Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Navigation und Multimedia im Auto

Entdecke die Möglichkeiten

Stefan Cerchez, René Olma, Multimedia, Ansichtssache Foto: Dino Eisele 68 Bilder

In der schönen neuen Auto-Welt halten Navigation, MP3-Musik und Apps Einzug im Auto. Stefan Cerchez und René Olma diskutieren, ob Infotainment ab Werk die richtige Wahl ist.

06.05.2013 Stefan Cerchez, René Olma Powered by

Stefan Cerchez schreckt der Kabelsalat

Früher war alles ganz einfach: Das Autoradio hatte zwei Knöpfe und einen Cassettenschacht. Der UKW-Empfänger spielte den Lieblingssender für Musik und Nachrichten, das Tapedeck die Bänder mit den eigenen Aufnahmen oder den Kopien der LPs aus dem heimischen Schallarchiv. Das Unheil begann mit dem Siegeszug des Discman: Als CD-Player im Auto noch ähnlich exotisch waren wie Mobiltelefone und AUX-Eingänge, mussten Adapter in Cassettenform mit Anschlusskabel für die Kopfhörerbuchse herhalten, um eine Verbindung zwischen Discman und Autoradio herzustellen. Später stellten FM-Transmitter auf einer freien UKW-Frequenz eine Verbindung zwischen den ersten MP3-Playern und der Bordelektronik her. Immer inklusive Kabelsalat rund um Schalthebel und Mittelkonsole – weder ästhetisch noch funktional ein Gewinn. Die ersten mobilen Navigationsgeräte – mit Saugnapf an der Windschutzscheibe befestigt – benötigten ebenfalls eine Kabelverbindung, nämlich die zur Zwölf-Volt-Steckdose.

Klar, dass der flexible Nachrüstmarkt zuerst auf die sich verändernde Welt der Unterhaltungselektronik reagierte: CD-Radios hielten Einzug im DIN-Schacht, teils mit 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss, später sogar mit USB-Buchsen. Krönung dieser Entwicklung: Navigationsgeräte im 1-DIN-Format und mit animiertem Grafikdisplay. Waren diese Geräte einst dem Stand der Technik ab Werk weit überlegen, so sind sie heute nahezu ausgestorben. Zu Recht, wie ich finde. Denn spätestens seit der Erfindung des CAN-Bus waren der Nachrüstung enge Grenzen gesetzt. Anschlussadapter kosteten auf einmal dreistellige Euro-Beträge, vorhandene Lenkrad-Fernbedienungen konnten nicht mehr genutzt werden. Doch glücklicherweise wachten die Auto-Hersteller auf und brachten ihr eigenes Angebot auf Vordermann. Heute bieten moderne Infotainment-Systeme ab Werk dieselbe Funktionsvielfalt wie gängige Geräte aus dem Zubehörmarkt. Und das ganz ohne Kabelwirrwarr und wunderbar integriert in die vertraute Bedienoberfläche des Fahrzeugs. So muss es sein.

Rene Olma schreckt die happige Preisgestaltung ab Werk

Zugegeben, ein werksseitig verbautes Infotainment-System wirkt designtechnisch perfekt ins Auto integriert, und die Bedienung klappt meist flüssig. So weit, so gut, doch spätestens beim Zusammenstellen eines Neuwagens komme ich ins Grübeln. Denn Hersteller lassen sich ihre Systeme teuer bezahlen.

Das beginnt schon beim Wunsch nach einer Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Wer auf dem Zubehör-Markt ein Radio kauft, hat dieses Merkmal bei Geräten zu Preisen ab rund 200 Euro drin. Ganz anders bei Werkslösungen: Im Fall VW Golf kostet das billigste Radio Composition Touch 410 Euro. Wer legal im Auto telefonieren möchte, zahlt noch mal 370 Euro Aufpreis. Macht zusammen 780 Euro. Damit ist man dann nur noch 90 Euro vom teuersten Radio Composition Media entfernt. Gut, die vier beziehungsweise acht Lautsprecher müsste man ebenso wie den Einbau noch extra dazurechnen, doch unterm Strich ist es dreist.

Noch krasser wird die Rechnung, wenn man sich gern zum Ziel leiten lassen möchte: Im Golf kommen zum teuersten Radio noch einmal 505 Euro für die Navigationsfunktion hinzu. Dabei erleben Besitzer eines Smartphones, wie es besser und vor allem günstiger gehen kann. Selbst sehr gute Navigations-Apps kosten weniger als 100 Euro. Und in puncto Funktionsumfang bieten die Werkslösungen im Alltag nur selten einen echten Vorteil, der die saftige Rechnung rechtfertigen könnte. Auf der Habenseite verbuchen die Autohersteller dann nur das stimmigere Design oder den vermeintlich höheren Wiederverkaufswert für sich.

Die Zeichen der Zeit erkannt hat offenbar Opel mit dem Infotainment-System im Opel Adam. Hier nutzt man die Funktionen von iPhone oder Android-Handy auf dem fahrzeugeigenen Display. Vorerst bleibt der Funktionsumfang noch beschränkt, aber mit Navi-App, Freisprecheinrichtung und Zugriff auf die MP3-Files sind die wichtigsten Funktionen inklusive. Und das Ganze kostet Smartphone-Besitzer lediglich 340 Euro Aufpreis. So fair kalkuliert gefallen mir Werkslösungen.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Empfehlungen aus dem Netzwerk