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MG SA Tickford DHC Restaurierung

Seltener Brite im Topzustand

MG SA Tickford DHC, Frontansicht Foto: Fact 24 Bilder

Christian Hinz aus Paderborn hatte zwei Ziele: Er wollte den erworbenen MG SA in perfekten Zustand versetzen, und er wollte alles über die Geschichte dieses Autos wissen.

22.02.2015 Bernd Woytal Powered by

Als Krimiliebhaber hatte Christian Hinz aus Bad Pyrmont bei der Lösung dieses Falls eine besondere Freude. Es ging zwar nicht um ein Verbrechen, aber es kann auch spannend sein, die Historie eines Autos zu erforschen.

Das Auto, um das sich alles dreht, ist ein MG SA Tickford Drophead Coupé von 1938. Für solche Vorkriegswagen hat sich Hinz ursprünglich überhaupt nicht interessiert, "obwohl ich in Sachen Oldtimer vorbelastet bin", sagt er. Sein Opa fuhr ein Wanderer- Motorrad, und der Vater lenkte im Alltag immer gepflegte ältere Fahrzeuge wie Mercedes Ponton oder Opel Diplomat, während er an den Wochenenden auf Motorrädern der Marke Matchless Grasbahnrennen bestritt.

Diese verfolgte der Sohn mit Begeisterung, weshalb er sich zunächst eher für Zweiräder interessierte und an denen das Schrauben lernte. Das erste Auto, das ihn in den Bann zog, war ein MGA, den er noch vor dem Abitur günstig erwarb und restaurierte. Seitdem standen eher die sportlichen und schnellen Klassiker im Fokus, bis Hinz vor einigen Jahren den MG VA eines Freundes steuern durfte. "Ich war dem eigenen Charme dieses Vorkriegsautos sofort erlegen", erinnert sich der 55-Jährige.

MG VA gesucht, MG SA gekauft

Nach längerer Suche erwarb er schließlich keinen MG VA, sondern dessen größeren Bruder, den SA. Den Tipp hatte er von einem Bekannten erhalten. Es handelte sich um ein Exemplar, dessen anfangs langwierige und sorgfältige Restaurierung zum Ende hin etwas beschleunigt worden war, weil der damalige Besitzer endlich damit fahren wollte. Es gab also noch einiges zu tun, um den SA in Bestform zu bringen, aber Hinz hielt das Projekt für überschaubar.

Doch seine Bemerkung "Ich bin Pedant" lässt vermuten, dass es letztlich nicht bei Kleinigkeiten blieb. So wies die Karosse des MG SA Spannungsrisse auf, und die Türen schlossen nicht perfekt. Hier mussten ein Karosseriebauer und ein Lackierer ran. Dann gab es etliche nicht originalgetreue Teile wie den Kabelbaum und andere Elektrikkomponenten zu ersetzen, auch eine Revision des hydraulischen Wagenhebersystems war nötig. Ferner bedurften das Getriebe und der Motor einer Überholung.

Da Hinz keine Erfahrung mit Weißmetalllagern hatte, gab er den Sechszylindermotor in eine Werkstatt, doch das geriet zum Misserfolg. Erst mithilfe anderer Experten konnte dieses Kapitel zufriedenstellend abgeschlossen werden. Auch die Innenausstattung zeigte sich restaurierungsbedürftig, während das komplizierte Verdeck perfekt war. Kein Wunder, hatte doch der in Kanada lebende Vorbesitzer mehrmals einen Spezialisten aus England einfliegen lassen. Mit neu eingespeichten und frisch lackierten Rädern sowie neu verchromten Stoßstangen und anderen Teilen hatte Hinz nun seinen MG SA so, wie er ihn sich vorstellte.

Erforschung der Historie des MG SA

Darüber hinaus interessierte er sich brennend für die Historie seines MG SA, die in der Zeit vor den 60er-Jahren noch völlig im Dunkeln lag. Dank des britischen MG-Clubs war das Produktionsdatum des Chassis bekannt und wann die Karosse bei Salmons & Sons hergestellt worden war. Doch wer konnte mehr über das Auto wissen?

Erster Anlaufpunkt waren die in England lebenden Freunde und Oldtimer-Liebhaber Geoffrey und Irmtraud Hare. Trotzdem der Datenschutz mittlerweile solche Recherchen erschwert, fanden diese unter anderem den Nachnamen des Erstbesitzers, den Tag der Erstzulassung und den Händler heraus, der den MG SA auslieferte.

Da nun die Region bekannt war, in der der MG SA einst lief, entschloss sich Hinz, einfach eine dort erscheinende Zeitung um Hilfe zu bitten. Seine britischen Bekannten verschafften ihm Kontakt zu einer Redakteurin des Spilsby Standard, die bereit war, einen kleinen Artikel zu schreiben, um eventuelle Zeitzeugen ausfindig zu machen. Ihr ließ Hinz ein ihm vorliegendes altes Foto seines Wagens und ein neues Bild zukommen. Geoffrey sollte als Ansprechpartner dienen, sofern es Reaktionen auf den Bericht geben würde.

Puzzleteilchen setzen sich zusammen

Tatsächlich brachte der Zeitungsartikel einen Erfolg. Es meldete sich ein gewisser Ron, der einen Friseurladen gegenüber der L. Dodds Garage Ltd. besaß, die den MG SA einst ausgeliefert und gewartet hatte. Ron erinnerte sich noch an die Namen einiger Mitarbeiter, die er dann aufspürte.

Darunter befand sich Arthur Spring, mittlerweile 94 Jahre alt, der sofort wusste, um welches Auto es sich bei diesem MG SA handelte. Ihm war das Fahrzeug so gut in Erinnerung geblieben, weil er beim Anfertigen der Kennzeichen einen Zahlendreher eingebaut hatte. Und nach seinen Angaben gehörte der Wagen einer Diana Brackenbury-Langton . Ein weiterer alter Mechaniker, den Ron ausfindig machte, bestätigte dies und meinte, dass die Dame den MG bis in die 60er-Jahre gefahren habe und zur Wartung stets in Dodds Garage gekommen sei.

Reise in die Vergangenheit

Von diesem Erfolg beflügelt, reiste Hinz im April 2013 mit dem restaurierten MG SA nach England, um Originalschauplätze wie die ehemalige Garage und das mittlerweile ausfindig gemachte Wohnhaus der 1982 verstorbenen Erstbesitzerin zu besuchen und um sich mit den alten Mechanikern zu treffen.

"Für mich war es ein seltsames Gefühl, und ich hätte nicht gedacht, dass es mich so berühren würde, mit dem MG SA über die gleichen Straßen zu fahren wie einst Mrs Brackenbury", gesteht Hinz. Bis auf die Jahre 1962 bis 1966 kennt er nun die Historie seines Autos. Der Fall ist also noch nicht restlos aufgeklärt. "Ich ermittle natürlich weiter", sagt der Hobbydetektiv.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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