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Mille Miglia 1955

Mille Miglia 1955 -mehr als Moss?

Foto: Daimler Crysler Classic 8 Bilder

Die schnellste Mille Miglia aller Zeiten lief 1955 - Stirling Moss und Denis Jenkinson siegten im Mercedes SLR. Doch um ein Haar  hätte Hans Herrmann die Engländer noch geschlagen.

14.01.2006 Powered by

Fragen Sie mal jemanden, der sich halbwegs für Motorsport interessiert, nach der Mille Miglia 1955. Auf die Antwort kann man wetten: "Das war doch der grandiose Sieg von Moss, mit dem Mercedes." Und wer es noch etwas genauer weiß, der hat auch den Namen des Beifahrers und den Wagentyp parat: Jenkinson, 300 SLR.

Und sonst? Ein paar Zahlen, ein paar Bilder: sagenhafte Rekordzeit, 1.600 km in rund 10 Stunden, nie mehr übertroffen. "Jenks" mit dem roten Bart, die Papierrolle mit den Streckennotizen, die Startrampe in Brescia, der silberglänzende Bolide in der Morgensonne (später etwas lädiert), am Schluss strahlende Gesichter - das war’s.

War das wirklich alles? Waren da nicht noch ein paar andere am Start? Wie verlief denn das Rennen? Da werden die Auskünfte ziemlich dünn. Kein Wunder: Im Lauf der Jahrzehnte haben sich die Bilder zu einem Mythos verdichtet, der nur noch den Sieger kennt. Zu den runden Erinnerungsjahren - 1985 oder jetzt zum 50. erschienen Berichte, die gerade noch anführen, dass Fangio als Zweiter ins Ziel kam, und die manchmal nicht einmal die anderen Fahrer im Mercedes-Team erwähnen.

Dabei könnte es lohnen, sich die Ausgangslage klar zu machen und den Ablauf des Rennens zu verfolgen. Vielleicht lässt sich so die Leistung der Hauptakteure besser einschätzen. Stirling Moss wird von Mercedes engagiert, nachdem er in den Rennen der Saison 54 mit einem Maserati 250F hervorragende Leistungen gezeigt hat. Er soll Fangio im Spitzenkampf unterstützen; außerdem will man jetzt auch die großen Sportwagenwettbewerbe bestreiten. Das Renngerät wurde vom Formel-Bruder abgeleitet: der Reihenachtzylinder von 2,5 auf 3,0 Liter aufgebohrt, zwei Sitze, geschlossene Karosserie, Scheinwerfer - ein Formel 1-Wolf im Sportwagenpelz.

Das Hauptziel ist dabei nicht die Weltmeisterschaft, sondern die Teilnahme an prestigeträchtigen Veranstaltungen: Mille Miglia, Le Mans, 1.000 km Nürburgring, Carrera in Mexiko. Als Akteure von 1954 stehen zur Verfügung: Fangio, der jetzt seinen zweiten Weltmeistertitel errungen hat; Karl Kling, dessen Resultate im F 1-Cockpit nicht ganz seinen Hoffnungen entsprachen; und Hans Herrmann, der schon in seinem dritten Rennjahr einen Silberpfeil steuern durfte - für den jungen Stuttgarter eine Traumkarriere.

Nach der Argentinienexkursion im Januar gilt jetzt die ganze Energie den 1.000 Meilen durch Italien. Sorgfältige Vorbereitung ist für die Stuttgarter eine Selbstverständlichkeit, aber für kaum ein Rennen rüsten sie sich so gründlich wie für dieses. Das Team siedelt sich mehrfach in Brescia an und Neubauer - er nennt es "Expedition" - schickt seine Fahrer auf immer neue Trainingsrunden: mit der Limousine, mit dem 300 SL-Flügeltürer und schließlich mit dem 300 SLR-Geschoss.

Im normalen Straßenverkehr bleiben kleinere Karambolagen nicht aus. Moss kollidiert mit einem Lastwagen, bei anderer Gelegenheit befördert er ein Schaf ins Jenseits. Kling und Herrmann absolvieren jeweils etwa 14 Runden, Fangio und Moss um die zehn. Wer von ihnen kann als Favorit gelten? Da sind zunächst zwei "Alte": Fangio wird in diesem Jahr 44, Kling 45. Die beiden "Jungen" könnten durchaus ihre Söhne sein: Herrmann 27, Moss 26. Der Argentinier ist ein alter Langstrecken-Hase. Er hat in Südamerika knochenharte Fahrten auf Naturpisten durchgestanden - über Distanzen, zu denen im Vergleich die Mille Miglia als ein lockerer Nachmittagstrip erscheint. Auch das italienische Rennen ist ihm vertraut: Zwischen 1950 und 1953 drei Starts auf Alfa Romeo, 1953 sogar zweiter Platz - nur ein Lenkungsdefekt verhinderte den Sieg.

Auch Karl Kling kennt die Strecke gut. Hervorragende Fahrt 1952 auf dem 300 SL, optimal instruiert durch das "Gebetbuch" seines Beifahrers Klenk. Was bringen die beiden Jungen mit? Der Schwabe zwei MM-Starts: 1953 gelingt ihm mit seinem privaten Porsche 1500 bei seinem ersten Langstreckenrennen zur allgemeinen Überraschung ein Klassensieg. So kann er im folgenden Jahr mit einem Werkswagen, dem neuen Typ 550 Spyder, antreten - sechster Platz im Gesamtklassement.

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