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Nachruf Paul Ernst Strähle

Ich schaue über keinen Stern hinunter, ich fahre Porsche

Paul Ernst Strähle Foto: Porsche 7 Bilder

Eigentlich wollte der 1927 in Schorndorf geborene Paul Ernst Strähle nach dem zweiten Weltkrieg lieber Bergsteiger werden - sein Vater, der Flugpionier Paul Strähle aber meinte, man solle lieber Motorsport betreiben, und verfügte: "Wir fahren die Württembergische ADAC Gau-Orientierungsfahrt." Auf der Heimfahrt hatte das Vater-Sohn-Team den dicksten Pokal im 1946er VW Käfer, und Strähle junior wollte nur eines wissen: "Was fahren wir als nächstes?"

28.10.2010 Malte Jürgens Powered by

Es folgten mit diversen Beifahrern jede Menge kleinere und größere Rallyes im In- und Ausland, und selten kam Paul Ernst Strähle ohne Pokal nach Hause; in seiner Klasse siegte er beinahe nach Belieben.

Strähle holte Klassensiege bei Mille Miglia

1954 ging es mit dem Käfer, der längst den schwäbischen Spitznamen "Dapferle" trug und unter der resedagrünen Hülle über Porsche-Antrieb und Bremsen verfügte, zur Mille Miglia nach Italien. Dort verblies er taktisch unklug die Fiat-Werksmannschaft im Training und wurde noch vor dem Rennen aus der Serienklasse zu den großen Jungs in die Prototypenklasse versetzt. Auch das half nicht gegen den schnellen Schwaben, der den Italienern mit einem Klassensieg bis 1300 ccm und Platz drei bis 1500 ccm Respekt vor dem kleinen Käfer einflößte.

Kurz darauf stieg er auf Porsche 356 um und siegte munter weiter; ein Angebot von Mercedes-Rennleiter Alfred Neubauer beschied er mit den Worten: "Ich schaue über keinen Stern hinunter, ich fahre Porsche." Neubauer war fassungslos: "Das hat mir noch keiner gesagt." 1957 schließlich kam der 356 Carrera mit der legendären Zulassungsnummer WN-V2 ins Haus, damit gewann Strähle unter anderem bei der letzten Mille Miglia 1957 seine Klasse und holte gegen die übermotorisierten Ferrari und Maserati Rang 14 im Gesamtklassement.

Zwei Jahre später feierte er zusammen mit dem Franzosen Buchet seinen vielleicht größten Triumph: Den Gesamtsieg bei der mörderischen Rallye Liege-Rome-Liege. Insgesamt umfasst allein die Liste seiner größten Erfolge mehrere DIN A4-Seiten, darunter Platz zwei bei der Targa Florio, mehrere Klassensiege beim 1000 km-Rennen auf dem Nürburgring, zahlreiche Bergpreise und etliche Geschwindigkeitsrekorde in Monza. Außerdem holte Strähle 1955 den Titel des Deutschen Automobilmeisters, 1956 war er Zweiter in der Rallye-EM und 1958 deutscher Rallye-Meister.

Der Rücktritt vom Rücktritt - Triumphe mit dem Strähle-Team

Bei all dem verlor der umtriebige Strähle nie das Tagesgeschäft als VW- und Porsche-Händler aus den Augen und zog sich 1963 endgültig vom Motorsport zurück. Um drei Jahre später den Rücktritt vom Rücktritt zu erklären und mit dem Strähle-Team zurückzukehren. Bis 1973 feierte er mit den Fahrern Bauer, Steckkönig und Schmid 31 Gesamtsiege; 1986 holte Joachim Winkelhock die Krone im 944 turbo-Cup, 1988 und 1989 Roland Asch.

Auch Paul Ernst Strähle griff längst wieder selbst ins Lenkrad seines geliebten 356 Carrera, diesmal bei Oldtimerrennen und -Rallyes. Und sammelte wieder Pokale wie eh und je, unter anderem bei der Silvretta Classic, der Ennstal Classic und der Kitzbüheler Alpenrallye. In der Oldtimerszene war der gemütvolle schwäbische Charakterkopf gern gesehen und konnte mühelos eine Tischgesellschaft mit seinen Abenteuern unterhalten - etwa wie ihm bei der Liege-Rome-Liege auf einem unbefestigten Schotterpass die Straße ausgegangen war und er mit Beifahrer Herbert Linge und dem 356 über dem Abhang pendelte: "Wir mussten warten, bis Hilfe kam - wenn einer ausgestiegen wäre, wären wir in den Abgrund gestürzt."

Paul Ernst Strähle verstarb Am 27. Oktober im Alter von 83 Jahren in Schorndorf.

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