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Klaus Maier im Interview

Daimler startet das Core-Nachfolgeprogramm

Foto: Daimler

Mercedes-Vertriebs- und Marketing-Vorstand Klaus Maier spricht im Interview mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht, wie das neue Effizienz-Programm aussieht und ob es Auswirkungen auf das zukünftige Modell- und Motorenportfolio haben wird.

13.12.2008 Harald Hamprecht

Herr Maier, nach Informationen von auto motor und sport haben Sie Anfang Dezember ein neues Sparprogramm gestartet. Können Sie uns hier Details nennen?
Maier: Das Programm "Effizienz" ist - wie der Name schon sagt - kein reines Sparprogramm. Es basiert auf unserer aktuellen Strategie "Go for 10", die wir Anfang Januar 2008 für Mercedes-Benz Cars festgelegt haben. Darin haben wir uns zum Ziel gesetzt, Weltmeister in zehn Disziplinen zu werden beziehungsweise zu bleiben: bei Sicherheit, Komfort, Design, Qualität, Service und Umweltfreundlichkeit sowie Effizienz, Unterhaltskosten, Dynamik, Preis-/Wertverhältnis. Um dies zu erreichen, haben wir wiederum zehn entsprechende Initiativen definiert.

Was war der Ausgangspunkt für Go for 10?
Maier: Schon damals haben wir im Gesamtkontext der steigenden Rohstoffpreise und unvorteilhaften Wechselkurse erkannt, dass der Handlungsdruck wächst und wir unser Geschäftssystem kontinuierlich weiterentwickeln müssen, um für alle Unwägbarkeiten und Zyklen im Automobilgeschäft gut gewappnet zu sein. Die Rahmenbedingungen haben sich nun ja massiv verschlechtert, deswegen hat die Go For10-Säule "Effizienz" eine noch gewichtigere Bedeutung bekommen. Aus kontinuierlicher Verbesserung machen wir nun eine beschleunigte Verbesserung. Deswegen müssen wir die Effizienz über alle Bereiche von Mercedes-Benz Cars forcieren - von der Entwicklung bis hin zum Vertrieb.

Nach unseren Informationen wollen Sie die Kosten Mercedes Car-Group weit 2009 um zehn bis 15 Prozent senken - und in Ihrem Ressort Vertrieb sogar um bis zu 30 Prozent. Können Sie das bestätigen?
Maier: Wir haben hier bewusst hohe Ziele ausgegeben - im Sinne einer Denkhürde. Denn wir wollen über den Vertrieb der Zukunft nachdenken. Wir wollen nicht heutige Strukturen einfach verkleinern sondern uns komplett neu aufstellen. Wir wollen den Vertrieb ganz neu denken. Wir fragen uns: Wie sieht der Automobilverkauf 2015 aus? Wie das Vertriebsmodell der Zukunft? Wie ein nachhaltiges Geschäftsmodell für unsere weltweit über 6.000 Verkaufs- und Servicestandorte. Deswegen setzen wir den Prozess anders auf als in der Vergangenheit. Wir versetzen uns in die Rolle der Kunden und wollen ihre zukünftigen Bedürfnisse erkennen und bedienen. Das zwingt uns, alles in Frage zu stellen - dabei darf es auch keine heiligen Kühe geben.

Was steht denn auf dem Schlachtplan?
Das wissen wir noch nicht im Einzelnen. Wir haben in diesem Quartal erst mit den Arbeiten begonnen. Wir definieren noch die Anforderungen der Kunden an den Handel und die Anforderungen unserer Vertriebsorganisation an die Konzernzentrale. Unsere Vertriebsgesellschaften müssen sich in Zukunft viel mehr auf den Kunden und die Händlersteuerung fokussieren. Administrative Aufgaben - wie etwa die Auftragsabwicklung und Ordering-Prozesse - müssen wir hier sicher vereinfachen. Redundanzen müssen wir abschaffen und und Komplexitäten reduzieren.

Das Core-Programm haben Sie erst im Herbst 2007 abgeschlossen und damit 10.000 Arbeitsplätze gestrichen. Steht ein Arbeitsplatzabbau auch bei "Effizienz" an?

Maier: Das ist nicht das Ziel von "Go for 10".

Mit Core haben Sie das Konzernergebnis um 7,1 Milliarden Euro verbessert. Können Sie das überhaupt toppen?
Maier: Ich kann hier nur für den Vertrieb sprechen: Wir haben hier kein absolutes Euro-Ziel für Einsparungen. Wir sind im Moment dabei, über verschiedene Bereiche hinweg, unsere Ideen zu organisieren. Was am Ende an Einsparpotenzial herauskommt, investieren wir an anderen Stellen auch wieder. Und ich möchte noch einmal betonen: Wir fahren mit "Effizienz" einen anderen Ansatz als bei Core, wo wir schnell und zielgerichtet Kosten reduziert haben. Heute wollen wir alle etablierten Prozesse hinterfragen und – gerade auch in meinem Verantwortungsbereich - ein komplett neues, flexibles und zukunftsorientiertes System aufsetzen statt Cost-Cutting nach der Rasenmähermethode zu betreiben. Das ist die große Chance, die wir sehen.

Wenn Sie eine 30-prozentige Kostenreduktion erreichen wollen, müssen Sie aber radikal vorgehen. Haben Sie konkrete Beispiele? Wird es etwa die MBVD in Berlin noch geben - oder verlegen Sie diese deutsche Vertriebsgesellschaft nach Stuttgart?
Maier: Lassen Sie mich das so beantworten: Wir treiben zum Beispiel an zu vielen Stellen im Unternehmen Marktforschung, Event-Management, Fuhrpark-Management. Das sind Überlappungen, die wir strukturell ändern müssen. Wir werden viele Berichtslinien verändern und damit unsere Organisation verschlanken und damit schneller und flexibler machen. Und ja, wir sehen einige Doppelarbeiten zwischen Landesgesellschaften und Zentrale. Die müssen wir in Zukunft ausschließen.

Wird die Zahl der konzerneigenen Niederlassungen sinken?

Maier: In jedem Markt müssen wir lokal präsent sein. Allein in Deutschland machen wir 25 Prozent unseres Absatzes über unsere etwa 40 Niederlassungen. Deswegen werden wir lokale Präsenz nicht in Frage stellen.

Werden Sie Ihr Werbebudget beschneiden?
Maier: Im kommenden Jahr haben wir ein großes Ereignis vor uns: den Anlauf der wichtigsten Baureihe, die wir haben: die E-Klasse. Darauf fokussieren wir alle Kraft. Wir müssen beim Budget insgesamt gesehen sicher an der einen oder anderen Stelle Abstriche machen. Gleichzeitig wollen wir noch effektiver werden mit unseren Ausgaben. Gelder für die Werbeunterstützung unserer Modell-Neueinführungen werden wir aber sicher nicht streichen.

Ihr Modellportfolio ist schon heute das breiteste unter allen Premiumanbietern. Werden Sie geplante Varianten kippen oder bestehende Baureihen eliminieren?
Maier: Wir stellen uns natürlich die Frage: Worauf können wir verzichten? Und worauf auf keinen Fall? An neuen Produkte und Umwelttechnologien werden wir aber keinesfalls sparen. Denn das zahlt unmittelbar auf das Geschäft von morgen ein.

Das große Ziel der ersten Variante von "Go for 10" war ein dauerhaft profitables Wachstum mit einer Umsatzrendite (RoS) von zehn Prozent und einem jährlichen Umsatzwachstum von fünf Prozent zu erreichen. Bleibt es dabei?
Maier: Diese Größen haben wir für uns als High-Performance-Organisation definiert und es gibt keine Pläne, an diesen Zielen zu rütteln. Allerdings sind sie auch nicht jedes Jahr erreichbar, sondern im Schnitt im Zyklus. Im Abschwung sicher nicht. Mit dem nächsten Aufschwung müssen wir wieder in diesen Zielkorridor einfliegen.

Wann kommt Ihrer Prognose nach der nächste Aufschwung?
Maier: Diese Glaskugel hätte ich gerne. Grob gesagt glauben viele Experten, dass die nächsten zwölf bis 18 Monate noch schwer werden.

In vielen Werken haben Sie bereits Kurzarbeit angemeldet. Wie viele Fahrzeuge nehmen Sie damit zum heutigen Zeitpunkt insgesamt raus - im Vergleich zur ursprünglichen Planung?
Maier: Das kann ich Ihnen nicht beantworten. Das hängt auch vom Ausgangspunkt der Rechnung ab. Wir haben bereits frühzeitig Maßnahmen beschlossen und setzen diese nun verstärkt um. Und die weitere Entwicklung hängt schlicht vom Markt ab. Wir müssen Produktion und Absatz einfach in Gleichklang bringen und halten.

Wie werden Sie das Geschäftsjahr 2008 beim Absatz abschließen?

Maier: Fragen Sie mich das bitte in zwei Wochen. Per November hatten wir für die Mercedes Benz Cars einen weltweiten Absatz von 1.158.200 Einheiten verbuchen können, ein Minus von einem Prozent. Wir rechnen auf’s Gesamtjahr gesehen noch mit einem Absatz in der Größenordnung des Vorjahres. Es wird aber ein knappes Ergebnis und hängt ab von den Entwicklungen in den großen Märkten.

Werden Sie den Absatz 2009 wieder steigern können?
Maier: Diese Diskussion zu führen wäre unvernünftig, weil wir nicht einmal wissen, wie das erste Halbjahr läuft. Am Ende des ersten Quartals werden wir auf die nächsten Monate schauen.

Audi hat heute verkündet, dass es schlecht um die Auftragseingänge steht. Wie sieht das bei Ihnen aus?
Maier: Von der aktuell schwierigen Situation sind alle Hersteller betroffen.

Deutschland ist Ihr größter Einzelmarkt vor den USA, England, Italien und Frankreich. Wird das so bleiben - oder deutet sich eine Änderung in der Reihenfolge Ihrer Top-5-Märkte an?
Maier: Deutschland ist unser Heimatmarkt und wird auch mittelfristig unser größter und stabilster Markt bleiben. Zumal sich der Markt weniger volatil als in den USA bewegt.

Wann sehen wir endlich den offiziellen Abschluß einer Kooperation mit BMW?
Maier: Aus meiner Warte sind Kooperationen mit Wettbewerbern in solchen wirtschaftlichen Situationen wichtiger denn je. Allerdings muss der Nutzen für beide Seiten vernünftig sein. Warten wir das mal ab.

Werden Sie die neue E-Klasse tatsächlich 25 Prozent günstiger fertigen als alte?
Maier: Das ist keine Aussage unseres Hauses. Bei jedem Konzeptsprung werden aber natürlich Effizienzen bei Kosten und Produktivität erzielt. Vor allem soll unsere E-Klasse aber immer die sicherste und komfortabelste Business-Limousine der Welt sein. Und sie soll vor allem auch sehr umweltfreundlich sein, hier haben wir große Fortschritte gemacht.

Wie steht es um Ihre Kleinwagenmarke?

Maier: Bei Smart ist alles im grünen Bereich. Auch beim Absatz. Wir fahren unser Werk Hambach dieses Jahr bei voller Kapazitätsauslastung.

Wie lange soll Ihr Effizienz-Programm laufen?

Maier: "Go For 10" ist eine langfristig angelegte  Strategie, die auf nachhaltige Verbesserung abzielt.

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