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Mercury Cougar Restaurierung

Schweizer Präzisionsarbeit am US-Car

Mercury Cougar, Frontansicht, Kühlergrill Foto: Fact 15 Bilder

Der Schweizer Walter Petrig restaurierte in gut 2 Jahren einen 68er Mercury Cougar, wie ihn sein Vater einst fuhr - mit großem Aufwand und besonderer Sorgfalt. Das Ergebnis überzeugt auf ganzer Linie.

24.02.2015 Bernd Woytal Powered by

Auf den ersten Blick wirkt der mächtige Mercury Cougar wie ein Fremdkörper in Walter Petrigs kleiner Sammlung klassischer Porsche. Der Schweizer aus dem Kanton Schwyz fuhr schon in den 70er-Jahren Produkte aus Zuffenhausen und war 25 Jahre aktiv im Porsche Cup Swiss. In diese Zeit fallen Petrigs erste Schrauberaktivitäten, und vor einigen Jahren entschloss er sich dann, einen 75er 911 Turbo zu restaurieren. "Dies war sozusagen mein Gesellenstück", sagt der 62-Jährige, obwohl der Wagen beim Betrachten eher wie das Werk eines Meisters wirkt.

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Restaurierung Mercury Cougar
Motor Klassik 01/2015
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Nach Porsche-Restaurierung kommt der Mercury Cougar

Petrig legt Wert auf Perfektion, das sieht man allen seinen Porsche an. Doch wie kam er dazu, einen Mercury Cougar zu kaufen und zu restaurieren? "Mein Vater fuhr etliche Jahre ein solches Auto, und ich spielte deshalb immer mit dem Gedanken, ebenfalls einen Cougar zu besitzen", lautet die Antwort. Fast wäre es während einer USA-Reise dazu gekommen, doch das ins Auge gefasste Exemplar entpuppte sich als sehr stark modifiziert, weshalb Petrig vom Kauf absah. Lustigerweise klappte es dafür einige Zeit später fast vor der eigenen Haustür. "Ich fuhr von Zürich nach Schlieren und sah plötzlich am Straßenrand bei einem Händler einen 68er Cougar stehen, wie ihn mein Vater besaß", erinnert sich Petrig an den glücklichen Zufall.

Natürlich schaute er sich den Wagen sofort an, und nachdem ein hinzugezogener Mechaniker ebenfalls den Kauf befürwortete, wurde Petrig zum Cougar-Besitzer. Die Technik des Mercury Cougar befand sich zwar in einem ordentlichen Zustand, aber eine Restaurierung war unvermeidbar. An der Karosserie zeichneten sich etliche Rostspuren ab, eine genauere Inspektion des Fahrzeugbodens verhinderte allerdings eine schwarze Unterbodenschutzschicht.

Ein guter Kauf mit wenig Rost

Vorsichtshalber lenkte Petrig daher seine Neuerwerbung zu einem Fachbetrieb, der die Unterseite des Fahrzeugs mit einem Eisstrahlgerät reinigte. Die wenigen nach dieser Prozedur sichtbar gewordenen Durchrostungen am Mercury Cougar bestätigten die Vermutung, dass der Wagen ein lohnenswertes Restaurierungsobjekt sei.

Nun konnte der Hobby-Restaurierer in seiner Garage umgehend mit den Demontagearbeiten beginnen. Er entfernte das gesamte Interieur, alle äußeren Anbauteile, die Elektrik samt Kabelbaum, den kompletten Antrieb und das Fahrwerk, bis die Rohkarosse des Mercury Cougar übrig blieb. Seine Vorgehensweise kann er nur jedem empfehlen: "Ich habe jeden Schritt schriftlich oder fotografisch dokumentiert, Teile beschriftet und die zu einer Baugruppe gehörenden Schrauben in separate Behälter verpackt, um bei der späteren Montage keine Rätselaufgaben lösen zu müssen."

Anschließend kam die entbeinte Karosse in ein Entlackungsbad und danach in ein weiteres Bad, um das blank gewordene Blech vor Rostbefall zu schützen. Zwischenzeitlich begann Petrig, sich um die Beschaffung nötiger Teile zu kümmern. Die entsprechenden Ersatzteilhändler entdeckte er via Internet in den USA. Zu seiner Freude waren für den Mercury Cougar noch viele Originalteile lieferbar, die schnell und unkompliziert zugestellt wurden. Erfreulich war auch deren Passgenauigkeit, wie im Falle der vorderen Stehbleche unter den Kotflügeln oder dem linken Bodenblech im Bereich der Pedalerie.

Perfektionismus bei den Karosseriearbeiten

Die Karosseriearbeiten überließ er einem Fachbetrieb in seinem Heimatort, wobei er bei deren Ausführung die gleichen Maßstäbe anlegte wie bei der Restaurierung seines Porsche. Denn, wie bereits erwähnt, liegt ihm Perfektion sehr am Herzen. Die von ihm gewählte Firma entsprach seinen hohen Anforderungen. Auch die selbst gefertigten Bleche für Reparaturen im Heckbereich passten exakt, alle Schweißnähte wurden verzinnt. Spachtelstellen sucht man an diesem Mercury Cougar vergeblich.

Für die Revision von Motor und Getriebe konnte der Schweizer jenen mittlerweile im Ruhestand befindlichen Mechaniker gewinnen, der einst den Mercury Cougar seines Vaters betreute. Dass keine Katastrophen zu erwarten waren, hatte sich schon bei der Probefahrt gezeigt. Das Getriebe benötigte lediglich eine neue Ölfüllung und musste frisch abgedichtet werden.

Schrauberei als Ausgleich für stressigen Job

Beim V8-Motor handelte es sich zwar noch um das Originaltriebwerk mit 4,9 Litern Hubraum, doch war es irgendwann einmal auf den Stand der High-Performance-Version gebracht worden, wie sie im Shelby GT 350 zu finden war, sprich, es leistet fast 100 PS mehr als die Serienausführung. Innereien mussten keine getauscht werden, dafür wurde aber die gesamte Peripherie einschließlich Kühlkreislauf und Zündanlage revidiert, das Triebwerk optisch aufbereitet und mit neuem Luftfilter sowie mit neuen dekorativen Ventildeckeln mit Mercury Cougar-Schriftzug versehen.

Derweil befasste sich Petrig mit der Aufarbeitung verschiedenster Teile seines Mercury Cougar, "denn zum Restaurieren gehört das Erhalten von Originalteilen", betont der Architekt. So hat er vieles in unzähligen Stunden gereinigt, geschliffen und poliert, statt es neu zu kaufen. Das Schrauben ist für ihn von besonderer Bedeutung: "Ich habe grundsätzlich Freude am Restaurieren, und die handwerkliche Tätigkeit ist für mich ein Ausgleich für den stressigen Berufsalltag."

1.000-Stunden-Restaurierung ohne Zeitdruck

Dass er trotz einer gewissen Erfahrung noch lange kein Profischrauber ist, wurde ihm bei den Arbeiten an seinem Mercury Cougar immer wieder klar. Manchmal steckt man einfach fest, weil etwas nicht funktioniert oder ein Teil nicht richtig passen will", gesteht er. Dann half es oft, die Sache ruhen zu lassen und etwas anderes zu tun, und am nächsten Tag klappte es plötzlich. Notfalls nutzte er die Möglichkeit, entsprechende Experten im Bekanntenkreis um Rat zu fragen.

Besonders hilfreich war neben der selbst erstellten Dokumentation auch die für den Mercury Cougar erhältliche Schrauberliteratur mit zahlreichen Abbildungen und Anleitungen. "Dennoch hat der Einbau des überholten Kabelbaums länger gedauert als dessen Ausbau", sagt Petrig mit einem Augenzwinkern. Dabei genoss er es, ohne Zeitdruck arbeiten zu können. Dass er letztlich über 1.000 Stunden in die Restaurierung investiert hat, spielt für ihn keine Rolle. "Restaurieren erfordert Geduld", sagt er.

Viel Eigenleistung und 2 Optimierungen

Die gesamten Montagearbeiten hat er größtenteils alleine durchgeführt. Die Bremsanlage des Mercury Cougar wurde mit erhältlichen Neuteilen komplett überholt, alle Verschleißteile des Fahrwerks kamen neu, und bei den Blattfedern ließ er vor dem Einbau die Sprengung prüfen.

Von den zahlreichen angebotenen Möglichkeiten, das Fahrverhalten zu optimieren, machte er keinen Gebrauch, bis auf zwei Ausnahmen: Die in den Exportversionen des Mercury Cougar im Frontbereich verbauten V-Verstrebungen zur Stabilisierung des Vorderbaus ergänzte er um eine Domstrebe. Dazu montierte er Koni-Stoßdämpfer.

Auch bei der Lackierung des Wagens ist er vom Original abgewichen. Da seine Jugenderinnerungen der Auslöser für das ganze Projekt waren, musste der Mercury Cougar natürlich die gleiche Farbe haben wie der seines Vaters, nämlich Wellington Blue. Genau so passt der US-Klassiker perfekt in seine Sammlung von Autos mit perfektem Erscheinungsbild und persönlichen Erinnerungen, auch wenn es kein Porsche ist.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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