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Mini Clubman

Ein Trip durch Londons Clubszene

London-Trip Foto: Reinhard Schmid 23 Bilder

Die britische Metropole hat auch hinter den Kulissen Überraschendes zu bieten - wenn man denn Einlass findet. Mit einem Mini Clubman zu den Gentlemen's Clubs in London.

01.03.2009 Eberhard Kittler

Winston Churchill war Mitglied, bevor er zur Konservativen Partei wechselte, der gasbetriebene Zigarrenanzünder im Eingangsbereich war seine Idee. Tony Blair hat quasi Hausrecht, und selbst Lady Margaret Thatcher ging (und geht) hier ein und aus: Der alteingesessene Reform Club, 1836 gegründet von liberal denkenden Persönlichkeiten, ist einer der wichtigsten Gentlemen's Clubs der Britischen Insel.

Auf unauffällig separierten, ledernen Sesseln wurde Geschichte geschrieben, wurden politische Bündnisse geschmiedet und zerschlagen. Aus den verschwiegenen Räumen im ersten Stockwerk dringt kein Wort nach draußen. Für eine gewisse Öffentlichkeit sorgte ein Roman von Jules Verne: Die "Reise in 80 Tagen um die Welt" soll hier erdacht und gestartet worden sein.

Mini Clubman 1:43 Min.

Zerberus ist gern behilflich

Der Club residiert in der City of Westminster, mitten im Herzen Londons. Zentraler geht es nicht, der Trafalgar Square mit der Admiral-Nelson-Säule ist nur wenige hundert Meter entfernt. Große Fenster schmücken das im italienischen Renaissance-Stil erbaute, fünfstöckige Haus an der Pall Mall - es ist dem Palazzo Farnese in Rom nachempfunden worden. Vor exakt 200 Jahren erregte die repräsentative Straße besonderes Aufsehen, weil hier - pünktlich zum Geburtstag des Königs George IV. - erstmals in London Gaslaternen in Betrieb genommen wurden. Maßgebender Techniker war ein Deutscher namens Albert Winzer.

Äußerlich gibt sich der Club so diskret wie seine Gäste: kein Hinweisschild, kein Briefkasten, nichts. Lediglich ein seriöser, dunkel gekleideter Herr steht, einem Zerberus gleich, in der Tür, um bei ankommenden großen Limousinen den Damen und Herren beim Ausstieg behilflich zu sein. Frauen in einem Gentlemen's Club? Ja, aber erst seit 1981: Der Reform Club war der erste, der auch weiblichen Wesen Zutritt und sogar Mitgliedschaft erlaubte. Mittlerweile ist dies in fast allen der rund 100 Clubs in London so.

Als wir den Mini Clubman vor dem Haus abstellen wollen, stutzt der Mann an der Tür: So ein Auto hat hier noch nie gehalten. Dass die Hecktüren des kleinen Kombis genauso weit aufschwingen wie die Pforten am Ende des dekorativen Treppenaufgangs, findet er zwar gut, weist uns aber auf das strikte Parkverbot hin. Ein Mann, ein Wort: Zu Fuß oder mit dem Taxi dürften wir gern wiederkommen. James, der Mann an der Tür, ist seit neun Jahren der ruhende Pol und gute Geist des Unternehmens - zuvor machte er 23 Jahre lang einen ähnlichen Job in einem Luxushotel an der benachbarten Brooks Street. Er weiß, wer wann kommt oder abreist, wann welche Veranstaltung stattfindet und was dafür vorzubereiten ist. Denn der Club ist keineswegs nur am Abend, sondern 24 Stunden am Tag geöffnet - für viele Mitglieder ist er eine Art zweites Zuhause.

Ein überaus nobles Ambiente aus Holz, Leder, Marmor und schweren Wollstoffen prägt die gedämpfte Atmosphäre, laute Worte sind hier völlig unangebracht. Das noble Haus verfügt über 50 Gästezimmer und mehrere Restaurants, dazu ein Musikzimmer mit einem Bechstein-Fügel, zwei Bibliotheken und einen Rauchersalon. Selbst ein Computer-Arbeitsraum versteckt sich in einer Ecke hinter der Ahornholz-Täfelung. 90 beflissene Angestellte halten den Betrieb am Laufen. Gemälde und Skulpturen, feinziselierte Säulen, Kamine und leise tickende Standuhren lassen das Ganze wie einen Ausflug in die Vergangenheit wirken. Allerdings ist für Fremde kein Einlass in dieser Welt, sie bleibt Mitgliedern und ihren Gästen reserviert.

Pierce Brosnan war schon zu Besuch

Um dem Club beizutreten, muss man vorgeschlagen werden - und zwei ehrenwerte Alt-Mitglieder als Bürgen gewinnen. Strenge Regeln gilt es zu beachten, und wem der Jahresbeitrag von 1.020 Pfund Sterling (etwa 1.500 Euro) zu hoch erscheint, der ist ohnehin völlig fehl am Platze. Manchmal macht James eine Ausnahme und öffnet die Tür für ausgesuchte Gäste wie uns: "Schließlich hat unser Club auch einige deutsche Mitglieder", lächelt er, "und außerdem war bisher noch niemand mit einem Mini Clubman hier." Was die Herrschaften denn so fahren? "Eigentlich alles", ist die vielsagende Antwort, mehr will er nicht verraten. Nur so viel: Deutsche Fabrikate, allen voran BMW, hätten einen guten Ruf bei seiner Klientel. "Diskretion bitte, keine Fotos von Mitgliedern, kein Blick ins Gästebuch. Namen werden Sie von mir nicht erfahren2, beschließt er die Belehrung, bevor wir ins Allerheiligste dürfen. Er kennt das Haus wie seine vier Westentaschen, plaudert über einst und heute. Zwei illustre Besucher - ob es Clubmitglieder sind, bleibt offen - erwähnt James schließlich doch: Michael Palin und Pierce Brosnan.

Palin, ein Schauspieler aus der legendären Monty-Python-Truppe, der im "Leben des Brian" den schwulen Caesar spielte, hat vor sechs Jahren die berühmte 80-Tages-Tour fürs britische Fernsehen nachvollzogen. Denn es hatte sich herausgestellt, dass Jules Verne den Club sehr wohl kannte, nur Hauptfigur Phileas Fogg entsprang seiner Fantasie. Palin durfte also im Reform Club starten, aber die Rückkehr wurde ihm verwehrt - weil er nicht korrekt angezogen war. Auch James Bond alias Pierce Brosnan war im Gebäude - im Thriller "Die Another Day" legte er eine Fechtpartie in der Galerie unter der Glaskuppel hin. Schäden waren zwar keine zu verzeichnen, aber die Versicherungssumme für die Filmgesellschaft dürfte immens gewesen sein. Denn so ein Haus kostet Geld, viel Geld.

Allein die Restaurierung des gläsernen Sonnendachs anno 1991 verschlang 850.000 Pfund - der Club ist für jede Zuwendung dankbar. Besitzer des Clubs im juristischen Sinne sind die 2.700 Mitglieder; sie zahlen letztlich auch für Renovierungsarbeiten, wie sie 2003 letztmalig stattfanden. Es ist übrigens durchaus üblich, dass verblichene Mitglieder einen Teil ihres Vermögens testamentarisch ihrem Club vermachen. Um die hohen Kosten wieder hereinzubekommen, hatte sich der Club Ende September etwas Besonderes, noch nie Dagewesenes einfallen lassen: Erstmals öffnete er ein Wochenende lang seine Pforten für - nun ja, jedermann. Besuchern in Badelatschen oder Shorts blieb der Eingang verwehrt: Es ging wohl auch darum, stilvoll neue Mitglieder zu werben. Denn heute sind es überwiegend ältere Semester, die hier Hausrecht genießen.

Kameras sind allgegenwärtig

Parkplätze oder gar eine Tiefgarage gibt es nicht; wir mussten den langen Mini für vier Pfund Sterling pro Stunde um die Ecke herum abstellen. Autofahren ist ein teures Vergnügen in London: Zuvor hatten wir bereits acht Pfund für die City-Maut (Congestion Charge) zahlen müssen - allgegenwärtige Kameras kontrollieren genau, ob man seiner Pflicht nachgekommen ist. Ein kleiner Makel des Autos sei übrigens nicht verschwiegen: Die seitlich angeordnete Club-Tür des Autos befindet sich - genau wie bei der deutschen Linkslenker-Version - auf der rechten Seite. Wer in den Fond will, muss sich am Fahrer vorbeidrücken. Und wer aussteigt, steht in Großbritannien mitten auf der Straße. Doch bei Mini scheute man davor zurück, das Auto für den englischen Markt mit einem anderen Aufbau zu versehen. Darum wird wohl zumindest der Clubman ein Exot auf der Insel bleiben.

Direkt neben dem Parkometer befindet sich - James hatte darauf hingewiesen - das Grab eines Schoßhündchens. Es gehörte dem einstigen deutschen Botschafter Joachim von Ribbentrop, der nach seiner Rückkehr nach Berlin 1938 Außenminister des Deutschen Reichs wurde und fortan ganz oben auf der Hassliste der Briten rangierte. Aber der deutschsprachig beschriftete Grabstein "Ciro - ein treuer Begleiter. London im Februar 1934" durfte stehen bleiben. Offensichtlich ziehen es die meisten Betrachter vor, das benachbarte Reiter-Denkmal von Frederick Duke of York in Augenschein zu nehmen. Ein kurzer Stopp noch beim Royal Automobile Club (RAC), der nur wenige Häuser entfernt vom Reform Club liegt: Er ist bedeutend größer, hat 22.000 Mitglieder und scheut keineswegs das Licht der Öffentlichkeit. So unterhält er einen eigenen Golfplatz in Woodcote Park und leistet sich Dauerplätze auf dem Grand-Prix-Kurs von Silverstone.

Der stilvolle Rahmen ähnelt dem des Reform Club - auch hier gilt ein verbindlicher Dresscode, der beispielsweise Herren ohne Krawatte den Eintritt verwehrt. Im Vorraum steht ein Daimler-Rennwagen von 1906, eine freundliche Leihgabe des Mercedes-Benz-Museums in Stuttgart. Die wandhohen Vitrinen sind voller Pokale. 80 Gästezimmer sind vorhanden, 250 dienstbare Geister sorgen für das leibliche Wohl. Sogar ein Swimmingpool steht für die Mitglieder bereit, die in den Restaurants rund 30 Prozent Rabatt erhalten. Ein solches Ansinnen zu stellen würde im Reform Club wohl für hochgezogene Augenbrauen sorgen. Fürs gewöhnliche Publikum ist auch der RAC nicht geöffnet, das elitäre Beitrittsprocedere entspricht dem der anderen Gentlemen's Clubs.

"Jedermann, der den Titel eines Gentleman beansprucht", so heißt es in den Regularien, "kann Aufnahme finden - sofern dem nicht objektive Hindernisse entgegenstehen." Früher soll dazu auch die Notwendigkeit gezählt haben, seinen Lebensunterhalt mit eigener Hände Arbeit verdienen zu müssen. Das sieht man heute lockerer. Selbst unser vergleichsweise kleines Auto vor der Tür hält einen wie aus dem Ei gepellten Herrn nicht davon ab, mit uns ein Glas in der Bar trinken zu wollen. Sorry Sir, müssen wir entgegnen, wir sind keine Mitglieder. Kein Problem, meint er, das könne ja noch werden.

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