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Mobilität der Zukunft

Verkehrsmittel clever nutzen

Mobilität der Zukunft Foto: Hersteller 8 Bilder

Birgit Priemer über die unterschiedlichen Meinungen zur Mobilität der Zukunft, konservative Hardliner, Träger der rosaroten Brille und die Realität.

03.04.2015 Birgit Priemer

Die Meinungen gehen auseinander – schon im auto motor und sport-Redaktionsverbund: "Bleib mir weg mit allem, was Konnektivität, Infotainment und Assistenzsysteme angeht", murmelt sport auto-Chefredakteur Marcus Schurig, während er auf dem Gang an mir vorbeihastet, um die x-te Generation der Corvette mit glasfaserverstärkter Kunststoffkarosserie und V8-Motor ins Heft zu bringen.

Alternativen aufzeigen

"Die Mobilitätstante wieder", raunt Test-und-Technik-Ressortleiter Jörn Thomas schmunzelnd auf dem Redaktionsflur, während er offen sein Misstrauen gegenüber dem autonomen Fahren kundtut, aber immerhin eine Wallbox in der eigenen Garage hat, um E-Autos schnell aufladen zu können. Sein Elixier: die Fahrdynamik-Wertung im auto motor und sport-Vergleichstestschema.

Recht haben sie – alle beide. Denn es geht hier nicht darum, Menschen Vorschriften zu machen, wie sie ihr Fortbewegungsprogramm der Zukunft zu gestalten haben. Sondern ihnen Alternativen aufzuzeigen für Situationen, in denen nichts mehr geht: in den sich verdichtenden Städten, am Flughafen, wenn das Bodenpersonal mal wieder streikt oder wenn die Bahn keine attraktive Zugverbindung anzubieten hat.

Und mit Illusionen aufzuräumen: Das Fahrrad ist zum Beispiel in der Innenstadt nicht immer schneller als ein Auto – die 15 Kilometer zwischen Redaktion und Zuhause lege ich mit dem Auto ziemlich zuverlässig in 25 Minuten zurück, mit dem Smart E-Bike sind es rund 45 Minuten – ausprobiert innerhalb eines Selbsttests über mehrere Wochen. Fitnessprogramm inklusive, was auch Zeit spart. Aber das ist wiederum ein anderes Thema.

Der Fahrspaß bleibt

Worum geht es also? Um das Bewusstsein, Verkehrsträger clever zu kombinieren, ohne in ideologische Diskussionen zu verfallen, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen. Früher waren sich Fahrrad- und Autofahrer spinnefeind. Der eine grün, der andere in der Regel schwarz. Heute bekennen sich selbst Premium-Hersteller zum Geschäft mit Carsharing oder E-Bikes. Wer sich hier für irgendetwas zu schade ist, der ist schon auf der Verliererspur. Erkennt nicht, dass weltweit die Weichen längst anders gestellt sind – und der Generation Y der Entweder-oder-Gedanke fremd ist.

Ist es also vorbei mit dem Spaß-Haben, auch beim Autofahren? Nein. Spaß wollen Menschen immer haben. Aber Fahrspaß bedeutet nicht mehr unbedingt, morgens um 6.40 Uhr über die Schwäbische Alb zu düsen und dann messerscharf zu analysieren, wann mein Bolide im Kurvenausgang in ganz sanftes Unter- oder Übersteuern geraten ist. "Freude am Fahren kann auch mal eine Soundanlage sein", sinnierten die BMW-Techniker weit weg von zu Hause am Rande der Consumer Electronics Show in Las Vegas.

Das mag nicht jeder Auto-Enthusiast gerne hören. Aber auch darin muss wohl ein Teil unseres Umdenkens bestehen: Die wachsende Welt der Konnektivität trifft mit voller Wucht auf die alte Autowelt – und der Moment des Zusammenpralls muss erst einmal synchronisiert werden. Neues Auto, überholte Software – das hatten wir in der Vergangenheit oft. Doch damit ist im Zuge der Car-Play- oder Android-Integration ins Auto Schluss. Mittlerweile ist der Kunde ja nicht einmal mehr abhängig von Software-Updates des Herstellers. Er kann sich über sein Smartphone eigene Tatsachen schaffen – ohne Aufpreis und vor allem ohne Besuch in der Werkstatt.

Autonomes Fahren verhindert Unfälle

Und die Reise in die Zukunft nimmt gerade erst Fahrt auf: Auch wenn Google Glass auf Eis liegt, andere Software-Spezialisten wie Toshiba sind auf diesen Zug längst aufgesprungen – als eine Art Erweiterung des Navi-Systems außerhalb des Autos. Ins Interieur zieht dabei alles ein, was wir über die iPhone- und iPad-Bedienung gelernt haben: wischen, drücken, sliden, erste Formen der Gestensteuerung und neue Entertainment- Möglichkeiten für den Fall, dass der Pilot am Steuer nicht mehr gebraucht wird.

Alles Quatsch, denken Sie? Falsch, sage ich. Die Einführung des autonomen Fahrens wird sich noch über Jahre ziehen – und manchen Rückschlag kassieren. Aber es hilft, Verkehrstote zu verhindern. Neun von zehn Unfällen im Straßenverkehr entstehen durch menschliches Fehlverhalten. Und da hört der Spaß auf.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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