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Mille Miglia 2012

Ausnahmezustand auf Italiens Straßen

Mille Miglia 2012 Impressionen Foto: VW 36 Bilder

Für Debütanten wie Karl Theodor zu Guttenberg  ist es im Vorfeld schwer einzuschätzen, wie kräftezehrend die Mille Miglia sein kann. Doch auch wer nicht zum ersten Mal dabei ist, wird von dem dreitägigen Ausnahmezustand regelrecht überrollt.

21.05.2012 Birgit Priemer

Donnerstag, 20.38 Uhr in Brescia: Der VW Käfer 1/11 mit der Startnummer 342 rollt von der Startrampe, bereit, das dreitägige Mille Miglia-Abenteuer über 1.600 Kilometer anzutreten – und dabei wäre das Team mit VW-Produktionsvorstand Michael Macht schon nach wenigen Metern mit Gottes Hilfe fast gestrauchelt: Eine in weiß gekleidete Nonne ist von dem olivgrün lackierten Käfer so begeistert, dass sie die Hand der Beifahrerin gar nicht mehr loslassen will – obwohl das Gefährt mit Porsche 356-Technik unter dem Blechkleid weiterrollt. Die Sache geht noch einmal glimpflich ab, VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg dagegen, der an der Mille Miglia ebenfalls mit diesem Kultauto unterwegs war, trug sich bei einer vergleichbaren Situation eine Schürfwunde zu.

Mille Miglia – das ist Begeisterung pur, das sind Menschenmassen, die selbst um ein Uhr nachts noch auf dem Marktplatz von Ferrara stehen, um die rund 380 teilnehmenden Autos abzuwinken – wobei keiner am Donnerstag (17.5.) ahnen konnte, dass die Region zwei Tage später von einem furchtbaren Erdbeben erschüttert wird.

Unvorstellbares Chaos in der Startaufstellung

Wer zum ersten Mal an dieser weltweit einzigartigen Veranstaltung teilnimmt, fühlt sich erschlagen -  und zwar von vielen Dingen: Das Chaos in der Startaufstellung von Brescia ist unvorstellbar, und keiner kann sich vorstellen, das wirklich pünktlich im 20 Sekunden-Takt gestartet wird. Wer schon mal dabei war, weiß indes: das klappt. Beeindruckend auch die Promi-Dichte: Fiat-Erbe Lapo Elkann greift genauso ins Steuer wie Daimler-Chef Dieter Zetsche, der wie Vorstandkollege Thomas Weber im Flügeltürer unterwegs ist. Die Promi-Köche Horst Lichter und Johann Lafer lassen bei dieser Veranstaltung ebenfalls nichts anbrennen, und BMW schickt Designchef Adrian van Hooydonk ebenso wie die Vorstandsmitglieder Ian Robinson und Herbert Diess ins Rennen.

Der Begriff Rennen ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn die Teilnehmer schenken sich nichts. Daimler-Mann Zetsche liefert sich in den Bergen eine Schlacht mit Käfer-Pilot Michael Macht und muss sich mit dem Flügeltürer der Power des Käfers geschlagen geben. "Maggiolino" nennen die Italiener den deutschen Dauerbrenner zärtlich und bejubeln die Aufholjagd des rund 80 PS starken Modells voller Begeisterung.

Beeindruckend ist dieses Mal auch die Dichte an Flügeltürern. Wo man auch hinkommt – einer ist schon da und verschafft sich mit hochgelassenen Portalen nicht nur frische Luft, sondern auch Eindruck bei den Besuchern. Ebenfalls einzigartig: Die vielen Clubs, die im Rallye-Umfeld mitfahren und teilweise versuchen, in die Schlacht mit einzugreifen: Wer sieht schon einmal 24 Mercedes SLR Roadster in der Sonderedition Sterling Moss hintereinander auf öffentlichen Straßen? Nur, wer bei der Mille Miglia 2012 war.

Mit der Motorrad-Polizei durch die Innenstädte

Die Fahrtzeiten sind brutal, und mit etwas Glück kommt man über drei Nächte mit täglichem Hotelwechsel auf insgesamt elf Stunden Schlaf. Die Mechaniker schaffen das nicht. Sie schrauben oft die ganze Nacht in der Hoffnung, dass ihre Autos durchkommen. Denn wer will gegen Ende der Veranstaltung nicht auch noch auf der Ferrari-Teststrecke in Maranello an der Wertungsprüfung teilnehmen: In 2.53 Minuten galt es, über die Rennstrecke Fiorano zu fahren -  und sich dabei einmal wie Schumi fühlen, der dort mit einem Straßenschild geehrt wird.

Weltweit einzigartig ist auch der Einsatz von Streckenposten und der Polizei: Die schafft es mit ihren Motorrädern immer wieder, verstopfte Innenstädte in Bologna und Florenz für das Starterfeld zu öffnen, in dem sie in der Mitte eine dritte Fahrspur öffnet und die Oldtimer durchlotst. Dieses Engagement verdient uneingeschränkten Respekt, denn in Deutschland wäre so etwas nicht möglich.

Und auch eine Eisdiele der berühmten italienischen Familie Nanini wie in Siena sucht man in Deutschland vergebens. Der Käfer mit Michael Macht ist so flott, dass es dort trotz laufender Zeitkontrolle für ein kleines Eis reicht: Eine Kugel Tiramisu und eine Kugel Bianco – das tut der geschundenen Mille Miglia-Seele am letzen Tag einfach gut – das Ziel ist schließlich immer noch zehn Fahrstunden entfernt.

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