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Motorsteuergeräte in Youngtimern

Foto: Fact 11 Bilder

Die Angst fährt immer mit. Was geschieht, wenn das Motorsteuergerät des günstig erworbenen Youngtimers plötzlich aufgibt? Die Szene munkelt von großen Ersatzteillücken beziehungsweise von horrenden Preisen für Neuteile. Doch ist das korrekt, und gibt es Alternativen?

08.02.2008 Bernd Woytal Powered by

Beginnen wir ausnahmsweise einmal eine Geschichte mit dem Happy End, das sich im speziellen Fall aus der Erkenntnis ergibt: "Alles halb so wild." Klar, suspekt waren sie den meisten schon immer, diese so genannten Motorsteuergeräte, die ab 1967 im Auto Einzug hielten.

 

Mit den ICs (integrated circles) brach in den 70er Jahren eine weitere Entwicklungsstufe an. Der Weg führte zu kompakteren Geräten mit integrierten Schaltungen und mehr Funktionen, was durch den Einsatz von Mikroprozessoren Ende der 80er Jahre noch getoppt wurde. Hinzu kamen Steuergeräte für Klimaanlagen, ABS ... und und und.

Das Internet bietet neue Möglichkeiten der Suche

Das Thema ist hier D-, KE-, L und LH-Jetronic und die ersten Motronic-Generationen. Wer schon mal ein neues Motorsteuergerät für eine dieser Anlagen benötigte, machte die unterschiedlichsten Erfahrungen. Das lag zum einen an Auskünften der Hersteller wie "nicht mehr auf Lager" oder an den geforderten Preisen. Rund 1.000 Euro für ein im Jaguar XJ 12 Serie III verwendetes Steuergerät im Austausch oder 950 Euro für das im Opel Monza 3.0 E ab Baujahr 1983 eingebaute Gerät sind happig.

Daher sollte man sich ein wenig Zeit für die Suche gönnen. In einem kleinen Selbstversuch wird nach einem günstigeren Monza-Bauteil geforscht. Ein Anruf bei Opel Classic Parts (www.opel-classicparts.com) hilft nicht weiter, da dieses Steuergerät zum Zeitpunkt der Anfrage nicht auf Lager ist. Immerhin bringt aber die Auskunft, man habe im Moment nur Steuergeräte für den 2.5 E zum Preis von 355 Euro auf Lager, die Gewissheit, dass es auch günstige Einkaufsquellen gibt.

Eine weitere Bezugsquelle tut sich bei den Autoverwertern auf. Eine knappe Stunde Surfen im Internet bringt ein erstes Resultat. Die TAV-Autoverwertung in Minden (www.tav-autoverwertung.de) hat noch ein Stück des gesuchten Teils auf Lager: Preis 110 Euro plus 5 Euro Versandkosten.

Der Kauf einer Ersatz-Elektronik bei einem Autoverwerter ist durchaus erwägenswert. Für viele Brot- und Butterautos lassen sich dort Steuergeräte schon für 50 Euro auftreiben. Doch was tun, wenn trotz intensiver Suche weder ein Neu- noch ein Gebrauchtteil aufzutreiben ist oder das viele Geld für den Einkauf eines neuen Geräts nicht in Frage kommt?

Reparatur mit Garantie ist eine Überlegung wert

Die Alternative heißt Reparatur, beispielsweise durch die Firma Hitzing & Paetzold (www.hitzpaetz.de) in Gladbeck, die seit fünf Jahren durch ein Joint Venture mit der Hella KGaA Hueck & Co. verbunden ist.

In Bezug auf diesen Report können die Gladbecker für Motorsteuergeräte verschiedenster Hersteller wie Bosch, Delco, Magneti Marelli et cetera refabrizierte Geräte liefern oder diese reparieren. Dazu sollten sich Fahrzeugbesitzer oder Werkstätten direkt mit den Elektronik-Spezialisten in Verbindung setzen.

Laut den Erfahrungen von Hitzing & Paetzold funktionieren etwa 40 Prozent der zur Reparatur eingeschickten Steuergeräte einwandfrei, weshalb manchmal schon in einem Vorgespräch das Steuergerät als Fehlerquelle ausgeschlossen werden kann. Das funktioniert aber auch umgekehrt. "Wenn der Besitzer eines Mercedes W 124 beklagt, sein Motor laufe nur noch auf vier statt auf sechs Zylindern, liegt das in der Regel an den defekten Endstufen der verbauten VDO-Anlage", erläutert André Paetzold, einer der beiden Geschäftsführer.

Der Zahn der Zeit nagt auch an den Kabeln und Lötstellen

Typisch beim W 124 sind ferner durch Kurzschluss ausgelöste Schäden. "Der Kabelbaum verläuft dicht beim Motor, und durch die thermische Belastung löst sich mit der Zeit die Ummantelung der einzelnen Litzen", beschreibt Paetzold die Schadensursache.

Grundsätzlich erweisen sich zumindest die in Youngtimern eingesetzten Steuergeräte robuster als allgemein behauptet. Manche Schäden entstehen durch Fehler der Autobesitzer oder der Werkstätten - wie etwa Kurzschlüsse in Folge falsch angeklemmter Kabel oder bei Starthilfeversuchen.

Bauteile wie Widerstände, Kondensatoren oder Transistoren gehen dagegen selten kaputt, eher erwischt es mal die eine oder andere Lötstelle. Die Dauerhaltbarkeit der einzelnen Bauteile reduziert daher das Risiko beim Erwerb eines Steuergerätes beim Autoverwerter, wo auch die Gladbecker immer mal wieder einkaufen, um die Teileversorgung zu sichern. Denn manche Ersatzteile sind nicht mehr erhältlich, und eine Nachfertigung lässt sich nur in Ausnahmefällen realisieren.

Überprüfung für rund 70 Euro

Zurück zum Beispiel des Steuergerätes für den Opel Monza. Mit etwas Glück funktioniert das beim Autoverwerter für 110 Euro erworbene Teil, und es ist viel Geld gespart. Eine nicht ganz so billige, andererseits mit wesentlich weniger Risiko behaftetet Alternative stellt eine Prüfung und Reparatur des alten Geräts durch Hitzing & Paetzold dar.

Übrigens kann jeder sein Steuergerät zwecks Prüfung nach Gladbeck schicken, was etwa 70 Euro kostet. Das für die Prüfvorgänge erforderliche Know-how musste sich die Firma für jedes Steuergerät mit viel Fleiß erarbeiten, denn die Hersteller der Geräte geben sich in dieser Beziehung sehr verschlossen.

"Man muss das Prinzip verstehen, die PIN-Belegung kennen, wissen wann und wo welches Signal anliegt und vieles mehr", berichtet André Paetzold. Auf Basis all dieser Informationen wurden dann spezielle Prüfprogramme erstellt. Laut den bisherigen Erfahrungen würden sich die Kosten für eine Reparatur des Monza-Steuergeräts um 300 bis 350 Euro bewegen - ein akzeptabler Preis, zumal auch Garantie auf die Arbeit gegeben wird.

Bei Hybriden und vergossenen Steuergeräten müssen auch die Experten passen

Lässt sich aber nun jedes Gerät reparieren? Fast - bei verbogenen oder stark beschädigten Platinen hilft nur noch ein Austauschteil, sofern verfügbar. Ein spezielles Gebiet stellen die in den 80er Jahren aufgekommenen Hybride dar, die im Youngtimer zum Glück selten sind. Diese Geräte wurden für den motornahen und damit thermisch hoch belasteten Einsatz entwickelt und sind unempfindlicher gegen Schmutz- und Vibrationen. Die vergossenen Gehäuse lassen sich nicht zerstörungsfrei öffnen, und die Platine befindet sich unter einer hellen Keramik-Substrat-Schicht.

Wer diese entfernt und nach der Reparatur etwa durch Silikon ersetzt, riskiert, dass sich das verwendete Ersatzprodukt unter bestimmten Betriebsbedingungen unkontrolliert verhält und das Steuergerät lahm legt. Eine sehr heikle Geschichte, weshalb Laien speziell von Steuergeräten für sicherheitsrelevante Teile wie ABS die Finger lassen sollten.

Nicht geeignet für Reparaturen sind ferner komplett mit einer Spezialmasse ausgegossene Geräte. Aber grundsätzlich besteht kein Anlass, in Panik zu geraten. Alles halb so wild.


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