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Mit dem Audi A3 G-Tron durchs Emsland und Friesland

Eine Reise mit Gas aus Windkraft

Audi A3 Sportback g-tron, Seitenansicht, Papenburg Foto: Werner Popp 8 Bilder

Ab Herbst bietet Audi mit dem A3 Sportback G-Tron sein erstes Serien-Erdgasauto an. Und selbst erzeugtes E-Gas gleich mit dazu. Zur Herstellung nutzt Audi Windkraft. Eine beinahe emissionsneutrale Reise durch die Zeit. Am Anfang bläst der Wind, am Ende der G-Tron fast nur CO2 heraus, das vorher gebunden wurde.

06.09.2013 Michael Orth

Die Reise aus der Zukunft in die Vergangenheit ist ein Katzensprung, 120 Kilometer nur, obwohl auf der Route auch ein Abstecher in die Gegenwart liegen soll. Zurück in die Zukunft ginge es auf direktem Weg noch schneller. Da wären es nur 35 Kilometer.

Manche halten Zeitreisen ja für unmöglich. Aber das stimmt nicht. Allein Fantasielose werden sagen, diese Tour im Audi A3 Sportback G-Tron führe nur vom niedersächsischen Werlte über Twist und Papenburg bis Greetsiel und keineswegs durch die Zeit. Aber was wissen Fantasielose vom Reisen? Und was von einer Zukunft, in der ein Auto wie der G-Tron fast klimaneutral unterwegs sein könnte?

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Reise Mit dem Audi A3 g-tron durchs Emsland Hart am Wind
auto motor und sport 19/2013
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Die Zukunft

Die Zukunft liegt bei Werlte inmitten landwirtschaftlicher Nutzflächen ein wenig abseits der Loruper Straße. Sie ist eingezäunt und noch nicht ganz fertig. Es wird noch an ihr gebaut. Einladend sieht es auf den ersten Blick nicht aus, und es müffelt mehr als nur ein bisschen.

Die Anlage, die für die Zukunft steht, ist keine optische Attraktion, sondern eine technische. Viel Edelstahl, Drucktanks, mächtige Elektrolysebecken und nebenan riesige Bottiche, in denen Landabfälle biogasend vor sich hin gären. Peter Altmaier, der Energiewende-Minister, nennt das Ensemble einen "Meilenstein in der Geschichte der Automobilität". Audi nennt es "Power-to-Gas", eine Technik zur Herstellung synthetischen Methans aus erneuerbaren Energien.

Audi nutzt überschüssigen Windstrom, um Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu trennen. "Den Wasserstoff führen wir dann in einem Methanisierungsreaktor mit CO2 zusammen, das wir aus Biogas gewaschen haben. So entsteht unser E-Gas." Wie Dr. Hermann Pengg, einer der Ingenieure, den komplizierten Prozess erklärt, klingt es simpel, einleuchtend und überzeugend. 1.000 Tonnen E-Gas soll die Anlage in Werlte bald produzieren und dabei fast die dreifache Menge an Kohlendioxid binden.

Funktioniert es im großen Maßstab, würde es beitragen zu einer Zukunft individueller Mobilität, die nicht von Nachhaltigkeit und Klimaschutz kastriert wird, sondern wesentlich dazu beiträgt. Wieso hat das nicht schon jemand vorher gemacht? Waren wir zu bequem? Zu sorglos? Fehlte die Technik oder der auch finanzielle Anreiz, sie voran zu treiben? Die Fragen drängen sich auf, weil im Wagen selbst nichts zu spüren ist vom Revolutionären, das ihn antreibt. Der Audi A3 G-Tron funktioniert so unauffällig gut, wie auf dem Weg Richtung Westen erst das platte Oldenburger Münsterland und dann das ebenso platte Emsland vorüber- ziehen. Pferde, Kühe, der Geruch dazu, Mais, Korn, der Wind in den Bäumen und erst in Meppen ein Ereignis: zwei dicke Mädchen in Collegejacken, die bei Rot über die Straße gehen. Der Reiz der Gegend ist nicht von der aufdringlichen Sorte. Der Weg durch die Gegend um so mehr, denn er führt schnurstracks von der Zukunft in die Gegenwart.

Die Gegenwart

Die Gegenwart nickt gleichmäßig in Twist und überall in den Moorflächen um die Gemeinde an der deutsch-niederländischen Grenze. Langsam hebt sie an langen, grünen Hälsen aus Stahl die orangefarbenen Köpfe, leise surrend und zwischendurch knarzend. Die Köpfe, länglich und oval, ähneln jenen von Pferden. Die Hälse, die sie heben und senken, treiben Pumpen an, die aus 300 bis 2.000 Meter Tiefe den dunklen Schlick unterm Moor zu Tage fördern: Rohöl.

Seit Anfang der vierziger Jahre Bohrungen westlich der Ems auf Öl gestoßen waren, fördern die Pferdekopfpumpen in dem nach Mittelplate in der Nordsee ergiebigsten deutschen Feld annähernd 600.000 Tonnen Rohöl pro Jahr. Aber wie lange noch? Zehn Jahre, 15? Weiter reichen die deutschen Reserven nicht. Und zu welchem Preis? Immer noch scheint es sich zu lohnen, um Twist neue Förderstellen zu erschließen, obwohl die Kosten einer einzigen Probebohrung – Ergebnis ungewiss – bei etwa 15 bis 20 Millionen Euro liegen sollen. Genau so viel investierte Audi in die E-Gas-Anlage in Werlte. Mit sechs Millionen beteiligt sich Altmaiers Ministerium an der weiteren Forschung dort. Weil es bei Audi "um wesentliche Herausforderungen der Energiewende" gehe.

Während der Audi A3 G-Tron an den Pumpen vorbeirollt, pustet er nicht mehr CO2 in die Landschaft, als zuvor bei der Produktion des künstlichen Erdgases gebunden worden ist. Doch so schön, wie sich das denkt, so guten Gewissens es sich Gas geben lässt, zu spüren ist auch das nicht direkt. Allein die Füllstandsanzeige für die beiden CNG-Tanks unter dem Kofferraum des Audi A3 G-Tron versucht, es dem Fahrer vor Augen zu führen. Die Leuchtpunkte im Drehzahlmesser sind, natürlich, grün.

Vielleicht liegt ja darin das größte Trägheitsmoment in der Bewegung weg von konventionellen und hin zu alternativen Antrieben, dass die Unmittelbarkeit der Konsequenzen fehlt. Würden wir uns leichter tun mit dem Umdenken, wenn bei jedem Tritt aufs Gas der Beifahrer in Atemnot geriete, neben dem Wagen plötzlich ein Baum einginge oder vor der Haube ein hitzetoter Pinguin auf die Straße plumpste?

Zwischen den Pumpen wird im Moor weiter der Torf abgebaut, dunkelbraun liegt er zu Halden gehäuft, und im Hintergrund drehen sich die Rotoren von Windkraftanlagen. Wie dicke, wild aufgeschüttelte Federbetten hängen darüber die Wolken im weiten Himmel über dem Emsland. Von beinah hypnotischer Kraft ist es, dicht unter den Türmen zu stehen, den Kopf in den Nacken zu legen und den Blättern zuzusehen, mit welcher Wucht und Geschwindigkeit sie sich drehen. Wie eine überdimensionale Plastiktüte zischeln und rauschen und rascheln die Flügel, wenn sie durch den Wind schneiden. Und mit jeder Umdrehung könnten sie bald helfen, einen g-tron zu betanken, an allen CNG-Zapfsäulen. Über eine besondere Tankkarte rechnet Audi den Gasverbrauch ab und speist die entsprechende E-Gas-Menge ins Netz zurück. Der Tank allerdings ist noch beinahe voll, als es aus der Gegenwart in die Vergangenheit geht.

Die Vergangenheit

Die Vergangenheit liegt hübsch nachgebaut in den Kanälen von Papenburg vertäut, und wenn es um ihren Antrieb geht, ist sie so weit von der Zukunft gar nicht entfernt. Der Wind schob einst Briggs, Schmacken und Schoner wie die Friederike, Gesine und Catharina vor sich her. Oder auch nicht. Denn schon immer war der Wind launisch. "Bläst immer so, wie er will, aber selten so, wie du es brauchst", sagt mit rollendem R einer der beiden auf Seebär gemachten an Bord des Museumsschiffs Friederike vor dem Papenburger Rathaus. Dass auch der Audi A3 Sportback G-Tron mit Windkraft fährt, will er nicht glauben. "Wo bitte hat der seine Segel?" Seine Segel sind Rotoren, und sie drehen sich angetrieben vom Nordseewind. "Dann fährt der mit Strom, oder was?" Nein, entweder mit Benzin oder mit Gas, das zwar mit grünem Strom erzeugt wird, sich aber besser speichern und transportieren lässt als dieser. So kann es gelingen, sich im Energiemanagement einerseits von den Launen der Natur weiter zu emanzipieren und der Umwelt andererseits beim launigen Herumreisen weniger zur Last zu fallen.

Und weil das so ist, darf der neue A3 Sportback G-Tron entlang der Ems ruhig noch einen Schlenker durch Ostfriesland machen, einfach so und fast klimaneutral. Zumindest dann, wenn er nicht Benzin oder gewöhnliches CNG verbrennt, sondern Audis E-Gas. Das allerdings gibt es erst in der Zukunft. Die aber ist in Werlte ja schon heute gegenwärtig, wenn auch noch nicht vollends fertiggestellt.

Audi Power to-Gas-Anlage

Am Anfang bläst der Wind, am Ende der G-Tron fast nur CO2 heraus, das vorher gebunden wurde. Die E-Gas-Anlage ist die weltweit erste Power-to-Gas-Anlage im industriellen Maßstab. Biostrom trennt Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Der Wasserstoff kommt in einem Reaktor mit CO2 zusammen, das man aus Rohbiogas gewaschen hat. Heraus kommt Methan, als Abfall Wasser und Sauerstoff. Fährt ein Erdgas-Auto mit solchem E-Gas, stößt es zwar CO2 aus, das aber ist vorher in der Gasproduktion gebunden worden. Ab September soll die Anlage in Werlte ans Netz. Jahreskapazität? Genug Gas, um 1.500 G-Tron für je 15.000 Kilometer zu betanken.

Reise durch die Zeit

Die Strecke ist keine lange. Aber sie führt durch die Geschichte der Mobilität. In Werlte erzeugt Audi künstliches Methan und hofft, einem Kraftstoff der Zukunft auf der Spur zu sein. Um Twist führt die "Pionierroute Energie" durchs Moor an den Pumpen vorbei, die den Rohstoff für die Energie der Gegenwart fördern: Erdöl. Der Weg nach Papenburg und Greetsiel führt gesäumt von Windkraftanlagen in die Vergangenheit zu historischen Seglern und alten Mühlen.

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