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Neue Mittelklasse bis 2020

Neuheiten von Audi bis Tesla

BMW Vierer Gran Coupé Foto: Christian Schulte 35 Bilder

Dass dieses Segment weder für Langeweile noch Mittelmäßigkeit synonym steht, wissen die Kunden spätestens seit dem Audi A5 Sportback und dem BMW 4er Gran Coupé – und greifen gerne zu. Also bringen sich die Nachfolger in Stellung, aber auch weitere interessante Modelle.

14.05.2016 Jens Dralle 4 Kommentare

Nur selten drängt es sich an dieser Stelle auf, den großen Udo Jürgens zu zitieren. Doch Mittelklasse, ja, bei diesem Gattungsbegriff wabert der Geruch "von Bohnerwachs und Spießigkeit" durch die Luft, so wie im "neonhellen Treppenhaus" im Song "Ich war noch niemals in New York" des viel zu früh verstorbenen Künstlers. Aber eigentlich ist die Spießigkeit fast vollständig aus der Mittelklasse verduftet, spätestens seit sich Audi und BMW dazu entschlossen, Karosserien über ihre Erfolgsmodelle zu werfen, die einem Coupé nicht unähnlich sind, mit vier Türen und großer Heckklappe, jedoch deutlich mehr Nutzwert bieten.

Audi A5 Sportback geht in die zweite Runde

Audi traute sich als erster Hersteller in diese Lücke, schickte Ende 2009 den A5 Sportback ins Rennen, dessen Ablösung nun unmittelbar bevorsteht. Voraussichtlich im Oktober auf dem Autosalon in Paris wird das Tuch von der zweiten Generation gezogen. Ohnmachtsanfälle im Publikum sind dabei allerdings nicht zu befürchten, denn das Design des Neuen spinnt den Faden seines Vorgängers weiter. Langweilig? Kann man so empfinden. Man kann allerdings ebenso gut die von Walter de Silva kreierte Linie des A5 Coupés und seiner Derivate als zeitlos schön klassifizieren und sich freuen, dass der aktuelle Designchef Marc Lichte das anerkennt.

In jedem Fall ergibt sich die optische Differenzierung zum A4 aus den neuen Proportionen als Resultat aus der rund drei Zentimeter breiteren und drei Zentimeter flacheren Karosserie, Länge und Radstand weichen dagegen nur um wenige Millimeter ab. Übrigens: Das zweitürige Coupé feiert seine Weltpremiere bereits im Sommer. Überraschungen bei der Technik bleiben ebenso aus, denn der A5 baut erneut auf dem A4 auf – und der wurde ja erst letztes Jahr runderneuert. Das bedeutet also, dass sich auch die A5-Familie mit einem von zwei Optionsfahrwerken inklusive adaptiver Dämpfer aufrüsten lässt, ebenso mit LED-Matrix-Scheinwerfern und der Überlagerungslenkung mit variabler Übersetzung. Und die Motoren? Zunächst startet der A5 mit dem 190 PS starken Zweiliter-TDI und dem V6-Diesel (272 PS), die Benziner-Freunde werden mit dem Zweiliter-TFSI (252 PS) bedient. Klar, der S5 mit 354 PS starkem Turbo-V6 ist ebenfalls gesetzt, für den US-Markt könnte eine zivilere Variante mit rund 300 PS und ohne S-Folklore das Angebot ergänzen.

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Neuheiten Die neue Mittelklasse
auto motor und sport 09/2016
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Audi A5 Sportback Foto: Christian Schulte
Audi A5 Sportback (2016): Je rund drei Zentimeter flacher und breiter bei nahezu identischer Länge und Breite - so unterscheidet er sich vom neuen A4.

Mit angemessenem Zeitverzug von rund einem Jahr schiebt dann die Quattro GmbH die RS-Variante nach, deren grundlegend modifizierter Dreiliter-V6-Motor rund 460 PS leisten wird. Abgesehen von einem ebenso aufwendig überarbeiteten Fahrwerk profitiert aber auch der RS 5 wie seine schwächeren Geschwister vom bis zu 60 Kilogramm geringeren Fahrzeuggewicht. Der A4 hat allerdings gezeigt, dass je nach Motor- und Ausstattungsvariante dieser Vorteil bis zur Unkenntlichkeit zusammenschmelzen kann.

BMW 3er und 4er leichter und noch agiler

Weniger Gewicht? Das steht natürlich auch im Lastenheft des nächsten BMW 3er an einer der oberen Positionen. Rund 80 Kilogramm sollen raus, aber auch hier bleibt abzuwarten, wie viel davon tatsächlich übrig bleiben. Bedeutend größer als die aktuelle F30-Generation wird er nicht werden, fällt mit 4,65 Metern Länge sieben Zentimeter kürzer aus als der A4. Seinen aktuellen Gewichtsvorteil gegenüber dem Audi rettet der BMW über den Modellwechsel hinweg. Purzeln darüber hinaus noch ein paar Pfunde, könnte sich zusammen mit der steiferen Karosserie eine deutlich höhere Agilität ergeben, die etwas konservativere Feder- und Dämpferraten erlaubt – was wiederum dem Federungskomfort zugutekommt.

Aber eigentlich wollten wir doch über den 4er reden, oder? Stimmt, doch der 3er-Exkurs ist insofern wichtig, als dessen höhere Agilität konstruktive Änderungen beim 4er-Fahrwerk (das aktuelle Modell verfügt über eine leicht modifizierte Vorderachse) überflüssig macht. Bis zum Modellwechsel vergehen allerdings einige Jahre, schließlich steht ja noch das Facelift des jetzigen 4er aus. Die entscheidende Nachricht für die Fans der Marke: Das Reihensechszylinder-Aggregat lebt weiter, wenngleich weiterhin als Topmotorisierung für sowohl die Benziner- als auch Dieselkunden. Innen müssen sich Stammkunden ebenfalls nicht an neuartige, von großen Displays geprägte Einrichtungen gewöhnen, es bleibt beim klassischen Layout mit analogen Instrumenten und einem fest stehenden Bordmonitor. Der Bildschirm legt etwas an Größe zu und wölbt sich zum Fahrer hin. TV-Junkies kennen das von ihrem Curved-LED-Gerät im Wohnzimmer. Apropos LED: Um das Design des 4er, aber auch das des 3er noch etwas mehr in Richtung Aggressivität zu verschieben, müssen die Scheinwerfer flacher ausfallen.

Hierbei helfen dünne und flexible organische LEDs (OLED), die jetzt erstmals beim M4 GTS zum Einsatz kommen – allerdings nur in Form von Heckleuchten. Weiterer Vorteil: Die höhere Energieeffizienz dieser Technologie. Was es sonst noch Wichtiges zum 4er Gran Coupé zu vermelden gibt? Es bleibt beim Heckantrieb. Punkt. Um die Position dieser Baureihe zu stärken, wollen die Bayern aber das für 2019 geplante 2er Gran Coupé doch lieber auf der Frontantriebsplattform UKL aufbauen.

Mercedes C-Klasse Facelift kommt 2017

Die Mercedes-Verantwortlichen plagen solche Feinheiten indes nicht, eher schon, dass sie auf absehbare Zeit dem A5 Sportback und dem Vierer Gran Coupé nichts entgegenzusetzen haben. Von Umstrukturierung der Nomenklatur haben sie ebenfalls genug, weshalb alle Derivate der C-Klasse auch ein C im Namen tragen. Nach dem zweitürigen Coupé kommt nun das Cabrio, im nächsten Jahr steht dann die Überarbeitung von Limousine und T-Modell an.

Die Maßnahmen betreffen vor allem das Interieur, das optisch näher an das der E-Klasse heranrückt. Wenn der Kunde es will, kann er also zwei große Displays für sein Cockpit bestellen und deren Design per Knopfdruck variieren. Keine Spielerei dagegen: Die Dieselmotoren-Generation OM 654 zieht in die Mittelklasse ein, inklusive Neungang-Automatikgetriebe, versteht sich.

Volvo positioniert S/V60 neu

Volvo bleibt weiterhin bei den Achtgang-Wandlerautomaten von Aisin, schließlich haben die Schweden ihre Motoren und Getriebe erst in den vergangenen zwei Jahren komplett modernisiert. Nun sind die Fahrzeuge selbst dran. 2017 debütiert der Nachfolger des Erfolgs-SUV XC60, ein Jahr später die Limousine S60 und der Kombi V60 – die beide mehr sie selbst sein dürfen. Wie bitte? Ganz einfach: Der S60 versteckt sein Stufenheck nicht mehr, und der V60 verbiegt seine Heckklappe nicht mehr bis zur Unkenntlichkeit.

In beiden Fällen bedeutet das ein höheres Kofferraumvolumen zusammen mit besserer Nutzbarkeit, was die beiden Schweden wieder stärker in den Fokus von Familien rückt – eine Zielgruppe, die Volvo in der Mittelklasse etwas aus den Augen verlor. Ob das nach Bohnerwachs und Spießigkeit riecht? Nein, denn die beeindruckend bullige Frontpartie und die leicht ausgestellten hinteren Kotflügel ergeben sehr wohl eine attraktive Optik. Mit 1,85 Metern Breite fällt bereits die aktuelle Generation so breit aus wie die Coupé-Varianten von Audi und BMW, weshalb die Volvo hier nicht zulegen werden. Die Länge wächst jedoch von 4,64 (S60) auf 4,68 Meter. Dadurch, dass kein sperriger Reihensechszylinder mehr unter die Haube passen muss, lässt sich die Grundfläche ohnehin besser nutzen.

Volvo V60Foto: Christian Schulte
Volvo V60 (2018): Da das Heck etwas aufrechter steht als beim aktuellen Modell, erhöht sich der Nutzwert des Kombis.

In beiden Fällen bedeutet das ein höheres Kofferraumvolumen zusammen mit besserer Nutzbarkeit, was die beiden Schweden wieder stärker in den Fokus von Familien rückt – eine Zielgruppe, die Volvo in der Mittelklasse etwas aus den Augen verlor. Ob das nach Bohnerwachs und Spießigkeit riecht? Nein, denn die beeindruckend bullige Frontpartie und die leicht ausgestellten hinteren Kotflügel ergeben sehr wohl eine attraktive Optik. Mit 1,85 Metern Breite fällt bereits die aktuelle Generation so breit aus wie die Coupé-Varianten von Audi und BMW, weshalb die Volvo hier nicht zulegen werden. Die Länge wächst jedoch von 4,64 (S60) auf 4,68 Meter. Dadurch, dass kein sperriger Reihensechszylinder mehr unter die Haube passen muss, lässt sich die Grundfläche ohnehin besser nutzen.

Plug-in-Hybrid oder elektrisch?

Übrigens: Der Diesel-Plug-in-Hybrid bekommt keinen Nachfolger, da international von vernachlässigbarer Bedeutung. Ihn ersetzt ein entsprechender Benziner. Mit Verbrennungsmotoren hält sich Tesla bekanntermaßen gar nicht erst auf, das gilt natürlich auch für das eben erst präsentierte Model 3. Für einen Grundpreis von 35.000 US-Dollar will Firmenchef Elon Musk das Tesla-Gefühl der breiten Masse zugänglich machen, die sich aber mit dem überschaubaren Service-Netz (aktuell sieben Stützpunkte in Deutschland) arrangieren muss.

Bei den Schnellladestationen (derzeit rund die zehnfache Anzahl) sieht es dagegen besser aus. Mit einer Reichweite von 345 Kilometern und Platz für fünf Personen genügt das Model 3 jedenfalls den Ansprüchen der meisten Kunden. Zwei weitere Besonderheiten neben dem Antrieb: die in einem großflächigen berührungsempfindlichen Monitor gebündelte Bedienung. Ach, das kennen Sie schon vom Model S? Stimmt. Neu hingegen: Der Monitor zeigt zugleich Geschwindigkeit, Kraftreserve und Co. an – ausschließlich. Konventionelle Armaturen? Die sind ja so 2000er.

Opel Insignia beerbt den "großen Opel"

Im Opel Insignia existieren sie dagegen weiterhin, auch wenn der Hersteller betont, dass große Displays zum Inneneinrichtungsstil des Hauses gehören. Im kommenden Jahr startet also Insignia Nummer zwei, dessen Außenlänge gerade so diesseits der Fünf-Meter-Grenze liegen wird. Wer fragt da noch nach einem Nachfolger von Diplomat und Senator selig? Eben. Mehr noch als bei Audi und BMW liegt den Opel-Entwicklern daran, beim neuen Flaggschiff das Gewicht zu senken. Die nahezu vollständig neue Architektur und die großzügige Verwendung hochfester Stähle helfen, rund 120 Kilogramm abzuspecken.

Opel InsigniaFoto: Christian Schulte
Opel Insignia (2017): Knapp fünf Meter lang, da erübrigt sich die Frage nach einem Oberklassemodell.

Ebenso reduziert sich die Anzahl der Karosserievarianten, da GM-konzernweit nur noch eine Radstandslänge vorgesehen ist und – im Fall des Insignia – eine Karosserievariante eingespart wird. Welche? Der Sports Tourer genannte Kombi sicher nicht, ebenso wenig dessen rustikalerer Country-Tourer-Ableger. Vielmehr verschmelzen Stufenheck und Fließheck zu einem Zwitter, der sowohl die Kunden in Süd- und Osteuropa (mögen klassische Limousinen) als auch in Großbritannien (favorisieren das Fließheck) zufriedenstellen muss. Freunde der forschen Gangart dürfen dagegen zum OPC-Modell greifen – hoffentlich. Derzeit fremdelt die Marke nämlich mit dem eigentlich gut eingeführten Label. Das Engagement im Tourenwagensport erlaubt hingegen den Rückschluss auf künftige Straßenfahrzeuge. Der Antrieb des Insignia OPC steht noch nicht fest, aber bis hin zum 470 PS starken V6 aus dem Cadillac ATS-V liegt ja das eine oder andere relevante Triebwerk im Konzernregal herum.

VW CC mit eigenständigem Antriebsstrang

In einem anderen Konzernregal hingegen droht ein leistungsstarkes Diesel-Aggregat zu verstauben: der 2.0 TDI mit Elektrobooster und 272 PS von VW. Gleiches gilt übrigens für das Zehngang-Doppelkupplungsgetriebe. Beides war noch unter der technikverliebten Führung um Martin Winterkorn entwickelt und 2014 erstmals gezeigt worden. Jetzt steht die Frage im Raum, ob die Effizienzvorteile in akzeptabler Relation zu den Kosten stehen. Dabei sollte dieser Antriebsstrang dem neuen CC ein Alleinstellungsmerkmal verleihen. So allerdings kommt dem für 2017 vorgesehenen Viertürer wohl erneut nur die Rolle eines Passat im extravaganten Gewand zu – ein Rezept, das bei Audi bekanntermaßen funktioniert. Aber bei einem Volumenhersteller wie VW?

Und wem das bislang alles viel zu gewöhnlich, spießig oder schlicht zu hochpreisig ausfällt, für den finden sich interessante Alternativen von Alfa über Lexus bis hin zu Kia. Ob nun premium oder nicht, allen vorgestellten Modellen ist eines gemein: Für Udo Jürgens wären sie mindestens eine Nummer zu klein, er bevorzugte Vertreter der Ober- und Luxusklasse.

Die Mittelklasse wächst über sich hinaus – im wahren Wortsinn

Ein bisschen Coupé wären sie ja alle gerne, wollen alle am Erfolg des Audi A5 Sportback und des BMW 4er Gran Coupés teilhaben – oder wenigstens deren ordentliche Margen einfahren. Also positionieren alle Hersteller ihre Mittelklassemodelle betont sportlich; einige kleiden sie mit einer Karosserie ein, die sich stark an der Linienführung eines Coupés orientiert, andere bedienen sich bestimmter Stilmittel wie ausgestellter Radhäuser und aggressiv dreinblickender Frontpartien.

Die Käufer dürfen sich jedenfalls über die große Auswahl freuen. Mal sehen, wie experimentierfreudig sie wirklich sind. Vielleicht hat der Spaß bereits dann ein Ende, wenn so ein Mittelklassemodell mit mehr als 4,80 Metern Länge und 1,85 Metern Breite eingeparkt werden muss.

Neuester Kommentar

Udo Jürgens und BMW ... igittigitt! Da hatte wohl besser Anne-Sophie Mutter gepasst!!

Till Wollheim 20. Mai 2016, 19:00 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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