange Studie hingegen heißt Concept Fascination und löst vor allem eines ab - den gewohnten Blick auf einen Mercedes. Von jeder Seite irritiert sie auf eine sehr selbstbewusste Art. Die Front zum Beispiel, die kantig wirkt wie beim GLK, dem neuen Kompakt-SUV, und ihren Mercedes-Stern unübersehbar im Kühlergrill trägt. Die Pfeilung der Motorhaube wirkt fast überbetont. Wäre sie ein Gesicht, dann würde man von hohen Wangenknochen reden und von einem markanten Kinn. Auf jeden Fall ein männliches Gesicht, energisch, mit scharfen Augen: Die Scheinwerfer stellen ihre moderne LED-Technik demonstrativ zur Schau - und die C-förmigen Spangen aus Lichtleitern, die fürs Tagfahrlicht zuständig sind.

Lakritzschnecken machen Appetit

Abgesehen von dem scharfen Knick, der wie ein Schmiss das Gesicht in zwei Hälften teilt, erregt vor allem die Optik der drei Lufteinlässe vorne Aufsehen. Die schwarzen Kunststofflamellen darin wirken wie kunstvoll verlegte Lakritzschnecken und sind schon deshalb lecker, keine Frage. Auch das Heck hat den scharfen Knick in der Mitte, wie mit der Rasierklinge von oben nach unten gezogen, bis hoch zum kleinen Spoiler. Das sieht beeindruckend aus, wenn Licht aus dem richtigen Winkel auf die extrem schmale Heckscheibe fällt: Halb dunkel, halb hell wirkt sie dann. "Dieses Showcar setzt die Geschichte unserer aufregenden Coupés überzeugend fort", kommentiert Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche das 1.776 Millimeter breite Konzeptauto. Von hinten betrachtet wirkt das Auto sogar noch breiter, als es ist, was an den flachen Leuchten liegt, die weit ums Heck herumreichen und sehr aufwendig gestaltet sind.

Faszinierende Seitenansicht

So, und jetzt zum schönsten Blickwinkel auf dieses Modell: der Seitenansicht. Es klingt paradox, aber wenn das Auge wieder und wieder an ihr entlangspaziert, entdeckt es nicht Dinge, die es soeben schon mal gesehen hat. Sondern immer neue Aspekte, Detaillösungen, Linien und Absichten der Designer. Man braucht eine Weile, bis in aller Konsequenz klar wird, wie radikal Gorden Wageners Team hier die Glasflächen eingesetzt hat. Von weit vorne an der A-Säule ziehen sie sich wie ein dunkel getöntes Schaufenster nach hinten. Keine B-Säule stoppt sie in der Mitte, doch verblüffend ist vor allem, dass auch die C-Säule sich so schmal macht, dass das Glasband fast nahtlos in die Heckscheibe übergeht.
 
Auch der Glaseinsatz auf dem Dach darf als verschwenderisch bezeichnet werden. Das Panoramadach geht mit dem durchsichtigen Material so großzügig um, dass es einem cleveren Heimwerker gereicht hätte, um daraus einen kleinen Wintergarten fürs Reihenhäusle zu basteln. Zurück zur Seitenpartie, denn sie hat noch mehr Aufmerksamkeit verdient. Sehr dezente Griffleisten laden dazu ein, einen ungewöhnlichen Tipp zu wagen: Einmal auf die vordere Hälfte tippen, und die Tür geht auf. Zweimal auf die hintere Hälfte tippen, und zwar innerhalb von exakt drei Sekunden, dann öffnet sich die Heckklappe.

Die Dachlinie des Kombi-Coupés fällt stark ab, was dem Auto - selbst wenn es steht - einen optischen Vorwärtsdrang gibt, der durch die Form der hinteren Kotflügel über den 20-Zoll-Rädern ins Dramatische verstärkt wird. Sie sind extrem ausgestellt, wesentlich mehr noch als bei der S-Klasse, und erinnern an die gespannte Oberschenkelmuskulatur eines 100-Meter-Sprinters, der sich gleich aus den Startblöcken nach vorn katapultieren wird.

In der nächsten Sekunde wird der Startschuss fallen, spätestens in der übernächsten ... "Coupés sind bei Mercedes echte Erfolgsmodelle", findet Mercedes-Vertriebschef Klaus Maier. "Mit dem Concept Fascination haben unsere Designer ein absolutes Highlight auf die Räder gestellt." Eines, das von der Liebe zum Detail zeugt. Man muss die Hände zu Hilfe nehmen, um den vielen konvexen und konkaven Wölbungen in der Flanke nachzuspüren. Das Blech wandert nach innen, nach außen, dann wieder nach innen. Wer sein Auto noch von Hand wäscht, hätte seine Freude an dem Showcar, das übrigens auch im Innenraum auf eine gut choreografierte Show setzt.

Es nimmt die Passagiere mit in eine andere Welt oder in einen Themenpark. Die feine Picknickgesellschaft, wie man sie aus Großbritannien kennt, und die Atmosphäre entlang der berühmtesten Pferderennbahnen mixen sich wie die Materialien im Interieur. Das kräftige, dunkle Leder auf der Aluminium-Mittelkonsole, die sich wie ein Catwalk zwischen den vier Einzelsitzen nach hinten schwingt, erinnert an einen Sattel.

Bluetec-Diesel mit 204 PS

Für den nötigen Kontrast sorgen dann das helle Nubukleder der Sitze und der hochflorige Teppich aus extra dicken Fasern. Selbst dort, wo die Sorgfalt im Detail normalerweise ihre Grenzen findet - im Kofferraum -, zeigen die Designer, was sie drauf haben: Der Ladeboden ist aus Holz mit Schutzschienen aus gebürstetem Aluminium. Rechts und links ist er aufklappbar. Dann öffnen sich zwei Fächer.

Nach Vorstellung der Mercedes-Kreativen liegen darin, passend für den Besuch in Ascot oder Iffezheim, zwei Ferngläser und eine Digitalkamera mit Leica-Wechselobjektiven. Weil Pferderennen-Gucken durchaus durstig machen kann, fährt aus dem Ladeboden auf Wunsch ein Tisch aus Rauchglas in Position, ein Humidor für Zigarren ist ebenso an Bord wie ein Kühlfach für Glaskelche und die Flasche Schaumwein aus der Champagne. Für eine Karriere als Galopper des Jahres hat das Concept-Car einen seriennahen Vierzylinder-Dieselmotor mit 2,2 Liter Hubraum, 204 PS und Bluetec-Abgasnachbehandlung zur Reduzierung von Stickoxiden unter der Haube. Er ist ab 2009 für die neue E-Klasse vorgesehen - deren Coupé sich auf diese Studie "Concept Fascination" berufen kann.

Ein Konzeptauto, das in Paris all jene aus dem Konzept brachte, die genau zu wissen glaubten, wie ein Mercedes auszusehen habe. Aber je älter die Gewohnheiten sind, umso mehr Spaß macht es, sie mit etwas radikal Neuem zu brechen. Oder?

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