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Morris Minor Saloon Restaurierung

Auferstanden aus Ruinen

Morris Minor Saloon, Front Foto: Fact 21 Bilder

Bereits vor vielen Jahren war die Restaurierung dieses Morris Minor von 1934 ins Stocken geraten. Um sie zu abzuschließen, war ein Mann mit großem handwerklichem Geschick nötig - die passende Aufgabe für Gabor Szabo aus Ditzingen.

30.12.2014 Bernd Woytal Powered by

"Genau genommen habe ich das Auto gegen meinen Willen gekauft", stellt Gabor Szabo klar. Aber sein Schmunzeln verrät keinerlei Reue. Ursprünglich gehörte der Morris Minor Saloon Horst Weyrauch aus Mainz, den der Ungar schon eine Weile kannte, weil sie beide einen Lotus Europa besitzen.

Holzkiste als Fahrersitz

Anfang der 70er Jahre hatte Weyrauch den Vorkriegs-Minor an einer Tankstelle in seiner Heimatstadt erworben. Einen zweiten gleichzeitig vor Ort befindlichen Interessenten konnte er damals nur ausschalten, in dem er ihm den MGA verkaufte, den er gerade fuhr. Im Falle des Morris Minor konnte von Fahren allerdings keine Rede sein, das Auto benötigte dringend eine intensive Frischzellenkur.

Weyrauch ließ sich bei der Restaurierung des Morris Minor Zeit. Er knüpfte Kontakte nach England, um sich dort Tipps und Ersatzteile zu beschaffen. Besonders wichtig war es ihm, alle Arbeiten originalitätsgetreu auszuführen. Zunächst konzentrierte er sich auf das Chassis. Das war erst viele Jahre nach dem Kauf so weit wieder hergestellt, dass erstmals eine Probefahrt stattfinden konnte - allerdings noch ohne Karosserie. Als Sitz diente eine Holzkiste. "Ich habe mich gefreut wie ein Schneekönig und war so aufgeregt, dass ein anderer fahren musste", erinnert sich Weyrauch.

Der Spaß verging ihm erst, als er den Holzrahmen der Morris Minor-Karosse in Angriff nahm. "Nachdem ich zwei bis drei Wochen lang vergeblich versuchte, eine der A-Säulen anzufertigen, hatte ich die Nase voll." Doch seiner Liebe zu dem kleinen Auto schadete das nicht, er kaufte sich einen anderen Minor als offenen Zweisitzer.

Durch Probefahrt scharf gemacht

Und genau diesen Morris Minor schob er mal bei passender Gelegenheit seinem guten Bekannten Szabo für eine Probefahrt unter. Von dem wusste er, dass er nicht nur Kraftfahrzeugmeister, sondern auch ein hervorragender Handwerker ist, der zudem vortrefflich mit Holz umzugehen weiß. Denn Szabo hat sich schon als Kind mit diesem Werkstoff befasst, weil sein Onkel in Ungarn Stellmacher war und Kutschen baute.

Nach und nach stimmte Weyrauch seinen Freund auf das Thema Morris Minor ein. Es dauert aber noch einige Jahre, bis er ihn so weit hatte. "Ich hatte gerade ein wenig Freiraum und dachte, dass ich das Projekt nun gut übernehmen könnte", erklärt Szabo, warum er sich schließlich doch überreden ließ, den Morris zu übernehmen und fertig zu restaurieren.

In einem geschlossenen Mietlaster transportierte er den unvollendeten Kleinwagen zu seinem Wohnort Ditzingen im Schwabenland. Auf was er sich einließ, wusste er genau, schließlich hatte er den Morris Minor schon oft genug zu Gesicht bekommen, wenn er Weyrauch besuchte. Außerdem konnte er auf die Unterstützung des Mainzers bauen.

Erneuter Wiederaufbau

Wie erwähnt hatte Weyrauch das Chassis, beim 34er Morris Minor bereits mit hydraulischen Bremsen und Stoßdämpfern, schon vor ewigen Zeiten mit vielen Neuteilen aufgebaut, darunter auch ein neues Lenkgetriebe. Doch funktionierte noch alles? Szabo wollte kein Risiko eingehen, zerlegte das Chassis erneut, grundierte und lackierte es wieder und begann dann mit der Montage. Bei sicherheitsrelevanten Dingen wie etwa den Bremsschläuchen entschied er sich für Neuware. Die hydraulischen Dämpfer öffnete er, überholte sie und verlötete sie wieder.

Dies alles verlief ohne Probleme, aber das größte Stück Arbeit stand ja noch bevor - die Erneuerung der Holzteile. Szabo machte einen Schreiner ausfindig, bei dem er luftgetrocknetes Eschenholz erwerben konnte. Nun hielt er zwar das passende Material in Händen, aber er ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er sich über zwei Jahre damit beschäftigen würde.
 
Wer jedoch glaubt, der Morris-Restaurierer hätte dabei die Geduld oder die Lust verloren, der irrt. „Mir machte das mit jedem Tag mehr Spaß. Ich sah es regelrecht als eine Erholung nach meiner Arbeit an“, sagt Szabo, der bei Porsche in der Karosserie- Montage beschäftigt ist.

Gute Zusammenarbeit

Er begann mit den A-Säulen und dem Windschutzscheibenrahmen und arbeitete sich dann von hier aus weiter nach hinten. Als Muster dienten ihm die alten, noch vorhandenen Holzteile sowie Zeichnungen des Vorbesitzers. Die intensive Vorarbeit von Horst Weyrauch war überhaupt eine große Erleichterung bei der gesamten Restaurierung. Weyrauch besaß eine Ausbildung als technischer Zeichner und hatte in seiner Funktion als technischer Illustrator in der Vergangenheit Ersatzteilkataloge für Autohersteller erstellt.
 
Für den kleinen Morris nutzte er seine Fähigkeiten und entwarf von vielen Teilen exakte Zeichnungen wie etwa den nachzufertigenden Wasserabläufen für das Schiebedach. Außerdem steuerte Weyrauch als Restaurierungshilfe viele Detailfotos bei, die er bei seinen Besuchen in England von anderen Morris Minor geschossen hatte. „Bei Unklarheiten habe ich darauf manchmal mit der Lupe nachgeschaut“, erinnert sich Szabo.
 
Doch zurück zum Holz, das Szabo mit Leinöl behandelte. An den Verbindungsstellen brachte er wie beim Original Graphitpulver auf. Von den alten Holzschrauben konnte er etwas mehr als die Hälfte wieder verwenden. Besonders mühsam gestaltete sich die Anfertigung der Dachkonstruktion mit dem Schiebedach und der B-Säulen mit dem kleinen gekrümmten Ansatz, der wegen des Radhauses erforderlich ist. Aber wie gesagt, Szabo fand das eher entspannend als anstrengend.
 

Das Blech wird auf Holz genagelt

Das Blech der bereits sandgestrahlten Karosserie wies etliche Rostlöcher auf, die sich mit etwas Geschick leicht beseitigen ließen. Dann musste das Blech auf das Holz genagelt werden. „Zwischen die beiden Materialien legte ich Filzstreifen, was zwar die Korrosion fördert, aber eben original ist“, erklärt Szabo. Allerdings verzichtete er darauf, die Filzstreifen auch zwischen Karosserie und Rahmen zu verlegen, weil hier die Gefahr von Rostschäden noch größer war, wie er an seinem Auto gesehen hatte. Stattdessen verwendete er dünne Gummiklötze.
 
Die Sitze und die Türverkleidungen waren bereits von Weyrauch aufgearbeitet worden. Der Mainzer hatte sich für braunes Connolly-Leder entschieden, und mit dieser Innenausstattung gab es den Minor nicht in Blau, sondern cremefarben mit braunen Kotflügeln. Und genau so ließ ihn Szabo lackieren.
 
Anschließend montierte er alle Teile und konnte dann endlich zur ersten Probefahrt starten. „Die war schon nach 15 Metern zu Ende“, weiß Szabo noch. Danach sprang der Wagen wieder an, um nach der gleichen Distanz erneut stehen zu bleiben. Als Ursache ermittelte Szabo schließlich einen Defekt an der elektrischen Benzinpumpe. Die lieferte zwar genug Kraftstoff im Leerlauf, weshalb beim Testlauf nichts zu beanstanden war, doch für den Fahrbetrieb reichte das geförderte Benzin nicht aus.

Totalrevision des Vierzylinders

Dem Motor hatte Szabo recht wenig Aufmerksamkeit gewidmet, schließlich lief der ja. Doch schon bei den ersten Ausfahrten wurde klar, dass nicht alle der 19,5 PS bei der Arbeit waren. Der Ungar entschied sich daher für eine Totalrevision des kleinen Vierzylinders, der sich dabei als ziemlich ausgelutscht erwies. Die Kolben besaßen bereits das dritte oder vierte Übermaß.
 
Doch auch diese Aufgabe meisterte Szabo mit Bravour. Die Kurbelwelle ließ er schleifen, die Zylinder wurden gehont, von der Firma Wahl in Fellbach besorgte er neue Kolben. Selbst die verschlissenen Pleuellager brachten ihn nicht aus der Ruhe, besaß er doch das nötige Knowhow, um sie selbst gießen und bearbeiten zu können. Auch ein Hauptlager stellte er her. Bei dem zweiten Lager, in dem die Kurbelwelle rotiert, handelt es sich um ein Rollenlager, das er als Neuteil bekam.
 
Mit dem ebenfalls überholten Vergaser und der bereits revidierten Peripherie trompetete das frisch auferstandene Motörchen nun munter aus dem Endrohr der Auspuffanlage, die Szabo ebenfalls originalgetreu nachgefertigt hat. Jetzt lief der Kleine perfekt und war für größere Ausfahrten bereit.
 
Rückblickend muss Szabo doch staunen, wie sehr ihn das niedliche Vorkriegsauto und die Restaurierung immer mehr begeisterten, obwohl er anfangs den Wagen eigentlich gar nicht haben wollte. Aber manchmal, so wird Horst Weyrauch denken, muss man eben die Leute zu ihrem Glück zwingen.

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