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Montezemolo

"Wir können Qualität produzieren"

Foto: Beate Jeske

Fiat-Präsident Luca di Montezemolo über die Perspektiven aller fünf Konzern-Automarken, Qualitätsprobleme und Arbeitsplatzabbau.

26.10.2005

Warum hat die Kooperation zwischen VW und Maserati, die Sie 2003 angekündigt hatten, nicht funktioniert?
Montezemolo: Ursprünglich war vorgesehen, die Plattform des Maserati Quattroporte gemeinsam zu nutzen. Das hat nicht funktioniert, weil VW seine Pläne und entsprechende Modellstrategien geändert hat. Also haben wir uns freundschaftlich getrennt.

Außerdem hat sich unsere Ausgangssituation in diesen zwei Jahren verändert. Jede unserer Automarken hat inzwischen eigene Ziele. Deshalb agieren Fiat, Lancia und Alfa Romeo nicht mehr derart gemeinsam wie früher. Maserati kann gewisse Synergien von Alfa Romeo nutzen, deshalb haben wir beide Marken näher aneinander positioniert. Auch macht es Sinn, außerhalb Europas ein gemeinsames Alfa-Maserati-Händlernetz aufzuziehen.

Vor zwei Jahren haben Sie noch von einem Sportwagenkonzern aus Ferrari, Maserati und Alfa Romeo geträumt.
Montezemolo: Nein, Ferrari war immer außen vor, weil Ferrari-Komponenten für Maserati unterm Strich zu teuer sind. Aber als der Neustart mit den Modellen Coupé, Spider und Quattroporte abgeschlossen war, erschien es logisch, Maserati näher an Alfa zu rücken. Das konnten wir zusammen mit unserem Fiat-Chef Sergio Marchionne aber erst nach dem Ende der Kooperation mit GM realisieren. Alfa und Maserati haben das gleiche Management, aber unterschiedliche Missionen am Markt.

"Ein Diesel kann für Maserati vielleicht künftig interessant werden"

Maserati verwendet jetzt Ferrari-Motoren und -Fertigungsstätten. Soll das alles später durch Alfa ersetzt werden?
Montezemolo: Die momentane Kooperation zwischen Ferrari und Maserati bei Motoren, Montage und Lackiererei wird sicher beibehalten. Allerdings gibt es genügend Spielraum für eine bessere Zusammenarbeit mit Alfa, beispielsweise könnte eine neue SUV-Plattform von beiden Marken genutzt werden, oder die nächste Quattroporte- Generation könnte auch Basis eines neuen großen Alfa Romeo sein. In unserer Gruppe passen die beiden am besten zusammen.

Brauchen Sie noch weitere Partner für große Diesel oder Allradsysteme?
Montezemolo: Beim Allradantrieb sind wir unabhängig und selbständig. Alfa wird die Q4-Palette mit dem Torsen C-Differenzial weiter ausbauen, der Alfa 159 kommt gleich mit Allradantrieb. Diesel kann für Maserati vielleicht künftig interessant werden. Wer jetzt einen Quattroporte kauft, will ja bewusst eine gewisse Performance und Emotion, und zu dieser sportlichen Attitüde passt der Diesel noch nicht ganz.

Wie weit sind die ursprünglichen Absichten, mit Alfa wieder auf den US-Markt zurückzukehren?
Montezemolo: Langfristig sicher, aber nicht jetzt. Wir wollen den neuen Alfa 159 gegen den BMW 3er und Audi stärker positionieren. Wenn das gelungen ist, können wir über die USA nachdenken. Momentan bekommen wir aber bezüglich Alfa viele Anfragen aus China. Dort sind gerade etwas größere Modelle gefragt, da würde der 159 sowohl als Imageträger wie auch in den Abmessungen hervorragend passen.

Der typische Alfa-Schwachpunkt ist wohl nach wie vor die Qualität.
Montezemolo: Da machen wir gerade mit dem Alfa 159 dramatische Fortschritte, aber natürlich hängen uns die alten Sünden noch nach. Wir haben Qualitätsmanagement und -kontrolle viel stärker gewichtet, aber ich werde mich auch bei Alfa nie mit der erreichten Qualität zufrieden geben. Wir müssen immer besser werden, und das Beispiel Ferrari-Qualität beweist ja, dass wir das auch können.

Aber die beste Qualität innerhalb des Fiat-Konzerns wird doch im polnischen Panda-Werk produziert.
Montezemolo: Wir können inzwischen auch in Italien sehr, sehr gute Qualität produzieren. Wir haben nie ein besseres Qualitätsniveau gehabt als jetzt mit dem neuen Fiat Croma, und mit dem Grande Punto erreichen wir sogar die Japaner. Der Grande Punto hat beim Euro-NCAP-Crashtest sogar fünf Sterne erhalten - das bestätigt ja seine Qualität.

Unmittelbar nach Beendigung der Zusammenarbeit mit GM ist Fiat sofort eine neue Kooperation eingegangen, diesmal mit Ford.
Montezemolo: Mit General Motors hatten wir nicht nur eine sehr enge finanzielle Verflechtung mit gegenseitigen Beteiligungen, sondern auch ein 360-Grad-Abkommen auf industriellem und technischem Gebiet. Das hat es unmöglich gemacht, zum Beispiel mit Toyota, Mercedes oder Audi irgendwelche Vereinbarungen einzugehen, nicht einmal bei Komponenten. Auf der anderen Seite haben wir mit dem Peugeot-Konzern eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit im Bereich leichter Nutzfahrzeuge laufen. In Italien führen wir dieses Segment deutlich an und verdienen auch noch Geld. Fiat arbeitet daran, die Anzahl der Plattformen im Fiat-Konzern zu verkleinern. Auch Lancia wird Fiat-Plattformen nutzen. Und Fiat wird eine Schlüsselplattform im A-Segment gemeinsam mit Ford verwenden. Ford bekommt dafür die Panda-Plattform. Und uns hilft es bei den Investitionen.

Wo will Fiat denn künftig Schwerpunkte setzen?
Montezemolo: Wir verstärken uns in unserem angestammten A-Segment: mit dem Panda 4x4 und dem Panda SUV, der jetzt im Dezember ansteht, und mit einem neuen Cinquecento auf der Panda/Ka-Plattform, der später auch in den Versionen Spider und Stationwagon kommen wird. Genauso wie früher. Da die Erträge bei den Kleinwagen minimal sind, wollen wir wie Toyota und Peugeot kooperieren. Das verbessert dann auch das Ergebnis.

Führt das zu einem Billig-Automobil wie dem Dacia Logan?
Montezemolo: Nein, wir unterscheiden uns auch sehr wohl vom Toyota/ Peugeot-Projekt, weil Ford Ka und Fiat Cinquecento ein unterschiedliches Design bekommen werden mit sehr vielen charakteristischen Anklängen an den Ur-Cinquecento.

Wird das auch ein Geschäfts-Modell für andere Segmente?
Montezemolo: Das werden wir sehen. Wir sind gerade im Entscheidungsprozess für die Plattform der nächsten Stilo-Generation, die 2007 kommen wird.

Denken Sie nach dem Ende des GM-Abenteuers wieder über strategische Partnerschaften nach?
Montezemolo: Das ist die Aufgabe von Marchionne. Wir haben in den vergangenen acht Monaten den Konzern vollkommen neu ausgerichtet, und dabei haben wir die Marken voneinander getrennt. Mit dem Ka-Deal ist es Marchionne gelungen, die Investitionskosten für den Cinquecento zu reduzieren, und wir sind in Brasilien, wo starker Wettbewerb herrscht, gut aufgestellt. Wir bringen jede Menge neuer Modelle und arbeiten daran, unser Volumen, die Marktanteile und das Händlernetz in ganz Europa zu verbessern.

Was passiert mit Lancia?
Montezemolo: Lancia wird als Nischenmarke ausgebaut: chic, elegant, innovativ.

Der Fiat-Konzern war nahe an der Pleite. Wo steht er finanziell?
Montezemolo: Fiat Auto wird 2005 nur noch mit einem Drittel der Verluste des Vorjahres beenden. Wir werden 2006 mit den Automarken auf der Null-Linie abschließen und vielleicht sogar einen kleinen Gewinn machen.

Muss Fiat dazu - wie bei VW und Mercedes gerade in Deutschland diskutiert wird - auch Arbeitsplätze abbauen?
Montezemolo: Nicht im Moment. Die Größe der Belegschaft ist nicht unser größtes Problem. Die staatliche Cassa Integrazione, eine Art Ausgleichshilfe, gibt uns auch die Möglichkeit, bei den Mitarbeitern flexibel zu operieren, wenn eine Fabrik wie das Werk Termini Imerese in Sizilien nicht ganz ausgelastet ist.

Wird sich der Wettwerb durch die neuen chinesischen Marken verschärfen?
Montezemolo: Als Ferrari-Chef bin ich ein klarer Anhänger des freien Wettbewerbs: Der Beste ist der Gewinner. Außerdem glaube ich an die Bedeutung starker, eingeführter Marken wie Alfa Romeo und Maserati. Darin sehe ich auch den größten Vorteil des neuen Grande Punto: Er ist nicht nur modern und innovativ, er ist auch auf Anhieb hier und jetzt als italienisches Auto, als Fiat erkennbar.

"Ein Auto muss für mich wie eine schöne Frau wirken"

Wo sehen Sie im Konzert der Wettbewerber drohende Gefahren?
Montezemolo: Alle Europäer müssen sehr auf der Hut sein vor dem Potenzial und der Stärke der chinesischen Herausforderung, die für uns alle aber neue Chancen eröffnet: Jeder Hersteller muss noch härter arbeiten, noch innovativer werden und weitere Deals und Joint Ventures mit den Chinesen einfädeln. Vor 20 Jahren hat es geheißen, es gäbe zu viele Automarken und -firmen.

Aber die einzigen Übernahmen waren Daimler-Chrysler und Renault-Nissan. Es gibt aber seit zehn Jahren auch unzählige Joint Ventures. Warum sollte Alfa Romeo nicht ein Joint Venture mit Chinesen eingehen, wenn wir dafür Zugang zu diesem gigantischen Markt und ein gutes Händlernetz bekommen?

Wo liegen denn die typischen Stärken Ihrer italienischen Marken?
Montezemolo: Wir bemühen uns in erster Linie um gut aussehende Autos. Ein Auto muss für mich wie eine schöne Frau wirken. Wenn man sie anschaut, muss man sie mögen.

Die IAA stand auch im Zeichen des deutschen Hybrid-Aufbruchs. Wann steigt Fiat mit ein?
Montezemolo: Ich bin ein Verfechter einer gesamteuropäischen Hybrid-Lösung. Europa ist klein. Warum sollte jeder Hersteller für sich allein Unsummen in diese neue Technologie investieren? Wir brauchen eine gemeinsame Entwicklungs-Priorität und später unterschiedliche Applikationen nach dem Bedürfnis der einzelnen Marken.

Wir müssen dieses europäische Projekt favorisieren, um Kosten zu sparen. Aber dazu brauchen wir starke Autoritäten. Ich bin inzwischen der dienstälteste Chairman in der Autobranche, und ich habe in dieser Zeit viele Moden, Ideen und Technologien kommen und gehen sehen. Deshalb müssen wir Europäer ganz sicher sein, was notwendig sein wird und was wir wollen.

Wie sieht die Zukunft von Ferrari aus?
Montezemolo: Wir, und das sage ich jetzt als Fiat-Chairman, besitzen 56 Prozent von Ferrari, und wir werden diese Position nie, nie ändern. Ferrari wird zum Jahresende finanziell fabelhaft dastehen und einen historischen Produktionsrekord mit mehr als 5.000 Einheiten setzen. Das berechtigt zu gesundem Optimismus für die nächsten fünf Jahre. Unser Ziel sind nicht mehr als 5.500 Ferrari und 10.000 Maserati pro Jahr.

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