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Von der Essenz des Low Riding

Low Rider als Passion und Leidenschaft

Low Rider, Mexiko, Jesus Contreras Foto: Arturo Rivas 8 Bilder

Hüpfende Autos, Latinos mit dicken Muskeln – mehr gibt’s zum Thema Low Riding nicht zu sagen? Für den Mexikaner Jesus Contreras schon. Wir begeben uns auf eine Reise nach Mexiko und erfahren, worauf es bei Low Ridern ankommt.

20.08.2017 Dani Heyne

Das riesige Herz passt perfekt. Es leuchtet am Fuß eines der massiven Brückenpfeiler, auf den es mit Neonfarbe gesprüht wurde. Während oben der Verkehr rauscht, erstreckt sich hier unten ein asphaltiertes Flussbett-Gefängnis. Ob sich der Río Tijuana deswegen zurückgezogen hat und eher ein Bach ist? Jesus kennt die Antwort nicht. Aber er lächelt, zeigt auf das Herz und seinen 1964er Chevy Impala.

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Reportage Von der Essenz des Low Riding
auto motor und sport 11/2017
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Low Rider, Mexiko, Jesus Contreras Foto: Arturo Rivas
Besonders stolz ist Jesus Contreras auf seinen 1964er Chevy Impala. Wie in seine anderen Low Rider musste er auch für ihn viel Zeit und Geld investieren.

Das lange Heck des goldenen Cabrio schwebt mühelos auf Brusthöhe, darunter glitzert eine komplett verchromte Neunzoll-Achse, deren Flanken eine Pfeilform haben. „Da steckt viel Herzblut drin“, erklärt Jesus leise. Dann schnappt er sich einen der extraweichen Lappen, taucht ab und poliert noch einmal über den Achskörper. „So, jetzt könnt ihr das Bild machen.“

Die Gegensätze an diesem Ort sind vermutlich genauso groß wie die Vorurteile beim Thema Low Riding. Sie wissen schon, das sind diese hüpfenden Oldtimer, die aufgepumpten Latinos gehören. Und an denen sich gern dralle Frauen in Bikinis räkeln – also vornehmlich an den Autos.

Und die Realität?

Jesus Chury Contreras ist 51 Jahre alt und hat 170 Pokale in einem Raum stehen, den man gut und gerne als Tempel für Low Riding bezeichnen kann. Es ist sein Tempel. Er grenzt an die Garage, in der sich der goldene Chevy ausruht. Die Wand zwischen Tempel und Garage schmückt eine Zeichnung aus Jesus’ Kindertagen – sie zeigt eine bekannte Straße hier in Tijuana. Darauf flanieren Chevys der 1950er- und 60er-Jahre, die ihre Karossen weit über den Speichenrädern tragen. Jesus zeigt auf das Bild und erklärt: „Dieses Bild wollte ich immer mal fertig malen, denn in echt ist diese Straße viel länger.“

Uns interessiert die Essenz am Low Riding. Worum geht es? Jesus nimmt die Frage mit in den Tempel, setzt sich auf den Ledersessel hinter dem handverzierten Schreibtisch und überlegt. Um ihn herum stehen und hängen Pokale, über ihm thront ein extraflaches Dreirad, hinter ihm hängt eine große Auswahl CDs – der Beat für Low Rider.

Es beginnt mit den Bikes

„Es ist meine Religion“ – mit diesen Worten beginnt Jesus seine Antwort. „Es packt die meisten von uns in jungen Jahren, wenn sie wenig besitzen, aber viel Zeit zum Träumen haben. Autos spielen da noch keine Rolle, sie sind zu weit weg – zu teuer. Nicht selten beginnt es deshalb mit einem Fahrrad, das man umbaut, nach seinen Vorstellungen gestaltet. Um etwas Besonderes daraus zu kreieren. Etwas Einzigartiges, Kostbares.

Low Rider, Mexiko, Jesus Contreras Foto: Arturo Rivas
Auch Jesus Contreras hat mal klein angefangen. Schon in jungen Jahren begann er, sein erstes Bike zu kreieren.

Dabei geht es nicht darum, dass es besser fährt, sondern dass es verdammt abgefahren aussieht. Ähnlich wie eine gute Visitenkarte, die sich abhebt. Entsprechend präsentiert man seine Kreation dann auch voller Stolz.“ Während seiner Erklärung zeigt er nach oben, auf das flache Bike mit den drei Rädern, der extrem gebogenen Gabel und dem roten Sitz. „Das hab ich als Kid gebaut, weil ich es zuvor so in meinen Gedanken gesehen hatte – es war meine Vision von einem coolen Dreirad.“

Der Glanz in seinen Augen beweist, wie wichtig ihm dieses Fahrrad noch immer ist – und wie stolz es ihn macht. Wer wie Jesus dabeibleibt, kommt im Laufe der Zeit unweigerlich dazu, diese Visionen an den eigenen Autos auszuleben. Da auch hier Style und Auftritt im Vordergrund stehen, sind Power und Fahrleistungen zweitrangig.

„Das ist bei echten Low Ridern nun mal so“, bekräftigt Jesus. Und klammert dabei auch all jene aus, die sich billige Hydraulikfahrwerke in ihre Autos zimmern und mit gammeligen Karossen maximal schräg durch die Gegend fahren. „Ich rede von perfekt gemachten Autos, die bis ins kleinste Detail glänzen. Und Tricks draufhaben, die keiner vermuten würde.“

Viel Handwerk und Arbeit

Warum der Trend in Mexiko so beliebt ist, kann Jesus nicht genau beantworten. Vielleicht weil es von Beginn an etwas ganz Eigenes war, was auf diesem Kontinent keiner mit Autos angestellt hat. Weil es auf den ersten Blick verrückt aussieht – und auf den zweiten viel Respekt einfordert. Denn es ist schließlich nur mit viel Handwerk und Arbeit erreichbar. Allein in das goldene Cabrio hat Jesus neun Jahre investiert – und rund 80.000 Dollar. Dabei kostete allein die Lackierung über 10.000 Dollar, die Hydraulik verlangte sogar noch nach etwas mehr.

Low Rider, Mexiko, Jesus Contreras Foto: Arturo Rivas
Jeder erfolgreiche Umbau beginnt mit einer Vision.

Da wirken die vielen Pokale natürlich wie Balsam für die Seele – Pokale, die Jesus übrigens auf beiden Seiten der Grenze für seine Autos gewonnen hat. Ganz recht: Low Riding ist längst auch in den USA zu Hause, vornehmlich im südlichen Kalifornien. Viele Mexikaner, die dorthin ausgewandert sind, haben ihre Leidenschaft mitgenommen.

Nach fünf komplett aufgebauten Low Ridern, von denen einer allein über 100 Pokale geholt hat, verrät uns Jesus zum Abschied noch die fünf wichtigsten Zutaten für einen erfolgreichen Umbau: „1. Ohne etwas Spielgeld brauchst du gar nicht anzufangen. 2. Zeit ist genauso wichtig wie 3. – eine Vision. Da der Weg lang sein wird, sind: 4. gute Freunde unverzichtbar, die dir ehrlich sagen, was sie von alldem halten. Und 5. wird es nicht gelingen, wenn die eigene Familie keine Unterstützung bietet.“

Nach dieser Zusammenfassung schüttelt er uns zufrieden die Hände. Und murmelt: „Die Fotoshootingshootings mit den Bikini-Babes sind natürlich auch nicht das Schlimmste.“

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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