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Modena Trackdays

Historische Ferrari auf dem Nürburgring

Modena Trackdays Foto: Wolfgang Wilhelm 21 Bilder

Die Modena Trackdays auf dem Nürburgring sind ein erstklassiges Spektakel. Hauptattraktion ist der phonstarke Auftritt der ausgedienten Formel 1-Ferrari - mit talentierten Amateuren hinter den Lenkrädern.

14.10.2009 Claus Mühlberger

Wirtschaftskrise? Welche Wirtschaftskrise? Die gibt es vielleicht woanders. Im Ferrari-Land jedenfalls ist das Schreckgespenst der Rezession nicht angekommen. Wenn Uwe Meissner im Zwei-Jahres-Rhythmus zu den Modena Trackdays auf dem Nürburgring bittet, lassen sich die betuchten Freunde des Cavallo Rampante nicht lange bitten.

Bei den Modena Trackdays trifft sich die Ferrari-Crème de la crème

Der Blick ins Fahrerlager zeigt: Hier herrscht robuste Bonität vor. Die Boxen platzen fast aus allen Nähten: Nicht weniger als 120 Autos werden hier für den großen Auftritt am Ring fertig gemacht. Rund zwei Drittel davon stammen aus Maranello, aber auch edle Automobile deutscher Herkunft sind willkommen. So zum Beispiel der DTM-Mercedes, mit dem Bernd Schneider im Jahr 2000 den Titel eroberte oder der Mercedes CLK-GTR, mit dem Klaus Ludwig 1998 die Internationale GT-Meisterschaft errang. Und auch ein berühmter Schweizer bereichert die Veranstaltung, nämlich der Sauber-Mercedes C9, mit dem Jean Louis Schlesser und Mauro Baldi 1990 die Sportwagen-Weltmeisterschaft ins beschauliche Hinwil im Aarthal holten. "Hier ist die Crème de la crème dessen versammelt, was es in Europa an Ferrari gibt", begeistert sich Jury-Mitglied Marcel Massini, als er die schönsten Ferrari des Meetings beim Concours d’Élégance auszeichnet.

Die elf Sieger-Ferrari sind bis zu 40 Millionen Euro wert

"Diese elf Autos haben zusammen einen Wert von 35 bis 40 Millionen Euro", rechnet der bekannte Automobil-Historiker vor. Die stolzen Besitzer der vierrädrigen Schmuckstücke freuen sich über ihre Pokale wie kleine Jungs, die als Belohnung für gute Noten ein großes Eis spendiert bekommen. Stolz posiert man für die Fotografen. Nur der ehemalige Infineon-Chef Ulrich Schumacher, dessen himmelblauer Ferrari F40 Le Mans den Preis in der Kategorie "Modern Race Cars" zugesprochen bekam, fremdelt ein wenig, als die Fotografen anrücken - ganz entgegen seinen früheren Gewohnheiten, wo er das Blitzlichtgewitter stets offensiv suchte.

Fast zwei Dutzend Formel 1-Autos sind vor Ort

Die Trophäe nimmt Schumachers halbwüchsiger Sohn entgegen, der Vater hält dies mit der Videokamera für die Nachwelt fest. Nachdem die automobilen Schönheits-Könige das Feld geräumt haben, kann man sich auf der Strecke wieder dem herzhaften Gasgeben zuwenden. Fast zwei Dutzend Formel 1-Autos aus vier Jahrzehnten sorgen für gänsehauterzeugendes Grand-Prix-Feeling. Zumindest akustisch. Denn nicht alle Fahrer lassen sich vom Diktat der optimalen Rundenzeiten unterjochen und schlagen eine eher genussbetonte Gangart an. Organisator Uwe Meissner weiß aus eigener Anschauung, dass allzu zurückhaltender Umgang mit dem Gaspedal in einem Formel 1-Auto nicht zielführend ist. "Ich teste auch die Formel 1-Ferrari für meine Kunden", sagt Meissner. "Das Wichtigste ist es, die Temperatur der auf 90 Grad vorgeheizten Reifen zu halten. Die wenigsten schaffen das. Es ist nicht so einfach, obwohl wir die weichste Reifenmischung von Avon verwenden, die es gibt."

380.000 Mark für einen zwei Jahre alten Ferrari

Meissner verdient sein Geld in erster Linie als Restaurator edler Ferrari. Vor gut zehn Jahren entwickelte er eine neue Geschäftsidee. "Ich fragte den damaligen Rennleiter Jean Todt, ob ich ein Auto kaufen könne", erzählt er. "380.000 Mark für ein zwei Jahre altes Auto", lautete die Antwort. Meissner schlug ein. "Der Preis war in Ordnung." Seither kam noch ein halbes Dutzend Grand-Prix-Autos bis zum Baujahr 1999 dazu, die er für Kunden einsetzt. Auch im Ferrari-Werk lernte man schnell den Kundensport als fröhlich sprudelnde, ergiebige Einnahmequelle schätzen. Eine eigene Abteilung namens "Corse clienti" kümmert sich in Maranello um das Wohlergehen der ehemaligen Grand-Prix-Autos sowie der solventen Piloten.

Keine Bestzeiten-Jagd mit dem Ferrari F 399

Der Schweizer Albert Grob ist einer jener Herrenfahrer, die eine durchaus flotte Gangart anschlagen, ohne sich aber von der Jagd auf Bestzeiten allzusehr stressen zu lassen. Der Immobilien- Experte besitzt einen Ferrari F 399, der von Michael Schumacher gefahren wurde. Bei indiskreten Fragen nach dem Preis röhrt er in schleppendem Schwyzerdütsch: "Ja, ja, das kostet schon etwas. Ja, ja. Genug." Auch unter den Hobby-Fahrern gibt es furchtlose Männer, die nicht nur finanziell aufs Ganze gehen, die mit der Querdynamik auf du und du sind und die auch bei Beschleunigungswerten von vier g seitwärts noch nicht zur Schnappatmung übergehen. Einige warten mit entblößtem Oberkörper auf ihren Einsatz und geben den Blick frei auf Waschbrettbäuche, bei denen sogar die Titelmodelle der Fitness-Bibel "Men’s Health" neidisch werden könnten. Wenn diese Herren in ihren roten Rennern auf der Piste Gas geben, können selbst Experten nicht unterscheiden, ob gerade Kimi Räikkönen hinter dem Lenkrad sitzt oder der Herr X, dessen Name aus fiskalischen Gründen nicht erwähnt werden soll.

Die Modena Trackdays finden seit 1993 statt

Der Auftritt der Formel 1-Youngtimer ist jedenfalls ein Spektakel erster Güte. Nicht nur, was die Phonzahl betrifft. Seit 1993 gibt es die Modena Trackdays. Der sechsfache Le Mans-Sieger Jacky Ickx gehört zu den Männern der ersten Stunde. Der Belgier mit den erstklassigen Manieren und dem unschuldig-charmanten Bubenlachen ist mit Organisationschef Meissner seit langem befreundet. "Alles Gentlemen", sagt der ehemalige Formel 1-Star mit sanftem Bambi- Blick und gibt dann seine persönliche Definition des Begriffs Gentleman zum Besten. "Was unterscheidet Buben von Gentlemen?" fragt er schmunzelnd. Nach einer kleinen Kunstpause gibt er die Antwort: "Es ist der Preis für ihre Spielzeuge."

Der Ferrari 312 hat es Jacky Ickx angetan

Die Boxenluder, die in erstaunlich körpernah konfektionierten Polohemdchen für die "Jacky-Ickx-Collection" eines Konfektionsherstellers Reklame laufen, lächeln anmutig bei diesem Bonmot. Mit jungenhafter Begeisterung erzählt Ickx von den am Nürburgring versammelten Autos. Ganz besonders hat es ihm der filigrane Ferrari 312 angetan, mit dem er 1968 beim Grand Prix von Frankreich in Rouen seinen ersten von acht Siegen in der Formel 1 errang. "Schau dir diesen Spaghetti-Auspuff an", ruft der 64-Jährige. "Herrlich! Ob ich dieses Auto nochmals fahren will? Nein! Niemals! Es wäre ja nicht auszudenken, wenn ich etwas kaputt machen würde."

Jacky Ickx spielt im Audi R8 V10 den Taxifahrer

Besitzer des schmucken Ferrari 312 ist der Werbe-Tycoon Jean-François Decaux. Der graumelierte Franzose pflegt mit seinem Prunkstück eine ziemlich kompromisslose Gangart anzuschlagen. Ickx rät dringend zur Mäßigung: "Hör auf damit herumzufahren und stell dir dieses herrliche Auto ins Wohnzimmer." Dann kraxelt Ickx, der seit einigen Jahren auch als Markenbotschafter für Audi segensreich tätig ist, in einen aktuellen Audi R8 V10 und spielt den Taxifahrer für VIP-Gäste nebst Gemahlinnen. "Semiautomatik", schnaubt der Ex-Grand Prix-Held. "Das ist doch nur was für Schulkinder. Ich schalte per Hand. So wie immer."

Die historischen Ferrari gehören nicht zum alten Eisen

Aus der Cockpit-Perspektive des Audi-Renntaxis kann man aus nächster Nähe bestaunen, wie herzhaft viele Fahrer ins Lenkrad beißen. Harald Grohs aus Essen zum Beispiel, Tourenwagen- und Sportwagengröße der achtziger Jahre, gehört seit jeher zu den Unerschrockensten. Im Gruppe C-Porsche 962 des Obermeier-Teams, der 1987 in Le Mans sensationell auf Platz zwei kam, zaubert Grohs wie eh und je: "Mit dem Besitzer bin ich ein paar schöne Drifts gefahren", erzählt der 65-Jährige. "Ich bin doch noch nicht eingerostet." Genausowenig wie die Autos der übrigen 120 Teilnehmer.  

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