Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Miller 122 GP Präsentation

Der Plakatheld des OGP

Miller 122 GP, Frontansicht Foto: Hardy Mutschler 4 Bilder

Das Plakat zum Oldtimer-Grand Prix zeigt den einzigen existierenden Miller 122 GP – leider befindet sich der Rennwagen seit Kurzem in den USA und wird nicht am Nürburgring auftreten. Macht nichts, dann erzählen wir eben seine Geschichte.

20.07.2013 Hans-Jörg Götzl Powered by

An Klangfarben und Schalldruck-Gewittern herrscht beim AvD-Oldtimer-Grand Prix wahrlich kein Mangel. Dennoch wird der eine oder andere Kenner möglicherweise bemerken, dass in diesem Jahr ein ganz bestimmter Frequenzbereich fehlt. Und wenn der Besucher gar über das absolute Gehör verfügt, dann ist ihm in den vergangenen Jahren vielleicht sogar aufgefallen, dass der Reihenachtzylinder des Miller 122 GP ein wenig anders klingt, als er sollte.

"Tatsächlich haben wir den Hubraum von 2,0 auf 2,7 Liter vergrößert und gleichzeitig die Zündfolge modifiziert, um die Vibrationen zu mindern" erklärt Vorkriegs-Spezialist Ingo Grimm, der den Monoposto vor einigen Jahren zusammen mit Motoren-Magier Eckart Berg restauriert hat. Da hatte der Miller bereits ein ziemlich bewegtes Dasein auf drei Kontinenten hinter sich, das 1923 in Los Angeles seinen Anfang nahm.

15 Indy 500-Siege in 20 Jahren

Hier bauten Harry Arminius Miller und sein Motorenchef Frederic H. Offenhauser in der Long Beach Avenue seit einigen Jahren Rennwagen, die der Konkurrenz zum Teil um Lichtjahre voraus waren und andere Marken auf den amerikanischen Rennstrecken zu Statisten degradierten: Von 1921 bis 1941 gewannen die Konstruktionen von Miller und Offenhauser, beide übrigens Söhne deutscher Einwanderer, nicht weniger als 15 Mal die Indy 500. Von den 164 Ovalrennen zwischen 1915 und 1931 gewann Miller 71, und von den 1895 Rennwagen, die dort an den Start gingen, trugen 802 das ovale Miller-Logo.

Grundlage für den Erfolg war ein Reihenachtzylinder mit zwei obenliegenden, über Stirnräder angetriebenen Nockenwellen und zunächst vier, später zwei Ventilen je halbkugelförmigem Brennraum, die direkt über Tassenstößel betätigt wurden. Das Grundlayout hatten Miller und Offenhauser bei einem 1913er Peugeot Grand-Prix-Wagen abgeschaut, der 1915 zur Reparatur in ihrer Werkstatt gelandet war, die Tassenstößel hatte Ballot 1916 eingeführt.

Wie genial das verfeinerte Motorendesign tatsächlich war, zeigt der legendäre Vierzylinder, den Offenhauser auf dieser Basis in den dreißiger Jahren entwickelte: Er dominierte die amerikanischen Ovale bis in die Sechziger und war bis in die achtziger Jahre konkurrenzfähig.

Graf Louis Vorow Zborowski

Der Miller 122 GP von 1923 war für die 122 cubic-inch-Klasse (zwei Liter) gedacht, insgesamt sollen 15 Fahrzeuge entstanden sein. Drei davon wiederum wurden speziell für die Grand-Prix-Rennen in Europa gebaut, das Exemplar auf diesen Seiten hatte sich der amerikanische Millionärssohn Graf Louis Vorow Zborowski bestellt, die beiden anderen gingen an Martin de Alzaga und Jimmy Murphy.

Alle drei Miller 122 GP nahmen am Großen Preis von Italien in Monza teil, allerdings sah lediglich Murphy auf Rang drei die Zielflagge. 1924 startete Zborowski mit seinem GP unter anderem beim Grand Prix in Frankreich, für den der Miller-Motor auch die vier Zenith-Vergaser erhielt, die heute noch den Achtzylinder beatmen. Im gleichen Jahr feierte Zborowski einen zweiten Platz beim Grand Prix im spanischen Sitges, kurz darauf verunglückte er tödlich in einem Werks-Mercedes in Monza.

Der Miller 122 GP ging anschließend zunächst nach England und gelangte 1925 nach Neuseeland, sammelte dort reichlich Siegerlorbeer, wanderte 1936 ins benachbarte Australien aus und siegte weiter. Über verschiedene Stationen kam der 122 GP schließlich nach Deutschland, wo er zuletzt von einem süddeutschen Sammler ziemlich engagiert bewegt wurde und zu den Stars beim Oldtimer-Grand Prix zählte.

Viel Kraft, wenig Bemsen

"Der Miller fährt im Grunde katastrophal", sagt er über den 160 PS starken und 675 Kilo leichten Miller 122 GP, und grinst: "Der Motor hat im unteren Drehzahlbereich viel Kraft, damit ist er beinahe stadttauglich - das Fahrwerk aber ist nicht besonders, und die Bremsen sind ziemlich schlecht."Auf der tropfnassen Nordschleife hat er entsprechend zu kämpfen, dennoch sind es gerade die archaische Technik und das störrische Fahrwerk, das der Besitzer schätzt: "Ein Rahmen, ein Motor, etwas Aluminium drumherum, vier Räder – mehr braucht ein Auto nicht."

Trotzdem hat er den Wagen nun in eine amerikanische Miller-Sammlung gegeben: "Es ist der einzige existierende 122 GP, in dieser Sammlung war er gewissermaßen das fehlende Glied in der Kette." Bleibt zu hoffen, dass der Miller 122 GP dennoch ab und an nach Herzenslust losbrüllen darf - und dass seine Verwandten die geänderte Zündfolge nicht als Misstöne deuten.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk