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Der Angeles Crest Highway bei L.A.

Autoreise mit dem Mustang Shelby GT350

Ford Mustang Shelby GT350 auf dem Angeles Crest Highway Foto: Dani Heyne 14 Bilder

Einst als Evakuationsroute bei Großbränden geplant ist der Angeles Crest Highway heute eine Traumroute für alle Autoverrückten. Wir haben ihn mit dem Ford Mustang Shelby GT350 bereist.

20.08.2017 Dani Heyne

Halb fünf Uhr morgens kappt der Wecker die Leitung ins Land der Träume. Es muss sein, sonst geht der Plan nicht auf – das zumindest redet man sich unter der Dusche ein. Kaltes Wasser hilft, alle Sinne schnell zu wecken.

Shelby GT350 Ford MustangAbsolut brachiales Pony-Car

Als die Tür leise ins Schloss fällt, geht der Film los. Die erste Szene spielt in einer Seitenstraße von Venice Beach, Los Angeles, Kalifornien. Das nahe Meer lässt sich nur erahnen, die Palmen am Straßenrand sind echt. Angenehm kühl ist die Luft unterm dunklen Himmel, sie schmeckt leicht salzig. In einem der vielen parkenden Autos sitzt ein Typ, der den Kopf auf das Lenkrad gelehnt hat und schläft. Nicht mehr lang – gleich wird ihn der Mustang wecken. Er wartet keine 20 Meter entfernt in seiner Lücke, und auch wenn er sich noch so anstrengt – er wird laut losknurren. Als GT350 kann er gar nicht anders.

Das Ziel? Die Straße der Engel

Zweite Szene: Die Straßen von Venice haben kurz nach fünf Uhr morgens einen gesunden Ruhepuls. Sie sind so leer und schön, wie man es sonst nur aus alten Filmen kennt. Kein Wunder, dass sich so viele Menschen einst in diese Gegend verliebt haben – und geblieben sind. Dass daraus viel später eine Megacity mit verstopften Straßen werden könnte – daran hat wohl nie jemand gedacht.

Ford Mustang Shelby GT350 auf dem Angeles Crest Highway Foto: Dani Heyne
Ursprünglich sollte der Highway eine Evakuationsroute bei Großbränden werden.

Vermutlich führte der Angeles Crest Highway deswegen lange ein unbeachtetes Leben – am anderen Ende der Stadt. Es kann aber auch mit seiner Bauzeit zu tun haben, die von 1929 bis 1956 dauerte. Im ursprünglichen Plan sollte der Highway durch die San Gabriel Mountains ein Rettungsweg werden, falls es notwendig gewesen wäre, die Umgebung wegen Großbränden evakuieren zu müssen. Als die Straße fertig war, erinnerte ihr Verlauf an ein dickes langes Seil, das irgendjemand wahllos auf eine Gebirgskette geworfen hat. Entstanden war ein 100 Kilometer langes hügeliges Kurvenparadies.

Das ist unser Ziel – und wir sind nicht allein. Unter Rad- und vor allem Autofans ist die Strecke schon seit ein paar Jahren angesagt, weil sie ihnen Frieden und Freiheit serviert wie nur wenige im Großraum L.A. Selbst bekannte Typen wie Jay Leno oder Magnus Walker, der Porsche-Outlaw mit den langen Dreadlocks, brausen regelmäßig vor Sonnenaufgang durch die Stadt, um mit dem ersten Sonnenlicht den Highway der Engel zu genießen. Und sich um kurz vor acht in einer kleinen Hütte – „Newcomb’s Ranch“ – ein leckeres Frühstück zu bestellen.

Dritte Szene: Allein für die Tour durch das verschlafene L.A. hat sich der frühe Start gelohnt. Der Mustang huscht befreit über all die bekannten Boulevards, flaniert durch die Hollywood Hills und ist dabei der einzige Star. Denn alle anderen schlafen noch. Daher lähmen ihn kein Stau, keine kurzen Ampelphasen, kein talentfreier Taxifahrer.

Die Zivilisation im Rückspiegel

Ford Mustang Shelby GT350 auf dem Angeles Crest Highway Foto: Dani Heyne
Leider bietet Ford den GT350 nicht offiziell in Deutschland an.

Als der Mustang den hippen Stadtteil Echo Park passiert, dreht die Natur an den Reglern und färbt den Himmel rosarot. Im Rückspiegel funkeln die gläsernen Hochhäuser von Downtown wie Leuchttürme der modernen Welt, während in der Frontscheibe die ersten Hügel der San Gabriel Mountains auftauchen. Zwei Gasstöße, vier Kurven, und dann ist das Begrüßungsschild „Angeles National Forest“ da. Es markiert den Anfang der Strecke, die das Navi als weiße Schnur auf grünem Grund anzeigt.

In der Realität ist es ein zweispuriger Streifen aus dunklem großporigem Asphalt mit gelber Mittellinie und gefährlich steilen Abhängen. Leitplanken schützen nur in den wildesten Kurven, dafür ist die Aussicht überall fantastisch. Die Straße schlängelt sich ziemlich eifrig auf 2.100 Meter hoch. Für den Mustang kein Problem: Er atmet tief durch den großen, offenen Filter und versorgt die acht Brennräume seines 5,2- Liter-Herzens mit frischer Bergluft. Dass er ab dem 2017er-Modelljahr das Track-Paket serienmäßig an Bord hat, erheitert uns kaum. Denn Ford bringt den GT350 nicht offziell über den Teich. Eine Schande, handelt es sich doch um nichts weniger als den besten Mustang der Neuzeit. Auch wenn es kein echter Shelby ist.

Happy End bei den Engeln

So leichtfüßig und schnell, wie dieser Ford durch die Kurven fliegt, ist es egal, was an seinem Heck steht. Frei von störenden Wankbewegungen eines übergewichtigen Amis tanzt er talentiert über den Highway der Engel – und lässt beim Fahrer die richtige Dosis Adrenalin frei. Natürlich muss man ihn führen, muss aufpassen und abwägen. Alles andere wäre bei 533 PS und Hinterradantrieb ja auch ziemlich leichtfertig.

Und der Highway? Der lässt uns an seinen vielen Aussichtspunkten verschnaufen. Und serviert dem Fahrer unzählige Postkartenmotive voll zauberhafter Natur, die kurz vor dem Horizont mit den Spitzen von Los Angeles gerahmt ist. Mit Endorphinen geflutet, kommt man irgendwann zu „Newcomb’s Ranch“, der alten Holzkneipe oben in den Bergen. Dort treffen sich alle, die sich von der Straße berauschen lassen. Man frühstückt zusammen, schwatzt und fühlt sich wie in einem dieser Hollywood-Happy-Ends.

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