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Mercedes S-Klasse (W 116) in der Service-Station

Tipps und Tricks zur Baureihe W 116

Mercedes-Benz S-Klasse (W 116), Seitenansicht Foto: FACT 8 Bilder

Der Kauf einer Mercedes S-Klasse der Baureihe W 116 birgt zumindest in puncto Technik  relativ wenig Risiken. Die soliden Limousinen mit sechs oder acht Zylindern haben großes Durchhaltevermögen, und in gutem Zustand erfordern sie keine utopischen Wartungskosten.

20.03.2013 Bernd Woytal Powered by

Klar, die Wartungskosten für einen VW Käfer sind deutlich geringer. Aber unter dem Aspekt, dass es sich bei der Mercedes S-Klasse um ein Luxusauto handelt, kommen W 116-Besitzer, die bei allen Arbeiten auf eine Werkstatt angewiesen sind, vergleichsweise günstig über die Runden. Im Fokus dieser Folge stehen die sechszylindrigen 280er-Modelle und die V8-Versionen mit 3,5 und 4,5 Liter Hubraum, also die Exemplare mit den Motoren M 110, M 116 und M 117.

Ab 1976 kontaktlose Transistorzündung

Pauschal zu sagen, welche Variante der Mercedes S-Klasse W 116 bei Wartungsarbeiten in der Werkstatt die geringsten Kosten verursacht, fällt den befragten Experten schwer. Etwas bessere Voraussetzungen dafür haben laut Rudolf Betz von Klassik-Stern in Putzbrunn bei München die V8 mit K-Jetronic (350 SE ab Anfang 1976, 450 SE ab etwa November 1975): "Die hatten Hydrostößel und eine kontaktlose Zündung."

Beim im 280er montierten Reihensechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen blieb dagegen der Service-Punkt "Ventilspiel einstellen" bis zum Schluss erhalten, aber immerhin kam das Vergasermodell der Mercedes S-Klasse W 116 - der 280 S sowie der 280 SE - mit der Einführung der K-Jetronic Anfang 1976 ebenfalls in den Genuss einer kontaktlosen Transistorzündung.

Eine Reparatur, die eher die V8-Modelle der Mercedes S-Klasse W 116 betrifft, "ist ein Wechsel der Steuerkette", weiß Frank Olbrich, Chef von MB-Classic-Service in Beckum und Technikreferent im Mercedes-S-Klasse-Club. "Ab einer Laufleistung von etwa 250.000 Kilometern sollte man diese Reparatur ins Auge fassen", sagt Olbrich, weist aber gleichzeitig noch auf eine andere, nicht direkt von der Laufleistung abhängige Problemzone hin: "Das Plastik der Gleitschienen bricht mit zunehmendem Alter."

Wer sich also eine Mercedes S-Klasse W 116 mit einem Achtzylinder zulegen möchte, dessen Kettentrieb bisher unberührt blieb, sollte vorsichtshalber einige Hunderter für diese Reparatur einkalkulieren.

Die verschiedenen Einspritzanlagen

Kommen wir noch mal zurück auf die bereits kurz angesprochene Gemischaufbereitung. Neben dem Mercedes 280 S, der während seiner gesamten Bauzeit mit einem Doppel-Register-Fallstromvergaser von Solex ausgerüstet war, besaßen die W 116-SE- beziehungsweise SEL-Modelle anfangs eine D-Jetronic "die prima ist, wenn sie funktioniert", so Betz. Doch einzelne Bauteile können mit der Zeit Probleme bereiten, und das kann bei manchen Besitzern solcher Fahrzeuge für Verdruss sorgen, weil sich viele Werkstätten damit nicht mehr auskennen beziehungsweise die entsprechenden Testgeräte fehlen.

So haben manche Mechaniker noch nie etwas vom Gebiss gehört, ein wegen seiner Form so genannter Einschub mit den Auslösekontakten für die D-Jetronic, der sich unter dem Zündverteiler befindet. Die Kontakte nutzen sich mit der Zeit ab oder sie verölen. Eine Erneuerung kann mit gut 300 Euro oder mehr zu Buche schlagen. Darüber wurde auch in der Service-Station über den Mercedes R 107 berichtet, die sich als Ergänzung zu dieser Folge eignet - zumindest, was die Motoren betrifft. Die K-Jetronic verrichtet in der Regel ihre Arbeit unauffällig und problemlos, nur bei über einen längeren Zeitraum stillgelegten Fahrzeugen können Standschäden für Ärger sorgen.

Alternde Gummischläuche

Teurer als gedacht kann ein Wechsel des Kraftstofffilters bei den Einspritzmodellen der Mercedes S-Klasse W 116 werden, der zusammen mit der Kraftstoffpumpe am Rahmenboden zwischen Tank und Hinterachsmittelstück montiert ist. Das liegt nicht nur daran, dass sich die verdreckten und korrodierten Verschraubungen unter Umständen nur schwer lösen lassen, sondern an möglichen Zusatzarbeiten. "Denn wenn man den Filter austauscht, sollte man auch darüber nachdenken, alle mit der Zeit alternden Gummischläuche in diesem Bereich zu erneuern", rät Olbrich. Offenbar macht auch der heutige Kraftstoff den alten Gummischläuchen vermehrt zu schaffen.

Besonders der Zustand der beiden kleinen Gummischläuche oberhalb der Achse direkt beim Tank wird oft überhaupt nicht beachtet, entsprechend hat sich schon mancher Besitzer einer Mercedes S-Klasse W 116 über plötzliche Benzinflecken unter seinem Auto gewundert. Dann ist allerdings schnelles Handeln unumgänglich. Um die Schläuche zu ersetzen, muss das Benzin im Tank abgelassen werden.

S-Klassen mit V8 sind teurer im Unterhalt

Deutliche Preisunterschiede zwischen Sechs- und Achtzylindermotor beim Mercedes S-Klasse W 116 ergeben sich beim Wechsel der Wasserpumpe. Diese Reparatur kann wegen des höheren Arbeitsaufwands beim V8 mit 400 Euro und mehr etwa doppelt so teuer ausfallen wie bei den kleinen Brüdern.

Die in der Service-Tabelle (unten) genannten Preise für den Mercedes S-Klasse W 116 basieren übrigens auf qualitativ hochwertigen Teilen, sind aber nur als Orientierungswert zu verstehen. Neben den Stundensätzen der jeweiligen Werkstatt oder dem Zustand des Autos beeinflusst natürlich auch das für das entsprechende Modell benötigte Ersatzteil den Endpreis, wie beispielsweise im Falle der Auspuffanlage. Die Kosten für eine Motorüberholung können je nach Modell und Schäden natürlich ebenfalls deutlich über dem genannten Mindestpreis von 5.000 Euro rangieren.

Häufig verschlissene Lenkgetriebe der Kugelumlauflenkung 

Als häufig verschlissen erweist sich bei der Mercedes S-Klasse W 116 die Kugelumlauflenkung, "weshalb spielfreie Gebrauchtteile mit Gold aufgewogen werden", sagt Olbrich. Als kostengünstigste Alternative bleibt der Einbau einer AT-Lenkung. "Doch Vorsicht", warnt Olbrich: "Oft werden überholte Lenkungen für nur um die 500 Euro angeboten. Die haben aber lediglich einen neuen Dichtsatz bekommen, das Spiel der Spindel blieb jedoch unangetastet, weil das Lenkgetriebe sonst teurer sein müsste."

Zu den typischen Verschleißreparaturen im Vorderachsbereich der Mercedes S-Klasse W 116 zählen eine neue Lagerung des Umlenkhebels der Lenkung oder eine Erneuerung der Spurstangen. Gern vergessen wird ein Austausch des Lenkungsdämpfers, was für etwa 70 Euro zu machen ist. Im hohen dreistelligen Euro-Bereich bewegen sich die Kosten für eine Erneuerung der Vorderachsgummis und -Buchsen, wobei man gleich auch den Zustand der Traglager und der oberen Führungslager checken sollte - letztere gibt es nur komplett mit Querlenker.

Schrauberfreundliche, weil verständlich aufgebaute Technik

Die in der Service-Tabelle genannten Kosten für eine Erneuerung der hinteren Achsgummis und Buchsen beziehen sich auf die 280er und 350er der Mercedes S-Klasse W 116. Beim 450er mit der Koppelachse kann es das Doppelte kosten "wenn die Anfahrmomentabstützung ausgeschlagen ist", erklärt Olbrich. Sollte der Wagen mit einer damals als Extra erhältlichen Niveauregulierung ausgestattet sein und das Heck des Wagens beim Überfahren von Bodenwellen Sprünge vollführen, sind meist die Federkugeln defekt, für die sich in W 116-Kreisen der Begriff Bulleneier etabliert hat. Die dann anfallenden Reparaturkosten bewegen sich im Bereich von 350 bis 450 Euro.

Engagierte Hobby-Schrauber profitieren von der verständlich aufgebauten Technik der Mercedes S-Klasse W 116 und der Tatsache, dass für Reparaturen relativ wenig Spezialwerkzeug nötig ist. Etwas anspruchsvoller gestaltet sich allerdings ein Wechsel der hinteren Radlager oder auch des Differenzial-Simmerrings, weil es bei letzterem auf das richtige Reibmoment beim Anziehen des Gelenkflansches ankommt.

Noch relativ entspannt sieht es bei der Versorgung mit Ersatzteilen für die Mercedes S-Klasse W 116 aus, wobei unter Ausnutzung spezieller Quellen die Preise für Verschleißteile durchaus erträglich ausfallen, ohne dass man zu qualitativ fragwürdigen Billigprodukten greifen muss. Wer sich also für einen W 116 entscheidet und ein Exemplar mit gesundem Blech und intakter, stets gewarteter Technik erwischt, hat Grund zur Freude - er besitzt ein wahres Goldstück.

Service-Tipp Mercedes-Benz S-Klasse W 116

Eine jährliche Durchsicht mit Ölwechsel hält einen guten Mercedes S-Klasse der Baureihe W 116 jung. Lange Standzeiten mögen manche Bauteile der K-Jetronic nicht, außerdem neigen dann die Kolben der Bremssättel zum Klemmen. Neueinsteiger finden hilfreiche Tipps bei den Clubs wie dem Mercedes-Benz S-Klasse-Club e. V. (www.s-klasse-club.de) oder dem MB W 116 Club (www.mb-w116-club.de). Obwohl es hier um Technik und nicht um Roststellen geht, sei noch eine besondere, schlecht einsehbare Problemzone genannt: Sie befindet sich unterhalb des Sicherungskastens.

Service und Kosten Mercedes-Benz S-Klasse (W 116)

Alle Preise sind lediglich Richtwerte. Sie können je nach Ersatzteilpreisen und nötigen Zusatzarbeiten sowie den jeweiligen Stundensätzen der Werkstatt deutlich abweichen.
 
Arbeiten am Motor

  • Wechsel aller Keilriemen inklusive Klima (280/V8) ab 95/105 Euro
  • Motorölwechsel mit Filter (je nach Ölsorte) (280/V8) ab 90/110 Euro
  • Zündkerzenwechsel (280/V8) ab 70/100 Euro
  • Neuer Unterbrecherkontakt plus Einstellung der Zündung und Verteilerprüfung ab 140 Euro
  • Ventilspiel prüfen und einstellen (280/V8) ab 110/150 Euro
  • Steuerkettenwechsel, Gleitschienen und Spanner (V8) ab 750 Euro
  • Luftfilter erneuern ab 65 Euro
  • Vergaser prüfen, Dichtungen neu, Einstellen (280 S) ab 250 Euro
  • Kraftstofffilter erneuern (Einspritzer) ab 100 Euro
  • Kühlerthermostat erneuern inklusive Frostschutz ab 130 Euro
  • Wasserpumpe erneuern (280/V8) ab 200/400 Euro
  • Neuen Wasserkühler einbauen ab 800 Euro
  • Neuer Auspuff ab Krümmer (280) ab 1.100 Euro
  • Kupplungswechsel plus Ausrücklager ab 500 Euro
  • Motorüberholung (je nach Schäden) ab 5.000 Euro
Arbeiten an Fahrwerk, Bremsen etc.

  • Überprüfen und Einstellen der Achsgeometrie ab 80 Euro
  • Lenkung ausbauen und überholen ab 850 Euro
  • Umlenkhebel der Lenkung neu lagern ab 100 Euro
  • Alle Spurstangen vorn neu inklusive Vermessen ab 300 Euro
  • Achs-, Stabigummis, Buchsen vorn, eventuell Traggelenke ab 500 Euro
  • Achs-, Stabigummis, Buchsen hinten (280 und 350) ab 600 Euro
  • Neue Stoßdämpfer rundum ab 800 Euro
  • Neues Radlager vorn/hinten ab 120/240 Euro
  • Neue Bremsbeläge vorn/hinten ab 70/60 Euro
  • Neue Handbremsbeläge ab 150 Euro
  • Wechsel der Bremsbeläge vorn plus neue Bremsscheiben und Bremssättel im AT ab 900 Euro
Sonstige Arbeiten
  • Getriebeüberholung (je nach Schaden und Getriebe) ab 1.500 Euro
  • Simmerring am Differenzial erneuern ab 150 Euro
  • Hardyscheiben plus Kardanwellenmittellager neu um 500 Euro

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