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Mercedes SLS AMG und Porsche 911 (997) Turbo

Schwäbische Überflieger im Gebrauchtwagen-Check

Mercedes SLS AMG, Gebrauchtwagen, Supersportwagen Foto: Arturo Rivas 39 Bilder

Porsche oder AMG? 911 Turbo oder Flügeltürer? Die beiden schwäbischen Performance- Marken gehen höchst unterschiedliche Wege im Supersportwagen-Segment. Was kosten Porsche 911 (997) Turbo und Mercedes SLS AMG als Gebrauchtwagen – und worauf sollte man achten?

03.04.2015 Frank Mühling Powered by

Bekannte Größe gegen Neuzugang? Understatement oder Showeffekt? Dauerbrenner kontra Eintagsfliege? Den 911 Turbo produziert Porsche seit 1974, ein Ende ist nicht abzusehen. Der Gegenspieler von Mercedes in Gestalt des SLS AMG war nur von 2010 bis 2014 auf dem Markt. Aktuell tritt der neue Mercedes AMG GT gegen den Klassiker aus Stuttgart an.

Porsche 997 Turbo und SLS AMG trennen Lichtjahre

Ob am Stammtisch oder auf dem Nordschleifen-Parkplatz: Wer den besseren Supersportler baut – das wird wohl immer hitzige Diskussionen entfachen. Zuffenhausen und Affalterbach sind zwar nur 22,9 Kilometer voneinander entfernt, konzeptionell trennen beide jedoch Lichtjahre voneinander.

Hier der Biturbo-Heckmotor in Boxer-Konfiguration mit nur 3,8 Litern Hubraum, dort der hinter der Vorderachse als Frontmittelmotor installierte, frei saugende V8-Krösus mit 6,2 Litern Hubraum. Heck- kontra Allradantrieb, Stahl- gegen Alukarosse.

Die Unterschiede ließen sich schier endlos fortführen – wo aber sind die Gemeinsamkeiten zwischen Porsche 997 Turbo und Mercedes SLS AMG? Okay, die Trockensumpfschmierung gilt in dieser Liga als gesetzt, deutlich über 500 PS Leistung und rund 700 Newtonmeter Drehmoment auch. Sogar das Doppelkupplungsgetriebe verwaltet hier wie da sieben Gänge – beim 911er optional, beim Mercedes SLS AMG als Standard. Wir biegen kurz ab in die Seitenstraße namens Modellhistorie: Der Flügeltürer kam 2010 auf die Welt.

Mercedes SLS AMG anfangs mit 571 PS

Mit 571 PS gab es anfangs nur eine Leistungsstufe für den Mercedes SLS AMG. Als fahrdynamisch relevante Optionen konnte der solvente Kunde die Keramikbremse mit bronzefarbenen Sätteln, Schalensitze und ein Performance-Fahrwerk wählen. Dieses Extra flog, weil sehr straff, Ende 2011 aus dem Programm und wurde durch ein Fahrwerk mit variabler Dämpfung und drei Stufen ersetzt. Zeitgleich debütierte der Roadster. Mitte 2012 kam der Mercedes SLS AMG GT mit 591 PS und reaktionsschnellerem Getriebe. Hier war die variable Dämpfung serienmäßig, verzichtete aber auf die Stufe Comfort. Der Über-SLS Black Series mit 631 PS, komplett geänderter Aerodynamik sowie verschärftem Fahrwerk und Antrieb debütierte erst 2013.

Zum Porsche 911 Turbo: Wo anfangen, wo aufhören? Bevor wir die ganze Geschichte erzählen, von der Ölkrise bis zum nächsten GT2 (den es noch gar nicht gibt), beschränken wir uns auf das Modell Porsche 997. Als Turbo kam der Allradler 2006 auf den Markt, der damals noch 3,6 Liter große Boxer leistete 480 PS. Ein Novum: die VTG-Lader. 2007 folgte das Cabrio. Zum Facelift 2009 ersetzte ein neuer 3,8 Liter großer Direkteinspritzer das Vorgänger-Triebwerk. Glatte 500 PS standen nun für den Porsche 997 Turbo im Datenblatt.

Gleichzeitig flog die Wandlerautomatik zugunsten des Doppelkupplungsgetriebes PDK aus dem Sortiment. Der Porsche 997 Turbo S mit 530 PS kam 2010 und hatte PDK, Keramikbremse, Sperrdifferenzial und das Sport-Chrono-Paket serienmäßig. Preislich trennten beide über 20.000 Euro.

Gebrauchter Porsche 997 Turbo S mit gelben Bremssätteln

So weit so gut – und so verwirrend. Denn wer sich für einen gebrauchten Porsche (997) 911 Turbo interessiert, sollte die Baujahre und die technischen Unterschiede im Blick haben. Auch, um dem einen oder anderen kreativen Verkäufer nicht auf den Leim zu gehen ("Ey, krasser 700-PS-Turbo, extrem selten, gab's so ab Werk!").

Weg von der Seitenstraße, zurück auf die Hauptstraße. Genauer: in die Fuggerstraße nach Nürnberg. Hier hat Auto Zitzmann seine Zelte aufgeschlagen. Zelte? Ganze Hallen! Alle gefüllt mit feinsten Luxusautos und Sportwagen. Zwischen Maserati, Maybach, McLaren, Ferrari, Rolls-Royce und Lamborghini warten ein gebrauchter Mercedes SLS AMG und ein Porsche (997) 911 Turbo S auf die sport auto-Crew. Werkstattleiter Herbert Fiegl begrüßt uns mit zwei Cappuccino und zwei Autoschlüsseln. "Der SLS ist bei uns in der Vermietung, der 911er ist ein Kundenauto. Der Besitzer braucht ihn gerade nicht und fährt was anderes."

Na, da greifen wir doch ohne Zögern zu und sagen artig Dankeschön. Der nette Kunde hat Geschmack: Sein Porsche 997 Turbo S stammt von Ende 2011, ist außen und innen schwarz, unverbastelt und hat erst 15.000 Kilometer auf der Uhr. Die gelben Bremssättel stehen dem Sportwagen-Urmeter ebenso gut wie die 19-Zöller mit Zentralverschluss.

Turbo passt auf Anhieb

Also, rein in die gute Stube. Einen Elfer vom Typ 997 zieht man sich wie einen gut sitzenden Handschuh an. Wer Golf fahren kann, kommt auch mit einem Porsche 997 Turbo zurecht. Die Inneneinrichtung ist pragmatisch und unauffällig, im Mercedes SLS AMG gibt es mehr Drama. Dafür carvt man mit dem Porsche (997) 911 Turbo S völlig unspektakulär durch den dichten Verkehr der Frankenmetropole.

Übersicht, Sitzposition, Abmessungen, Federungskomfort (adaptive Dämpfung!) – alles zu 100 Prozent alltagstauglich. Dafür ist der Porsche 911 seit jeher bekannt. Doch wehe, man gibt ihm die Sporen: Aberwitzig spannt er seine Muskeln und schießt gen Horizont. Ansatzlos pressen die Turbos das Gemisch in die sechs Brennräume, nur begleitet von einem leicht rauschenden Brodeln.

Dank Allrad geht nichts von der schieren Kraft des Porsche 997 Turbo S in Rauch auf, das PDK wechselt die Gänge fix und unauffällig. Kurz gesagt: Das Gerät geht ab wie die sprichwörtliche Sau. Im Supertest legte ein gelber Porsche 997 Turbo S einen fabelhaften Beschleunigungswert von 3,1 Sekunden aufs Parkett. Sein schwächerer Bruder ohne "S" war nur eine Zehntel langsamer. Auf der Nordschleife lagen drei Sekunden zwischen beiden Modellen (7.44 zu 7.47 Minuten). In Hockenheim distanzierte der Stärkere mit einer Rundenzeit von 1.12,1 min den Schwächeren aber um 1,1 Sekunden.

Gebrauchter Porsche 997 Turbo S kostet mindestens 80.000 Euro

Mindestens 80.000 Euro muss man für einen gebrauchten Porsche 997 Turbo S ausgeben. Die laufenden Kosten für Unterhalt, Verschleiß und Ersatzteile können bei Porsche-Neulingen spontane Schwindelanfälle auslösen. Dafür lässt sich der Boxer (Downsizing!) verbrauchsgünstig bewegen.

Typischer Schwachpunkt: der Ladeluftkühler in der Mitte. Tief angeordnet, ist er dem Beschuss von Steinchen und Streusalz ausgeliefert. Wenn es hart kommt, verformt er sich und wird undicht. Die Regelstangen der VTG-Turbos leiden auch unter Spritzwasser und rosten gerne fest. Dann kann der Motor des Gebrauchtwagen in den Notlauf gehen, im Einzelfall sind neue Lader fällig. Einen Blick wert sind die Reifen, sie fahren sich innen stärker ab als außen.

Beachtung verdienen auch die inneren Manschetten der vorderen Antriebswellen (löchrig) des Porsche 997 Turbo S, die Lager von Koppelstangen und Stabis (Geräusche) sowie die Verbindungen zwischen Keramikscheibe und Bremsentopf. Sind sie verformt, war der Vorbesitzer ein exzessiver und hart bremsender Rennstreckenliebhaber.

Mercedes SLS AMG in Alubeam

Das scheint bei unserem fränkischen Kunden nicht der Fall zu sein, an seiner Keramikbremse ist alles frisch. Ein letzter Gasstoß im Porsche 997 Turbo S – und rein in die Luxushalle zum Fahrzeugtausch. Inhaber Christoph Zitzmann schlägt jährlich über 700 Autos um, "vom geleasten VW Touran bis zum Rolls-Royce Wraith", so der Autofan, der eine eigene Leasingfirma betreibt und sein Hobby vor fast 30 Jahren zum Beruf gemacht hat.

"Der Mercedes SLS AMG ist im seltenen Farbton Alubeam, dieses Extra hat alleine gut 10.000 Euro gekostet." 136.000 Euro soll der 2011 zugelassene Flügeltürer mit 41.000 Kilometern kosten. Wer den Motor des Mercedes SLS AMG startet, wird vom klassischen V8-Donnerhall begrüßt.

Dagegen wirkt der kleine Porsche-Boxer geradezu schüchtern. Flügeltür auf, rein in das appetitliche Cockpit. Sitzposition und Übersicht erfordern mehr Gewöhnung, auch die lange, breite Haube des Mercedes SLS AMG verlangt Konzentration.

V8-Sauger mit tollem Ansprechverhalten

Pure Freude verströmen Sound und Ansprechverhalten des V8-Saugers. Drehmoment-Punch und Spaß an hohen Drehzahlen vermischen sich zu einem feurigen Motorvergnügen, das schlicht süchtig macht. Dass der Mercedes SLS AMG mit 4,0 Sekunden im Supertest klar langsamer beschleunigte als der Porsche 997 Turbo S, spürte man subjektiv kaum.

Dafür war er auf der Nordschleife exakt vier Sekunden schneller. Zu spüren sind dagegen die verzögerten Reaktionen auf manuelle Schaltbefehle. Und der enorme Durst des Hubraum-Dinos.

Wenig Sorgen beim Mercedes SLS AMG

Technik-Ärger kennen Flügeltürer-Eigner kaum. Hin und wieder können Sensoren Probleme verursachen. Durch lange Standzeiten stirbt die eine oder andere Starterbatterie einen frühen Tod.

Prüfen sollte man in jedem Fall, ob die Bremsscheiben Risse zwischen den Löchern aufweisen. Sind Keramikscheiben montiert, lohnt ein Blick auf deren Innenseite: Wie beim Porsche und anderen Sportlern deuten Abplatzer auf Abstecher ins Kiesbett hin. Dann wird's richtig teuer. Auch beim Mercedes SLS AMG können Koppelstangen und Stabis Geräusche machen. Beim Reifenverschleiß hingegen ist er unauffällig.

Somit gebührt AMG unterm Strich ehrlicher Respekt: Schließlich ist der SLS das erste eigenständig entwickelte Auto der Firmengeschichte.

Vertrauensfrage

Welcher Typ Sportwagen-Fan sind Sie? Understatement oder großes Kino? Wer den dezenten Auftritt bevorzugt, greift eher zum gebrauchten Porsche 997 Turbo als zum Mercedes SLS AMG. Der 911er fällt im Straßenverkehr kaum auf, die Form des Coupés ist seit Jahrzehnten präsent. Sozialneid kann sicherlich auch er auslösen, doch wer im Silberpfeil vorfährt und dann noch die effektheischenden Flügeltüren öffnet, darf nicht damit rechnen, dass das alle Umstehenden total super finden.

Typisch deutsch? Wie auch immer: Der Mercedes SLS AMG mit seinem auffälligen Design und den dramatischen Proportionen verkörpert viel eher das Symbol für Reichtum als Porsches ewiger Heckmotor-Sportler. Preislich dürfte der 911 Turbo vom Typ 997 die Talsohle bald erreicht haben. Die Nachfrage ist aktuell eher schwach, bei knapp 50.000 Euro geht es los. Wie (fast) jeder Porsche hat auch der 911 Turbo das Zeug zum sehr begehrten Klassiker.

Beim Flügeltürer sieht die Situation ganz anders aus. Noch vor einem Jahr gab es 2010 produzierte Mercedes SLS AMG bereits ab rund 110.000 Euro, aktuell sind mindestens 15.000 Euro mehr fällig. Dass die Preise jetzt anziehen, dürfte auch am neuen GT liegen, der eben keine Flügeltüren mehr hat und dem SLS AMG einen außergewöhnlichen, ja ikonenhaften Status sichern könnte. Außerdem wurde der Affalterbacher in einer vergleichsweise geringen Stückzahl gebaut, was grundsätzlich immer für steigendes Interesse bei Autosammlern sorgt.

Egal ob Porsche oder Mercedes: Kenner der Materie kaufen einen Sportwagen übrigens nicht jetzt im Winter, sondern zwischen August und Oktober – dann, wenn keiner sucht. Geringe Nachfrage trifft auf ein größeres Angebot, was bekanntlich die Preise drückt.

Sportliche Alternativen - Ferrari 458 Italia

Knapp fünf Jahre verdrehte uns der Einstiegs-Ferrari den Kopf. Der V8-Saugmotor dreht wie entfesselt bis maximal 9.000 Umdrehungen, schreit wie verrückt und mobilisiert 570 PS. Perfektes Rennstrecken-Tool, dabei gute Alltagstauglichkeit. Start bei rund 125.000 Euro, ordentliche Auswahl.

McLaren MP4-12C

Der Brite kam erst vor drei Jahren auf den Markt und ist als Secondhand-Auto nur in homöopathischen Dosen verfügbar. Mit 625 PS steht der 3,8 Liter große V8-Biturbo des McLaren gut im Futter. Auch fahrdynamisch überzeugt der Mittelmotorsportler. Unter 120.000 Euro nicht zu bekommen.

Audi R8 5.2 FSI Quattro

Bei ihrem ersten Sportwagen haben sich die Audianer am klassischen Ferrari- und Lamborghini-Layout orientiert. Der V10-Mittelmotor leistet zwischen 525 und 570 PS. Frühe R8 V10 von 2009 sind bereits für gut 60.000 Euro zu haben. Aktuell stehen hierzulande gut 200 Autos zum Verkauf.

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