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MM-Rückblick

Vor 80 Jahren

Foto: www.bresciafoto.it 38 Bilder

Überdenkt man noch einmal die historischen Voraussetzungen, die zur Entstehung der Mille Miglia führten, bleibt ein Zweifel, der so stark ist, dass er fast Gewissheit wird.

09.05.2007 Powered by

Nando Minoja, der Sieger des ersten Rennens und Pilot des Unternehmens OM aus Brescia wird nicht einmal an die historische Tragweite seines legendären Triumphs gedacht haben, als er am 27. März 1927das Ziel in Viale Venezia um sechs Uhr früh erreicht.

Ein Mythos, jener Sieg, der zur Ikone werden und seine Erfinder und Protagonisten der internationalen Sportszene überleben sollte. In einer Pionierepoche für Straßenrennen wurde in wenigen Monaten ein Organisationsapparat aufgebaut, der heute unglaublich erscheint. Das Problem, die Strecke auf den langen unbefestigten Landstraßen, die nicht für den Verkehr gesperrt wurden, klar zu beschildern, wurde von Renzo Castagnetos Erfindungskraft gelöst, der den berühmten Roten Pfeil mit weißer Schrift entwarf.

Fast als sollte die Stadt, die dies alles organisiert hatte, prämiert werden, traten beim ersten Mal drei OM aus der Firma Officine Meccaniche in Brescia auf den ersten drei Plätzen an. Ein Triumph, der Brescia zu einem Gipfel an internationaler Bekanntheit verhalf, nicht nur wegen der überraschenden Organisationsfähigkeiten, sondern auch wegen der technologischen Qualität ihrer Schätze.

Das Jahr 1927

Um die Tragweite der Neuheit und der epochalen Wende, in der die Mille Miglia entstand, voll zu verstehen, muss man die Zeit im Scheinwerfer der Geschichte betrachten. 1927 gelang dem Amerikaner Charles Lindbergh ein legendäres Unternehmen: An Bord seiner Spirit of Saint Louis flog er von New York nach Paris in 33 und einer halben Stunde; er ist der erste Mensch, der in einem Eindecker den Atlantik überfliegt.

In dem Jahr, in dem der Literaturnobelpreis der sardischen Schriftstellerin Grazia Deledda verliehen wird, wird in Italien der älteste Literaturpreis gegründet, der Bagutta-Preis, der Giovanni Battista Angioletti für sein Buch mit dem signifikanten Titel "Il giorno del giudizio", der den Puls höher schlagen lässt, verliehen wird.

Verachtet von den Intellektuellen und Soziologen erschien der erste Radioempfänger für das Volk in den Geschäften: Am Ende des Jahres waren 61.000 Radios verkauft worden, während auf Italiens Straßen 144.000 Autos im Verkehr waren: 1931 kehrte sich das Verhältnis um mit 242.000 Radios und 188.000 Automobilen. Bemerkenswert ist, dass 1938, als die ersten Versuche mit dem Fernsehen begannen die Radios in Italien auf 1.017.000 anstiegen, während es in Deutschland bereits 12 Millionen und in den USA über 25 Millionen Exemplare gab.

1927 ist auch in der Wissenschaft ein bedeutendes Jahr: Lemaitre formuliert die Theorie des "Big Bang" zur Entstehung des Universums, die bereits von Einstein angenommen wurde, der französische Wissenschaftler datierte sie allerdings vor 20 Milliarden Jahren. Im Sport beherrscht der Radsportler Alfredo Binda aus Varese die internationale Szene: Er gewinnt die Straßen-WM.

Gleichzeitig stirbt in Udine Ottavio Bottecchia, der erste Italiener, der die Tour de France gewann. Aber 1927 ist vor allem das Jahr der großen Motorprojekte: De Bernardi stellt den absoluten Rekord in der Luftfahrtgeschwindigkeit auf, als er bei 500 Stundenkilometern durch den Himmel über Venedig saust.

Und zwei wichtige Ereignisse aus der Wirtschaft: 1926 setzte die italienische Regierung ein Programm gegen die Inflation um, das mit einer Kreditverknappung und der Konsolidierung der Staatsanleihen verbunden war, bis der Umwertungsprozess abgeschlossen war, was 1927 der Fall war. Zum Abschluss der Reform des neuen Währungssystems wurde die Banca d’Italia zum einzigen Emittenten und übernahm die Kontrolle über die ordentlichen Kreditbanken.

An zwei Daten lässt sich die zunehmende Bedeutung der Kommunikation und der Infrastruktur in Italien erfassen, die zu einer Notwendigkeit geworden waren: Die sofortige Reaktion ist im Boom der Automobilverbreitung und der Straßen zu sehen. Ein Vergleich genügt. 1927, während in den USA bereits 20 Millionen Autos im Verkehr waren, gab es in Italien 144 Tausend zugelassene Fahrzeuge; 1931 gab es in den USA 26 Millionen Autos (ein Wachstum von 30%), während sich in nur 4 Jahren der Fahrzeugpark in Italien Land fast verdoppelt hatte (260 Tausend Exemplare).

Zehn Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erlebte Italien den nicht zu bremsenden Wunsch nach Kommunikation zwischen den verschiedenen Regionen, eine demographische und industrielle Expansion, die sich auch im Menschen in dem Wunsch niederschlug, sich zu messen und zu bestätigen, um große sportliche und technologische Errungenschaften zu erreichen. Mit dem Motor im Herzen.

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