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Monterey Autoweek - Concours d‘Lemons

Die dunkle Seite von Pebble Beach

Pebble Beach 2011, Concours d'Lemons Foto: Stefan Grundhoff 23 Bilder

Rund um den Concours d’Elegance in Pebble Beach kann man die schönsten Oldtimer sehen. Doch es geht auch anders. Beim Concours d’Lemons stehen die hässlichsten Karren im Mittelpunkt.

22.08.2011 Stefan Grundhoff Powered by

Für viele Besucher ist der Concours d’Lemons der alternative Höhepunkt der Monterey Autoweek. Nur ein paar Meilen vom Laguna Racetrack entfernt und in sicherer Entfernung zum ehrwürdigen Concours d’Elegance geht es auf einem unscheinbaren Parkplatz um das hässlichste Auto aller Zeiten. Wer gewinnt, kann sich mit der gelben Zitrone (Lemon) stolz der Öffentlichkeit präsentieren.

Die Stimmung ist prächtig und aus den Boxen dröhnt Musik. Gleich nebenan ist im Familien-Restaurant der Chili’s-Kette die Hölle los und der Baumarkt gegenüber empfängt die samstägliche Schar der Tool-Time-Anhänger. Keine Maßanzüge, keine qualmenden Zigarren wie am Tag zuvor bei der hoch exklusiven Quail-Ausstellung, wo der Eintritt 400 Dollar kostet und auch das kurz geschorene Grün eines Golfplatzes sucht man beim Concours d'Lemons vergeblich. Doch die Teilnehmer sind echte Carguys und setzen ihre automobilen Preziosen mit einem gekonnten Augenzwinkern Richtung Pebble Beach stilgerecht in Szene.

Keine Schönheiten, keine Hochglanzrestaurierungen

Kein Auto auf dem Concours d’Lemons ist dabei eine Schönheit - im Gegenteil. Hier steht ein heruntergerockter Bundeswehr-Unimog aus dem Jahre 1967 und gleich daneben ein Ford Pinto Stationwagon , für viele Amerikaner das stilsichere Gegenstück zu VW Derby und Audi A2. Der Ford Pinto wird noch heute in Witzen belächelt wie bei uns einst der Opel Manta.

Besonders sehenswert kann sich ein grässlich-grüner Ford Pinto Squire von 1977 in Szene setzen. "Der Wagen hat erst 26.000 Meilen gelaufen", lacht Besitzerin Johanna Woolley aus Almeda, "alles ist original. Auch der 2,3 Liter große Vierzylinder läuft noch wie am ersten Tag. Ich liebe diesen Wagen." Hoffentlich auch die grünen Kunstledersitze, das spindeldürre Kunststofflenkrad und den aufgeklebten Woodie-Look an den Flanken.

Die Artenvielfalt beim Alternativ-Concours kennt keine Grenzen. Hier findet man einen prächtig gepflegten Renault 5 Le Car von 1982, einen wenig schmucken Renault 12 oder einen 1973er Ford Econovan mit Aluminiumpapier verkleidet. Leichtbau einmal anders. Besonders der amerikanische Hersteller AMC, zweifelhafte Stilikone der 70er und frühen 80er Jahre, ist auf dem Concours d’Lemons eindrucksvoll häufig vertreten. Modelle wie AMC Pacer, AMC Gremlin oder AMC Eagle genießen bis heute einen zweifelhaften Ruf in den USA.

Ein Fridolin aus Deutschland

Antonio Montoya hat ein besonders sehenswertes Stück mit zum Zitronenevent nach Monterey gebracht. Der VW-Kastenwagen mit gefälschtem Mainzer Kennzeichen stand einst im Dienste der Deutschen Bundespost. Der gelbe Transporter hat schon bessere Zeiten gesehen - wann auch immer das gewesen sein mag. Die Karosserie ist völlig verrostet und Montoya hat auf einem ausgefransten Sessel seinen Platz im Volant. "Einfach abgefahren dieses Auto. Ich stehe aber auch auf Trabbis", grummelt der bärtige Schöngeist aus Kalifornien, "ich hatte einmal eine Freundin aus Ostdeutschland. Kurz nach dem die Mauer gefallen war. Da bin ich auf Autos wie dieses gekommen. Die wollte damals niemand mehr."

Wer es etwas aktueller, aber genauso wenig sehenswert mag, ist beim silbergrauen Isuzu VehiCross von Doug Wekell genau richtig. Doug kommt nur ein paar Meilen entfernt aus Downtown Monterey und weiß um den zweifelhaften visuellen Charme seines 1999er-Crossovers, der mehr einem Turnschuh denn einem Auto gleicht. Immerhin: der 215 PS starke Sechszylinder sorgt mit dem damals innovativen Torq-on-Demand-Allradsystem für flotten Vortrieb - auch abseits befestigter Pisten. Geschätzt haben das die GM-Kunden bis heute nicht. Auf dem Concours ist der Isuzu einer der Stars der Neuzeit.

500 Euro-Rennwagen für 24-Stunden-Rennen

Dave Schaible aus Danville/ Kalifornien ist mit einer sprichwörtlichen Schrottkiste zu Concours d’Lemons gekommen. "Der Wagen ist ein Eigenbau auf Basis des Ford-T-Models. Der Wagen wird von einem 1986er-Triebwerk aus dem Ford Mustang angetrieben - mehr als 200 PS bei 1.100 Kilogramm. Geht wie die Hölle." Dave fährt mit seinem düsteren Schrotthaufen sogar Langstreckenrennen - um die 24 hours of Lemons, eine ganze Serie mit 22 Rennen in 14 Staaten. "Die Autos in dieser Rennserie dürfen nicht mehr als 500 Euro inklusiv Restauration kosten", erzählt der grauhaarige Dave Schaible, "schließlich sind Autorennen nicht nur für reiche Idioten, sondern für alle Idioten - auch solche wie uns."

Army-Look und Leopardenfell

Die Zahl der automobilen Verfehlungen kennt beim Concours d'Lemons kaum ein Ende. Wieder ein Ford Pinto, diesmal in der wenig beliebten Schrägheckvariante in einem rostigen braun und gleich nebenan eine Lincoln Towncar Stretch-Limousine, die sich im Jurassic-Park-Look präsentiert. Der Eigentümer will den sieben Meter langen Geländekreuzer verkaufen. Doch der Army-Look und die Sitze im Leopardenfellbezug werden es nicht einfach machen, Interessenten zu finden. Es reichte beim Concours d’Lemons noch nicht einmal zum ersten Platz und den begehrten "Worst-of-Show-Price." Doch so sieht sie aus - die dunkle Seite von Pebble Beach.

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