Zwei Powerdomes auf der Motorhaube, von Vorstandschef Dieter Zetsche persönlich eingeforderte Stilmerkmale, wecken Erinnerungen an den legendären 300 SL Flügeltürer und verschaffen dem Roadster wieder eine Dominanz im Auftritt, die er so zuletzt nicht hatte. Dazu kommen ein verbreiterter Kühlergrill mit nur einer Querlamelle wie beim Urmodell und Scheinwerfer, die sich nun weit in die Kotflügel hineinziehen. Das freundliche Vier-Augen-Gesicht gehört nun der Vergangenheit an.
Die Blinker in den vergrößerten Außenspiegeln sind pfeilförmig zugeschnitten, während die Heckschürze mit angedeutetem Diffusor auch optisch den Eindruck verstärken soll, dass der SL nicht nur zum langsamen Flanieren taugt.
Wer die sportliche Seite des Edel-Roadsters liebt, wird sich über die neue, geschwindigkeitsabhängige Direktlenkung freuen. Bei niedrigen Geschwindigkeiten ist die Zahnstangenlenkung besonders leichtgängig ausgelegt, doch auf kurvenreichen Strecken sorgt sie mit ihrer direkteren Übersetzung für agileres Einlenken als bislang.
Mit an Bord: der Airscarf
Ganz neu an Bord des SL ist der aus dem SLK bekannte Airscarf, der Passagiere, die auch bei kühlen Temperaturen offen fahren wollen, mit Wärme umfächelt. Zwei Ventilatoren saugen hinter den Kopfstützen der Integralsitze Luft an und führen sie durch ein integriertes elektrisches Heizelement, so dass sie an der Vorderseite durch eine spezielle Öffnung erwärmt wieder austritt. Ein oft belächeltes Extra, das zu Beginn im Rufe stand, allenfalls für Weicheier sinnvoll zu sein. Aber zu unrecht: Der Luftstrom wärmt Kopf, Hals und Nacken so effektiv, dass man auch dann noch über längere Etappen das Dach offen lassen kann, wenn anderen schon beim Zuschauen frösteln.
Im Innenraum findet sich neben einem neuen Dreispeichenlenkrad auch eine modernisierte Multimedia-Welt. Das Comand-System wurde um ein großes Farbdisplay und zusätzliche Funktionen bis hin zur Bluetooth- Schnittstelle ergänzt. Auf Wunsch kann man zusätzlich die Sprachsteuerung Linguatronic und ein europaweites Navigationssystem ordern, dessen Daten auf einer Festplatte gespeichert sind. Die serienmäßigen Bi-Xenon-Scheinwerfer lassen sich zudem mit Abbiegelicht sowie dem aus der E-Klasse bekannten Intelligent Light optimieren, das sich mit fünf unterschiedlichen Funktionen automatisch auf Fahr- und Wettersituationen einstellt.
Mythos SL
Der SL, der in dieser Form noch bis 2012 weiterläuft, befindet sich also wieder auf der Höhe der Zeit - was auch für die Motoren gilt: Der SL 350 wurde überarbeitet, mit neuen Kolben und Auslassventilen ausgestattet und leistet nun 316 statt 272 PS. Der Verbrauch soll gleichzeitig um 0,4 Liter/100 km reduziert worden sein.
Neues Einstiegsmodell ist der SL 280 (231 PS), der über 300 Newtonmeter Drehmoment verfügt und in 7,8 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen soll. Spitzenmodell ist künftig der SL 63 AMG mit V8-Saugmotor und rund 530 PS, darunter rangieren SL 500 (388 PS) und SL 600 (517 PS), bei denen der Verbrauch durch viel Feinschliff im Bereich der Motoren ebenfalls um einen knappen halben Liter reduziert worden sein soll. Obwohl der Mythos SL gestärkt in die nächste Runde geht, muss der Luxusroadster die Konkurrenz durchaus fürchten - in zwei Jahren sogar aus dem eigenen Haus: Bei der Mercedes-Tochter AMG wird mit Hochdruck an einem neuen Flügeltürer gearbeitet, der einige Zentimeter kürzer als der SL sein soll.
Der Ausgang des auto motor und sport-Doppeltests SL und Flügeltürer im Jahr 2010 ist zwar noch offen. Aber in puncto Ausstattung bekommt der SL schon jetzt einen Punkt mehr: Einen Airscarf wird es für den Flügeltürer schließlich nicht geben.

