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Museum Autovision

Zu Gast in der größten NSU-Sammlung

Museum Autovision Foto: Stephan Lindloff 59 Bilder

Um junge Leute für Technik zu begeistern, hat Horst Schultz Exponate zur Geschichte der Mobilität zusammengetragen. Nebenbei ist so die größte NSU-Sammlung entstanden.

24.01.2010 Jens Katemann Powered by

Mit der Hand kurz an der Kurbel gedreht, und schon bewegen sich die Zahn­räder. Wie das im Auto aus­sieht, zeigen Schaubilder über dem gläsernen Kasten, in dem die Kraftübertragung erklärt wird.

Das NSU-Museum soll junge Leute für den Ingenieursberuf begeistern

"Wir haben die Science Arena so aufgebaut, dass man Technik über verschiedene Wege verstehen kann", sagt Horst Schultz, Besitzer des Museums Autovision in Altluß­heim (www.museum-autovisi­on.de). Während er von Expo­nat zu Exponat geht, schüttelt er mechanische Zusammen­hänge und physikalische Prin­zipien von Wankelmotor bis Brennstoffzelle locker aus dem Ärmel. Man merkt sofort: Schultz ist ein im positiven Sinne Besessener. Und das nicht erst im Alter. Be­reits mit 17 Jahren hat er par­allel zum Abitur eine Lehre zum Elektromechaniker absol­viert. Danach besuchte Schultz die Ingenieursschule in Offen­burg, gründete früh sein eige­nes Unternehmen.

Heute, mit 62, treibt ihn die Karriere nicht mehr um. Heute will er andere, vor allem junge Menschen für das begeistern, was ihn so in den Bann zieht. "Es ist schade, dass zu wenige sich für den Ingenieursberuf interessieren. Das will ich ver­suchen zu ändern." Und warum gerade Automobil­technik? Schon in den Studi­enjahren schraubt Schultz an einem NSU Prinz 2E, mit dem er in den Jahren 1968 bis 1970 an Bergrennen teilnimmt. So kommt es nicht von ungefähr, dass er sich die Marke NSU aussucht, um die Entwicklung der Mobilität abzubilden. Zwei­ter Grund: Als einer der weni­gen Hersteller auf der Welt hat NSU vom Fahrrad bis zum Au­to alles produziert. So hat er über die Jahre die weltgrößte Sammlung der Marke zusam­mengetragen.  

Weltrekordfahrt in den 50ern auf einem NSU-Motorrad

Alles beginnt mit den ersten Fahrrädern, wie dem Hochrad aus dem Jahr 1870, das nahe­zu im Originalzustand zu sehen ist. Schon der Anblick genügt, um nachvollziehen zu können, warum bereits wenige Jahre und etliche schwere Stürze später niedrigere Fahrräder mit Kettenübersetzung entwickelt wurden.

Der nächste Schritt sind mo­torbetriebene Zweiräder - zu­nächst ohne Vergaser und Zündkerze. Doch auch bei die­sen Modellen sind Sicherheit und Zuverlässigkeit nicht gera­de top. NSU entwickelt 1900 ein Motorrad mit Vergaser, das sicherer und zuverlässiger war. Optisch kommt es wie das alte schwarze Herrenrad von Opa mit einem grün lackierten klei­nen Tank unter der Mittelstan­ge daher. Der Motor kauert zwischen Pedalerie und Vor­derrad. Im Laufe der Jahre fol­gen zahlreiche Innovationen wie etwa der Viertakter.  Die Entwicklung gipfelt in den Weltrekordfahrten der fünfzi­ger Jahre, wo Wilhelm Herz und Gustav Adolf Baum mit NSU-Zweitaktmotoren und strömungsoptimierten Renn­motorrädern auf über 300 km/h beschleunigten.

Die wie eine Mischung aus Ufo und Renn-Bob aussehenden Ge­fährte stehen im Unterge­schoss, wo Schultz die Ent­wicklung nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentiert hat. Da finden sich auch die ersten Mopeds wie die NSU Quickly, mit denen in den fünfziger Jah­ren die deutsche Massenmobi­lität begann. "Wir haben eine der ersten 100 Quickly", sagt Schultz, "die erkennt man daran, dass der Auspuff noch links montiert ist." Da die Mo­peds nach dem Gebrauch meist in den Keller getragen wurden und die Menschen überwiegend Rechtshänder sind, erwies sich ein heißes Auspuffrohr links am Rahmen als unpraktisch.

Sonderausstellung zum NSU-Wankel-Motor

Highlight der Sammlung sind aber die Nach­kriegsautos von NSU. Wie zum Beispiel der Prinz 4L, den er einer Ordensschwester abkauf­te, oder der Wankel Spider, mit dem NSU bei US-Autohändlern ins Geschäft kommen wollte. So gibt es zu fast jedem Mo­dell eine Anekdote. Und da Schultz keiner ist, der sich auf seinen Lorbeeren aus­ruht, kamen zuletzt Exponate zu Zukunftstechnologien wie Brennstoffzelle oder Hybrid dazu. Dem Thema Wankel-Mo­tor ist eine Dauer-Sonderaus­stellung gewidmet, und neben­bei baut Schultz ein NSU Dreirad auf, mit dem er an der traditionsreichen Oldtimer-Fahrt London–Brighton teil­nehmen will. Für die Zukunft scheint eines sicher: Dieses Museum lebt.

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