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Neue Chopard-Uhrwerke

Chopard Taucheruhr L.U.C. Pro One GMT Foto: Chopard 9 Bilder

Chopard-Präsident Karl-Friedrich Scheufele treibt die Entwicklung eigener Uhrwerke mit Macht voran. Bald soll sogar der Mille Miglia-Chronograph von einem L.U.C-Kaliber angetrieben werden.

30.03.2011 Martin Häußermann

Chopard ist Luxus, funkelnde Brillanten für die Dame, hochfeine L.U.C-Zeitmesser für
den Herrn. Chopard ist aber auch automobile Sportlichkeit. Das Haus sponsert schon seit mehr als zehn Jahren die Mille Miglia, dazu besitzen sowohl Karl-Friedrich Scheufele als auch sein Vater Karl veritable Oldtimer-Sammlungen. Mechanik ist für Karl-Friedrich
Scheufele, der gemeinsam mit seiner Schwester Caroline Gruosi-Scheufele das Familien- unternehmen lenkt, in jeglicher Hinsicht ein bedeutendes Thema. Dabei liegt ihm die Pflege seiner automobilen Klassiker wohl ebenso am Herzen wie die Entwicklung haus- eigener Uhrwerke.

So gründete Scheufele im Jahr 1993 Chopard Manufacture, sozusagen das Entwicklungs-zentrum horologischer Motoren. Nicht etwa am Stammsitz in Genf, sondern in einem idyllischen Tal im Schweizer Jura, im Städtchen Fleurier, wo auch die Uhren-Nobelmarke Parmigiani zu Hause ist. Das hatte für Karl-Friedrich Scheufele mehrere Vorteile: große, freie Produktionsflächen zu vernünftigen Preisen, qualifiziertes Personal in unmittelbarer Nachbarschaft, und schließlich bietet dem sportwagen-Freund die Pendeldiplomatie zwischen Genf und Fleurier dieMöglichkeit, seinen Klassikern etwas Auslauf zu gönnen.

Historisches Bewusstsein beweist Scheufele auch in der Bezeichnung seiner Uhrwerke, die nach dem Chopard- Gründer Louis-Ulysse Chopard L.U.C heißen. Das erste eigene  – und serienreife – Uhrwerk L.U.C 1/96 stellte Chopard 1996 vor. Seitdem gaben die Ingenieure, Konstrukteure und Uhrmacher in Fleurier mächtig Gas und schufen nach und nach fast alle nur erdenklichen Komplikationen der Uhrmacherei: Mondphasenanzeige, Chronograph, Tourbillons, Ewige Kalender oder Uhren mit Schlagwerk. Zum 150. Ge- burtstag von Chopard lancierte das Haus gar die Große Komplikation „L.U.C 150 All-in- one“, die Ewigen Kalender, Großdatum sowie astronomische Anzeigen in sich vereinigt. Gebaut werden 15 Uhren zum Stückpreis von knapp 250 000 Euro.

Was fehlt da noch? „Ein Traktor“, sagt Karl-Friedrich Scheufele sachlich. Und meint damit nicht eine historische landwirtschaftliche Zugmaschine für seine Sammlung. Die Rede ist von einem drehmomentstarken Automatikwerk, das einerseits zuverlässig und edel ist, andererseits aber so konstruiert, dass es kostengünstig gefertigt und auch von jedem Uhrmacher gewartet werden kann. Gesucht ist also die obere Mittelklasse, die sich zwischen den Luxus-L.U.C (Einstiegspreis ca. 6500 Euro) und dem Basisantrieb des Großserienherstellers ETA (die bisher vor allem die „Mille Miglia“-Modelle antrieben) geschmeidig einfügt.

1999 machte sich Scheufele erste Gedanken über das eigene Groß- serienwerk, doch genossen in der Entwicklung oft andere Projekte Priorität. Weil ETA immer mit Liefer-beschränkungen drohte, beschleunigte Chopard sein Entwicklungsprojekt und präsentierte neben der erwähnten „All-in-one“ zum Jubiläum auch das neue Automatikwerk L.U.C 1.010. Scheufele plant die Produktion von 15- bis 20 000 dieser Uhrwerke im Jahr. Für den Motorenbau eröffnete Chopard in Fleurier eine weitere Fertigungsstätte namens Fleurier-Ebauches, die mit modernsten Maschinen ausgestattet ist. Jetzt läuft der Motor rund und wird auf der Baselworld als L.U.C 1.010 auch in einer Uhr zu sehen sein. Dem Vernehmen nach soll sogar ein „Mille Miglia“- Modell dabei sein. Als Sponsor der his- torischen Rallye lanciert Chopard jährlich unter diesem Namen ein neues Modell. Nun dürfen sich die Starter der Mille 2011 in Brescia möglicherweise die erste „Mille Miglia“ mit Manufakturwerk ans Handgelenk binden.

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