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Mitsubishi-Deutschland-Chef van Vugt im Interview

"Unser Ziel sind 40.000 Neuzulassungen“

Martin van Vugt Foto: Mitsubishi 35 Bilder

Mitsubishi-Deutschlandchef Martin van Vugt spricht mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht darüber, wie der Importeur seinen Absatz mittelfristig um 30 Prozent steigern will. Zwei wichtige Schlüssel zum Erfolg sollen der kompakte Crossover und das Elektroauto iMiEV sein, die 2010 in den Handel kommen.

12.10.2009 Harald Hamprecht

Herr van Vugt, per September hat Mitsubishi in Deutschland ein Plus von 43 Prozent bei den Neuzulassungen verbuchen können. Damit dürften Sie recht zufrieden sein.
van Vugt: Es hätte natürlich besser sein können, wenn man bedenkt, dass einige Marken ein Plus von mehr als 100 Prozent verbucht haben. Aber wenn man die gesamtwirtschaftliche Situation in Betracht zieht, ist dieses Absatzergebnis natürlich zufriedenstellend. Zu verdanken haben wir es sicherlich der Umweltprämie, die den Absatz unseres Kleinwagens Colt im Vergleich zum Vorjahr um 100 Prozent hat steigen lassen.

Per September haben Sie 26.600 Neuzulassungen verbucht. Was peilen Sie für das Gesamtjahr 2009 an?
van Vugt: Unser Ziel sind 30.000 Einheiten.

Welche Rolle haben Sie damit in Europa?

van Vugt: Deutschland ist der größte westeuropäische Markt für Mitsubishi. Und einer von strategischer Bedeutung. Wir wollen hier aus Fehlern der Vergangenheit lernen und Erfahrungen mit Endverbrauchern sammeln, die uns weltweit weiterbringen.

Welchen Absatz peilen Sie im kommenden Jahr in Deutschland an?

van Vugt: Das ist wirklich sehr schwer zu sagen. Es gibt da viele unsichere Variablen. Die wichtigste ist die Marktentwicklung.

Womit rechnen Sie an dieser Front?

van Vugt: Wir halten dieses Jahr ein Gesamtmarktvolumen von 3,6 Millionen Einheiten für möglich – und kommendes Jahr einen Rückgang auf 2,6 bis 2,7 Millionen. Das ist rein nominell ein großer Rückgang. Anderseits erachten wir 2,6 Millionen Neuzulassungen als ein normales, natürliches Marktvolumen. Eine drei vor dem Komma resultiert doch – wenn wir ehrlich sind – meist aus den Eigenzulassungen der großen deutschen Hersteller. Vielleicht kommen ja aber auch positive Impulse durch die neue politische Situation. Worauf wir uns ganz sicher einstellen, ist der Trend zum Downsizing – und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

Die da wären.
van Vugt: Menschen kaufen kleinere Autos mit kleineren Motoren. Und sie reservieren schlicht kleinere Budgets für den Autokauf. Das Bewusstsein für die laufenden Kosten ist gleichzeitig größer geworden. Wir stellen uns darauf ein.

Wie?
van Vugt: Indem wir kleinere Motoren anbieten; somit können wir den Lancer inzwischen ab 14.990 Euro anbieten. Kommenden November bringen wir zudem erstmals einen kompakten Crossover in den Markt. Und beim Outlander eine Version mit reinem Vorderradantrieb. Nach unseren Berechnungen erweitern wir damit das Segment der potenziell interessierten Kunden um eine Million Menschen.

Wollen Sie auch gewerbliche Kunden ansprechen?
van Vugt: Der Anteil der gewerblichen Kunden an unserem Gesamtabsatz lag 2008 bei gerade mal  18 Prozent. Wir sind damit nicht so abhängig von diesem Segment. Aber ja, wir wollen Gewerbetreibende auch stärker ansprechen: Wir haben zwei richtige Arbeitstiere im Programm, die wir noch stärker in diesem Allrad-Segment positionieren werden: den L200 und den Pajero.

Welchen Absatz peilen Sie mittelfristig an?

van Vugt: Unser Ziel sind 40.000 Neuzulassungen. Das ist einfach die Größenordnung, wo wir hingehören.

Vor zehn Jahren waren Sie doch aber schon bei fast 70.000 Einheiten?

van Vugt: Ja, aber wir kaufen uns keinen Marktanteil und wollen nur profitabel wachsen. Unsere Zentrale in Japan hat rechtzeitig die Produktion gedrosselt und Kurzarbeit eingeführt, so dass wir keine Autos in den Markt drücken müssen.

Womit wir zum Thema Profitabilität kommen. Wie sind Sie hier aufgestellt?

van Vugt: 2008 haben wir einen Verlust verkraften müssen; dieses Jahr streben wir den Break-Even an.
 
Im vergangenen Jahr haben Sie Ihre Belegschaft um 40 Prozent verkleinert. Wie geht es hier weiter?
van Vugt: Das war in der Tat ein sehr schmerzhafter, aber notwendiger Einschnitt. Und wir optimieren immer noch die Prozesse, um ihn zu verkraften. Unsere Belegschaftsgröße hier in Hattersheim liegt derzeit bei 115 Mitarbeitern; und wir haben keine Pläne, daran zu rütteln.
 
Wie viele Händler arbeiten für Sie in Deutschland? Gibt es hier Pläne zur Verschlankung oder Vergrößerung?
van Vugt: Wir haben 421 Händler, sprich Vertragspartner, mit 542 reinen Vertriebs- und insgesamt 690 Servicestandorten. Damit haben wir – rein betriebswirtschaftlich gesehen – gemessen an unserem Absatz zu viele Händler; auch zu viele, die im Jahr nicht mehr als 50 Autos verkaufen. Aber genau diese kleinen Familienbetriebe, die "local heroes" wie ich immer sage,  sind das Rückgrat unseres Unternehmens; mit diesen Betrieben sind wir groß geworden. Das sind kleine Händler mit einem großen Service, die ihr Marktumfeld hervorragend bearbeiten. Deswegen werden wir an dieser Struktur nichts aktiv ändern. Wenn es irgendwo die Möglichkeiten gibt, dass sich Händler freiwillig zusammenschließen, dann fördern wir das natürlich, damit wir und unsere Partner Kosten sparen können.

Wie viele Insolvenzen haben Sie zu beklagen? Und wo liegen die Renditen Ihrer Händler?

van Vugt: 2008 mussten 20 unserer Vertriebspartner die Segel streichen, im schwierigen Jahr 2009 hat es bisher zehn getroffen. Zur Händlerrendite liegen uns keine verlässlichen Zahlen vor, da wir überwiegend Mehrmarkenhändler haben.

Haben Sie noch offene Punkte in Ihrem Vertriebsnetz, für die sich neue Händler bewerben können?
van Vugt: Ja, wir haben etwa 30 offene Händlerstandorte, darunter Teile von Hamburg, Frankfurt, München, Mainz, Stuttgart und Dresden, um nur einige zu nennen.

Auf welche neuen Produkte dürfen sich Ihre Händler und Kunden freuen?

van Vugt: Wir halten unsere drei Hauptsäulen unseres Absatzes – Colt, Lancer, Outlander – weiter attraktiv. Und wie erwähnt bringen wir 2010 einen komplett neuen kompakten Crossover im C-Segment unterhalb des Outlander sowie weitere Antriebsvarianten über unser gesamtes Modellportfolio. Ein besonderes Highlight wird im Oktober/November 2010 sicher auch die Einführung des i-MiEV. Wir sind der einzige und erste Anbieter dieser neuen Technologie und untermauern damit unsere Strategie, einer der erfolgreichsten umweltfreundlichsten Fahrzeughersteller der Zukunft zu werden.

Was wird das Elektroauto kosten – und wie viele werden wir wohl auf Deutschlands Straßen sehen?
van Vugt: In Japan kostet das Auto umgerechnet rund 35.000 Euro.  Dank diverser staatlicher Subventionen verringert sich dieser Preis auf rund 19.000 Euro. In Deutschland müssten wir ohne Subventionen 50.000 bis 55.000 Euro verlangen.

Damit wäre der Kleinwagen unverkäuflich.

van Vugt: Wir betrachten mit Neugier, wie die neue deutsche Regierung mit dem Thema Elektroauto umgeht.  Wir sind gespannt, ob spürbare Subventionierungen erst dann kommen, wenn auch die deutschen Hersteller mit ihrem Angebot auf den Markt kommen können, das heißt frühestens Ende 2012. Wir wollen hier nicht vorwurfsvoll klingen, aber wir würden uns schon freuen, wenn Subventionierungen schon vorher ausgesprochen würden, um die umweltfreundliche Technologie zu fördern – und nicht nur die nationalen Hersteller. Zumal die Infrastruktur für unseren i-MiEV schon steht: Sie stöpseln einfach den Stecker für die Kaffeemaschine aus und den für unseren Elektrowagen ein; nach 6,5 Stunden wäre die Batterie komplett geladen und Sie haben eine Reichweite von 144 Kilometern. Viele Kommunen haben dafür übrigens schon reges Interesse geäußert; auch einige Großkunden, wie der Flughafen Frankfurt/Main.

Wie entwickelt sich denn Ihr Absatz von Diesel-Modellen bei Mitsubishi?

van Vugt: Aufgrund des Einbruchs im großen SUV-Segment und der Abwrackprämie, die unseren Colt mit Benzinmotoren beflügelt hat, ist unser Dieselanteil auf 16 Prozent gesunken. Wir werden den Anteil aber wahrscheinlich wieder steigern: Denn wir haben eine neue Dieselgeneration entwickelt, die 2010 nach Deutschland kommt – zunächst in der 1.8 Liter-Variante und natürlich Euro-5-konform.

Abschlussfrage: Wie wollen Sie die Marke Mitsubishi in Zukunft positionieren?

van Vugt: Wir sind keine Mainstream-Marke und werden es auch nie werden. Wir sind eine Entwicklungsgetriebene Firma, die hohen Wert auf Qualität und Innovation legt – und zwar von der Entwicklung bis hin zur Fertigung. Gleichzeitig hat unsere Marke einen sportlichen Kern – wie nicht zuletzt unser langjähriges Engagement im Motorsport zeigt. In Zukunft wollen wir – wie schon angedeutet – das Thema Umweltfreundlichkeit stärker betonen. Bis 2020 sollen 50 Prozent unserer Fahrzeuge und Produktionsstätten nur noch die Hälfte des heutigen C02-Ausstoßes aufweisen. Und das ist kein kurzfristiger Trend; wir haben dieses Thema schon vor vielen Jahren erkannt. Genau deswegen erfreuen wir uns jetzt ja des Vorsprungs beim i-MiEV.

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