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Mercedes W 123 in der Service Station

Stern-Gucker

Mercedes W 123, Motor, Werkstatt Foto: FACT 9 Bilder

Wer einen Mercedes W 123 kaufen möchte, sollte nicht nur auf die typischen Mängel achten. Auch die möglichen Folgekosten für die Wartung und für Technikreparaturen gilt es zu bedenken. Experten geben Tipps.

01.07.2013 Bernd Woytal Powered by

Die legendäre Haltbarkeit und eine mühelose Versorgung mit Ersatzteilen zählen zu den schlagkräftigsten Argumenten, die für den Kauf eines Mercedes der Baureihe W 123 sprechen. Doch ist das wirklich so?

Nicht alle Ersatzteile gibt es noch

"Jein", lautet die diplomatische Antwort. So ist laut Experten wie Steffen Kappler von der Oldtimer-Meister GmbH bei Karlsruhe eine Vollversorgung mit Teilen über Mercedes sowie über freie Anbieter für die Baureihe W 123 nicht mehr gegeben. Da reißt immer mal wieder die eine oder andere Lücke auf, und für manche Teile wechseln häufig die Preise beziehungsweise sie differieren je nach Bezugsquelle sehr stark trotz gleicher Qualität. Allein aus diesem Grund dienen die angegebenen Kosten in der Service-Tabelle auf der nächsten Seite nur der Orientierung. Zudem beeinflussen auch die Stundensätze die genannten Kosten für arbeitsintensive Reparaturen deutlich.

Für den Ruf der Unzerstörbarkeit der Modelle der Baureihe W 123 haben etliche Exemplare gesorgt, die mit Laufleistungen von über einer Million Kilometer glänzen. Doch ohne eine fachgerechte Pflege ist dies nicht machbar.

Sechszylinder im Unterhalt deutlich teurer

"Leider befinden sich etliche W 123 in einem bedenklichen Zustand", lautet die Erfahrung des Mercedes-Schraubers Walter Pflitsch aus Solingen, und das kann für den neuen Besitzer ins Geld gehen. Zum Beispiel, wenn es sich um bestimmte Arbeiten an den Sechszylindermotoren M 110 handelt. "Das Wechseln einer Zylinderkopfdichtung kostet leicht das Doppelte wie bei einem Vierzylinder", nennt Kappler ein Beispiel, sprich, es fallen Kosten im vierstelligen Euro-Bereich an.

Für die Zwei-Nockenwellen-Maschine im Mercedes W 123 liegen die Wartungs- und Reparaturkosten grundsätzlich auf höherem Niveau, doch gibt es auch Ausnahmen wie der Wechsel der Wasserpumpe, der sich dank einer günstig erhältlichen Pumpe und wenig Arbeitszeit für etwa 150 Euro realisieren lässt. Ein Preis von etwa 250 Euro gilt für das Modell Mercedes 230 E mit dem M 102-Motor. Wird übrigens das über Mercedes zu beziehende Originalteil montiert, verteuert sich die Reparatur um etwa 150 Euro.

Überblick über die Motoren des Mercedes W 123

An dieser Stelle bietet sich ein grober Überblick über die im Mercedes W 123 verwendeten Motoren an, denn speziell wer noch nicht mit den Modellen vertraut ist, kommt hier leicht ins Schleudern. Der bereits erwähnte Sechszylinder M 110 treibt die 280er-Modelle an, im 250 findet sich der M 123. Die Vierzylinder-Versionen 200 und 230 besaßen bis 1980 den M 115, dann folgte der M 102. Bei den Dieselmodellen 200 D und 220 D nennt sich die Kraftquelle OM 615, beim 240 OM 616 und beim Fünfzylinder OM 617.

Doch zurück zum M 102. Der besitzt in beiden Hubraumversionen genau wie der M 123 eine einreihige Steuerkette, die seltsamerweise nur beim M 102 Probleme bereitet. "Ab Laufleistungen von etwa 120.000 Kilometern sollte man ein Auge darauf haben", rät Kappler und legt dabei Erfahrungen aus jener Zeit zugrunde, als die Mercedes W 123 noch in Produktion waren.

Heute verschärfen festgerostete Kettenspanner die Situation, weil diese die Dehnung der Kette nicht mehr ausgleichen. Wenn dann die Kette überspringt, besteht die Gefahr eines kapitalen Motorschadens. Daher sollte der Kunde rechtzeitig die nötigen 200 Euro oder mehr investieren, um diese Gefahrenstelle bei seinem Mercedes W 123 zu beseitigen.

Geringe Laufleistung ist kein eindeutiges Indiz für guten Zustand

Motorüberholungen geben Mercedes W 123-Fahrer selten in Auftrag, meist wählen sie die kostengünstigere Lösung eines Gebrauchtteils. Das ist auch bei anderen Schäden üblich, wie etwa bei einem verschlissenen Lenkgetriebe, denn ein Neuteil für über 2.500 Euro ist den meisten zu teuer.

In diesem Zusammenhang sei auf einen Trugschluss hingewiesen, dem viele erliegen: Bei Mercedes W 123 mit geringer Laufleistung kann man zwar grundsätzlich mit weniger Verschleiß rechnen, doch kommt es auf den Einsatz an. 50.000 Kilometer können nämlich manches Bauteil mehr fordern als 200.000, wenn es sich im ersten Fall um Kurzstrecken und im zweiten um überwiegend schonende Langstrecken handelt.

Doch bleiben wir noch kurz bei den Motoren, die alle, ob Benziner oder Diesel, "bei guter Pflege für über 500.000 Kilometer gut sind", so Kappler. Der Mercedes W 123-Kenner nennt noch weitere Punkte, die Kosten verursachen können. So zum Beispiel die Vergaser, deren Gehäuse verzogen sein kann. Oder ausgeschlagene Drosselklappenwellen oder eine defekte Startautomatik. Weil manche Werkstätten diese Fehler nicht erkennen, kommt es zu Fehldiagnosen - es fließt Geld in überflüssige Reparaturen.

Standschäden bei Einspritzanlagen

Die Einspritzanlagen des Mercedes W 123 funktionieren problemlos, sofern sie nicht an Standschäden leiden. Wenn dann etwa der Warmlaufregler und der Mengenteiler zu ersetzen sind, wird es teuer. Auch der Wechsel des Kraftstofffilters kann beim Einspritzer mehr kosten als gedacht. Der ist Bestandteil des Kraftstoffpumpenpakets, wie es im Fachjargon heißt, und wenn bei dieser Baugruppe die Leitungen oder der Druckspeicher marode sind, bleibt es nicht bei den in der Tabelle genannten 70 Euro.

"Bei den Motoren M 115, die Ein- und Auslass auf der gleichen Seite haben, kann zudem eine undichte Saugrohrdichtung Verdruss bereiten", weiß Kappler. Grund sind verzogene Auspuffkrümmer, die mit dem Ansaugkrümmer verschraubt sind. Die Erfahrung zeigt, dass die beste Lösung für dieses Problem beim Mercedes W 123 gute Gebraucht- oder Neuteile sind, sofern verfügbar, was Ausgaben von mehreren hundert Euro bedeuten kann.

Häufig sind verschlissene Gelenke an der Vorderachse

Kommen wir zum Fahrwerk des Mercedes W 123. Dass die Spurstangen mit ihren langen Gewinden schnell festrosten, macht sich erst bemerkbar, wenn der Wagen vermessen werden soll. Aber die Kosten dafür sind überschaubar.

Teurer wird es, wenn die Traggelenke der Vorderachse beim Mercedes W 123 verschlissen sind, das ist laut Pflitsch "ein häufig anzutreffender Schaden". Oft handelt es sich dabei um ungepflegte Exemplare, weshalb letztendlich eine Überholung der kompletten Vorderachse nötig wird, was schnell über 1.000 Euro kostet. "Da stecken allein um die 300 Euro für neue Schrauben und Unterlagscheiben drin", erläutert Kappler.

Wer ein Mercedes W 123-Modell mit Niveauregulierung erwirbt, sollte wissen, dass für zwei neue Federbeine um 1.000 Euro fällig sind, und dass das Erneuern maroder Leitungen, die es nicht fertig zu kaufen gibt, viel Zeit kostet.

Doch ein gut gepflegter Mercedes W 123, betreut von einer kundigen und preisgünstigen Werkstatt, wird tatsächlich dem Ruf des problemlosen Dauerläufers gerecht. "Aber leider", so Walter Pflitsch, "wissen viele nicht, wie gut ein durchreparierter W 123 laufen kann."

Service-Tipp Mercedes W 123

Ein gut gewarteter Mercedes W 123 bereitet technisch kaum Ärger. Wer regelmäßig Öl und Filter wechselt (auch beim Automatikgetriebe), alle anderen Flüssigkeitsstände und die auf diesen Seiten erwähnten Verschleißteile im im Auge behält, kommt sorglos über die Runden.

Hilfe für Neueinsteiger bietet natürlich auch der Mercedes- Benz W123-Club (www.w123-club.de). Sehr hilfreich ist die dort im Clubshop angebotene Literatur. Die Kaufberatung über den W 123 für rund 15 Euro bietet einen informativen Überblick über die gesamte Baureihe und liefert wichtige Tipps für den Kauf.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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