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Neue Renault Alpine A110 (2017)

So kommt der Alu-Sportwagen mit Mittelmotor

Renault Alpine Foto: Renault 32 Bilder

Renault legt die Alpine neu auf, mit der alten Typbezeichnung A110. Das Serienauto mit Alukarosse debütiert auf dem Genfer Salon 2017. Wir saßen schon drin.

07.03.2017 Holger Wittich, Maximilian Immer 20 Kommentare Powered by

Das Comeback der Alpine verläuft schleppend. Seit 2012 hält Renault die Fans der legendären französischen Sportwagenmarke Alpine hin. Mit drei Concept-Cars und einem Sportwagen für das Playstation-Spiel Gran Turismo 6. Das Serienauto, viel näher am Original als die Studie von 2012, debütiert jetzt, fast fünf Jahre später in Genf. Wir durften uns die limitierte Erst-Ausgabe schon einmal genauer anschauen.

Die ersten 1.955 Alpine als Sonderedition

Wie eine grazil anmutende Gottesanbeterin steht sie im Fotostudio, am Rande von Paris, die neue Alpine. Die zuletzt vorgestellte Studie sollte zu 80 Prozent dem Straßenauto entsprechen. Es sind wohl doch eher 95 Prozent. Von außen fallen nur Parksensoren und die Renault-typischen Türgriffe und Außenspiegel auf. Das restliche Aussehen gleicht der Alpine-Studie bis aufs letzte Haar.

Autosalon Genf 2017 Renault Alpine
Sitzprobe im neuen französischen Sportler 1:15 Min.

Das gilt auch für den Innenraum des neu aufgelegten Renault-Klassikers. Ein Großteil der bereits gezeigten Designelemente wird übernommen, es gibt nur leichte Umstrukturierungen. Die Monocoque-Sportsitze ohne verstellbare Rückenlehnen und mit Dreipunkt-Sicherheitsgurten (leider keine Hosenträgergurte) heißen Fahrer und Beifahrer willkommen. Die Sitze lassen sich nur in ihrer Gesamtposition nach vorne oder hinten bewegen, was sicherlich nicht für jeden angenehm sein mag. Für einen Zwei-Meter-Mensch ist dabei gerade noch Platz. Mit dem Rücken kratzt man dann schon fast am Motor, der direkt hinter einem platziert ist. Dabei ist es in den Sportsitzen zwar eng, sie vermitteln aber ein Gefühl der Sicherheit. Das asymmetrische Armaturenbrett beinhaltet jetzt keine analoge Stoppuhr mehr, der individuell anpassbare TFT-Monitor bleibt dafür erhalten, ebenso wie die anpassbare Armaturenanzeige.

Der rote Sport-Knopf am Dreispeichen-Lenkrad verrät, dass es nicht nur einen Fahrmodus geben wird. Wir erfahren, dass es drei Modi sein werden: Normal, Sport und Race. Abgerundet wird das Rennfahrergefühl am handlichen Lenkrad, das auch der restliche Innenraum ausstrahlt, durch griffiges Material und Schaltwippen. Beide Passagiere trennt eine teils schwebende Mittelkonsole, die mit den im Innenraum vorherrschenden Materialien Alu, Leder, Carbon und Mikrofaser ausgeführt ist. Sie beherbergt den Start-Stop-Knopf, der ohne Sicherungsblende auskommen muss, und weitere aus der Studie bekannte heraus stehende Tastenfelder. Darunter drei Knöpfe für das Getriebe, die den Schalthebel ersetzen. Irritierend ist dabei nur, dass lediglich diese drei Stufen möglich sind: N, D und R – P fehlt, vermutlich stellt der Wagen im Stillstand automatisch den Park-Modus ein. Aber mal ganz ehrlich, wer will schon in einem Sportwagen parken?

Nicht nur bei der Übernahme von Designelementen bleibt sich Alpine treu. Auch der Name des neuen Modells ist nun bekannt: Alpine A110 soll die Neuauflage heißen. Alpine möchte sich mit der A110 von dem Mutterkonzern Renault lösen und als eigenständige Marke auftreten. Ob es in Zukunft weitere Modelle geben wird, möchte man noch nicht sagen. Aber mal ganz ehrlich: Wer baut eine Marke mit nur einem Auto auf?

Dafür werden uns die Maße der neuen Alpine verraten: 4,17 Metern Länge, 1,80 Breite, 1,26 Meter Höhe und ein Radstand von 2,42 Metern. Die prozentuale Gewichtsverteilung liegt bei 56 Prozent im Heck und 44 Prozent im Bug der Alpine.

Verkaufsstart im Herbst 2017

Marktstart für die Alpine soll im Oktober/November 2017 liegen. Dann können die ersten Kunden ihre vorbestellten Exemplare abholen. Eine Stimme aus dem Renault-Konzern: „Man lässt sich lieber Zeit, um alles richtig zu machen.“ Für Kunden außerhalb der EU soll der Verkauf erst im Jahr 2018 starten. Verkäufer, die das Privileg erhalten Alpine-Modelle verkaufen zu dürfen, müssen in eine eigene Verkaufsplattform in den eigenen Räumen investieren, so Sebastian Erphelin, Programm und Product Planing Director von Alpine.

Die ersten 1.955 Stück, die Renault als Sonderedition verkauft, waren innerhalb weniger Wochen alle reserviert. Es werden die ersten Sportwagen sein, die nach dem Aus vor über 20 Jahren wieder vom Band im Werk Dieppe rollen. Dort stellte Alpine zwischen 1955 und 1995 genau 26.666 Straßenmodelle her. Die limitierte Auflage – im französischen „Premiere Edition“ genannt – bekommt je ein individuelles Metallschild mit der Auslieferungsnummer und kostet zwischen 55.000 und 60.000 Euro.

Zum Vergleich: Für einen Alfa 4C müssen Interessenten mindestens 63.500 Euro hinblättern. Die Sonderedition, der Renault eine Plakette an die Mittelkonsole heftet, lackiert man im klassischen Blau, Weiß oder Schwarz: „Bleu Alpine“, „Noir Profond“, „Blanc Solaire“. Wer eines der Sondermodelle ergattern wollte, musste zum Smartphone greifen, eine App herunterladen, den Bestellprozess durchführen und 2.000 Euro anzahlen. Ohne exakt zu wissen, was man schlussendlich kauft. Gegner für die neue Alpine sieht Erphelin definitiv: „Wir wollen Porsche- und Audi TT-Fahrer abgreifen.“ Uns fielen da sogar noch mehr ein: Der Peugeot RCZ – eher, weil er auch französischer Herkunft ist, nicht wegen seines Frontantriebs. Aber neben dem Alfa 4C bietet sich selbst die leichtgewichtige Lotus Elise an, die ebenfalls einen Mittelmotor hat.

Karosserie zu 96 Prozent aus Aluminium

Die neue Alpine baut nämlich auf einer besonders leichten Karosserie auf. Sie soll zu 96 Prozent aus Aluminium bestehen und das Gewicht des Basismodells auf 1.080 Kilogramm bringen. Die Original-Alpine A110 hatte sogar eine GFK-Karosse und wog deutlich weniger als 800 Kilogramm.

Die Informationslage zum neuen Modell bleibt weiter spärlich. Es heißt bislang nur, dass der Sportwagen in unter 4,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen soll. Genaue Zahlen gibt es keine. Ein Vierzylinder-Turbo sitzt vor der Hinterachse und treibt die Hinterräder an. Der Motor soll 1,8 Liter Hubraum haben und 250 PS leisten. Das Motorgeräusch werden die Insassen direkt und ohne Lautsprecher zu spüren bekommen. Alpine verzichtet bewusst auf Fake-Sound.

Renault Alpine Vision
Das Sportwagen-Comeback 1:30 Min.

Die drei spekulierten Ausbaustufen des Mittelmotorsportwagens mit 250, 275 und 300 PS wird es vorerst nicht geben. Der Verdacht, dass verschiedene Motoren aus bekannten Sportsegment von Renault übernommen werden können, liegt nahe, wird aber von Seiten der Alpine-Sprecher zurückgewiesen. Grundsätzlich wolle man aber auf das Know-how und die Werkzeuge im Renault-Konzern zurückgreifen. So auch beim eingebauten DSG-Getriebe, das schon aus Renault Talisman und Espace bekannt ist.

Kunden ohne Vorbestellung müssen weiter warten

Mit der neuen Alpine versprechen sich die Franzosen einen Teil vom Kuchen im Segment der „Premium-Sportwagen“, den sie auf insgesamt weltweit 200.000 Fahrzeugen taxieren und der bis 2020 um 50 % wachsen soll. Schließlich stehen Sportwagen „für intensiven Fahrspaß und tragen viel zum Image und zur Wirtschaftlichkeit der Automobilhersteller bei“.

Wann die Alpine A110 als reguläres Serienfahrzeug zu kaufen sein wird, steht noch nicht fest. Bisher dürfen sich also nur die glücklichen Vorbesteller auf den Herbst 2017 freuen. Aber vielleicht ist das ja Teil einer Premiumstrategie: Begehrlichkeiten wecken durch Verknappung.

05/2012, Renault Alpine A110-50 ConceptFoto: Renault
Die erste Studie 2012: Der Renault Alpine A110-50 Concept. Damals mit einem 3,5-Liter-V6 mit 400 PS ausgerüstet.

Erste Studie mit 400 PS

Bereits 2012 haben die Franzosen bekannt gegeben, die Marke Alpine wiederzubeleben. 2015 feierte die Marke ihr 60. Jubiläum und machten sich mit dem Alpine Celebration Show Car selbst im Rahmen des 24h-Rennens auf der Rennstrecke in Le Mans ein Geschenk. Die Marke hat gute Erinnerungen an den Klassiker an der Sarthe. 1978 überquerte die Renault-Alpine A442 als Erstes den Zielstrich.

Und was bekamen die Zuschauer rund eineinhalb Stunden vor dem Startschuss der 83. Auflage des 24h-Rennens von Le Mans zu sehen? Einen kompakten Mittelmotorsportler in Blau mit orangenen (Rallye)-Akzenten an Front, Seite und im Heck. That’s it 2.0.

Gehen wir noch weiter zurück und besuchen das Jahr 2012. Mit der Alpine A110-50 hatten die Franzosen ihr Alpine-Vorhaben in eine erste Studie gegossen. Auch sie orientierte sich am damaligen Alpine-Erfolgsmodell A110, wog nur 880 Kilo und wurde von einem 400 PS starken 3,5-Liter-V6-Mittelmotor angetrieben. Die Alpine A110-50 blieb, was sie war, eine Design-Fingerübung.

Caterham C120 - Sportwagen - Concept Foto: Caterham Cars
Die Caterham-Version wird nicht auf den Markt kommen.

Caterham und Renault/Alpine gehen getrennte Wege

Ursprünglich wollten Caterham und Renault in einem Joint-Venture gemeinsam zwei Sportwagen entwickeln und in Serie produzieren. 2014 wurde das Joint Venture aufgelöst und beide Autobauer gingen getrennte Wege. Gründe für die Trennung wurden nicht genannt. Caterham hatte 2013 mit der spektakulären Studie Aeroseven seinen neuen Sportwagen angekündigt. Eine Caterham-Version der Alpine wird es aber nie geben (Artikel).

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Ach, miezekater123, wer keine A110 hatte, sollte einfach besser schweigen. Der versteht nämlich nicht das Geringste davon, was eine Alpine ist und ausmacht. Meine A110 Gruppe 2 mit dreiteiligen Gottis war ein Traum in Alpineblau und weiß. Alleine die Lufthutzen, aber Geschichte. Haben Sie eine neue A110 bestellt? Oder können Sie sich die nicht leisten? Ich für meinen Teil lasse mich jedenfalls nicht von Renault verarschen, so sehr mein Herz für Alpine auch schlug. Nämlich bis zu dem Zeitpunkt, als die Bestellung per App lief. Ich hatte meine Alpine schon im Februar 2016 beim Händler reserviert. Aber das war Renault offensichtlich egal. Als ich die App bekam, waren schon fast alle vergeben. Alte Kunden mit langer Markentreue (8 Fahrzeuge, davon vier Alpine) sind egal, es sollen Porschekunden wechseln. Träumt schön weiter! Schon die Premiere in Deutschland ließ ahnen, wohin die Reise gehen soll: auf Schloss Holte-Stukenbrook, wo sich die Sternfahrt-Schleicher mit ihren Oldtimern treffen. Keine Sau dort hat sich für die Alpine interessiert, die war nicht mal auf deren Website. Auch die Fachpresse hatte es geflissentlich übersehen. Wenn Renault nach dieser Zielgruppe schielt, sollen sie. Die haben offenbar vergessen, was Alpine ist (war). Oder nie gewusst. Schon mit der 310 und der scheußlichen 610 hatte Renault die Marke Alpine gemeuchelt. Die aktuelle Wiederbelebung wird voraussichtlich schnell auf der Intensivstation enden. Und nicht einmal dann, wenn, wie ein Fachjournalist bereits schrieb, die Vorführer der Serienversion mangels Nachfrage verschachert werden, kommt mir noch eine Alpine auf den Hof. So ist das oft bei einer Scheidung, aus Liebe wird Gleichgültigkeit.

Alpine-ist 9. März 2017, 18:17 Uhr