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Mit dem Opel RAK-e auf Klassenfahrt

Tschüss Eltern, Tschüss Chauffeur

Opel RAK-e Foto: Hans-Dieter Seufert 19 Bilder

Falls der elektrisch angetriebene Opel RAK-e einmal beim Händler um die Ecke steht, sollen auch 16-Jährige damit fahren dürfen. Nur: Wollen die das überhaupt? Und: Könnten sie es sich denn leisten? Ein Schulbesuch gibt Antworten.

13.01.2012 Jens Dralle

Das Killer-Argument feuert Joscha gleich zu Beginn der zugegeben nicht ganz repräsentativen Umfrage ab: "Eigentlich brauche ich kein motorisiertes Fahrzeug, meine Eltern fahren mich ja immer", sagt der Schüler des Immanuel-Kant-Gymnasiums. Dabei hatte sich Opel das mit dem RAK-e so schön ausgedacht. Homologiert nach der EG-Fahrzeugklasse L7e, könnte der elektrisch betriebene Zweisitzer auch von 16-Jährigen gefahren werden, wenngleich auf eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h begrenzt.

Auch Shari bräuchte weder Auto noch Roller, denn "schließlich habe ich Eltern", gibt sie gut gelaunt zu Protokoll. Also Schreibblock zuklappen, Auto ab auf den Hänger, Projekt gescheitert? Nein, denn völlig kalt lässt die spektakuläre Studie die rund 150 Mittelstufen-Schüler dann doch nicht, obwohl ihnen die Bedeutung des Namens, der auf das Raketen-Auto RAK2 von 1928 zurückgeht, ziemlich egal sein dürfte. Dabei gibt es doch laut Designer Richard Shaw "keinen besseren Namen für Leidenschaft" bei Opel. Nun, so sei es.

Opel RAK e 1:48 Min.

Auf teures Carbon wurd beim Opel RAK-e verzichtet

Shaw weiß allerdings darüber hinaus auch andere Neuigkeiten zu berichten. Zum Beispiel, dass bewusst auf teure Materialien wie Carbon verzichtet wurde. "Stattdessen nutzen wir einen Gitterrohrrahmen aus hochfestem Stahl und eine Außenhaut aus recycelbarem Kunststoff", erklärt er. Und die Batterie, bislang das Teuerste an einem E-Fahrzeug? Sie hat eine nutzbare Kapazität von fünf Kilowattstunden, was sich insgesamt nach gängiger Industrieprognose auf rund 2.000 Euro belaufen dürfte.

Dennoch liegt der Einstiegspreis voraussichtlich nicht unter 12.000 Euro, was die Jugendlichen ins Grübeln bringt. Dominik findet das "schon ganz schön teuer", weshalb er doch lieber auf ein "richtiges" Auto sparen würde. Opel erwägt daher eine kleinere Batterie für die gedrosselte Variante, was jedoch die Kosten kaum unter 10.000 Euro drücken kann. Haben die Rüsselsheimer also an der Zielgruppe vorbeigeplant?

Leon kommt der Lösung auf die Spur: "Mit 18 Jahren kann man dann seinen Führerschein erweitern, den RAK-e entdrosseln und behalten." Recht hat er. Und die Reichweite von maximal 100 Kilometer? Die stört weder ihn noch die meisten Mitschüler besonders. Außerdem mache die Batterietechnik sowieso noch große Fortschritte, glaubt Leon. Während also vor allem der angepeilte Preis Skepsis hervorruft, trifft das Design den Geschmack der Schüler auf den Punkt.

Opel RAK-e endlich mal was anderes

Alina findet, dass der RAK-e "endlich mal etwas anderes ist", Nico benutzt das offenbar noch immer aktuelle Adjektiv "cool", und Kimberley mag den "schicken Innenraum". Dort hineinzugelangen, gestaltet sich dagegen gar nicht so einfach – unabhängig vom Alter der Insassen. Per Befehl über ein Smartphone surrt die transparente Kuppel ebenso bedächtig nach oben wie die Lenksäule. Türen? Nicht vorgesehen. Tiefe Ausschnitte ebenfalls nicht, der Stabilität zuliebe. Mit etwas Übung klappt es dann doch, nur dass dummerweise noch der Beifahrer draußen steht. Also wieder raus, Fahrersitz nach vorn, Beifahrer verstauen – und los gehts. Platz finden beide genügend und wahren dabei deutlich mehr Distanz als auf einem Motorrad.

Klassische Bedienelemente wie Dreh- und Drück-Schalter finden sich nur noch in stark reduzierter Anzahl, die meisten Funktionen steuert das Mobiltelefon, über das der RAK-e zudem vorkonditioniert werden kann. Bei einer winterlichen Ausfahrt ließe sich so beispielsweise der Innenraum aufwärmen, solange das Auto noch am heimischen Stromnetz hängt. Ebenfalls möglich: Als Bestandteil eines Car-Sharing-Konzepts lässt sich der am nächsten geparkte RAK-e über eine App lokalisieren und starten.

Eltern spielen immer noch gene Chauffeur

Die Kuppel schließt sich, zögerlich reagiert der Prototyp auf den Fahrbefehl. Tief über dem Boden surrt man los, genießt die ausgezeichnete Rundumsicht und möchte gerne das von seinen Entwicklern gepriesene fahrdynamische Potenzial ausloten – aber bitte noch nicht mit dem Einzelstück. Vor allem die Beschleunigung auf Stadttempo des 380 Kilogramm schweren Mobils "ist einfach beeindruckend", schwärmt Elektromobilitäts-Produktplaner Gerhard Weihl.

Der Antrieb sitzt hinten, der Fahrer auf der Batterie und der Beifahrer auf dem bis zu 37 kW leistenden Motor. Unter 13 Sekunden soll die 100-km/h-Marke fallen, maximal surrt der Opel mit 120 km/h über die Autobahn. Oder vielleicht doch lieber in die Stadt? Hier berücksichtigt das Navi sogar Straßen mit nur maximal 1,20 Meter Breite, der Wendekreis beträgt geringe 5,5 Meter. Klingt so, als habe Opel an alles gedacht. Tatsächlich beteuert Weihl, dass der RAK-e bereits heute eine Straßenzulassung bekäme. Worauf also warten? Der Vorstand grübelt noch, ob sich damit Geld verdienen lässt. Und wer weiß, vielleicht gibt es einfach noch zu viele Eltern, die gerne den Chauffeur für ihre Sprößlinge geben.

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