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28. Mille Miglia Storico

Im Alfa 6C 1750 Gran Sport bei der Mille Miglia

28. Mille Miglia storico Foto: Hans-Dieter Seufert 26 Bilder

Alfa Romeo und die Mille Miglia, diese Liebe reicht zurück bis in die 1920er Jahre. Zum 100. Geburtstag der Mailänder Marke fuhr Axel Marx die 1.000 Meilen in einem Alfa Romeo 6C 1750 Gran Sport. Bericht über die 2010er Ausgabe der berühmtesten Rallye der Welt.

20.07.2010 Hans-Jörg Götzl Powered by

Die zwanziger und dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gelten als goldenes Zeitalter des Motorsports - im Prinzip fielen diese großen Jahre mit jener Ära zusammen, in der Alfa Romeo zu den besten, sportlichsten und exklusivsten Automobilmanufakturen zählte und den Grundstein für den heutigen Mythos legte. Die bekanntesten Rennen dieser Zeit waren die Mille Miglia, der Monaco-Grand Prix und Le Mans.

Ab 1928 siegt Alfa Romeo bei der Mille Miglia in Serie

Ein Blick in die Ergebnisliste der Mille Miglia verdeutlicht die Übermacht der Alfa Romeo-Modelle: Zur Premiere im März 1927 trug sich zwar noch ein im Startort Brescia gebauter O. M. in die Siegerliste ein, ab 1928 aber übernahmen die Autos mit dem Kreuz von Mailand und der Schlange der Visconti auf dem Kühler das Zepter - und siegten bis Kriegsausbruch nicht weniger als zehn Mal, nur unterbrochen von je einem Triumph von Mercedes (1931) und BMW (1940). Deshalb stellt es bis heute ein ganz besonderes Vergnügen dar, die 1977 als Oldtimerrennen wiederbelebten 1.000 Meilen in einem Alfa zu bestreiten - insbesondere in einem Vorkriegsmodell wie dem 6C 1750 Gran Sport.

"Dieser Wagen repräsentiert für mich am besten die typischen Alfa-Eigenschaften: Ein kleines Auto mit hochwertiger Technik, einem Sechszylinder mit zwei obenliegenden, per Königswelle angetriebenen Nockenwellen und Kompressor", erklärt der Schweizer Axel Marx. Zudem ist mit dem 1750 Gran Sport eines der aufregendsten Duelle der Mille Miglia verbunden: 1930 gingen die beiden Erzfeinde Achile Varzi und Tazio Nuvolari - zeitweise die Einzigen, die einander das Wasser reichen konnten - in identischen Wagen ins Rennen. Wie üblich wurde einzeln gestartet und gegen die Uhr gefahren, Varzi jagt als zuerst los. In der Nacht aber holt Nuvolari, von dem es hieß, er sei mit dem Teufel im Bunde, auf. Um seinen ewigen Kontrahenten in Sicherheit zu wiegen, rast Nuvolari mit ausgeschalteten Scheinwerfern heran und geht kurz vor Brescia am tobenden Varzi vorbei, der nun nicht mehr kontern kann. Damit nicht genug: Der fliegende Mantuaner hat mit dem gut 100 PS starken 1750 auch erstmals einen Schnitt von über 100 km/h geschafft - über weitgehend unbefestigte Straßen, durch Städte und Dörfer und über kurvenreiche Pässe.

Nur sechs Alfa Romeo 1750 GS mit Brianza Karosserie

Kein Wunder, dass Alfa-Sammler Marx unbedingt schon immer so ein Auto haben wollte. "Leider waren viele Jahre lang so viele Fälschungen unterwegs, dass ich beinahe die Lust verlor", meint der 54-jährige Professor für Gefäßchirugie. Vor sieben Jahren endlich entdeckte er sein Traumauto: Eines von nur sechs gebauten Exemplaren, die anstelle der üblichen Zagato-Karosserie einen schlankeren Aufbau von Brianza tragen. Vier davon sind verschollen, neben Marx' 1750 GS mit der Chassisnummer 108 14395 ist nur ein weiterer Brianza bekannt, er steht bei einem Sammler in Indianapolis. 108 14395 befindet sich noch weitgehend im Originalzustand, was sich auch daran zeigt, dass Marx am Donnerstagabend um 19.49 Uhr und 20 Sekunden etwas unelegant von der Startrampe auf der Viale Venezia in Brescia hoppelt. "Die Mehrscheibenkupplung darf man nicht schleifen lassen, sonst geht sie sofort kaputt", erläutert Marx und grinst: "Wer mit einem 6C ganz weich losfährt, hat eine moderne Kupplung montiert."

Es dauert gut zwei Stunden, bis das gesamte Feld der Mille Miglia aus 375 Klassikern unterwegs ist. Im Prinzip das Beste, was zwischen 1927 und 1957 gebaut wurde - mit ein paar Farbtupfern: Weil nur Fahrzeugtypen teilnehmen dürfen, die bei der echten Mille Miglia gefahren sind, in manchen Nachkriegsjahren aber über 500 Autos unterwegs waren (was auch daran lag, dass die Teilnehmer kostenlos Sprit und schwer zu beschaffende Reifen erhielten), finden sich unter den Alfa, BMW, Ferrari, Mercedes und Maserati auch weniger sportliche Wagen wie Ente (!) oder Käfer.

Highlight der Rallye: Der Monte Terminillo

Nach einer Ehrenrunde durch die Altstadt von Brescia und gleich den ersten vier von insgesamt 42 Gleichmäßigkeitsprüfungen geht das Feld auf die übliche Route Richtung Gardasee, schwenkt aber hinter Pozzolengo auf einmal ab: Zum ersten Mal seit vielen Jahren heißt das erste Etappenziel der Mille Miglia nicht mehr Ferrara, sondern Bologna. Auch das kann man nun als Tradition verkaufen, schließlich kreuzten zumindest die Vorkriegsrouten bis 1938 auf der Hin- und Rückfahrt jeweils die Hauptstadt der Emilia-Romagna. Spötter murmeln indes, die Streckenänderung sei hauptsächlich dem Rudel aus 150 Ferrari geschuldet, das der Mille Miglia vorausfährt, und den damit nötigen größeren Hotelkapazitäten. "Jedenfalls wurde dadurch zwei langjährige Bestandteile der Mille Miglia geopfert", meint Axel Marx: "die wunderschöne Ortsdurchfahrt in Verona an der Arena entlang und der begeisterte mitternächtliche Empfang in Ferrara."

Dafür ist am nächsten Morgen ab Gambettola, wo die Fahrer traditionell mit Erdbeeren versorgt werden, wieder alles gut und die Route wieder die alte. Über San Marino und Urbino weisen die Kühler ständig Richtung Rom, vor der ewigen Stadt aber wartet noch der grimmige Monte Terminillo mit Regen, Schnee und Nebel. "Daran werden sich alle noch lange erinnern", schwärmt Marx, "Schneewände so hoch, als würden sie über uns zusammenkrachen. Und ein so dichter Nebel, dass man kaum bis zum Kühler gucken konnte." Der gut zwei Kilometer hohe Terminillo ist auch für Jochen Mass ein absoluter Höhepunkt: "Das war schon sensationell", meint der Ex-Formel 1-Fahrer, der in einem ehemaligen John Fitch-Mercedes 300 SL einen ungewöhnlichen Beifahrer spazierenfährt: das italienische Rallye-Ass Massimo "Miki" Biasion. "Den kennt in Italien wirklich jeder", lacht Jochen Mass.

Königsetappe über 560 Kilometer

In Rom wartet vor allem auf die Nachkriegsfahrer das übliche Chaos in der Innenstadt; früh am dritten Morgen nehmen die Teams dann die 560 Kilometer lange Königsetappe in Angriff, gut 750 haben sie bislang schon geschafft. Ortsdurchfahrten wie Radicofani, Pienza, Siena und Florenz sind ein einziges Straßenfest. Enge Zeitvorgaben peitschen die Fahrer voran, was später, als die Schatten länger werden, zu manch haarsträubenden Situationen führt. "Das wurde mitunter eng", sagt Marx. Im Ziel feiert Giuliano Cané seinen zehnten Gesamtsieg bei der Mille Miglia auf einem Auto, das schon 1940 gewonnen hat: das BMW 328 Touring Coupé. Dass der Bologneser für das originale Siegerauto einen kleinen Sonderbonus erhielt, mit dem die Punkte verrechnet werden, tut dem Triumph keinen Abbruch - er hätte auch so gewonnen. "Cané ist einfach der Beste", lobt Marx. Das Alfa-Museumsteam sichert sich immerhin den Damenpokal mit den Journalistinnen Francesca Grimaldi und Laura Confalonieri auf einem 6C 2300. Und als Rekordsieger der echten Mille Miglia und mehrfacher Sieger der Re-Edition kann sich Alfa Romeo ohnedies entspannt zurücklehnen: Beim 1.000-Meilen-Rennen dauert für die Mailänder das goldene Zeitalter an.

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