Need for Speed: Carbon

Ihr habt euch im Untergrund einen Namen gemacht, habt euch unzählige Verfolgungsjagden mit Cops geliefert und seid in Rockport auf den ersten Platz der berüchtigten Blacklist gerast.

Jetzt, knapp ein Jahr später, verschlägt es euch in Need for Speed: Carbon auf die Canyon-Strecken rund um Palmont City, wo ihr zusammen mit eurer Crew die Stadt erobern wollt. Schmeißt EA den Ideen-Motor an oder geht die Innovation im Fortsetzungswahn unter?

Most Wanted Underground 3

Eine frei befahrbare Stadt. Eine Karte mit wählbaren Rennveranstaltungen. Tuning-Optionen, mit denen ihr eure Kiste nicht nur in Sachen Leistung, sondern auch optisch aufmotzen könnt. Verfolgungs-Stopper, die Cops und Gegnern während des Rennens das Leben schwer machen. Speed-Breaker, mit denen ihr in Zeitlupe auch die schärfsten Kurven sicher nehmt und im letzten Moment gefährlichen Hindernissen auf der Strecke ausweicht. Kommt euch bekannt vor? Kein Wunder, denn das Gerüst von Carbon ist nahezu mit den beiden Vorgängern Underground 2 und Most Wanted identisch. Wo es zuvor galt, sich in einer Heidenarbeit auf der Blacklist nach oben zu arbeiten, müsst ihr jetzt die einzelnen Viertel der Stadt erobern, was vergleichsweise ein Kinderspiel ist. Wieso? Weil die Gegner in Palmont City längst nicht mehr so verbissen agieren wie in Rockport und hier die anspruchsvolleren Boss-Rennen von knallharten 15 Blacklist-Fahrern auf magere vier Territoriums-Herrscher gesunken sind, die sich zudem viel einfacher abschütteln lassen. Damit scheint Carbon deutlich mehr auf den Massenmarkt und Gelegenheitsspieler getrimmt worden zu sein. Profis werden aufgrund der mangelnden Herausforderung unterfordert.

Spielmodi-Schwund

Während ihr in Most Wanted etliche Stunden auf eurem Weg nach oben verbringen musstet, flimmert in Carbon schon nach knapp sechs Stunden das 30-sekündige Abspann-Filmchen der Karriere über den Bildschirm - das ist zu wenig! Dabei wäre mehr drin gewesen, wenn man sich bei EA nicht dazu entschlossen hätte, viele bekannte Modi der Serie einfach wegzurationalisieren. Zwar kehrt der arg gewöhnungsbedürftige Drift-Modus wieder zurück, doch müsst ihr dafür sowohl auf die Drag-Rennen als auch auf KO-Wettbewerbe verzichten, die nicht nur für mehr Rennveranstaltungen auf der Karte, sondern auch für mehr Abwechslung gesorgt hätten. So liefert ihr euch nur Positionskämpfe in Sprintrennen sowie Rundkursen oder tretet in Checkpunkt-Herausforderungen gegen die Uhr an. Die einzig wirkliche Neuerung sind die gelungenen Canyon-Duelle, in denen ihr Mann gegen Mann antretet. Dabei besteht jede Abfahrt aus zwei Teilen: In der ersten Runde seid ihr der Verfolger und versucht dem Vordermann so dicht es geht auf den Fersen zu bleiben. Schafft ihr es sogar, ihn zu überholen und zehn Sekunden lang in Führung zu bleiben, ist das Rennen vorbei und die zweite Runde, in der ihr vorfahren und den Gegner auf Abstand halten müsst, folgt erst gar nicht mehr. Das gleiche gilt, falls einer der Fahrer durch die Leitplanke rast und damit seinen Wagen schrottet.

Hatte ich in den Vorabversionen noch die Befürchtung, dass die Canyon-Rennen mit nur einem Kontrahenten schnell langweilig werden würden, musste ich beim Test feststellen, dass sie tatsächlich einen der Höhepunkte im Spielverlauf darstellen. Es ist einfach unheimlich spannend, sich ohne Nitro- oder Speedbreaker-Unterstützung, aber begleitet von dröhnenden Percussion-Klängen, durch die engen Serpentinen zu schlängeln, während euch der Verfolger die Hölle heiß macht und die vielen kleinen Lichter der Stadt im Hintergrund für ein tolles Ambiente sorgen. Leider gibt es in der Karriere viel zu wenige dieser Duelle, da sie nur bei den vier Bosskämpfen durchgeführt werden. Alternativ könnt ihr euch jedoch auch in schnellen Rennen oder dem Onlinemodus auf dem PC und der Xbox 360 in die Canyon-Rennen stürzen. Außerdem dürft ihr bei den freien Fahrten durch die Stadt Ausschau nach Gegnern halten oder die Cops zu einer Verfolgung provozieren. Nervig sind dagegen die Verteidigungsrennen, in denen euer Territorium angegriffen wird und ihr bereits absolvierte Veranstaltungen noch einmal in Angriff nehmen müsst. Neben der Karriere gibt es zusätzlich die Möglichkeit, eine Serie von Herausforderungen zu bestehen, in denen ihr nicht nur Medaillen, sondern auch neue Tuning-Teile gewinnen könnt. Dabei gilt es, mit einem festgelegten Fahrzeug die Vorgaben zu erfüllen. Neben Standard-Rennen und Zeitfahren müsst ihr dabei z.B. auch eine Mindestanzahl an Polizeiwagen rammen und der Verfolgung entkommen.

Hurra, die Cops sind da!

Allerdings gehen die Gesetzeshüterähnlich gemächlich ans Werk wie dieRennfahrer-Fraktion. Zwar starten sie die ein oder andere Rempel-Aktionund errichten nach einiger Zeit Straßensperren, doch habt ihrdie Cops meist gut im Griff und schaltet sie bequem mit denVerfolgungs-Stoppern aus, indem ihr z.B. eine Häuserfassadeeinreißt oder durch eine Tankstelle brettert. Erst wenn siemit schweren Fahrzeugen anrücken und Nagelbänderauslegen, wird es langsam ungemütlich und auchgefährlich. Bei einer Verhaftung greift ihr entweder auf zuvorgewonnene Entlassungs-Gutscheine zurück oder zahlt einBußgeld. Habt ihr euch dagegen dem Blickfeld derGesetzeshüter entzogen, dürft ihr euch wie gewohntnach den Verstecken umsehen, die auf der Karte markiert werden.


  • Für PC(auch: 360, GC, PS2, PS3, X-Box, Wii)
  • Spieltyp:Rennspiel, Multi
  • Release: 09. November20064
  • 4Players-Test: 76 ProzentGesamtergebnis

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