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Mosley exklusiv

"Die Fälle sind nicht vergleichbar"

Foto: dpa

Während McLaren drakonisch bestraft wurde, kam Renault in der Spionageaffäre mit einem blauen Auge davon. FIA-Präsident Max Mosley nimmt in einem Exklusiv-Interview zu den jüngsten Vorfällen Stellung.

07.12.2007 Michael Schmidt Powered by

Renault wurde schuldig befunden, Paragraf 151c verletzt zu haben, geht aber vorerst straffrei aus, außer es finden sich Beweise. Die Untersuchung des 2008er McLaren in Bezug auf Gleichteile mit den Ferrari-Informationen hat den Weltrat bei seiner Sitzung dagegen nicht zufriedengestellt. Die Verhandlung wurde vertagt, McLaren muss nun bis zum 14. Februar zittern. Die FIA-Untersuchungskommission hat offenbar etwas gefunden, was den Verdacht erhärtet, dass Ferrari-Ideen übernommen worden sind.

Was hat McLaren am 14. Februar zu befürchten?
Mosley: Es wäre unfair von mir, in einem laufenden Verfahren über den Fall zu sprechen. Wir hätten dieses leidige Kapitel gerne heute beendet, aber es gibt einen Report der Untersuchungskommission, der eine zweite Anhörung nötig macht. Glauben Sie mir: Wenn wir 26 Leute aus der ganzen Welt einfliegen lassen, dann haben wir gute Gründe dafür.

Wieso wird Renault freigesprochen, wenn McLaren in seinem Spionagefall mit dem Ausschluss von der Konstrukteurs-WM und einer Zahlung von 100 Millionen Dollar bestraft wurde?
Mosley: Wir haben im Fall von Renault genauso entschieden wie bei McLaren in der ersten Weltratssitzung am 26. Juli. Das Team hat Paragraf 151c verletzt, es gibt aber keine Beweise, dass die Informationen, die der frühere McLaren-Ingenieur Phil Mackereth mit zu Renault brachte, die Weltmeisterschaft in irgendeiner Weise beeinflusst haben. Wie bei McLaren werden wir auch bei Renault den Fall wieder aufrollen, sollten sich neue Beweise ergeben. McLaren wurde bestraft, weil sie am 26. Juli nicht die Wahrheit gesagt haben. Man hatte behauptet, dass die Information ausschließlich zu Mike Coughlan geflossen seien. Später stellt sich heraus, dass mehr Leute von McLaren involviert waren, und dass Coughlan und Stepney 323 SMS ausgetauscht haben, komischerweise immer mit einer Häufung kurz vor einem Grand Prix. Renault hat von Anfang an zugegeben, dass die Informationen in einem größeren Kreis unter den Ingenieuren diskutiert wurden.

Fakt ist aber, dass Renault vier Zeichnungen von McLaren in den Händen hielt. Ist das nicht strafbar?
Mosley: Drei dieser Zeichnungen waren irrelevant. Die vierte wurde von Renault nicht benutzt. Es war eine schematische Darstellung des Benzinsystems. Unser Technikexperte Charlie Whiting hat sich anhand von Zeichnungen der Renault-Benzinsysteme von 2005 bis heute überzeugt, dass nichts von dem McLaren-Material eingeflossen ist. Die beiden Benzinsysteme sind völlig unterschiedlich. Auch das Detail über das Getriebe war für Renault nicht von Belang. Renault hatte bereits ein Schnellschaltgetriebe entwickelt, als Mackereth im September 2006 von McLaren zu Renault wechselte. Im  Fall einer der vier Zeichnungen, es ging um einen Dämpfer, hat Renault die FIA um eine Klärung in Bezug auf das Reglement gebeten.

Das hat McLaren im Fall des flexiblen Ferrari-Unterbodens auch gemacht. Da waren Sie aber weniger nachsichtig?
Mosley: Wir haben McLaren nicht wegen dieser Geschichte bestraft. Diese war ja schon Teil der ersten Weltratssitzung. McLaren wurde nicht deshalb bestraft, weil Coughlan ein 780 Seiten starkes Dokument von Ferrari in seinen Händen hatte. Wir haben sie bestraft, weil der dringende Verdacht besteht, dass sie versucht haben, bestimmte Informationen daraus zu ihrem Vorteil zu nutzen. Für uns würde es zum Beispiel auch keine Rolle spielen, wenn für die Informationen bezahlt worden wäre. Das ist allein Sache der Polizei. Die FIA ist nur an einem regulären Ablauf der Weltmeisterschaft interessiert.

Wo sehen Sie weitere Unterschiede zwischen den beiden Fällen?
Mosley: Im Umfang der Informationen: Phil Mackereth brachte elf Floppy-Discs mit zu Renault. Mike Coughlan hatte zwei CDs in seinem Besitz. Das entspricht der hundertfachen Datenmenge.

Ist Spionage die neue Seuche der Formel 1?
Mosley: Wenn wir nicht eingegriffen hätten, wäre sie es geworden. Jeder weiß jetzt, dass wir einschreiten, wenn wir das Gefühl haben, ein Datentransfer beeinflusst die Weltmeisterschaft. Wir haben bei McLaren und Renault absolut gleiches Maß angelegt. Noch einmal: McLaren wurde nicht dafür bestraft, weil Coughlan vertrauliche Informationen auf seinem Computer hatte. Das hatte Mackereth auch. Bei McLaren haben wir aber den Verdacht, dass diese Informationen genutzt worden sind.

Aber Mackereth hat die Informationen, die er von McLaren mitbrachte, wie Coughlan mit seinen Kollegen diskutiert.
Mosley: Die Dinge, über die da diskutiert wurden hatten keinerlei Relevanz für das diesjährige Auto und können so auch nicht die WM beeinflusst haben. Coughlan sprach mit Pedro de la Rosa über Rennstrategien.

Warum folgen Sie nicht Bernie Ecclestones Vorschlag, dass bei einem Verdacht von  Spionage zuerst die Polizei und ein ordentliches Gericht entscheiden solle, bevor sich die FIA einmischt?
Mosley: In der Theorie ist der Vorschlag gut, in der Praxis aber nicht durchführbar. Die schnellsten Gerichte brauchen zwei bis drei Jahre bis zu einem Urteil. In Italien kann es, wie man am Senna-Unfall gesehen hat, zehn Jahre dauern.

Muss McLaren sein 2008er Auto modifizieren, falls sie noch etwas finden?
Mosley: McLaren wurde über unsere Zweifel früh informiert. Sie haben genügend Zeit zu reagieren, sollte sich der Zweifel bestätigen.

Was können McLaren oder auch Renault bei einer Wiederaufnahme des Falles schlimmstenfalls erwarten?
Mosley: Der Strafenkatalog der FIA reicht von einer Verwarnung bis zum kompletten Ausschluss von der Weltmeisterschaft.

Machen Sie Jagd auf McLaren-Chef Ron Dennis?
Mosley: Ich habe kein Problem mit Ron. Ich will nur die Wahrheit hören, falls wir ein internes Problem zu lösen haben. Bei der Weltratsitzung am 26. Juli hatte ich nicht den Eindruck, dass er uns die Wahrheit erzählt hat.

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