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Mercedes-Vetriebschef Ola Källenius im Interview

"Bis 2020 wird China unser größter Markt"

Ola Källenius, Porträt Foto: Mercedes 3 Bilder

Ola Källenius, Vertriebs- und Marketingchef von Mercedes-Benz, über Absatzrekorde, Preispolitik, und wie die neuen Kompakten die Marke verjüngen.

16.12.2014 Jens Katemann
Wenn man die letzten Meldungen liest, scheint 2014 ja ein Rekordjahr für Sie zu werden. Richtig?

Källenius: Ja, 2014 wird ein Rekordjahr werden. Wir haben aktuell ein Absatzplus von über zwölf Prozent. Die Produkte kommen bei unseren Kunden hervorragend an. Die neue C-Klasse startet gerade sehr stark in den USA und in China.

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Ola Källenius im Interview Marketingchef von Mercedes-Benz
auto motor und sport 25/2014
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Aber Sie haben ja nicht nur die neue C-Klasse am Start.

Källenius: Das ist richtig. Wir haben ein richtiges Modellfeuerwerk. Die S-Klasse ist äußerst beliebt. Noch nie zuvor nahmen Kunden im ersten Jahr der vollen Verfügbarkeit 100.000 Fahrzeuge der Luxuslimousine in Empfang. Für uns ist das ein Meilenstein.

Das heißt, Sie rechnen in diesem Jahr mit über 1,5 Millionen verkauften Autos?

Källenius: Wir kommentieren solche Vermutungen nie. Aber ich glaube, das kann sich jeder selbst errechnen, wenn man sich unser starkes Wachstum anschaut.

Was sind im Moment die besten Märkte?

Källenius: Deutschland ist ein stabiler und wichtiger Markt − der Gesamtmarkt wird dieses Jahr etwas unter drei Millionen Einheiten bleiben. In unserem Heimatmarkt ist das T-Modell der C-Klasse gerade auf den Markt gekommen und die Auftragseingänge sind ausgezeichnet! Westeuropa und Südeuropa: Da ist die Wende erreicht, wir wachsen ziemlich dynamisch und zweistellig. Besonders unsere neuen Kompakten und die C-Klasse kommen da sehr gut an.

Und die USA?

Källenius: Dort werden wir erneut ein Rekordjahr erreichen. Der Verkauf der neuen C-Klasse läuft in den USA gerade an. In Asien ist der wichtigste und größte Markt natürlich China, der die USA irgendwann als Nummer eins ablösen wird. Im Moment liegen die USA allerdings noch vor Deutschland und China. Auch Japan und Südkorea sind sehr stark für uns – und sogar Russland, wo wir im Gegensatz zu anderen Marken im Plus liegen.

Wann wird China Ihr größter Markt?

Källenius: Bis 2020 auf jeden Fall.

Was haben Sie aus dem Pilotprojekt Ihres Online-Stores gelernt?

Källenius: Nach einem knappen Jahr in Hamburg und einem halben Jahr in Warschau – das sind ja unsere zwei Pilotprojekte – ist klar: Sehr viele Interessenten nutzen dieses digitale Portal, um mit uns ins Gespräch zu kommen. Es ist wie ein virtuelles Schaufenster. Die User chatten mit uns, sie buchen eine Probefahrt oder vereinbaren einen Termin mit einem Verkäufer. Die Hauptnutzung ist Information und ein direkter digitaler Zugang in den Handel. Das funktioniert hervorragend, und manche gehen sogar den ganzen Weg: Sie kaufen beispielsweise ein E-Klasse T-Modell über das Internet.

Bekommen die Kunden online günstigere Preise?

Källenius: Nein, genau das machen wir nicht. Obwohl der eine oder andere Kunde vielleicht darauf spekuliert. Egal ob der Kauf online oder über den Händler getätigt wird – die Preise bleiben gleich. Die Auslieferung unserer Fahrzeuge erfolgt immer durch den regionalen Handel. Die digitale Welt ist eine Ergänzung dazu.

Ihre neuen Modellbezeichnungen erscheinen zwar logisch, aber haben Sie keine Angst, dass es die Kunden verwirrt, wenn es plötzlich keine M-Klasse mehr gibt?

Källenius: Ich war in den 90er-Jahren im M-Klasse-Entwicklungsteam, bin also mit der M-Klasse quasi per Du. Wenn wir jetzt so einen Schritt machen, dann ist es wichtig, dass die neue Logik konsequent umgesetzt wird und dass sie passt. Der Kunde steht bei der neuen Nomenklatur immer im Vordergrund, denn sie gibt Orientierung und ist logisch aufgebaut.

Sie haben die neuen Modellbezeichnungen sicher auch vorab an Kunden getestet. Was kam dabei heraus?

Källenius: Natürlich haben wir das mit Kunden und Händlern intensiv besprochen. Dabei kam ganz klar heraus, dass heute schon die Grundlogik unserer Klassen von allen verstanden wird: S, E, C, B, A. Und besonders bei den Geländewagen gab es Abweichungen hiervon. Der Urvater aller Geländefahrzeuge ist der G. Der steht über allen, wobei G klar für "Gelände" steht. Das Kürzel GL benutzen wir bereits – beim GLA haben wir nämlich die Nomenklaturänderung schon zur Markteinführung umgesetzt.

Und da das Jahr der vielen neuen SUV vor der Tür steht, mussten Sie handeln.

Källenius: Wir mussten nicht, aber wir wollten. Wir erneuern die M-Klasse, wir bringen ein völlig neues SUV-Coupé, erneuern den GL und bringen den von Grund auf neu entwickelten Nachfolger des GLK. Innerhalb von zwölf Monaten stellen wir unsere SUV-Welt komplett neu auf. Somit ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Logik S, E, C, B, A auch auf die SUV zu übertragen. Es ist eine einmalige Chance. Und auto motor und sport hatte ja geschrieben, der GL sei die S-Klasse unter den SUV. Folgerichtig wird aus ihm nun der GLS. Auch wenn die Bezeichnung M-Klasse durch GLE ersetzt wird: Jeder versteht die neue Logik sofort.

Dann fehlt jetzt ja nur noch ein GLB, oder?

Källenius: Sagen wir mal so: Nach heutigem Stand gibt es hierzu keine Pläne.

Der Luxusbereich wird ja breiter, auch Firmen wie Bentley wollen sich ausweiten. Wie reagieren Sie darauf? Maybach könnte ja mehr sein als nur die Submarke einer S-Klasse.

Källenius: Wir haben mit unserer Submarke AMG sehr gute Erfahrungen gemacht. Da sind wir sehr gut unterwegs. Und die Kernmarke Mercedes-Benz ist ohnehin die wertvollste Automarke weltweit. Was Sportlichkeit für AMG ist, wird Exklusivität für Mercedes-Maybach sein. Wenn ich mich in den Fond hineinsetze, und ich bin 1,95 Meter groß, dann kann ich den Sitz herunterfahren und ausgestreckt liegen. Die Innenraumgröße übertrifft sogar den Maybach 57, obwohl der das deutlich längere Fahrzeug ist. Höchste Exklusivität und höchste Individualität – das ist Mercedes-Maybach.

In einem SUV auch denkbar?

Källenius: Auch hier gibt es im Moment keine Pläne. Mit der neuen Mercedes-Maybach-Limousine holen wir unsere bisherigen Maybach-Kunden ab, wollen aber auch Wettbewerbskunden überzeugen. Wird ein noch längeres und repräsentativeres Fahrzeug im Stil einer Staatskarosse gewünscht, könnte ich mir gut einen neuen Pullman vorstellen.

In unseren Testberichten sieht man klar, dass die Mercedes-Fahrzeuge in quasi jedem Segment teurer sind als die Rivalen von Audi und BMW. Können Sie diese Preispolitik auf Dauer durchhalten?

Källenius: Es ist eine klare Strategie von Mercedes-Benz für den Mehrwert, den wir unseren Kunden bieten, auch ein Preis-Premium aufzurufen. Mercedes-Benz ist in jedem Land der Welt höher positioniert als die relevanten Wettbewerber, was sich auch in der Preisgestaltung niederschlägt. Am Ende entscheidet natürlich der Kunde, den wir mit unseren Angeboten überzeugen müssen.

Wie hat sich inzwischen das Durchschnittsalter der Mercedes-Käufer durch die Einführung der optisch jüngeren Kompaktmodelle entwickelt?

Källenius: Ich kann Ihnen eine Zahl sagen: Bei unseren Kompakten sind wir durch die neuen Modelle zehn Jahre jünger geworden. Das ist in unserer Branche eine kleine Sensation.

Welchen Anteil an Plug-in-Autos erwarten Sie 2015?

Källenius: Die erste Resonanz auf den S 500 e ist sehr positiv, und in drei Jahren werden wir mit zehn Plug-in-Modellen ein breites Spektrum anbieten: von der C- bis zur S-Klasse, und ein paar SUV kommen auch dazu. Der Plug-in-Hybrid ist fester Bestandteil unserer Produktstrategie und bietet großes Potenzial für den Vertrieb von Mercedes-Benz. Wir werden auch weiterhin sehr stark in diese Technologie investieren.

Kommen wir zu den reinen Elektroautos: Entwickeln Sie eigentlich gerade einen Tesla-Gegner?

Källenius: Wir haben mit dem Smart Electric Drive, der B-Klasse Electric Drive und dem SLS Electric Drive gezeigt, was möglich ist. Zumindest, wenn man die Ingenieure mal ihre wildesten Träume ausleben lässt. Ist das jetzt das Ende unserer Elektro-Strategie? Sicherlich nicht!

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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