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HiFi-Systeme in vier englischen Luxusautos

Bentley Continental Soundsystem Foto: Hersteller 26 Bilder

Genuss jenseits von PS und Newtonmeter: vier hochwertige Soundsysteme in vier englischen Luxus-Automobilen. Und die schwierige Suche nach dem besten Klang der Welt.

28.02.2009 Dirk Gulde

Bässe durchdringen Mark und Bein, E-Gitarren reißen wie Kettensägen durch die Luft, Percussion-Schläge ordnen den Mageninhalt neu. Gespräche? Unmöglich, nicht einmal schreiend.

AC/DC im Rolls Royce

Nein, wir befinden uns nicht in einem Heavy-Metal-Konzert, wir sitzen im exklusivsten Cabrio der Welt, dem 440.000 Euro teuren Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé, im CD-Player rotiert AC/DC. "Genügend" - die über Jahrzehnte gehegte Leistungsangabe der Briten trifft also nicht nur für den Motor zu. Auch das Phantom-Soundsystem der amerikanischen Marke Lexicon strotzt nur so vor Kraft. Und das nicht nur zum Lauthören: Hochwertige Verstärker mit üppigen Dynamikreserven kommen ganz automatisch auf beachtliche Watt-Zahlen. Beim Rolls-Royce sind es 420.

Auch wenn Rock im Rolls für viele so blasphemisch klingt wie die Love-Parade im Petersdom, eignen sich gerade Luxusautos bestens für den mobilen Musikgenuss. Ihre soliden Karosserien bieten den Lautsprechern ein stabiles, resonanzarmes Umfeld, und erst eine aufwendige Dämmung lässt Musik richtig zur Geltung kommen. Die Anlage im Drophead Coupé kann aber auch leise. Zarte Frauenstimmen wie die der schottischen Folk-Sängerin Rebecca Pidgeon perlen lässig und unverfärbt in den Innenraum, ohne eigenwilligen Stempel, den viele Auto-HiFi-Anlagen dem Musikmaterial aufdrücken. Leichtfüßig schnalzen die Saiten akustischer Gitarren, Piano-Anschläge kommen klar, impulsiv und unprätentiös - im Gegensatz zum restlichen Auto. Auf unserer Suche nach dem besten Klang der Welt legt die Lexicon-Anlage im Rolls-Royce damit beeindruckend vor. Allerdings könnte die virtuelle Bühne ruhig etwas höher stehen, nämlich auf dem Armaturenbrett und nicht auf Höhe der Klimaregler.

Naim beschallt den Bentley

Also raus aus dem Rolls, die schweren Türen ins Schloss fallen lassen und rein in den Bentley Continental Flying Spur. Hier erwartet uns das Soundsystem der britischen Edelschmiede Naim mit dem kräftigsten Verstärker in einem Serienfahrzeug: insgesamt 1.100 Watt - das kann ja heiter werden. In der Tat schlagen die Bässe beim Eagles-Klassiker "Hotel California" trocken und unnachgiebig zu. Wie im Konzertsaal legen sich die Musiker wunderbar breit gestaffelt vor den Insassen ins Zeug. In Sachen Dynamik und Räumlichkeit muss die Naim-Anlage also keine Konkurrenz fürchten.

Allerdings fehlt es ihr an Leichtigkeit, komplexe Arrangements wirken hart erarbeitet statt luftig reproduziert. Zudem klingt Sting bei seinem frühen Solohit "Englishman in New York" nasal, als hätte er sich nach seiner Ankunft in der Neuen Welt erst mal eine dicke Erkältung eingefangen. Linderung bringt auch keines der vorinstallierten Sound-Programme, im Gegenteil: Im "Naim-Audiophil- Modus" ergießt sich statt des erwarteten musikalischen Sommerregens ein Kübel akustisches Eiswasser über die Zuhörer. Das hat nichts mit HiFi und schon gar nichts mit audiophil zu tun, jedes Küchenradio klingt besser.

Jaguar XF mit B&W-Anlage

Schnell wieder aussteigen und ab ins nächste Auto, den Jaguar XF mit seiner Bowers & Wilkins-Anlage. Der renommierte englische Lautsprecherspezialist setzt seit Jahren auf Membranen aus Kevlar, auch neun der 14 XF-Schallwandler bestehen aus dem charakteristisch gelben Geflecht. Wie beim Bentley stehen unterschiedliche Soundprogramme zur Verfügung. Doch eines gleich vorweg: Keines davon kann auf ganzer Linie überzeugen. Im normalen Stereo-Modus spielt die Musik viel zu tief und seitenlastig auf Kniehöhe vorn links. Mit aktiviertem Raumklang-Prozessor steigen Sänger gewissermaßen aufs Armaturenbrett, klingen dafür aber, als hätten sie vergessen, vor dem Auftritt ihren Kaugummi aus dem Mund zu nehmen. Zudem tönen selbst Hochgeschwindigkeits-Punk-Bands vom Schlage der UK Subs dumpf und lahm wie unter Valium-Einfluss. Eine Extraportion Hochtonbeigabe per Klangregler hilft immerhin ein bisschen.
Um die im Heimbereich anerkannten Qualitäten der B&W-Lautsprecher auszureizen, besteht also noch Abstimmungsbedarf. Ob dem Rolls überhaupt noch einer gefährlich werden kann?

Bang & Olufsen im Aston Martin DBS

In unserem britischen Auto-HiFi-Quartett fehlt immerhin noch das 517 PS starke Aston Martin-Topmodell DBS mit einem Soundsystem von Bang & Olufsen. Die dänischen HiFi- und Design-Profis brachten 13 Lautsprecher und Verstärker mit insgesamt 1.000 Watt im engen Sportwageninterieur unter. Doch Materialschlachten garantieren noch keinen perfekten Klang, wie wir bereits erfahren mussten. Auf die Abstimmung kommt es an. Daher gleich mal "The Race" in den CD-Schlitz, eine kritische Achtziger-Jahre-Digitalaufnahme der Schweizer Band Yellow, die bei vorlauten Hochtönern scharf wie Diamantschneider klingen kann.

Bei richtiger Abstimmung tönt sie jedoch wunderbar spritzig und frisch - eben genau so wie im DBS. Es folgen Gänsehaut-Anfälle bei Katie Melua: So luftig, unverfälscht und vor den Zuhörern fokussiert müssen Stimmen klingen. Die B & O-Anlage spielt mit unseren Gefühlen: Die Leichtigkeit, mit der ihre Digital-Verstärker selbst heftigste Schlagzeugattacken scheinbar mühelos aus dem Ärmel schütteln, zementiert das Grinsen endgültig ins Gesicht. Im engen Cockpit ist es bei ausgeschalteter Klimaanlage inzwischen heiß und stickig, unser Hemd verschwitzt. Aber aussteigen kommt trotzdem nicht in Frage. Nur noch ein Lied, wir haben ja noch ein paar CDs dabei. Schließlich waren wir unserem Ziel, das beste Soundsystem der Welt zu finden, noch nie so nah wie jetzt.  

Die Soundsysteme im Überblick:

Rolls-Royce Phantom

Die zum amerikanischen Harman-Konzern gehörende Marke Lexicon hat sich vor allem mit ihren Signalprozessoren einen Namen gemacht. Da dürfen Surround-Funktionen wie Dolby Digital oder Logic 7 für die Rolls-Royce-Anlage nicht fehlen. Ein Mehrkanal-Verstärker versorgt zudem 13 Lautsprecher mit insgesamt 420 Watt Leistung. Eine weitere Besonderheit stellen die beiden 22 Zentimeter großen Subwoofer dar, die im Fahrzeugboden unter den Vordersitzen untergebracht sind und Hohlräume der Karosserie als Gehäuse verwenden. Durch die zentrale Anordnung kommen Front- und Heckpassagiere in den Genuss des kräftigen Tieftonfundaments. 

Bentley Continental

Im knapp 6.000 Euro teuren Naim-System für den Bentley Continental kommt der mit 1.100 Watt derzeit kräftigste Verstärker in einem Serienfahrzeug zum Einsatz. Wie bei den hochwertigen Heim-HiFi-Geräten von Naim wird jede der Endstufen von Hand zusammengebaut. Die mächtige Leistung wird anschließend auf 15 Lautsprecher, darunter zwei Subwoofer mit 20 Zentimeter Durchmesser verteilt. Ein digitaler Prozessor erlaubt zudem eine Klangoptimierung für verschiedene Sitzplätze wie Fahrer oder Fondbereich. Sämtliche Einstellungen lassen sich auf dem großen und übersichtlichen Bordmonitor darstellen, der bei angeschlossenem iPod auch Titel-Informationen anzeigt.

Jaguar XF

Das knapp 2.500 Euro teure Bowers & Wilkins-System ist nach ähnlichem Muster aufgebaut wie die Anlagen der Konkurrenten: Ein kräftiger Verstärker mit 440 Watt treibt 14 im Innenraum verteilte Lautsprecher an, nachdem die Musiksignale zuvor durch einen digitalen Signalprozessor (DSP) aufbereitet wurden. Der DSP gleicht nicht nur die klangverfälschenden akustischen Besonderheiten einer Fahrzeugkabine aus, er soll zudem dafür sorgen, dass sich die Wiedergabe auf allen Plätzen im Innenraum auf einem ähnlich hohen Niveau bewegt. Zudem errechnet der Prozessor im Jaguar auf Wunsch aus herkömmlichen Stereoquellen wie CD oder Radio einen heimkinoartigen Surround-Sound (Dolby Pro Logic II).    
 
Aston Martin DBS

Der dänische HiFi-Hersteller Bang & Olufsen setzt bei der im DBS serienmäßigen Anlage einen elektrisch ausfahrbaren Hochtöner ein. Die Acoustic Lens genannte Technik sieht nicht nur spektakulär aus, sie soll auch für eine besonders räumliche Hochtonwiedergabe ohne störende Reflexionen sorgen. Weit oben in den Türen untergebrachte Mitteltöner bewirken zudem ein Konzertsaal-Erlebnis mit hoher Bühnenabbildung. Viele der insgesamt 13 Lautsprecher sind nicht versteckt installiert, sondern unter gebürsteten Alublenden ins Interieurdesign integriert. Digitale Verstärker mit 1.000 Watt sorgen selbst bei hoher Hörlautstärke noch für eine unverzerrte Wiedergabe.

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