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MG Rover

Leben Totgesagte länger?

Es tut sich was auf der Insel: In der zweiten Jahreshälfte 2002 wird MG Rover die 260 PS starke V8-Version des MG ZT, der Sportversion des Rover 75, präsentieren.

24.07.2002

Es tut sich was auf der Insel: In der zweiten Jahreshälfte 2002 wird MG Rover die 260 PS starke V8-Version des MG ZT, der Sportversion des Rover 75, präsentieren. Die Krone der Baureihe wird allerdings eine 380 PS-Ausführung sein, die Anfang 2003 folgen soll. Beide Modelle wird es auch als Kombi mit der Bezeichnung MG ZT-T geben. Zu den Preisen wollte sich das Unternehmen bislang nicht äußern. Nach den Worten von Wilfried Fleischer, Vertriebschef von MG Rover Deutschland, sei aber geplant, die Top-Variante zwischen den BMW-Modellen M3 und M5 zu positionieren

Die Neuauflagen der erschwinglicheren Baureihen lassen hingegen noch auf sich warten. Das betagte Mittelklasse-Modelle Rover 45 wird erst Anfang 2004 einen Nachfolger erhalten und der Erbe des Kompaktmodells 25 wird nicht vor 2005 präsentiert. Dieses Autos hat es allerdings in sich: Der neue Rover-Kleinwagen soll in Europa und China auf den Markt kommen und wird eine Gemeinschaftsentwicklung mit dem chinesischen Industriekonzern China Brilliance Industrial Holdings sein, mit dem Rover jüngst eine strategische Allianz einging. Pikanterie am Rande: China Brilliance ist auch Partner von BMW, der ehemaligen Rover-Mutter für das China-Geschäft.

Genügend finanzielle Mittel für Neuentwicklungen

Bleibt die Frage: Wird es MG Rover dann noch geben? "Ja", sagt John Sanders, Vertriebsvorstand von MG Rover energisch , "Die Spekualtionen englischer Medien sind falsch. Wir sind nicht Pleite - im Gegenteil. Mit rund 301 Millionen Pfund (466 Millionen Euro) verfügen wir über genügend finanzielle Mittel, um die neuen Modelle aus eigener Kraft entwickeln zu können." Gerüchte, man suche nach einem Finanzpartner, weist Sanders ebenfalls zurück: "Wir haben nie nach einem Partner gesucht, der sich finanziell beteiligt. Wir bekommen auch kein Geld von Dritten. Was wir suchen - und mit China Brilliance auch gefunden haben - ist ein Partner für die Produktentwicklung." Auch von BMW gebe es keine Zahlungen mehr. Aus München erhielt MG Rover von zwei Jahren ein zinsloses Darlehen über 500 Millionen Pfund (774 Millionen Euro) und einer Laufzeit von 50 Jahren.

Auch 2002 rote Zahlen

Die Sanierung des Konzerns verläuft aber schleppender als erwartet: Den Plan, noch 2002 in die Gewinnzone zurückzukehren, werde MG Rover nicht einhalten können (Sanders). Als Grund nannte er das starke englische Pfund. Rund 80 Prozent der MG Rover-Teile werden in Pfund Sterling fakturiert. Von den rund 170.000 Autos, die das Unternehmen in 2001 produziert hat, wurden gut 105.000 auf den britischen Inseln verkauft (Marktanteil: vier Prozent). Der Rest ging zu Euro-Preisen ins europäische Ausland. Außerdem habe es Probleme mit dem Teile-Logistiker Unipart gegeben, die in einem mehrtägigen Produktionsstopp gipfelten, so Sanders. Auch wenn inzwischen Caterpillar die Teile-Versorgung übernommen hat, geht das Rover-Management davon aus, den Produktionsverlust bis Jahresende nicht wett machen zu können und rund 10.000 Autos unter Plan zu bleiben.

Schwere Zeiten für den deutschen Importeur

Noch ernster gestaltet sich das Bild von MG Rover auf dem deutschen Markt. Der mit nur 34 Mitarbeitern personell kleinste Importeur muss hier massive Verluste verkraften und konnte in der ersten Jahreshälfte 2001 nur 2.141 Autos absetzen - ein Verlust von 61 Prozent gegenüber der ersten Jahreshälfte des Vorjahres. Besonders nachteilig wirkt sich derzeit aus, dass in diesen Wochen viele Dienst- und Jahreswagen aus BMW-Zeiten auf den Markt kommen. Dort beeinträchtigen sie zusätzlich den Absatz von neuen Fahrzeugen. Denn viele Autohändler verlagern ihren Geschäftsschwerpunkt auf das Gebrauchtwagengeschäft, weil im Neuwagen-Verkauf derzeit kaum ein Cent zu verdienen ist. "Unser Händler sind im Gebrauchtwagen-Bereich sehr gut und machen dort ihre Profite", erklärt David Sharples, bei MG Rover verantwortlich für die nordeuropäischen Märkte, das Problem.

Seit der Deutsche Jürgen Herrmann Anfang Mai überraschend als Chef von MG Rover Deutschland zurückgetrat, führt Sharples kommissarisch auch die deutschen Amtsgeschäfte. Nach einem neuen Chef für den deutschen Importeur wird derzeit gesucht. Eine Entscheidung steht aber noch aus. "Es kommt uns nicht darauf an, möglichst schnell einen neuen Geschäftsführer zu finden, wir wollen den besten Kandidaten für diese Position finden", beschreibt Sharples eine Personalpolitik der ruhigen Hand.

Neue GVO ist Chance

Viel wichtiger als das Personalproblem wiegt derzeit aber die problematische Lage im Vertrieb: Die Händlernetze von Rover und BMW müssen weiter entflochten werden. Für MG Rover bedeutet diese Entflechtung aber einen Aderlass des Händlernetzes. Die Folge: In mehreren deutschen Großstädten ist die Marke mit dem Wikingerschiff gar nicht vertreten.

Die Chancen, das zu ändern, stehen aber nicht schlecht. Dank der EU-Neureglung des Autovertriebs (GVO) sind ab Herbst diesen Jahres auch Mehrmarken-Autohändler zulässig. Händler, die bislang mit einer Marke mehr schlecht als recht lebten, bietet sich dann die Möglichkeit mit einer zweiten Marke zusätzliche Umsätze zu erzielen. Hier sieht David Sharples die Chance für Rover und mit diesem Argument will der deutsche Geschäftsführer-Kommissar bis Jahresende 30 bis 40 neue Rover-Händler werben. Mittelfristig will Rover zusammen mit 110 bis 140 Vertragspartner den Markt bearbeiten. Und dann soll auch der kümmerliche deutsche Marktanteil von gerade einmal 0,12 Prozent Geschichte sein.

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