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Mini Wildgoose-Reise aus Motor Klassik 07/2007

Mayday in Blackpool

Motor Klassik 07/2007 Foto: MKL 6 Bilder

Sie kennen uns - womöglich seit 30 Jahren - und wissen, dass wir nicht zu Übertreibungen neigen. Also erklären wir hier ganz nüchtern: 2007 starteten wir zum größten Abenteuer der Menschheit.

14.08.2014 Sebastian Renz Powered by

Sorgsame Vorbereitung ist natürlich die Basis für eine erfolgreiche Reise. Also erwerbe ich auf Anraten unseres Fotografen, des großartigen Hardy Mutschler, der allein mit Blicken stiernackige und bockige USAutohändler zum Weinen bringen kann, so wie damals in Halle/Westfalen – aber das ist eine andere Geschichte …, ähm, halt, wo waren wir? Ja, also auf Hardys Anraten kaufe ich als Vorbereitung nicht nur ein tannengrünes Cordsakko, sondern auch ein gelbes Polyesterhemd im Second-, na, eher Third- oder Fifthhandshop. Dann geht es los.

Eine von rund 60 gebauten Wildgoose

Wobei, eigentlich fast nicht, weil ich morgens um fünf am Flughafen freundlich darauf hingewiesen werde, dass mein Personalausweis abgelaufen ist. Einen zusätzlichen Reisepass könnte ja nun jeder dabeihaben. Mir dagegen stellt ein Zollbeamter nach einem Reuegeständnis meinerseits und einer halben Stunde Staatsbürgerkunde seinerseits einen provisorischen Pass aus, mit dem ich zwei Stunden später ins Vereinigte Königreich einreise.

Wir sind nun in London, es ist noch ein Stückchen bis Blackpool. Auf der Fahrt mit dem Mietauto bleibt also Zeit, sich mal darüber zu unterhalten, was wir hier überhaupt treiben. Schließlich kennen wir dieses kleine grüne Wohnmobil nur von einem Besuch bei BMW Classic, wobei diese Abteilung damals noch Mobile Tradition hieß.

Das war im Jahr zuvor, Heinrich Lingner war damals noch da (jetzt zum Glück wieder), und wir fuhren zusammen nach München. Da stand in der Werkstatt eine von etwa 60 je gebauten Wildgoose, das Topmodell Wildgoose Brent Super V. E. B., ein Wohnmobil auf Mini-Basis mit sich elektrisch aufrichtendem Penthouse. Sie entzückt uns, und wir fragen BMW, ob sie denn nicht mal im Britischen sei, für eine Geschichte.

Das Empire schlägt zurück

Im Mai 2007 ist die Wildgans auf Tournee durch England, wir treffen sie beim BMWHändler in Blackpool. Als eine bezaubernde Empfangsdame – die junge Kate Middleton, da sind wir uns bis heute sicher – mir anmutig den Schlüssel reicht, stolpere ich natürlich tölpelig über einen Teppich. Darauf verabredet sie sich mit William statt mit mir.

Hardy und ich residieren in einem strandnahen Hotel in Lytham St. Annes, in dem Messing-Teekannen von einer anderen, glanzvolleren Zeit künden, als es den ganzen Commonwealth-Schnickschnack noch nicht gab, sondern noch ein Empire und Georg VI. „von Gottes Gnaden König von Großbritannien, Nord-Irland und den britischen Besitzungen jenseits der Meere, Hüter des Glaubens …“ (wenn Sie das von mir bereits lasen, freut es mich. Ich schrieb das jüngst in auto motor und sport, wohin ich nach den drei Jahren voller wunderbarem Unfug bei Motor Klassik 2008 umzog).

Wir reisten damals schon gern auf die Insel, weil dort das Absurde immer selbstverständlich passiert. Ein Maifeiertag etwa, an dem sich junge Frauen dort so kleiden, dass selbst Damen, die als Darstellerinnen in Filmen der körperbetonten Erwachsenenunterhaltung arbeiten, schamvoll erröten würden. Es gibt Doppeldeckerstraßenbahnen. Oder eben Blackpool als solches, ein ganz gewöhnliches Seebad, das sich durch eine Achterbahn und Bingohöllen zur Ganzjahreskirmes verschandeln lässt.

Wir touren zwei Tage durch die Gegend, zeitweise begleitet von einem Mini-Mechaniker, der darauf achten soll, dass wir nicht zu viel Unfug mit der Wildgoose treiben. Sie schaue aus, schrieb ich später, wie ein Mini, der rückwärts in ein Gartenhäuschen gekachelt ist und es seither hinter sich herzieht. Sie fährt auch so, rumpelt, knirscht. Mitunter fegt der Gegenwind so stark, dass es schon als Erfolg gilt, wenn die Wildgoose mit ihren 34 PS aus 848 cm³ ihre Position auf der Straße hält, statt zurückgepustet zu werden. Morgens trinken wir Tee und essen dreizackigen Toast, mittags treffen wir dicke Kinder vor Pferden und abends serviert uns die entzückende Sophie Bradshaw Chicken Curry. Wir dürfen sie fotografieren, weil wir versprechen, sie ganz groß rauszubringen, die zweitgröße Fotografenlüge nach "Das Foto wird eh nicht veröffentlicht".

Dann fahren wir heim. Es war uns ein Vergnügen bei Ihnen, Cheerio, Miss Sophie!

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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