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Mercedes gegen BMW

So stellen sich die Rivalen auf

Aufmacher BMW 5er Mercedes E-Klasse Retusche Foto: Christian Schulte 33 Bilder

Mit der A-Klasse legte Mercedes sein Biedermann-Image ab, um dann mit der S-Klasse das Luxussegment neu zu definieren. Jetzt kommt die neue E-Klasse. Wie kontert BMW diesen Angriff?

07.02.2016 Jens Katemann

Schon im Motorsport kann einem die Siegesserie von Mercedes fast schon Angst machen. Egal ob Formel 1, DTM, ADAC GT Masters, Formel-3-Europameisterschaft oder FIA GT World Cup – überall war der Stern 2015 die Nummer eins. Auch sonst surft Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der Welle des Erfolgs. Den neuen SUV GLC reißen ihm die Kunden aus den Händen, die S-Klasse konnte sich im ersten Test gegen den neuen BMW 7er nicht nur behaupten, sondern ihn sogar hinter sich lassen. Das Beste oder nichts halt, sagen sie mit stolz geschwellter Brust in Stuttgart.

Doch kommt Hochmut nicht vor dem Fall? In München bei BMW ballen sie jedenfalls die Fäuste in den Hosentaschen. Motto: Bringt ihr nur eure neue E-Klasse, mit dem 5er zahlen wir es euch heim. Zeit, sich anzuschauen, mit welchen technischen Raffinessen die beiden Neulinge in der oberen Mittelklasse 2016 ins Rennen gehen.

Starten wir mit der E-Klasse, deren Neuauflage auf der Detroit Auto Show ihre Premiere feierte. Sie wächst um rund fünf Zentimeter in der Länge und bekommt einen 6,5 Zentimeter längeren Radstand. Die Breite bleibt unverändert. Das Wachstum kommt vor allem den Fondpassagieren zugute, aber auch das Ladevolumen des Kofferraums legt zu – im T-Modell auf mehr als 500 Liter.

Zum Marktstart im Frühjahr stehen zunächst fünf Motoren zur Wahl: zwei Diesel, der neue Vierzylinder OM 654 und ein drei Liter großer V6. Dazu gibt es die bekannten Benziner, den E 200 mit 184 PS und den E 400 sowie einen Dreiliter-V6 mit 333 PS. Abgerundet wird das Angebot vom aus der C-Klasse übernommenen Plug-in-Hybrid 350 e mit einer Systemleistung von 279 PS. Weitere Motoren folgen im Laufe des Jahres. Der E 63 AMG startet im Herbst und die neue Reihensechszylinder-Generation schließlich 2017.

Topkomfort und neue Technik

Gegen die Konkurrenz will Mercedes mit diversen neuen Technologien punkten. Da wäre zum einen die neue Luftfederung mit zwei Kammern vorne und drei hinten, die für einen noch mal verbesserten Federungskomfort sorgen soll.

Die E-Klasse kann aber nicht nur Komfort, sondern auch Sport. Die Spreizung der einzelnen, via Fahrdynamikschalter wählbaren Modi wird deutlich größer. Das reguläre Stahlfeder-Fahrwerk bekommt serienmäßig adaptive Dämpfer, deren Abstimmung der Fahrer jedoch nicht verändern kann.

Während Fahrkomfort schon immer eine Mercedes-Domäne ist, soll das neue Cockpit die Führungsrolle von BMW bei Connectivity und Bedienung durchbrechen. Dafür spendiert Mercedes der E-Klasse ein riesiges Display, das Kombi-Instrument und die Radio-Navi-Einheit miteinander verschmelzen lässt. Es ist individuell konfigurierbar und soll sich auch dank griffgünstig platzierter Touchpads am Lenkrad intuitiv bedienen lassen. Der Aufpreis soll in etwa so hoch sein wie heute der für das große Comand-System (derzeit 3.487 Euro).

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Neuheiten Mercedes gegen BMW
auto motor und sport 02/2016
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BMW setzt auf Gestensteuerung

Und was macht BMW? Der neue 5er, der Ende 2016 vorgestellt wird, erhält ein vom 7er abgeleitetes, aber wesentlich fahrerorientierter konzipiertes Cockpit sowie die nächste Generation des bewährten i-Drive. In Sachen Display wird nicht ganz so geklotzt wie bei Mercedes, aber dafür gibt es neben einer verbesserten Menüstruktur jede Menge Echtzeit-Dienste und Gestensteuerung. Da wird es Mercedes, wo man noch auf Gestensteuerung verzichtet, schwer haben, auf Anhieb den Vorsprung der Münchner aufzuholen.

Motorenseitig gibt es mit dem Modellwechsel beim BMW praktisch keine Änderungen, wobei die Aggregate natürlich überarbeitet werden. Es bleibt beim Baukastenprinzip, nach dem Vier- und Sechszylindermotoren – egal ob Diesel oder Benziner – über einen Einzelhubraum von rund 500 Kubikzentimetern verfügen werden. Alle Motoren haben die Twin-Power-Turbotechnologie mit doppelt variabler Nockenwellensteuerung. Der M5 könnte gar ein Sechszylinder mit Triturbo werden. Die Rede ist von knapp 600 PS.

Die Gänge der Triebwerke sortiert weiterhin die bewährte Achtgang-Wandlerautomatik von ZF, während Mercedes sein hauseigenes, siebenstufiges Getriebe durch das mit neun Stufen ersetzt. Über den Mehrwert weiterer Stufen bei Wandlerautomaten lässt sich allerdings trefflich streiten. BMW führt nach dem 7er im 5er den Plug-in-Hybrid ein.

Abspecken werden beide rund 100 kg, wobei dies sowohl bei BMW wie auch bei Mercedes mit konventionellen Mitteln erreicht wird. Sprich: Carbon wie beim 7er kommt nicht zum Einsatz.

Beim automatisierten Fahren machen beide Marken große Fortschritte. Sowohl 5er als auch E-Klasse sollen künftig bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h auf der Autobahn dem vorweg fahrenden Auto selbstständig folgen können. Mercedes geht noch etwas weiter als BMW und ermöglicht automatisches Überholen bis Tempo 130. Im Gegensatz zu BMW nutzt Daimler bereits neben Stereokamera, Radar und Sensorik Navigationskartendaten, um das automatisierte Fahren zu präzisieren.

Keine Design-Revolutionen

Sowohl BMW als auch Mercedes lassen bei der Gestaltung ihrer Autos derzeit eine klare Linie erkennen. Der neue 5er ist eindeutig eine Evolution und wirkt ein wenig wie ein kleiner 7er. Gleiches gilt bei der E-Klasse, die ihrem großen Bruder S-Klasse ähnelt. Mit dem Facelift des Mercedes-Flaggschiffs 2017 zeigt sich schließlich eine deutlichere Unterscheidung der Baureihen über die Leuchtengrafik der Frontscheinwerfer. So wird die E-Klasse einen LED-Tagfahrlichtstreifen mehr bekommen als die kleinere C-Klasse, die S-Klasse schließlich drei Streifen.

Doch die Schlacht wird nicht nur in der oberen Mittelklasse geschlagen, sondern vor allem bei SUV und in der immer variantenreicheren Kompaktklasse. BMW greift mit der Neuauflage des Mini Countryman an, der um 20 Zentimeter zulegt und mit einem Kofferraumvolumen von 460 Litern künftig mehr Stauraum bietet als der erfolgreiche Mercedes GLA. Er kommt Ende 2016 mit Drei- und Vierzylindermotoren auf der neuen Front- und Allradantriebsarchitektur von BMW, auf der auch schon 2er Active Tourer und Gran Tourer basieren. Neu im Programm: Auch der Mini soll in Zukunft als Plug-in-Hybrid erhältlich sein. Die rein elektrische Reichweite soll 34 Kilometer betragen.

Diese Architektur dient auch dem neuen 2er Gran Coupé als Basis, obwohl es zunächst ausschließlich mit Allrad kommen soll. Hintergrund: Die Bauweise ist günstiger als die Heck- und Allradantriebsarchitektur von 3er und 5er. Das Auto soll, wie der CLA bei Mercedes, etwas unter der Mittelklasse positioniert werden. Auch der coupéhafte viertürige Mercedes ist günstiger als eine C-Klasse und wird auch in der zweiten Auflage nicht mit Heck-, sondern nur mit Front- oder Allradantrieb zu haben sein. Aber der Radstand wächst deutlich, was dem Auto spürbar bessere Proportionen verleiht.

Erstes Mercedes-Modell auf der neuen Frontantriebsplattform wird die nächste B-Klasse. Vorteil der Architektur: Sie ist deutlich leichter und ermöglicht Unterschiede bei den Radständen von bis zu 20 Zentimetern.

SUV in allen Klassen

Das vermutlich größte Modell auf dieser Basis wird der neue Mercedes GLB, ein SUV mit Front- und Allradantrieb und einer Länge von rund 4,60 Metern, der ab 2018 in die Lücke zwischen GLA (4,42 Meter) und GLC (4,66 Meter) stoßen soll. Der GLB soll mit seiner kantigen, an das G-Modell erinnernden Form vor allem für junge Familien eine Alternative sein. Wie die C-Klasse vom CLA wird sich auch der GLC vom GLB klar durch ein hochwertigeres Interieur, mehr Fahrkomfort und bessere Geräuschdämmung unterscheiden. Durch die Entscheidung zugunsten des GLB haben sich auch die Pläne für eine verlängerte B-Klasse erledigt. Das bezahlbare Raumwunder von Mercedes wird also ein SUV – anders als bei BMW, wo man mit dem Gran Tourer auf einen Van setzt.

BMW arbeitet allerdings an einem City-SUV mit dem Arbeitstitel Urban Cross, dessen erster Design-Entwurf nach Informationen von auto motor und sport vom Vorstand jedoch nicht gebilligt wurde. Der Urban Cross, eigentlich eine Antwort auf den Audi Q2, der 2016 bereits Premiere feiert, dürfte also noch etwas länger auf sich warten lassen. Dafür springt 2017 der X2, der coupéhafte Ableger des X1, in die Bresche.

Luxus-SUV und Sportwagen

Auch bei den großen SUV tut sich einiges. BMW greift den GLS an und bringt mit dem statusorientierten X7 einen Gegner, der vor allem im US-Markt Kunden erobern soll. Wer möchte, kann das über fünf Meter lange Schiff sogar mit Zwölfzylindermotor ordern.

Einem waschechten Supersportwagen verweigert sich BMW weiter hartnäckig, dafür will man das Angebot an M- und M-Performance-Modellen ab 2016 weiter ausbauen. Gerüchten zufolge steht sogar eine M-Performance-Version eines 7er mit Zwölfzylindermotor an. Uns wird also nicht nur das Markenduell weiter beschäftigen, sondern auch das der Sportschmieden Mercedes-AMG und BMW M.

BMW mutiger als Mercedes

Jens Katemann über die E-Auto-Strategie der Marken, ein Kommentar.

Während Mercedes beim Elektroauto bislang eher auf Sparflamme kocht, ist BMW mit der i-Offensive in die Vollen gegangen. Doch wie geht es weiter? BMW wird den i8 technologisch aufrüsten und eine offene Version bringen. Der i3 bekommt zum Facelift 2017 eine neue, leistungsstärkere Batterie. Für die alten Batterien haben sich die Münchner ein zweites Leben als Stationärspeicher überlegt, bei dem die Intelligenz zur optimalen Zusammenarbeit von Speicher, Elektroauto, Hausnetz, öffentlichem Stromnetz und Solarzellen am Hausdach bereits integriert ist. Darüber hinaus arbeitet BMW am i6, einer geräumigeren i-Variante im Look des i8, die eine rein elektrische Reichweite von bis zu 500 km schaffen soll. Intern heißt es dazu aber, es gebe noch Diskussionsbedarf beim technischen Konzept, sodass nicht mit einer Markteinführung vor 2020 zu rechnen ist.

Und was macht Mercedes? Die nächste Elektro-B-Klasse soll ohne Tesla-Hilfe entstehen, im Herbst 2016 kommt endlich der neue E-Smart. Neuerdings steht auch eine E-Version auf Basis des GLC auf der To-do-Liste der Ingenieure – eventuell sogar mit einer stärkeren optischen Differenzierung zum Modell mit Verbrennungsmotor. BMW hat eine richtige Elektrostrategie, Mercedes dagegen nur Leuchtturmprojekte.

STATISTIK

Mercedes kann sich auch dank einer breiten Modellpalette (künftig bis zum Pickup) bei den Verkaufszahlen von BMW absetzen. Laut den Marktbeobachtern von IHS Automotive sind es aber vor allem die neuen SUV, die Mercedes dieses Plus bescheren werden. IHS geht davon aus, dass Mercedes schon 2016 erstmals mehr SUV verkaufen wird als BMW. In wichtigen Weltmärkten sind die Marken unterschiedlich erfolgreich. Mercedes ist etwa in Europa, Japan und Amerika stärker, während BMW in China die Nase vorn hat. Bei aller Rivalität: Großes Wachstumspotenzial.

Das Imperium schlägt zurück

Der Stern leuchtet heller als je zuvor. Mercedes-Designchef Gorden Wagener hat eine eigenständige, sehr erfolgreiche Formensprache kreiert. Gepaart ist das Ganze mit einer Vielzahl richtiger strategischer Produktentscheidungen. Einziger kleiner Flop: der Mercedes CLS Shooting Brake, den es in der nächsten Generation nicht mehr geben wird.

Auch technologisch holt Daimler kräftig auf: Die Bedienung und die Konnektivität in den Autos galten lange als die großen Schwächen. Entsprechend erwarten wir mit Spannung, was die Mercedes-Fahrer mit dem riesigen neuen Display alles anfangen können.

Reicht das, um BMW davonzufahren? In einigen Bereichen, wie etwa beim Design, neigt man in der Firmenzentrale, dem legendären Vierzylinder, aktuell ja eher dazu, auf Nummer sicher zu gehen. Technologisch macht BMW aber so schnell keiner etwas vor. Die Marke ist bei allen wichtigen Themen mindestens auf Augenhöhe mit der Konkurrenz und geht in manchen Bereichen, wie etwa bei der Gestensteuerung, sogar weiter. Mehr Mut als Mercedes beweist BMW definitiv bei Elektrofahrzeugen.

Trotzdem ist Mercedes ein deutlich härterer Gegner als noch vor zwei bis drei Jahren. Kann die E-Klasse den 5er schlagen? Die Chancen stehen nicht schlecht. Über das Jahr 2016 hinaus wird bei BMW meiner Ansicht nach viel davon abhängen, mit welcher Formensprache die Kunden in Zukunft neu begeistert werden sollen. Losgehen soll es mit der nächsten 3er-Generation 2018.

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