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Mobilität der Zukunft

Teilen ist das neue Haben

Güterverkehr Foto: NTS Works 23 Bilder

Das Mobilitätsverhalten der Menschen ändert sich rasant. Dieser Trend wird durch die Urbanisierung, das Smartphone, die Bereitschaft zu teilen und die Aussicht auf autonomes Fahren zusätzlich beschleunigt. Die Autohersteller arbeiten intensiv an Geschäftsmodellen, die den neuen Kundenwünschen Rechnung tragen.

08.05.2014 Birgit Priemer

Früher spielte auf Automessen das Geschwindigkeitspotenzial neuer, PS-starker Modelle eine wichtige Rolle. Heute geht es dagegen mehr um das Tempo, mit dem sich das Mobilitätsverhalten der Menschen ändert: "Für die Generation Y ist das Leben nicht mehr so berechenbar. Ein zweijähriger Arbeitsvertrag ist für viele mittlerweile eine lange Bindung. Diesen Menschen ist aber auch die durchschnittlich fünfjährige Bindung an ein Auto unbegreiflich."

Eine Erkenntnis, die ausgerechnet Daimler-Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche auf dem Genfer Auto-Salon vortrug und gleichzeitig bekannt gab, dass Mercedes immer stärker zum Mobilitäts-Dienstleister werden will – "Mercedes me" nennt sich die neue Plattform, auf der im Stile eines App-Stores alle Leistungen unter einem Dach zusammengefahren werden. Der Kunde kann, selbst wenn er kein eigenes Auto besitzt, die gesamten Angebote über eine eigene ID nutzen. Die Absicht ist klar: Die Autohersteller möchten die enorm wachsende Anzahl an Carsharern an sich binden – 2013 ist die Anzahl der Teilnehmer in Deutschland gegenüber dem Vorjahr immerhin um 67 Prozent gewachsen.

Eine Modellrechnung der Technischen Universität Dresden dürfte bei Automarken wie Audi, BMW und Mercedes zusätzlich die Alarmanlagen angehen lassen: Menschen, die kein eigenes Auto besitzen, legen generell nur noch 20 Prozent ihrer Wege mit dem Fahrzeug zurück. Die Wissenschaftler sehen deshalb langfristig so auch den öffentlichen Nahverkehr als großen Gewinner des sich ändernden Mobilitätsverhaltens.

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auto motor und sport 08/2014
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Mobilitätskonzepte - Anbieter wachsen zusammen

Und auch der bewegt sich – sei es in Hamburg, München oder im Rhein-Ruhr-Gebiet. Überall schießen vernetzte Angebote aus dem Boden: Die Hamburger Hochbahn beispielsweise schafft sogenannte switchh-Punkte an Verkehrsknoten, wo der Kunde problemlos auf ein Car2go, Fahrrad oder Taxi wechseln kann. Wer sich als switchh-Kunde registrieren lässt, bekommt für zehn Euro im Monat 60 Freiminuten mit dem Auto.

Kein Wunder also, dass Daimler bereits zu Jahresbeginn öffentlich verkündet hat, im Rahmen seiner internetbasierten Mobilitätsplattform moovel nun auch mit der Deutschen Bahn zu kooperieren. Über die App können so Fahrplanauskünfte eingeholt werden.

Nutzen statt besitzen ist ein Trend, der schon vor zehn Jahren erkannt wurde, der aber damals wegen komplizierter Zahlungsmodalitäten noch zum Scheitern verurteilt war – im Zeitalter des Smartphones hat sich das radikal geändert. Das Time Magazine hat im Teilen eine der zehn wichtigsten Ideen erkannt, welche die Welt nachhaltig verändern werden.

Internetbasierte Tausch- und Teilbörsen wie netcycler.de, flinkster.de und blablacar.de boomen. Und nicht nur beim Autofahren geht es ums Sharing. 85 Prozent der Internet-Nutzer gelten dem Teilen gegenüber als aufgeschlossen (Bitkom-Studie), als Menschen, die den Community-Aspekt von "Vertrauen als neue Währung" leben und so auch Kleider, Gärten und Werkzeuge teilen. Diskussionen, wer denn im Schadensfall die Haftung übernimmt, mag diese Generation nicht führen, sie erwartet innovative Versicherungskonzepte – und andere Ansätze in An- und Verkauf: Warum den ganzen Reifen erwerben, gewünscht wird künftig womöglich nur noch eine gewisse Laufleistung.

Viele neue Verkehrskonzepte

Selbst VW-Chef Martin Winterkorn hat erkannt, dass sich die Welt in den nächsten Jahren in hohem Tempo ändern wird, spätestens wenn Amazon 2015 starten wird, Pakete auch mit Drohnen auszuliefern. Die unbemannten Luftfahrzeuge können künftig vor ortsunkundigen Passanten als Lotse herfliegen und sie zum Ziel geleiten. Die Welt wird enger – hauptsächlich in den Städten. Bis 2050 wird nach einem UN-Bericht die Anzahl der Stadtbewohner von derzeit 46 auf dann 64 Prozent ansteigen. Speziell in Asien entstehen städtische Zusammenhänge mit mehr als 200 Millionen Einwohnern. Dramatische Auswirkungen auf die Mobilität der Zukunft hat aber auch die Absicht der EU-Kommission, Autos im innerstädtischen Bereich ab 2050 nur noch emissions- und komplett unfallfrei fahren zu lassen.

Diese Anforderungen lassen sich nur noch mithilfe des vollautonomen Fahrens umsetzen, das Bosch ab 2030 für realistisch hält. "Spätestens 2020 ist das hochautomatisierte Fahren serienreif, in der nächsten Dekade folgt das vollautomatisierte Fahren", prognostiziert Bosch-Chef Volkmar Denner. Und damit die Städte künftig nicht in den Blechlawinen ersticken, machen sie bereits heute Nägel mit Köpfen: Hamburg hat die Verpflichtung, im Rahmen eines Neubaus auch einen Stellplatz zu schaffen, bereits abgeschafft.

Parkraum wird so zum Luxusgut – und deshalb sprießen auch hier viele neue Startups aus dem Boden, die entweder das Parkplatzteilen oder -vorreservieren über das Internet organisieren möchten. Parkatmy-House ist in England über frustrierte Fußballfans entstanden, die nie einen Stellplatz am Wembley-Stadion gefunden haben. Mittlerweile hat diese Internet-Plattform 400.000 Kunden, jeden Monat kommen 40.000 dazu. Eine nahe gelegene Kirche, die sich an diesem Service beteiligt und Parkplätze außerhalb der Gottesdienstzeiten anbietet, soll damit mittlerweile pro Jahr über 100.000 Euro verdienen.

Doch das Geschäft könnte zeitlich sehr begrenzt sein: Im hoch technologisierten Inselstaat Singapur geht man davon aus, dass als Folge des autonomen Fahrens Autos überwiegend Bestandteil von Flotten werden. Die Wissenschaftler des Singapore-MITEntwicklungsinstituts schätzen, dass dann nur noch ein Drittel des Fahrzeugbestandes notwendig wäre und dadurch wieder viel Parkfläche eingespart werden könnte.

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