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Mercedes SLS AMG

Der Star zweier Welten

Mercedes SLS AMG Foto: Hans-Dieter Seufert 12 Bilder

Zwischen Flaniermeile und Rennpiste: unterwegs in Kalifornien mit dem 571 PS starken und 177.310 Euro teueren Mercedes-Supersportwagen SLS AMG.

06.12.2009 Bernd Ostmann

Der neue Mercedes-Star ist noch nicht im Handel, da hat er schon seine erste Pole-Position sicher: Ab 2010 wird er in der Formel 1 als Safety-Car eingesetzt. Damit er sich dort auch ordentlich schlägt, hat AMG, der sportliche Ableger von Mercedes, Bernd Schneider als Edel-Tester verpflichtet. Der ehemalige DTM-Champion begleitete den SLS vom ersten Versuchsträger mit der Karosserie eines Dodge Viper bis zur technischen Freigabe. Er hetzte den Mercedes-Supersportler über die Autobahn von Papenburg Richtung Süden, über verwinkelte und wellige Eifel-Sträßchen und natürlich über die berüchtigte Nürburgring-Nordschleife. Immer im Windschatten die Konkurrenten des SLS, Porsche 911 Turbo, Audi R8 V10 sowie Ferrari 599 und 430. Jetzt muss sich der SLS auf einem ganz anderen Terrain beweisen.

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Impression Mercedes SLS AMG
auto motor und sport 25/2009
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Statt grüner Wälder gibt es sonnenverbrannte Hügel. Wir sind in Kalifornien, in Laguna Seca. Bernd Schneider spielt den Scout. Für die ersten beiden Warm-up-Runden empfiehlt der Profi ein leichtes Sicherheitsnetz: "Fang mit ESP Sport und dem Sport-Plus-Programm an, danach kannst du manuell schalten und das ESP abstellen." Wir rollen uns ein. Eine tolle Berg-und Tal-Bahn, mit Spitzkehren, ein paar Dritter-Gang-Kurven und einer Schlüsselstelle.

Der SLS ist ein scharfes Gerät für die Rennstrecke

Was auf der Nordschleife vielleicht die Fuchröhre ist, nennt sich hier Corkscrew. Dort wird die Fahrt zum Himmelfahrts-Kommando. Der SLS sticht mit Volldampf Richtung Horizont. Wir halten uns zunächst in der Straßenmitte, treffen nach der Kuppe einen Randstein links. Der nächste Randstein wird rechts mitgenommen. Achtung, er trägt schwarze Bremsspuren. Hier sollte man heftig in die Eisen steigen, denn unmittelbar hinter der Kuppe fällt die Strecke nach links ab - ins Nichts. Die folgende Rechts kann man nur erahnen, den Einlenkpunkt sieht man nicht. Schneider: "Kurz in den Zweiten, sofort wieder in den Dritten." Und schon werden der SLS und sein Chauffeur übel zusammengestaucht.

Nach den ersten paar Runden verrät Schneider, der hier schon einige Siege eingefahren hat: "Auf der gegenüberliegenden Seite musst du den Baum anvisieren, dann einlenken. Dann bist du auf der richtigen Linie." Mit seinen 571 PS und den 1.620 Kilogramm Leergewicht ist der SLS ein scharfes Gerät für die Rennstrecke. Gerade mal 2,48 Kilogramm muss jedes PS nach vorn stemmen. Und der 6,2 Liter große V8 erledigt seine Aufgabe mit einem dumpfen, grollenden Trompeten. Bei Bedarf gelingt der Spurt von null auf 100 km/h in 3,8 Sekunden, die 200-km/h-Marke wird nach 11,8 Sekunden erreicht. Allerdings lassen sich diese Werte nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Dafür sind schon ein paar Fingerübungen nötig. Denn mit manueller Schaltung lässt sich diese Fabelzeit nicht erreichen.

Rennstart per Knopfdruck

Vor dem Rennstart gibt es einen Elektronikcheck: Ist die Tür richtig verschlossen, hat der Fahrer den Gurt angelegt, sind die Vorderräder gerade gestellt? ESP wird in den Sport-Modus geschaltet, der Getriebeschalter auf RS - was Rennstart bedeutet. Dann den linken Fuß aufs Bremspedal, den rechten Fuß aufs Gas. Fuß von der Bremse, und los geht’s. Dass die Beschleunigungsorgie nicht im Aus endet, garantiert eine Bremsanlage auf höchstem Niveau. Standard sind Stahlscheiben. Wer seinen SLS gelegentlich auf der Rennstrecke ausführen möchte, für den empfehlen sich die 40 Kilogramm leichteren Keramikscheiben. Es gibt Konkurrenten, die auf Bremspedaldruck härter zubeißen. Aber der SLS verrichtet seine Aufgabe ordentlich. So sollen die besten Stopps mit den Standard-Pneus, den Continental Sport Contact, aus Tempo 100 schon nach 32 Metern enden. Viel erstaunlicher ist für den SLS Neuling eher, dass er den Frontmotor-Sportwagen richtig tief in die Kurve hineinbremsen kann. Das Auto bleibt dabei erstaunlich neutral.

SLS mit idealer Gewichtsbalance

Der Grund: die Gewichtsbalance, sicher das Sahnehäubchen des neuen Supersportlers. Das Chassis aus Aluminium-Profilen, -Blechen und -Gussteilen wiegt gerade mal 241 Kilogramm. Beim Motor haben die Entwickler auf die Ölwanne verzichtet und versorgen den Achtzylinder aus einem separaten Trockensumpftank mit Schmiermittel. Dadurch ließ sich der V8 sehr tief einbauen. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe sitzt an der Hinterachse. Und die Kardanwelle aus kohlefaserverstärktem Kunststoff wiegt gerade mal vier Kilogramm. Diese aufwendige Konstruktion hat den Vorteil, dass 57 Prozent des Gewichts auf der Hinterachse lasten, was Traktion und Kurvenlage verbessert. Zwischen den Biegungen sorgt der lange Radstand von 2,68 Metern für einen guten Geradeauslauf und geringe Nickbewegungen des Autos beim Beschleunigen und Bremsen. Außerdem wirkt sich der lange Abstand zwischen den Achsen positiv auf den Fahrkomfort aus.

Der SLS glänzt auch auf der Flaniermeile

Apropos Komfort: Der SLS ist nicht allein ein Kurvenstürmer. Der neue Mercedes-Held meistert auch den 17 Mile Drive bei Pebble Beach oder die Flaniermeile im Nobel-Örtchen Carmel souverän. Mit seiner langen Motorhaube, dem weit hinten sitzenden Passagierabteil und den kurzen Überhängen wird er begleitet von bewundernden Blicken. Für Aha-Effekte beim Publikum sorgt zudem der volle, dumpfe V8-Sound. Und wenn der Pilot beim Cruisen vom Gas geht, wechselt der SLS in eine noch imposantere Klangkulisse: Im Schub verfällt er in ein grollendes Blubbern, fein gewürzt mit einer Prise kurzer Fehlzündungen. Sind die Zuschauer jetzt schon innerlich aufgewühlt, kann der Chauffeur den SLS-Auftritt nun leicht auf die Spitze treiben: Er rollt am Straßenrand aus, lässt die Flügeltüren nach oben gleiten und schält sich möglichst elegant aus dem Sitz. Kleiner Tipp am Rande: Jetzt bitte den Kopf leicht einziehen. Ein Zusammenprall mit der Tür könnte dem Schauspiel eine etwas ungeschöne Note geben. Nicht allein die Flügel-Portale, auch der breite Grill mit dem großen Stern erinnert an den großen 300 SL. Was nicht ganz unbeabsichtigt ist.

"Der SLS knüpft an die Emotionen der fünfziger Jahre an", erklärt Mercedes-Entwicklungsvorstand Thomas Weber. "Er läutet aber eine neue Zeitrechnung ein." Dazu gehört die moderne Technik wie das Aluminium-Chassis, das Siebengang- Doppelkupplungsgetriebe und "die effizienteste Maschine in diesem Segment" (Weber). Der V8 soll es im Testzyklus bei einem Verbrauch von 13,2 Liter/100 Kilometer belassen. Der neue Mercedes-Sportler ist für Weber ein Statement: "Wir sind wach, wir nutzen alle technischen Möglichkeiten. Und wir beschäftigen uns mit der Elektro-Mobilität." 2013 soll ein SLS mit Elektroantrieb auf die Straße kommen. AMG-Chef Volker Mornhinweg will schon um die Weihnachtszeit mit den ersten E-Testfahrten beginnen. Noch früher, am 16. November, beginnt der Verkauf des SLS. 

"Dieses Auto ist einfach das beste"

Mornhinweg: "Dieses Auto ist einfach das beste." 3.500 Anfragen für den 177.310 Euro teuren Sportler hat AMG seit dem DTM-Rennen am Norisring bereits gesammelt. Über die geplanten Stückzahlen hüllt sich Mornhinweg in Schweigen. Aber in Sindelfingen soll man sich auf eine Produktion von 5.000 Autos pro Jahr eingestellt haben. Im Frühjahr beginnt die Auslieferung, und die nächsten Schritte sind schon geplant. Die werden nicht nur in Richtung Elektroauto gehen. Neben einem Roadster denken die Entwickler an eine noch sportlichere Black Series-Variante mit weiteren Leichtbaumaßnahmen, die noch einmal 40 Kilogramm bringen sollen. Also: weniger Gewicht - und noch mehr Fahrspaß.

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